Das Haus der Erziehung III

9. February 2006 von Anita Balser

Die sechs Bausteine der Mensch-Hund-Harmonie

3. Baustein: Die Methode

Der dritte Baustein hat den bezeichnenden und schwerwiegenden Titel „Methode“. Gibt es sie, „die“ Methode? Gibt es den Knopf auf den ich drücken kann, damit mein Hund „funktioniert“? Die Antwort lautet: JA! Es gibt sogar eine ganze Menge Methoden, nach dessen konsequenter Anwendung ein Hund „funktioniert“. Aber eine Methode die Mensch-Hund-Harmonie entstehen lässt, die gibt es definitiv nicht. Nirgendwo auf der Welt, auch nicht beim „World´s Greatest Dog Trainer“.

Die Hundewelt ist momentan sehr „Positive Bestärkungs-lastig“. Soll heißen, dass nahe zu jedes „Problem“ über die ein oder andere Lernvariante zu lösen versucht wird. Der Hund bellt, er wird ignoriert, weil die Lerntheorie besagt nach dem sogenannten „Extension Burst“ also dem vorübergehenden Verschlimmerns des Verhaltens wird es besser. Hund hat keinen Erfolg mit Bellen, also lässt er es. Nun ja, nicht schlecht in der Theorie. Haben wir auch lange gelehrt. Bloss: Ein Hund der bellt, der kommuniziert. Er sagt vielleicht: ich habe Hunger, ich muss raus, ich will rennen, kurz um: ICH habe Bedürfnisse!! Interessiert das hier jemanden? Befriedige das Bedürfnis (nicht das Bellen!), beseitige damit die eigentliche Ursache und er wird aufhören zu bellen, denn er wurde verstanden.

Sicher ist es wichtig zu wissen, wie Lernverhalten funktioniert. Wie ich einem Hund durch die Phasen der Bestechung, der Bestärkung und der Belohnung dazu bringe, sich auf „Sitz“ hinzusetzten“ auf „Platz“ hinzulegen und auf „Hier“ zu mir zu kommen. Ich gehe an dieser Stelle nicht weiter auf das Thema Lerntheorie ein. Es gibt unglaubliche Mengen von Literatur zu diesem Thema.

Das wichtige an der „Methode“ ist zu erkennen, dass ob der Hund das ihm vorher so sorgfältig beigebrachte Verhalten auch tatsächlich zeigt, nicht im Wesentlichen davon anhängt ob ich die Gesetze der Lerntheorie tatsächlich perfekt eingehalten habe, sondern davon wie ausgeglichen das Verhältnis Bindung zu Führung ist.

Auch hier ist es zuerst der Mensch der lernen muss. Auch hier braucht es, um dem Hund einen einfachen, konfliktfreien Lernprozess zu ermöglichen, Voraussetzungen, die der Mensch erfüllen sollte.

Es sei an dieser Stelle nochmals erwähnt, dass es auch sicher ganz ohne all die Anforderungen an den Hundehalter geht. Möglicherweise bekommt man je nach Hundetyp auch ein ganz passables Ergebnis hin, obwohl nur der Hund geschult wird und der Hundehalter die Voraussetzungen nicht erfüllen kann oder will. Im allerbesten Fall haben wir dann einen Hund der im Grossen und Ganzen funktioniert, im Alltag nicht auffällt und dessen Hundeführer es egal ist wenn der Hund Anweisungen erst nach dem zweiten Hörzeichen ausführt. Passables Ergebnis, funktionierender Hund. Welten trennen dieses „Team“ von einem in Harmonie lebendem Team. WELTEN.

Zurück zu den Voraussetzungen an den Hundehalter, er braucht:
a.) Timing
b.) Körperbeherrschung
c.) Beharrlichkeit

Timing.. mmhh.. nun wird jeder halbwegs interessierte Hundehalter sagen, klar, das brauche ich für die Konditionierung, die Sache mit der einen Sekunde Verknüpfungszeit. Nein, über diesen Zeitpunkt sind wir längst hinaus. Timing braucht es um Situationen vorhersehen zu können, Timing ist: zu spüren was der Hund im nächsten Moment tun wird. Nur dieses Timing kann (besonders bei der Korrektur von Fehlverhalten) langfristig Ursachen endgültig beseitigen. Schlechtes Timing bedeutet ewiges Herumdoktern an Symptomen. Wenn der Hund uns überrascht, dann haben wir ein schlechtes Timing. Wenn wir den Hund überraschen mit einer Aktion, dann wird er uns für unsere Weitsicht bewundern. Ohne dieses Timing kann Hundeerziehung nicht harmonisch, das bedeutet in dem Fall für den Hund klar verständlich und deshalb problemlos nach zwei bis drei Wiederholungen anzunehmen, ablaufen. Was kannst Du tun, um Dein Timing zu verbessern? Du kannst Deinen Hund im Haus in stressfreien Situationen beobachten und versuchen, sein Verhalten vorherzusagen. Immer wenn Du glaubst: gleich wird er… sagst du „jetzt“. Schnell wirst Du selbst einschätzen können, ob Dein Timing gut mittelmäßig oder stark verbesserungswürdig ist. Oder Du kannst Menschen „clickern“. Hol Dir ein Buch über Clickertraining und arbeite mit Deinem Partner. Im Internet gibt es schöne Spiele, bei denen man auf Enter drücken muss, wenn der Bildschirm von Farbe grün auf Farbe rot wechselt. Wenn der Computer Dich fragt: Are you asleep? Dann weißt Du, es gibt viel zu tun.

Körperbeherrschung ist eine spezielle Anforderung an den Hundeführer. Sie kann angeboren sein. Schau Dir einen stolzen Spanier an, wenn er über die Strasse läuft oder einen Farbigen beim tanzen und Du wirst wissen was ich meine. Wenn Du damit gesegnet bist, ist schon viel gewonnen. Körperbeherrschung kann erlernt werden. Durch Sport, durch Tanz, durch Yoga. Wenn Du das bereits als Kind gemacht hast wirst Du Dich leicht tun. Du brauchst aber nichts von beidem, wenn Du eines hast: Selbstbewusstsein. Denn dann werden Deine Schultern niemals hängen, Dein Gesicht wird nie den Boden anstarren, Dein Oberkörper wird den Hund nie bedrohen, Dein ganzes Auftreten wird keinen Anlass zum Zweifel geben.

Wenn Dir aber Selbstbewusstsein fehlt, so kannst Du den umgekehrten Weg gehen. Du kannst lernen Positionen einzunehmen, welche Selbstbewusstsein ausstrahlen. Du trickst Dich sozusagen selbst aus. Mit der Zeit und der Gewöhnung wirst Du merken, dass Deine Körperhaltung sich auch auf Deine Stimme und Dein ganzes Bewusstsein auswirkt. Du wirst, was Du versuchst zu sein. Ich denke es ist jedem klar, dass man nicht verfrüht erwarten sollte, dass der Hund einen ernst nimmt.

Beharrlichkeit wird oft verwechselt mit Konsequenz. Ohne Optimismus kann Beharrlichkeit nicht existieren. Bist Du also ein eher pessimistisch veranlagter Mensch, so arbeite auch hier zunächst an Dir. Versuche zu ergründen warum Du immer eher das Schlechte, den Misserfolg siehst und Deinen Fokus nicht auf das Positive auf die kleinen Fortschritte setzten kannst. Ein Satz, der mich mein Leben lang begleitet hat und aus jedem „Loch“ rausgeholt hat lautet: Ich gehe nur rückwärts um Anlauf zu nehmen… Ich vernahm ihn aus dem Mund eines HWS Patienten der vom Hals abwärts gelähmt war. Wenn Du mit Deinem Hund die Arbeit beginnst, dann kalkuliere von vorne herein Rückschritte mit ein. Du wirst nicht drum herum kommen mit Deinem Hund zu leben und zu arbeiten, obwohl Du für Dich noch nicht alle Bausteine ausreichend bearbeitet hast. Da Du noch nicht ausreichend geschult bist oder grosse Lücken zwischen den Bausteinen bestehen, ist Dein Haus der Erziehung oft am Wackeln. Möglicherweise werden Teile des Hauses wegbrechen und Du wirst neu aufbauen müssen. Rechne damit solange, bis Du Deine Entwicklung vollständig angeschlossen hast. Ab diesem Zeitpunkt, das verspreche ich Dir, wird das Zusammenleben mit dem Hund nicht mehr aus Höhen und Tiefen bestehen, sondern aus kleinen Wellen.

Nun kommt eine gute Nachricht. Die Aussagen: Es liegt nur am Hundehalter ist FALSCH. Der Mensch ist am Lernprozess zu 70% beteiligt, der Hund zu 30%. Diese 30% Hund gilt es zu akzeptieren. Dies heißt nicht, dass man zum Beispiel bei einem Irish Setter damit leben muss, dass er bei Wildgeruch nicht kontrollierbar ist. Aber ich werde akzeptieren müssen, dass er niemals ein so großes Bedürfnis verspüren wird, dicht bei mir zu bleiben wie z.B. ein Malinois. Es gilt neue Wege zu beschreiten. Einem Irish Setter kann ich beibringen auf Kommando 30m links/rechts zu revieren, ich gehe damit auf seine Bedürfnisse ein und habe Kontrolle. Die 30% beinhalten nicht nur die rassespezifischen Eigenheiten, sondern auch die individuellen Vorzüge des Hundes. Noch mal: „es liegt zu 30% am Hund“ bedeutet nicht, dass wir auf abgesicherten Gehorsam verzichten müssen, weil „der Hund eben so ist“, sondern dass wir den Gehorsam nur erreichen, wenn wir den Hund in seinen Eigenheiten annehmen und gemäss seiner Bedürfnisse erziehen. Da helfen keine 08/15 Methoden.

An dieser Stelle möchte ich noch mal kurz darauf eingehen, warum ein noch so gut „konditionierter Hund“ immer wieder, besonders unter Ablenkung „den Gehorsam verweigern“ kann. Wir transportieren mit der Anweisung „Sitz“ nicht nur die erlernte Sachbotschaft „berühre mit deinem Po den Boden“ sondern eben auch Emotionen. Ich kann ein „Sitz“ so aussprechen, dass die Botschaft, die beim Hund ankommt folgende ist:

Ich möchte, dass Du Dich hinsetzt.
Oder aber auch: Ich möchte, dass Du Dich hinsetzt, wenn Du gerade nichts besseres vor hast.
Oder: Ich weiß genau Du wirst Dich nicht hinsetzten.
Oder: Wenn Du Dich nicht hinsetzt, dann raste ich aus.
Oder: Setz Dich hin, der Trainer guckt.
Oder aber: Ich will, dass Du Dich setzt!

Nur wenn die Sachbotschaft mit der Emotion „Ich will“ verbunden wird, wird der Hund reagieren.

Text noch nicht vollständig. Fortsetzung folgt!

Anita Balser
www.hundeteamschule.de

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Das Haus der Erziehung I

9. February 2006 von Anita Balser

Die sechs Bausteine der Mensch-Hund-Harmonie

1. Baustein: Die Motivation

Der Fundamentbaustein, der erste und wichtigste der sechs Bausteine ist die eigene Motivation, oder anders ausgedrückt, die Einstellung zur Sache, zur Situation, zum Leben.

Schauen wir zunächst einmal, was uns das Lexikon zu diesem Thema verrät:

Motivation (lateinisch movere = bewegen; PPP = motum; motus = die Bewegung) bezeichnet in den Humanwissenschaften sowie in der Ethologie einen Zustand des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit der Richtung des Verhaltens ist insbesondere die Ausrichtung auf Ziele gemeint. Energetisierung bezeichnet die psychischen Kräfte, welche das Verhalten antreiben. Ein Synonym von “Motivation” ist “Verhaltensbereitschaft”. (Wikipedia)

Es gibt im Bezug auf Hundeerziehung nur eine Motivation, die uns ans Ziel tragen kann, dies ist die intrinsische Motivation. Das bedeutet ganz einfach: Was auch immer ich tue, ich tue es um des Tuns Willen. Ich wende eine bestimmte Methode nicht bloß an, weil der Trainer dies gesagt hat. Ich erziehe meinen Hund nicht nur, weil er dann die Nachbarn weniger belästigt oder das Zusammenleben mit ihm für mich bequemer ist. Sondern:

Ich erziehe meinen Hund, weil ich es will. Sobald ein Hund diese Einstellung bei seinem Menschen spürt, wird Hundeerziehung zu einem für beide Seiten lächerlich einfachen Kinderspiel.

Der beste Beweis im menschlichen Leben für die hohe Wirksamkeit intrinsischer Motivation sind die vielen Personen, die in Vereinen oder Hilfsorganisationen weltweit hoch engagiert ehrenamtlich arbeiten. Sie bekommen keinen Cent für das, was sie tun, oft noch nicht einmal ein Dankeschön, sie bezahlen ihre Fortbildungen selbst, bekommen kein Spritgeld…aber sie arbeiten oft besser und effizienter, als würden sie in derselben Zeit in einer Fabrik viel Geld für ihre Arbeitskraft bekommen. Ihr Antrieb kommt aus einer Berufung von innen heraus und wird mit Selbstbewusstsein und Motivation umgesetzt.

Ist meine Motivation anders gelagert, nämlich extrinsisch, das bedeutet, dass meine Handlungen von äußeren Faktoren, Zeit- oder Erfolgsdruck, der Meinung anderer Menschen oder , oder, oder beeinflusst sind, so wird der Hund auch dies spüren und adäquat antworten: Nämlich, in dem er uns vorführt, wegläuft, kläfft, rauft und jagt. Aus seiner Sicht ist dies eine logische Konsequenz auf die Motivation und Einstellung seines Menschen. Hunde, und es ist ganz wichtig, dass wir das begreifen, handeln stets intrinsisch motiviert. Das heißt alles, was sie tun, wollen sie tatsächlich auch tun. Sie sind hierbei in ihrem Verhalten sehr gut mit Kindern bis zu einem Alter von sechs Jahren zu vergleichen.

Aus diesem, und keinem anderen Grund, ist es unumgänglich, dass der Mensch sich mit sich selbst auf physischer, psychischer, emotionaler und mentaler Ebene auseinandersetzt, um mögliche Probleme, die in der Erziehung des Hundes aufgetaucht sind oder auftauchen werden, nicht von vorneherein immer auf das Tier zu projizieren.

Die Fähigkeit zur intrinsischen Motivation setzt bei Menschen die Befriedigung einiger Bedürfnisse voraus:

a.) Physiologische Grundbedürfnisse (ich sollte satt sein, nicht frieren oder krank sein)

b.) Sicherheit (ich darf z.B. keine Angst um mein Leben haben. Wichtig bei Hunden, die eine Art von Aggression zeigen)

c.) Soziale Beziehungen (kein Stress mit dem Partner, den Kindern, den Kollegen)

d.) Soziale Anerkennung (keine Unterforderung, Überforderung, mangelndes Selbstbewusstsein)

e.) Selbstverwirklichung (nicht das Gefühl zu haben, Dinge zu tun oder tun zu müssen, die nicht meiner Berufung entsprechen)

Sind diese Bedürfnisse nicht, oder nur zum Teil befriedigt, fällt dem Menschen intrinsisch motiviertes Handeln schwer. Man kann es auch ganz einfach ausdrücken: Menschen, die ihre Mitte noch nicht gefunden haben, werden es je nach Hundetyp u.U. sehr schwer haben, langfristige Erfolge zu erzielen und die erwünschte Harmonie herzustellen.

Positiv ausgedrückt kann man sagen, dass das Fehlverhalten eines Hundes der Auslöser dafür sein kann, sein Leben zu ordnen und mit sich selbst in Einklang zu kommen.

Diese Erkenntnis aus meiner praktischen Arbeit berechtigt mich jedoch niemals zu einer Aussage, dass kranke, ängstliche, unglückliche, oder in der Seele verletzte Menschen keine Hunde halten dürften. Diesen Menschen würde ich nur dringend nahe legen, bei der Auswahl des Hundes und der Rasse ein besonderes Augenmerk auf dessen Eigenschaften und Merkmale zu legen, damit gewissen Konflikte nicht schon von vorneherein vorprogrammiert sind. Um es krass auszudrücken, würde ich z.B. einer kleinen, zierlichen Frau mit Ängsten vor Männern und der Dunkelheit keinen Herdenschutzhund empfehlen. Obwohl sie vielleicht gerade aufgrund ihrer Schutzbedürftigkeit zur Auswahl eines solchen Hundes neigen könnte! Nicht nur, dass sie ihm rein körperlich niemals gewachsen sein wird, sondern weil sie aufgrund ihrer Ängste dem Hund nicht vermitteln kann, dass er im Alltag keinerlei Schutzfunktionen gegenüber ihrer Person/Familie auszuüben hat.

Der erhoffte Standardfall sollte sein, dass alle Störungen nur vorübergehender Natur sind, und man in diesen Situationen besser versteht, warum einen der Hund vermeintlich „im Stich“ lässt. Ich arbeite an solchen Tagen einfach nicht mit meinen Hunden, ich arbeite an mir und meinen Schwierigkeiten, tue mir etwas Gutes und beschränke mich mit den Tieren auf Dinge, die nicht schief gehen können. Schmusen, einfaches Spielen (sofern ich wirklich Lust dazu habe) Gassigehen an der Leine oder Radfahren.

So betrachtet kann und sollte man Schwierigkeiten, die man mit seinem Hund hat, als Herausforderung betrachten. Als einen neuen Anfang. Sei Deinem Hund dankbar für sein Fehlverhalten, ohne ihn würdest Du vielleicht noch Jahre im Kreislauf der unbefriedigten Bedürfnisse/der ungelösten Probleme fest hängen.

Schreibe Deine Eigenschaften auf und versuche zu erkennen, wo der Hund diese Eigenschaften wiederspiegelt. Wie antwortet er, wenn Du positiv eingestellt sind (z.B. im Urlaub), wie antwortet er, wenn Du negativ eingestellt bist (z.B. nach einem stressigen Arbeitstag)? Und wie reagiert er auf all die dazwischenliegenden menschlichen Schattierungen?

Schreibe auf, warum Du einen Hund hast? Was war Deine Motivation? Kindheitserinnerungen, wolltest Du einen Spielkamerad für die Kinder, bist Du einsam und wolltest einen Kumpel, bist Du gerne draußen und wolltest nicht mehr alleine spazieren gehen? Hattest Du Mitleid, weil der Hund aus schlechten Verhältnissen stammte?

Benenne die Worte, die Du mit Deinem Hund in Verbindung bringst. Sind es Loyalität, Ehrlichkeit, Treue, Trost?

Und nun: Gehe den ersten Schritt zur Harmonie! Bearbeite den ersten Baustein! Versuche Deine Lebenslage, Deine Beweggründe, den Hund angeschafft zu haben, Deine Verknüpfungen mit diesem einzigartigen Tier, mal aus seiner Sicht zu betrachten.

Du wirst, wenn Du ehrlich bist, zu folgender Erkenntnis kommen: Von all dem, von den Gründen warum er bei Dir ist, von Deinen Wünschen und Vorstellungen des Zusammenlebens, von seiner zugedachten „Funktion“ in Deiner Familie, von all diesen Dingen weiß Dein Hund NICHTS.

Völlig unbedarft kommt Dein Hund zu Dir, nicht nur der kleine vertrauensvolle Welpe, auch der geschundene Straßenhund, der Tierheimhund, der Rassehund. Alle verdienen eine faire Chance. Eine faire Chance auf einen intrinsisch motivierten Hundeführer. Leider sind oftmals bereits die Beweggründe für die Anschaffung einen Hundes extrinsisch.

Ob das Motiv nun Mitleid, Niedlichkeit, Statuspflege oder die Befriedigung einer Profilneurose ist, alles ist gleich kritisch. Denn die Motive der Anschaffung werden unser Verhalten gegenüber dem Hund gerade in der ersten Zeit überlagern. Beim geschundenen Straßenhund ist der Mensch nicht in der Lage, sich mental von der Vergangenheit des Hundes zu verabschieden; beim niedlichen Welpen ist der Mensch nicht in der Lage seine Augen vom Hund zu lassen, der Rassehund wird zum „King“, „Baron“ , „Rambo“ oder zur „Prinzessin“ erklärt.

In der Folge antwortet der Hund mit seinen Reaktionen. Der Straßenhund hat Angst, läuft weg, jagt, leert die Mülleimer des Nachbarn. Der Welpe hört nicht, wenn man ihn ruft, gerät beim Anblick von Artgenossen oder Menschen außer Rand und Band, und der Rassehund beansprucht das Sofa unter Androhung des Gebrauchs seiner Zähne und „verteidigt“ das Frauchen gegenüber dem Herrchen.

Hast Du Schwierigkeiten mit Deinem Hund, so frage Dich sich zuallererst nach Deiner Motivation. Deine Motivation wird Dir eine Erklärung für die Vergangenheit, eine Einschätzung der Gegenwart und eine Prognose für die Zukunft stellen. Und das Tolle ist: Dafür brauchst Du noch nicht einmal einen Hundetrainer. Nur ehrlich solltest Du sein, ehrlich zu Dir selbst, auch wenn es unbequem sein kann und zuweilen nicht ganz konsequenzenlos bleibt.

Wenn Du an diesem Baustein arbeitest, dann übernimmst Du Verantwortung. Zunächst einmal für Dich selbst und dann für Deinen Hund. Aber halt, da war doch noch was…

Es gibt ein extrinsisches Motiv, welches einen wichtigen Stellenwert in der Erziehung einnimmt. Dieses ist die Verantwortung gegenüber Hundebesitzern, Nichthundebesitzern und vor allem Menschen, die Angst vor Hunden haben.

Nichthundehalter und Menschen mit Angst vor Hunden haben Vorrang! Es kann nicht sein, dass Mitmenschen durch anspringende, jagende oder beißende Hunde oder auch überall „dekorativ“ herumliegende Kothaufen belästigt werden. Es darf nicht sein, dass man sich von bellenden Hunden umkreisen lassen muß, nur weil der lustige Junghund den Angst-Geruch so komisch findet. Oder dass Menschen, nur aufgrund des Bedürfnisses, morgens zu joggen, jedes Mal zur therapeutischen Nachbehandlung müssen, weil ein „Der will nur spielen-Typ“, das mögliche Kindheitstrauma immer wieder aufreißt. Das ist einfach nicht fair. Du hast eine Verantwortung gegenüber Deiner Umwelt! Leiste durch Deinen hervorragend (nicht ein bisschen…) erzogenen Hund einen Beitrag für eine hundefreundlichere Umwelt. Ansonsten behalte ihn bitte an der Leine!

Anita Balser
www.hundeteamschule.de

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Das Haus der Erziehung II

9. February 2006 von Anita Balser

Die sechs Bausteine der Mensch-Hund-Harmonie

2. Baustein: Das Wissen

Kommen wir zum zweiten Baustein, dem Wissen. Bemerkt sei an dieser Stelle, dass der zweite Baustein uns nur weiterhelfen wird, wenn wir an dem ersten, der Motivation, ausreichend gearbeitet haben. Wissen alleine ist nicht ausreichend im Bezug auf Hundeerziehung. Es gibt viele Hundehalter, Ausbilder und Trainer, die über sehr viel theoretisches Wissen verfügen. Sie können sehr gut beobachten und erklären. Aber Hunde erziehen können sie trotzdem nicht, weil ihnen die passende Motivation, Einstellung und die Intuition fehlen.

Es ist ein Trugschluss, wenn wir glauben, dass wir immer noch mehr wissen müssen, um den Hund in seinem Wesen zu begreifen. Wissen alleine führt nicht zu Harmonie, zum Dream-Team, das wir ja sein oder werden möchten. Heutzutage gibt es unzählige Fachbücher, Zeitschriften, Seminarangebote etc. Wer sich Wissen intrinsisch motiviert aneignet, der ist gut beraten. Wer nur deshalb mehr wissen möchte, weil er endlich die Schwierigkeiten mit dem Hund behoben sehen will, der wird immer weiter „rumprobieren“ und nie einen langfristigen Erfolg erzielen.

Wer zig Bücher liest, und sich aus jedem nur die Rosinen heraus pickt, will sagen, nur die augenscheinlich bequemen Dinge umsetzt, der verfolgt letztlich nur je ein paar dünne Fasern von verschiedenen Ansätzen und verliert über die Menge der angepriesenen Methoden derartig den Überblick, dass er mit dem bunten Sammelsurium an Fasern am Ende niemals ein festes Band zwischen dem Hund und sich selbst wird knüpfen können. Wenn die „Chemie“ nicht stimmt, nützt all das theoretische Wissen einem nichts.

Es gibt auch Menschen, die aufgrund ihres Wissens scheinbar grosse Erfolge feiern. Diese haben häufig Hunde mit etlichen Prüfungen, die auf einem abgeschlossenen Hundeplatz abgelegt wurden. So genannte, man verzeihe mir den Ausdruck, „Platzidioten“. Sie üben und üben und üben mit dem Hund drillartig ausschließlich auf dem Platz und an prüfungsrelevanten Orten und das erklärte Ziel (und hier liegt vermutlich die Motivation) ist die nächste Prüfung. Draußen sieht man dann häufig, kaum dass der Hundeplatz verlassen wurde, ein Gezerre an der Leine und fünffache Aufforderungen zum Sitz, Hier oder sonstigen Grundbegriffen der Erziehung. Die Hunde pöbeln, verteidigen, jagen… warum nur? An mangelndem Wissen liegt es nicht…dann wird es vermutlich ein Problemhund sein? Ein Alphatier, ein dominanter Rüde? Nichts von alledem ist der Fall! Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Ich selbst bin mit meinen Hunden erfolgreich zahlreiche Prüfungen gelaufen, doch immer galt für mich der Grundsatz: Nur einen gut erzogenen Hund kann man langfristig erfolgreich ausbilden!

Alles was man wirklich über Hunde wissen sollte ist:

a.) Wie baue ich eine herzliche Bindung auf? Das heißt, wie schaffe ich es, dass mein Hund zu mir intrinsisch motiviert sagt: Ich will mit Dir!

b.) Wie baue ich eine unmissverständliche Führung auf? Das heißt, ich begreife dass ich im Erfüllen von Führungsaufgaben besser werden muss als mein Hund.

Bindung und Führung sind die wesentlichen Elemente aus der Hundewelt. Und nur die brauchen wir. Wir brauchen ein Ja! und ein Nein! Wir brauchen ein Schwarz und ein Weiß. Wir brauchen unser Herz, unsere Stimme und unseren Körper. Und wie immer, bevor wir uns fragen, wie wir beide Elemente erarbeiten können, müssen wir selbst offen in den Spiegel schauen.

So wie es für intrinsisch motiviertes Handeln eine Grundlage gibt, gibt es auch Voraussetzungen für das Binden und Führen eines Hundes. Diese sind:

a.) Mentale Ausgeglichenheit

b.) Emotionale Kontrolle

c.) Physische Fitness

a.) Mentale Ausgeglichenheit bedeutet, dass ich weder „verkopft“ bin, noch nur aus dem Bauch heraus handele. Ich denke wie ein Mensch, wenn es die Situation erfordert. Und ich handele wie ein Hund, wenn ich Entscheidungen treffe. Ein reiner Kopfmensch wird es schwer haben einen Hund zu binden, während ein reiner Bauchmensch es schwer haben wird, einen Hund zu führen.

Da nur die goldene Mitte den Erfolg bringt, heißt es, wieder zuerst an sich selbst zu arbeiten. Und es lohnt sich! Was harmonisches Zusammenleben angeht, so können wir sehr viel von den Hunden lernen. Nur wenn sich Bindung und Führung, wenn sich Bauch und Kopf die Waage halten, werden wir bei der Erziehung keine Schwierigkeiten haben. Merkst Du wieder was? Um sich darin zu schulen, brauchen wir den Hund nicht. Schlimmer noch, wenn wir mental nicht ausgeglichen sind, sollten wir nicht mit der Hundeerziehung anfangen, von der Korrektur alteingesessener Verhaltensweisen einmal ganz abgesehen.

Was kannst Du also tun, um Dich mental auszugleichen? Zunächst gilt es herauszufinden, in welche Richtung Du eher tendierst (Kopf oder Bauch). Wenn Du Schwierigkeiten hast, dies selbst zu erkennen, dann kannst Du Deinen Partner oder Deine Freunde befragen. Als nächstes versuche, bewusst an einem Ausgleich zu arbeiten. Wenn Du zum Beispiel kopflastig bist, dann triff mal ganz bewusst spontane Entscheidungen, tue sinnlose Dinge, verspäte Dich zu einem Termin, weil Du das Liegen in der Sonne so sehr genießt. Wenn Du bauchlastig bist, dann beginne damit, einen Terminkalender zu führen. Plane Deinen Tag. Gib einem Mitmenschen erst Antwort, wenn Du mindestens 3 Sekunden darüber nachgedacht hast.

b.) Emotionale Kontrolle ist die zweite Voraussetzung, um binden und führen zu können. Hunden sind eine Vielzahl menschlicher emotionaler Ausdrucksweisen unbekannt. Aber auch den Menschen ist ein zentraler „Sinn“ des Hundes nahezu unbekannt. Das „Spüren“. Wir wissen, dass Hunde besser riechen können als wir, wir wissen, dass sie sehr gut hören. Aber spüren? Klar kennt jeder das Phänomen der Stimmungsübertragung. Doch während niemand auf die Idee käme, seinem Hund Parfüm direkt in die Nase zu sprühen oder ihm mit einer Trillerpfeife direkt ins Ohr zu pfeifen, nehmen wir den „Sinn“ Spüren verhältnismäßig wenig ernst. Diesen Sinn verbannen wir neuzeitlich geprägten Menschen gerne in den verpönten Bereich der Esoterik, denn wir glauben ja nur an die Dinge, die wir durch wissenschaftliche Erhebungen, empirische Studien und allumfassend ausgewertete Statistiken belegen können. Kurz: an Dinge, die man berechnen, anfassen und sehen kann. Ich muss nicht auf einem Besen reiten, um Dir zu zeigen, wie mein Hund Dinge erspürt. Wie sonst erklärst Du mir Hunde, die von Epileptikern gehalten werden, um sie vor einem bevorstehenden Anfall zu warnen?

Hier ein schönes und sehr weltliches Beispiel, warum uns alles Wissen nichts nützt, wenn wir keine echte emotionale Kontrolle besitzen. In fast jedem Hundebuch steht, wir sollen den Hund nicht strafen, wenn er nach mehrmaligem Rufen endlich um die Ecke kommt. Die Begründung lautet, dass er dann seine Ankunft mit Schimpfen in Verbindung bringen würde. Nun, diese Aussage ist überwiegend korrekt. Nur: Der Mensch hat gelesen, dass er den Hund IMMER loben soll, wenn dieser zu ihm kommt. Niemand kann mir ernsthaft erzählen, dass er (man möge mir den Ausdruck verzeihen) den Mistköter, der gerade 10 Minuten weg war, wirklich von Herzen loben kann. Selbst diejenigen, die sich das sinnlose (weil unechte) loben sparen und den Hund einfach ignorieren und anleinen, berichten davon, dass der Hund die letzten Meter angeschlichen kommt, obwohl sie ihn wirklich nie, nie, nie angeschrien haben. Lange habe ich das meinen Kunden nicht geglaubt. Heute glaube ich es, weil ich den Stellenwert der emotionalen Kontrolle erkannt habe. Der Hund sieht auf 15 Meter die Körpersprache und reagiert, er riecht die Buttersäure, die mein Adrenalinspiegel zur Ausschüttung gebracht hat, und reagiert. Mit der Stimme können wir lügen aber nicht mit dem Körper und schon gar nicht mit dem Geruch.

Was aber passiert im Menschen, wenn dieser, weil er ja „weiss“ dass es falsch ist, seinem Unmut kein Ventil bietet? Es entsteht Frust. Nichts ist schlimmer als ein frustrierter Hundeführer. Denn der läuft Gefahr, in einem wirklich ungünstigen Moment der Stress-Summierung, seinem Hund gegenüber regelrecht auszurasten. Das kann Vertrauen kosten. Vielleicht nicht beim ersten Mal, aber beim zweiten, dritten Mal; je nach Sensibilität des Hundes. Und das nur, weil der Mensch alles richtig machen wollte.

Was tun? Du kannst es Dir schon denken… Den Hund erst anschaffen, wenn man emotionale Kontrolle hat… ;-) Okay, bei den meisten, die dies lesen, wird dieser Zug bereits abgefahren sein. Das macht nichts, denn es ist nie zu spät, etwas zu verändern.

Wie erreicht man emotionale Kontrolle? Wieder arbeitest Du zunächst an Dir selbst. Du musst Deine Grenzen kennen lernen. Das bedeutet Grenzerfahrungen machen. Gehe in einen Hochseilgarten oder überwinde tiefsitzende Ängste in dem Du Dich z.B. endlich mal mit Deiner Spinnenangst auseinandersetzt. Oder binde Deinen Hund in einem sehr emotionalen Moment irgendwo an und tritt gegen eine Wand, brülle Dir das Herz aus dem Leib, schlage auf etwas ein (bitte nicht auf Deinen Hund), trampele herum! Kurz: Erreiche emotionale Kontrolle!

Und bedenke, dass Du vermutlich folgende Stadien durchlaufen wirst, bevor bei Deinem Hund eine Verhaltensänderung eintritt:

a.) Verleumdung: Eigentlich ist er ja ein ganz Lieber. Zuhause macht er uns gar keine Schwierigkeiten. Nur draußen, da jagt er wie verrückt. An meinem Verhalten liegt das sicher nicht… Sorry.. kein Fortschritt.

b.) Schuldzuweisung: Es liegt am Hund, an der Rasse, dem Alter. Mein Hund ist halt sensibel, stur, dickköpfig. Puh.. nochmals sorry, der Weg zur Veränderung ist noch weit.

c.) Wut: Vorwürfe an den Ehemann, der nicht richtig mit macht, die Kinder, die immer stören, den Hund, der in stressigen Situationen auch noch den Mülleimer umstülpen muss. Oh, oh.. kein Fortschritt…

d.) Chaos: Die dunkelste Stunde Deines Lebens tritt ein. Du erkennst, dass Du die Hauptursache aller Schwierigkeiten bist, Du akzeptierst die Realität, Du triffst eine Grundsatzentscheidung! Das wird der Tag sein, an dem bei Deinem Hund die ersten kleinen Veränderungen eintreten werden. Herzlichen Glückwunsch! Du hast einen Fortschritt erzielt. Denn es gab einmal einen klugen Kopf, der sagte, dass die Erkenntnis der erste Schritt zur Besserung ist!

Wundere Dich also nicht, wenn Du Dich wieder erkennst. Alles ganz normal, der Weg zur emotionalen Kontrolle kann Dich Zeit kosten. Das Wort „Kontrolle“ mag dem ein oder anderen Bauchschmerzen bereiten. Das kann ich verstehen. Einfacher wäre es gewesen, wenn ich „emotionale Ausgeglichenheit“ geschrieben hätte. Nun das Wort, welches ich gerne benützt hätte wäre eine Mischung aus beidem gewesen, denn beides bedingt einander. Hat man emotionale Kontrolle ist man ausgeglichen. Kein Mensch auf dieser Welt ist IMMER emotional ausgeglichen und das ist auch o.k. so. Nur sollte man sich in Momenten des Kontrollverlustes oder auch in Zeiten emotionaler Unausgeglichenheit nicht über das Verhalten seines Vierbeiners wundern. Denn der Hund reagiert aus seiner Sicht betrachtet immer 100% logisch auf seinen Menschen.

c.) Physische Fitness ist die letzte wichtige Voraussetzung. Ich weiss schon, Du denkst an die paar Kilos zuviel, die Du gerade auf den Rippen hast, an die vielen Zigaretten, an den Rotwein. Tja, es hilft nichts, Du solltest versuchen, gemäß Deinen persönlichen Grundvoraussetzungen physisch fit zu werden. Um Bindung aufzubauen, wirst Du rennen müssen und springen, Du solltest mit Deinem Hund längere Zeit richtig spielen können (und nicht auf einem Platz stehen und Bällchen schmeißen). Aber ich habe eine gute Nachricht für Dich: Du musst nicht ins Fitness-Studio! Selbst mit dem unerzogensten Hund kann man mit der Leine um den Bauch walken oder joggen gehen und mit den geeigneten Hilfsmitteln (Springer) sogar Fahrrad fahren. Du kannst also gemeinsam mit Deinem Hund fitter werden. Bedenke bitte dass Bewegung bei einem Hund (übrigens auch beim Menschen) Stress abbaut.

An dieser Stelle ist es mir sehr wichtig, noch einmal darauf hin zu weisen, dass ich mit meinen Thesen niemanden ausgrenzen möchte, weder Raucher (ich bin selbst einer), Menschen mit Übergewicht, noch Personen mit körperlichen Erkrankungen. Selbstverständlich hat jeder das Recht, einen Hund zu halten. Ich appelliere nur in diesen Fällen umso eindringlicher, eine entsprechend passende Rasse oder einen geeigneten Mischling auszuwählen bzw. mit einem gut ausgebildeten Trainer zu arbeiten, damit auf die speziellen Defizite oder Bedürfnisse auch ausreichend eingegangen werden kann!

Entgegen den gängigen Meinungen habe ich so meine Schwierigkeiten mit Menschen, die mit ihrem Hund stundenlang spazieren gehen. Wenn Du das intrinsisch motiviert tust, dann ist es okay, aber wer ist das schon bei Minustemperaturen oder strömendem Regen. Die Wenigsten. Und wenn man dann nicht die obligatorische Stunde gelaufen ist, stellt sich das schlechte Gewissen ein. Du kannst es Dir schon denken. Der Hund wird das spüren und reagieren. Schon fühlen wir uns bestätigt. Ich sage Dir, wie ich es handhabe: Die „Spaziergeh“ -Zeit nutze ich, damit sich meine Hunde lösen können. Da reichen 20 Minuten 3x am Tag. Beschäftigen aber kann und sollte ich mich aktiv mit meinen Hunden ca. 2 Stunden am Tag. Das heißt nicht, dass ich mit meinem Hund nebensächlich kraulend vor dem Fernseher sitze!

Die 3×20 Minuten Spaziergehzeit sind in Summe genau die Hälfte des Anteils an intensiver Beschäftigung. Müssen das denn wirklich zwei Stunden am Tag sein? Jeden Tag? Nein, nicht jeden Tag. Manchmal 3 Stunden, manchmal auch nur eine. Aber nie unter einer Stunde. Wenn Du über größere Zeiträume weniger als eine Stunde am Stück Zeit hast, mit Deinem Hund zu spielen, zu rennen, zu springen, zu arbeiten, hey.. überlege Dir, ob Du den Hund nicht lieber gegen einen Goldhamster eintauschen solltest. Wir sind hier immer noch beim Punkt physische Fitness. Es geht also nicht nur um Zeit, sondern darum, dass man körperlich in der Lage sein sollte, eine Stunde lang mit seinem Hund tatsächlich aktiv zu sein. Allerdings sei der Kreativität körperlich weniger belastbarer Menschen natürlich keine Grenze gesetzt.

Ja schön, wirst Du jetzt sagen. Nun will ich aber wissen wie das geht mit dem Aufbau von Bindung und Führung. WAS konkret soll ich tun? Ich muss Dich enttäuschen, das kommt in der Ausgabe, in der ich auf die praktische Umsetzung mit dem Hund eingehe. Bis dahin wünsche ich mir von Dir, dass Du die Zeit nutzt, an allen Bausteinen so weit gearbeitet zu haben, dass sie wirklich GELEBT werden und wir gemeinsam neue Ziele erarbeiten können. Deshalb lass mich zum nächsten Baustein kommen.

Anita Balser
www.hundeteamschule.de

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