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Bärenkind

Vermehrung, Verpaarung, Unfall, Zucht

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Bärenkind   

Liebe Mitglieder.

Die meisten hier im Forum lieben Hunde, finden Welpen süß und haben eine ganz intensive Beziehung zu ihrem eigenen Hund. Aufgrund dessen geht es natürlich auch fast täglich um Welpen, wo sie herkommen und wie sie entstanden sind.

In vielen Beiträgen wurde in der Vergangenheit kontrovers und hitzig, leider teilweise auch unsachlich und zu emotional über das Thema Vermehrung und Zucht diskutiert.

Dieser Beitrag soll an die Stelle von immer wieder aufflammenden und gleichförmig verlaufenden Diskussionen treten und jenen eine Orientierung geben, die sich an unser Forum wenden, um Rat, Hilfe und Denkanstöße zu finden, wenn es z.B. um die Entscheidung geht:

 

  • Lasse ich meine Hündin decken?
  • Lasse ich meinen Rüden decken?
  • Meine Hündin wurde gedeckt, soll sie die Welpen bekommen?
  • Meine Hündin soll einmal Welpen bekommen, weil sie dann länger gesund bleibt? Ja oder nein.
  • Ich möchte unbedingt einen Welpen von meinem Hund, weil er so ein tolles Wesen hat.
  • Ich möchte gerne züchten, aber ohne Papiere, weil meine Hündin so schön/lieb/toll ist und meine Freundin einen Rüden in derselben Rasse hat. (oder dasselbe in vertauschten Geschlechterrollen)
  • Ich würde gerne Züchter/in werden, was muss ich tun.
  • Ich will mit Hundezucht ein paar Euro nebenbei verdienen, lohnt sich das?

 

Die folgenden Aussagen zu den oben genannten "häufig im Forum auftauchenden Fragen und Themen" sollen als Orientierungshilfe dienen. Sie sind keinesfalls das Non plus Ultra, sondern lehnen sich an den Wissensstand des Polar-Chat-Teams an und orientieren sich am Tierschutzgedanken.

zu 1) und 2) und 3)

Körperliche Bedenken:

Wie gesund ist mein Hund wirklich?

Was habe ich alles untersuchen lassen? Welche rassetypischen Veranlagungen hat mein Hund?

Kann ich auch über die Eltern und Großeltern meines Hundes etwas über die Gesundheit aussagen, oder weiß ich gar nichts über sie? Nur weil MEIN Hund gesund ist, heißt es noch lange nicht, dass er nicht krankes Gen-Material in sich trägt und auch vererben kann.

Bei verantwortungsvollen Züchtern ist z.B. ein Abstrich kurz vor dem Deckackt Pflicht, damit keine Krankheiten zwischen Hündin und Rüden übertragen werden.

Hüftdysplasie, Ellenbogendysplasie, Schilddrüse, Herz/Kreislauf, Blutbild etc. sollte in jedem Fall tierärztlich gecheckt worden sein.

Ein normaler Standardcheck und ein guter Gesamteindruck, weil der Hund 3 Jahre alt ist und nie was hatte, ist leider bei weitem nicht ausreichend.

was das Wesen betrifft:

Wenn ich 2 Mischlinge miteinander verpaaren will oder 2 unterschiedliche Rassen, kann man wenig Aussagen über das zu erwartenden Wesen der Nachkommen machen. Man kann zwar auch bei Rassehunden nie 100% voraussagen, wie sich ein Hund entwickelt, aber ich weiß dennoch grob, was mich erwartet und ob ich den Bedürfnissen eines entsprechenden Hundes auch gerecht werden kann.

Es können also Mischungen entstehen, die für einen normalen Familienhundeanspruch nicht geeignet sind oder nur sehr schwer auslastbar oder erziehbar sein werden.

was die Vermittlung betrifft:

Habe ich wirklich genügend Interessenten, die in der Lage sind, die Verantwortung für viele Jahre Hundeleben auf sich zu nehmen? Sind diese Menschen in der Lage, mit der entsprechenden Rasse umzugehen und dem Hund eine artgerechte Auslastung zu bieten? Bin ich in der Lage, ein Hundekind von meinem Hund auch wieder bei mir aufzunehmen, wenn ein Notfall auftritt, oder sorge ich mit der "Produktion" von Hunden vielleicht für noch vollere Tierheime?

Bin ich im Zweifelsfall in der Lage und gewillt, auch mehrere Welpen für einen längeren Zeitraum zu behalten, bis sich geeignete Interessenten finden?

was die Aufzucht betrifft:

Züchter im VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) müssen Züchterseminare besuchen und ihre Sachkunde nachweisen, die nötig ist, um Geburt und Aufzucht und Prägung von Welpen in einem guten Sinne zu gewährleisten. Es ist nicht damit getan, die Hündin mit ihrer Geburt alleine zu lassen, weil das ja alles Natur ist und die das schon alleine schaffen. Es ist auch nicht damit getan, den Wurf 8 Wochen lang in einem Schuppen sich selbst zu überlassen und zu hoffen, dass alles gut geht. Welpen brauchen eine gute Prägung, das bedeutet, dass sie vor der Abgabe mit frühestens 8 Wochen möglichst viele positive Eindrücke von alltäglichen Dingen, Geräuschen, Personen, Tieren, Menschen, Umgebungen bekommen haben.

Es ist auch nicht damit getan, dass die Hündin die Welpen schon selbst ernähren wird. Oft muss schon früh zugefüttert werden und die Kosten für den Tierarzt können schon in den ersten Wochen immens werden, wenn der Wurf z.B. von hartnäckigem Durchfall geplagt wird.

was die Moral betrifft:

Wie egoistisch ist der Wunsch, ein Hundekind von meinem Hund zu haben, im Angesicht voller Tierheime und voller Tötungsstationen im Ausland?

Wie egoistisch ist der Wunsch nach einem schicken Rassehund im Angesicht dieser Aspekte?

Wie gut kann ich wirklich dafür sorgen, dass die Hundekinder höchstwahrescheinlich gesund sind, einen guten Start ins Leben bekommen, gute Familien finden, wo sie artgerecht gehalten werden?

In wieweit kann ich für mein Tun Verantwortung übernehmen, in dem ich dazu beitrage, dass Lebewesen auf diese Welt kommen, die sich nicht selbst gegen Unrecht wehren können?

zu 3)

Man kann nach dem Deckakt möglichst zeitnah eine Hormonspritze verabreichen, die für den Organismus der Hündin sicher nicht gerade förderlich ist, aber eine Trächtigkeit verhindert bzw. abbricht.

Man kann in fortgeschrittenem Stadium der Trächtigkeit eine Total-Operation (Kastration) durchführen lassen, damit werden die Embryonen quasi mit entfernt. Für viele sicher eine gruselige Vorstellung.

Man kann die Hündin auch austragen lassen, wenn man so viele Faktoren wie möglich aus den oben genannten Bedenken ausschließen kann oder man kann die Augen vor allem verschließen und hoffen, dass man Glück hat und alles gut geht.

zu 4)

Das ist eine Aussage wie so viele in der Hundewelt, die medizinisch und moralisch nicht tragbar ist.

Es gibt mindestens genauso viele Hündinnen, die einen oder mehrere Würfe hatten, und trotzdem an Mama-Tumoren erkrankt und verstorben sind, wie Hündinnen, die nie Nachkommen hatten.

Der zweite Aspekt ist, wenn jede Hünd in unserer Gesellschaft aus Gründen der Gesunderhaltung Nachwuchs bekommen sollte, wüssten wir wirklich nicht mehr, wohin mit all den Hunden.

Diese Aussage ist nicht haltbar, zeugt von Ahnungslosigkeit und sollte endgültig in das Reich der Fabeln verbannt werden.

zu 5) und 6)

Es ist wunderschön, wenn man Hunde mit einem angenehmen Wesen trifft und es ist auch mehr als verlockend, wenn man reinrassige Welpen vom eigenen Hund bekommen kann, für die man woanders mit vernünftigen Papieren über 1000 Euro bezahlen müsste.

Leider tifft man aber auch häufig Menschen, die ihren Hund so sehr lieben, dass sie nur bereit sind, die schönen Seiten seines Wesens zu sehen, anderes aber dezent unter den emotionalen Tisch fallen lassen. Hier sollte man mit unabhängigen Personen mit Sachverstand und Rassekenntnis sprechen und wirklich alle anderen Merkmale, die für eine gesunde Zucht nötig sind abchecken lassen. Aussehen, Rassestandard, Gesundheit, Genetik, Wesen.

zu 7) und 8)

Es gibt einen internationalen Rassehundeverband, den FCI Link und einen großen nationalen Rassehundeverband, den VDH Link. Dort bemüht man sich um die Erhaltung und Verbesserung von Hunderassen unter einheitlichem Standard und hohen Auflagen.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass innerhalb dieser Verbände keine Fehler gemacht werden oder wurden, schwarze Schafe gibt es überall, Rassen, die Modeströmungen unterworfen waren oder sind, sind nicht unbedingt sehr gesund, und überall wo es um Geld geht, da wird nahezu zwangssläufig auch zu einem gewissen Prozentsatz betrogen oder dies zumindest versucht. Trotzdem bemühen sich diese Verbände um ein hohes Maß an Seriösität ihrer Mitglieder und Unterverbände und haben recht hohe Ansprüche an jene, die das Label der Verbände als Qualitätssiegel tragen wollen.

Unsere Empfehlung geht dahin, die Voraussetzungen und Statuten der unter FCI und VDH organisierten Rassezuchtverbände als Maßstab für eine eigene Zucht zu verwenden und eine gehörige Portion an Motivation und Idealismus mitzubringen, um alle diese Auflagen zu erfüllen.

Wenn man ein echtes Interesse an einer Rasse hat, dann legt man mit Sicherheit in den ersten Jahren finanziell einiges drauf, um den Ruf eines guten Züchters zu erwerben. Nach einigen Jahren und vielen Reisen zu Ausstellungen, Körungen, Schauen, Paarungen, wenn man viel Zeit, Liebe, Tränen und Geld in ein kleines Rudel gesteckt hat, dann mag am Ende auch ein wenig "verdientes Geld" übrig bleiben. Aber reich werden kann man mit seriöser Hundezucht ganz sicher nicht. Und das ist auch gut so.

Dieses Forum vertritt durch seine Mitglieder, Redakteure und Moderatoren die unterschiedlichsten Ansichten zu den vorgenannten Themen. Wir haben auch im Moderatorenteam Hunde aus Verpaarungen ohne Papiere, wir haben Mischlinge, wir haben gewollte Mischlinge, wir haben Hunde aus "wilden Liebesakten", wir haben Hunde aus nicht ganz einwandfreien Zuchten, aus Tierheimen und wir haben gesunde und auch kranke Hunde mit tollen Papieren. Aber wir sind alle hier, um zu lernen, um unseren Horizont zu erweitern, um mögliche Fehler zu sehen und um manches vielleicht zukünftig besser zu machen.

Niemand will sich hier einen Heiligenschein aufsetzen oder andere Menschen zu Entscheidungen zwingen, nur weil man selbst anderer Meinung ist, weil man letzlich auch die Lebensumstände von jedem einzelnen betrachten muss.

Es gibt Menschen, die eignen sich nicht für Tierheimhunde, weil sie die Erfahrung für Hunde mit schwierigem Vorleben nicht mitbringen.

Es gibt Menschen, die haben einfach die finanziellen Möglichkeiten nicht, sich für über 1000 Euro einen VDH- oder FCI-Hund mit einwandfreien Papieren zu kaufen und haben aber trotzdem das Recht auf einen Hund an ihrer Seite.

Es gibt Menschen, für die käme niemals ein Rassehund in Frage, so lange noch eine arme Seele in einem Tierheim sitzt oder im Ausland auf Tötung wartet, erst mal völlig unabhängig davon, ob man sicherstellen kann, dass so ein Hund für einen selbst nicht zum Problem wird.

Es gibt Menschen, die nehmen bewusst einen kranken Hund zu sich und alle Einschränkungen in Kauf, die damit einher gehen.

Es gibt Menschen, die wollen ein hohes Maß an Lebensqualität mit einem für ihr Leben fast maßgeschneiderten Hund, der von den Rasseeigenschaften her dafür passend erscheint.

Und es gibt viele Menschen mit Motivationen für diese oder jene Entscheidung, die wir hier nicht aufzählen können, die aber möglicherweise bei genauem Hinsehen doch akzeptabel sind.

Dieser Beitrag soll aufklären, helfen und immer wiederkehrende, gleichförmige Diskussionen durch Verlinkung hier her beenden, und möglichst viele Aspekte dieses heiklen Themas darlegen.

Danke an alle, die bis hierher gelesen haben.

Das polar-chat.de Forums-Team

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