Lawine!

Die letzte Woche haben wir einige Kilometer mit dem Auto zurückgelegt um an einem “Meeting im Schnee” in Südtirol teilzunehmen. Eine ortsansässige Staffel läd hier jedes Jahr zum Lehrgang ein, um die Arbeit von Lawinenhunden in Theorie und Praxis zu vermitteln. Ich nahm zum fünften Mal dort teil, allerdings zum erstem Mal mit Gemma, die bis dahin noch nie Schnee gesehen hatte.

Eingeladen sind alle interessierten Hundeführer mit Hunden, die mindestens 8 Monate alt sein sollen. Vor Ort vermischten sich Flächen- und Trümmerhunde mit Lawinenhunden und “Azubis” und übten gemeinsam in kleinen Gruppen mit einem erfahrenen Ausbilder. Aus unserer Staffel waren drei Hundeführer und ein Helfer angetreten.

Gemmas erster Kontakt mit Schnee verlief sehr emotionslos. Sie stieg aus dem Auto und lief los, als wäre es das Normalste der Welt…Nur der Tiefschnee am Rande der Wege verwunderte sie ein wenig und sie fand Spaß daran, ihn wie ein Hase zu durchspringen.

Der Lehrgang umfasste fünf Tage. Ziel war es, die Hunde an die Arbeit im Schnee zu gewöhnen und mit den Aufgaben von Lawinenhunden vertraut zu machen. Die Hundeführer wurden in der Theorie geschult und lernen auch, mit den “technischen” Hilfmitteln (Lawinenpieps und Sonde) umzugehen.

Am ersten Tag mussten erst einmal Verstecke gebaut werden, eine Knochenarbeit….die “Schneekatze” hatte schon an den vorhergehenden Tagen “Iglus” aufgeschoben, in die wir nun mit Hilfe von Lawinenschaufeln, Händen und Füssen Verstecke gruben. Diese sollten einen möglichst kleinen Eingang haben, damit man sie später wieder gut verschließen kann, durften im hinteren Teil jedoch möglichst geräumig sein, damit wir auch in dem Loch noch mit den Hunden spielen oder uns sogar mal zu zweit verstecken können. Eine Wissenschaft, an deren Umsetzung einige noch üben müssen wie sich später herausstellte!

Dann ging es weiter mit den ersten Gewöhnungsübungen. Hierbei wurde dem Hund die Belohnung gezeigt und das Opfer verschwand laut gröhlend in einem Loch, welches vorerst offen gelassen wurde. Der Hund sollte hinterhergeschickt werden und im Loch anzeigen, dann bekam er die Belohnung.

Die Anzeige wurde durch alle unsere Hunde durch Verbellen im Loch belohnt, während eigentliche Lawinenhunden nicht bellen sollen. Durch das Bellen eines Hundes besteht im Ernstfall die Gefahr von Nachlawinen, diese Hunde zeigen somit durch Scharren im Schnee an. Da unsere Hunde jedoch eigentlich in Fläche und Trümmern trainiert sind, durften  und sollten sie weiterbellen, wünschenswert war es, wenn sie dazu in dieser Woche auch das Aufscharren der Verstecke lernten.

Nach den ersten Übungen zeigte sich, welcher Hund mit der Arbeit auf dem ungewohnten Untergrund und dem Eindringen in ein dunkles Versteck noch Schwierigkeiten hatte und für welchen Hund ein kleines Hindernis eingebaut werden konnte. Gemmas Verstecke wurden zusehends verschlossen, denn sie zeigte ein gutes und “furchtloses” Eindringverhalten und hatte ausreichend Trieb zum Opfer, so dass sie von selbst damit anfing, den Eingang freizugraben.

Diese Übungen wurden in den kommenden Tagen wiederholt, für Gemma mit immer verschlosseneren Eingängen, erstmal aber noch durch die Opfer angereizt. Am vierten Tag sollte Gemma dann mal nicht sehen, wo das Opfer versteckt ist und ich ging mit ihr ein Stück abseits des “Lawinenkegels”, während die Personen versteckt wurden. Die Ausbilderin platzierte die Opfer so, dass Gemma durch das Laufen einer geraden Linie vom Ansatzpunkt aus, von beiden Personen Witterung bekommen konnte.

Gemma ist aber noch kein Freund von geraden Linien… :-) Sie sprintete los und überlief das erste Opfer, zeigte dafür das Zweite tadellos und schnell an. Nach der “Bergung” setzte ich sie dann in der anderen Richtung wieder an. Die erste Aufregung war scheinbar verschwunden, so dass Gemma sich zwar immer noch gut vom mir löste, sie sich aber ein wenig an meiner Laufrichtung orientierte und wir somit zum zweiten Opfer gelangten. Auch dieses zeigte sie sicher und motiviert an!

Bis zum Kursende haben wir das Anzeigen von Lawinenopfern gelernt. Gemma gräbt sich durch die Schneedecken und zeigt dann durch Verbellen an. Auch hat sie ihre Nase gut eingesetzt um die Vermissten zu finden. Woran wir noch arbeiten müssen ist die Suchtaktik. Gemma rennt nach dem Ansatz noch sehr “planlos” über das Suchgebiet und reagiert dann auf mögliche Witterung. So verlieren wir, auch in der Fläche später, zu viel Zeit und Energie. Ich muss nun also mit ihr lernen, sie zu lenken ohne sie zu sehr zu kontrollieren und ihr die Selbständigkeit zu nehmen.

Ein einfacher Weg ist es, sie durch meine Laufrichtung- und Geschwindigkeit zu beeinflussen. Bei der Suche auf dem Lawinenkegel wurde deutlich, je schneller ich vorwärts laufe, desto mehr motiviere ich Gemma dazu, sich nach vorne zu bewegen. Laufe ich langsamer oder bleibe stehen, so breitet sie ihr Suchgebiet nach rechts und links aus.

Unabhängig von der Suche soll ich, laut Ausbilderin, das Schicken üben, so dass ich Gemma besser steuern kann, wenn sie Teile des Suchgebietes beim selbständigen Absuchen auslässt.

Ich habe mich im Umgan mit Lawinenpieps und Sonde geübt, kann alle Formen von Schnee und Lawinen aufzählen sowie benötigtes Material für die Suche nach Lawinenopfern. Ich kenne die Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Hubschraubern, bin wiederholt von einer Tierärztin in der Wiederbelebung von Hunden und das einwickeln von Gliedmassen geschult worden und weiss, wie sich die Notfallseelsorge von Südtirol organisiert hat.

Auch einen Hubschrauber durften wir in einem gestellten Einsatz dabei beobachten, wie er vermisste Personen mit Ortungsgerät auffinden kann und ein Hundeführer der ortsansässigen Staffel wurde sogar mit Hund hängend unter dem Hubschrauber transportiert.

Insgesamt war es eine spannende und lehrreiche Woche und ich bin sehr stolz auf Gemma. Sie ist mit der neuen und ungewohnten Umgebung, den vielen Hunden und den fremden Opfern gut zurecht gekommen und hat auch konditionell gut durchgehalten, während einige andere (auch ich….) schon ziemlich mit Muskelkater zu tun hatten!        Die lange Fahrt hat sie anstandslos über sich ergehen lassen und hat ruhig im Auto gelegen.

Ich freue mich schon auf das nächste Jahr!

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