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Frage zu "Hütegenen" bei Border Collies - Seite 9








Ich würde fast behaupten (wage mich jetzt aber auf sehr dünnes Eis), dass dieser Sinn des BC auch auf andere Hunde übertragbar sein könnte, wenn man einen Welpen z.B. einer anderen Hütehunderasse "kuckucksmäßig" einem guten BC Arbeitshund unterschiebt - und das nicht nur über 1 oder 2 Generationen, sondern über einige Generationen mehr.




OldHemp:

Obwohl es mal einen sehr interessanten "Versuch" über Füchse gab. Da ist es dem Menschen wirklich gelungen, nach Zahmheit zu selektieren und das nach nur wenigen Generationen.



Die Tatsache, dass es einige Generationen braucht, ist das nicht ein Hinweis oder gar Beweis, dass es sich dabei schon um den Beginn einer genetischen Fixierung handelt?





Die Tatsache, dass es einige Generationen braucht, ist das nicht ein Hinweis oder gar Beweis, dass es sich dabei schon um den Beginn einer genetischen Fixierung handelt?





Signalverständnis und Hemmbarkeit durch Domestikation
Eine Studie von B. Hare et al. (2005) bezweifelt, dass die tausendjährige Domestikation und Zusammenarbeit des Hundes mit dem Menschen eine Vorbedingung für das Verständnis menschlicher Signale darstellt.

Man selektierte über 45 (!) Jahre lang experimentell besonders zahme Farmfüchse. Diese wurden nun mit Füchsen der üblichen unselektierten Pelztierzucht sowie mit Hundewelpen in Bezug auf das Erkennen menschlicher Signale getestet. Die auf Zahmheit ­selektierten Füchse waren den un­selektierten überlegen, den Hunden aber ebenbürtig.

Signalverständnis beim Wolf züchtbar?
Dieses Ergebnis würde darauf hindeuten, dass vielleicht allein die Selektion auf Zahmheit eines Wolfes, und zwar innerhalb einer relativ kurzen Zeit von wenigen Jahrzehnten, bereits genügen würde, dieses Signalverständnis und die Impulshemmung möglich zu machen bzw. wesentlich zu verbessern. Würde dies durch weitere Studien untermauert, könnte man theoretisch den Wolf allein durch eine solche lange Zahmheitsdomestikation ohne dass eine Zusammen­arbeit wie beim Hund erfolgen müss-te sozusagen partiell zum Hauswolf machen, der dann, so genetisch vorbereitet, durch Kreuzung mit Gebrauchshunden, vornehmlich Deutschen Schäferhunden oder auch Malinois und ähnlichen Rassen, vielleicht dem erstrebten Super-Gebrauchshund nahe kommen könnte.

Vitalität des Wolfes für den Haushund nutzbar machen?
Beim Saarloos- und Tschechoslowakischen Wolfshund, die im vergangenen Jahrhundert als eine solche Züchtung allerdings erfolglos geplant waren, hätte dann eben zum Erfolg des Zuchtprojektes beim Wolf eine solche offenbar erforderliche Periode der alleinigen Zahmheitsselektion gefehlt. Es wäre ein hochinteressantes Experiment, die ursprüngliche Vitalität des Wildhundes Wolf für den Haushund vielleicht wieder zu re­generieren und nutzbar zu machen. Dies jedoch ohne an Ausbildbarkeit zu verlieren, wie das bei den fehl­geschlagenen bisherigen Versuchen dieser Art der Fall war. Freilich, die praktische Durchführung wie beim Fuchs wäre aber kaum denkbar, denn man müsste dazu mit hohen Kosten viele Wölfe durch Jahrzehnte züchten und selektieren ganz abgesehen ­davon, dass dies auch aus Tierschutzgründen unvertretbar ist! Außerdem waren die Farmfüchse beim Beginn dieses Versuches schon viel länger im Domestikationsstadium, und wenn auch da nicht bewusst auf Zahmheit selektiert, so ergab sich dies in ge­wissem Ausmaß von allein durch die Zucht in Gefangenhaltung.




@OldHemp - Re: 'Sheep oder cow sense' - wegen etwaiger Copyrightsverletzungen stellst du hier am besten nur den Link (zB http://www.downreed.ch/der-border-collie/index.html) ein.




@Xita

Ups...das wusste ich gar nicht. Vielen Dank!




Hey Juline



Juline:

Hans Georg:

Denn der Hütetrieb ist rein angeboren (nur gibt es ihn nicht) wie es immer heißt und somit auch nicht durch andere Aufgaben zu befriedigen oder umzulenken.



Hallo Hans Georg,

könnte man es so formulieren?:

Es gibt keinen Hüte-Trieb, sondern eine Veranlagung zum Hüten. Eine Fähigkeit, ein Talent dazu.
Dieses Hüteverhalten ist ein Teil des komplexen Jagdverhaltens, dem wiederum einen Trieb zugrunde liegt.

Damit ist es nicht unbedingt nötig, dieses Talent des Hütehundes auch zu nutzen, um ihm ein erfülltes Leben zu bieten.



LG
Antonia



Das Triebkonzept entstammt einer veralteten Auffassung die Triebe seien angeboren (würde auch bedeuten), dass sie nicht beeinflussbar sind, also somit nicht kontrollierbar wären.

Das, was einmal unter Triebe verstanden wurde, sind nach heutiger Erkenntnis sehr komplexe physiologische Regelkreise.

Die Neurobiologie, Verhaltensbiologie, Physiologie konnt dieses obsolete Triebmodell widerlegen, deshalb spricht man heute von Motivationen (kann man auch im letzten Werk von Feddersen-Petersen und anderen Verhaltensbiologen nachlesen), deren Grundlage sind Angeborenes (Erbanlagen) und Erworbenes (Erfahrung/Lernen usw.) Verhalten.

Mit Motivation will man zum Ausdruck bringen das Erbanlagen durch Lernen verändert, also beeinflusst werden kann.

Z. B. zeigt sich die Motivation also die Grundlage des Hüteverhaltens in sehr unterschiedlicher genetischer (angeborener) Ausprägung, manchmal ist sie aber überhaupt nicht vorhanden, trotzdem kann es durch Erfahrung (Lernen) mehr oder weniger Veränderungen gäben.

In Kurzform:

Genetik + Umwelt = Verhaltensmotivationen.

Vielleicht kann ich an einem Beispiel zeigen, was Genetik + Umwelt (Lernen) = Motivation meint.

Da ich einen ACD (Treiber) habe konnte ich folgende Erfahrung machen. Die genetisch bedingte Anlage zu treiben, zeigte sich immer wieder an ganz unspezifischen Reizen und Objekten, sie müssen sich nur bewegen, z. B. die Mülltonne, Sackkarre, Rasenmäher, Schubkarre usw. und ganz gefährlich Autos, oder Personen.

Mit anderen Worten, die Motivation (Treibmotivation) durch heelen (Wadenzwicken) ist genetisch vorhanden, aber es muss gelernt werden welche Objekte (Rinder) geheelt werden sollen.

Dazu noch eine Überlegung von mir:

Stell dir vor mein ACD wäre in Australien bei einem Farmer mit Rindern und würde sofort versuchen, wenn er mit den Rindern in kontakt käme sie zu treiben, dann würde ich mit stolz sagen, mein ACD ist ein Naturtalent und weiß sofort was sie tun muss.

Hier sind es Gegenstände und keine Rinder, da heißt es, die Arme fehlgeleitete ACD, das müssen wir ihr abgewöhnen, was ja richtig ist, aber ist sie nicht deshalb eher ein armer ACD, weil sie nicht tun darf, was in ihr steckt.




Der wahre Egoist kooperiert.




Danke Hans-Georg,

sehr gut verständlich anfang
Das hieße übertragen auf die Hütehunde (und ich spreche jetzt nicht oder nicht nur von Borders), dass die Veranlagung durchaus in ihnen steckt, genetisch bedingt, doch die Motivation noch durch Umwelterfahrungen geformt wird. Verstärkt oder gebremst wird.
Richtig?

"Leidet" dann deiner Meinung nach ein Hütehund mit vorhandener genetischer Veranlagung, wenn er nie die Gelegenheit bekommt, dies auszuleben?
Wird er zwangsläufig verhaltensauffällig, weil sich seine genetische Veranlagung andere Bahnen sucht, um ausgelebt zu werden?
Denn dadurch, dass sie nicht gefördert wird, ist sie ja nicht verschwunden.
Oder kann die dann problemlos "brach liegen"?

Schwer in Worte zu fassen, ich hoffe du verstehst was ich meine.

LG
Antonia





Ich weiss nicht, ob darauf schon jemand geantwortet hat.

Juline:



d.h. einem Aussie etwa, der zum hüten ausgebildet wird, muss der Tötungsbiss abtrainiert werden? Oder wie darf ich mir das vorstellen?
Und wenn ja -ich kann mir nur schwer vorstellen, dass etwas so tief sitzendes und elementares wie das ursprüngliche Jagdverhalten so zuverlässig "umtrainiert" werden kann, dass der Hund es dann in allen (Hüte-)Situationen perfekt beherrscht...!?




Bei Huetehunde ist es ganz wichtig zu wissen, fuer welche Herden sie gezuechtet wurden. Aussis wurden haeufig bei Rinderherden genutzt. Ebenso die hier NW USA Borders, von denen Shyla einige Gene abbekommen hat.

Bei Rindern wird mehr Direktheit vom Hund verlangt. Leider sind nur die Australian Cattles fuers in die Hacken beissen bekannt, aber auch andere Hunderassen setzen sich so bei hatrnaeckigem Vieh durch.

Wenn ich im Forum vom arbeiteden Huetehund lesen, haben viele die Bilder vom Border und seiner Koerperhaltung wenn er an der Schafherde arbeitet im Kopf. Andere Hunderassen bewegen sich nicht in dieser Koerperhaltung um Herden, aber hueten trotzdem. Man muss es als Leie nur erkennen.

zB Weg abschneiden, zick zack laufen sehen dass alles nachkommt oder niemand vor laeuft, seitlich vorlaufen und abdraengen....

Alles Gute beim Seminar. Lerne so viel wie moeglich ueber Schafe, denn Du musst wissen, wie Schafherden ticken, um Deinen Hund auch einsetzen zu koennen.




Viellt. bin ich ja nun blöd, aber eure Diskussion verstehe ich nur sehr bedingt:

1. Der Sheepsense ist EINE wichtige Sache, die ein BC haben sollte, um Hüten zu können, braucht er aber einige mehr! Es gibt nicht DAS Hütegen, aber es gibt Gene auf denen die verschiedenen Fähigkeiten liegen, die ein BC zum Hüten braucht. Es handelt sich keinesfalls nur um einen Sinn.

Mein Hund hat nicht den kompletten Bausatz abbekommen. Deutlich jüngere Hunde und auch deutlich ältere Hunde, die das erste Mal an den Schafen sind, habe schon deutlich besser gearbeitet, als mein Hund es nach vielem Training kann.

Man kann einiges Trainieren, stößt aber sehr bald an gewisse Grenzen, wenn Hund nicht die entsprechende genetische Veranlagung hat.

z.B. Outrun: Es gibt Hunde, die sehen das erste Mal Schafe und laufen einen Kreis um sich auf 12 Uhr zu legen. Kein Training! Es wird automatisch abgespult! Mein Hund bekommt langsam eine Idee, dass die Viecher weglaufen, wenn er einfach gerade drauf zu läuft. Er hat aber genug Genetik abbekommen, um zu Wissen, dass das Ziel ist, dass die Wollis zu mir sollen. Deswegen habe ich überhaupt die Chance ihm beizubringen, dass er drumrum muss. Hätte er nicht mal das Wissen, dass die Schafe zu mir gehören, wüsste ich kaum wie ich meinem Hund begreiflich machen sollte, dass er sie nicht durch die Gegend scheucht.

z.B. Druckpunkt: Er drückt die Schafe, bewegen sie sich, müsste er im Optimalfall von allein die Geschwindigkeit rausnehmen. Tut er nicht. Er drückt, sie rennen, er will hinterher. Es gibt aber Hunde, die auch dies von sich aus beherrschen.

etc. etc. etc.


2. Ein Hund aus Arbeitslinie, der tatsächlich Arbeiten kann und will gehört an die Schafe. Es gibt keine andere Tätigkeit, die einen BC so optimal auslastet. Es mag sein, dass man den Hund auch anders "zufrieden" bekommt, aber es ist weitweg vom Ideal.


3. Das "Knollen-Problem": Ich habe einen Hund, der sehr reizempfindlich ist, was ein BC dringend braucht, damit er jede kleine Bewegung des Schafes registriert und entsprechend schnell reagiert. Gleichzeitig braucht so ein Hund, aber auch ein starkes Nervenkostüm, um bei dieser massiven Anzahl der Reizwahrnehmung den Kopf nicht zu verlieren. Das passende Nervenkostüm hat der Hund aber nicht!!!

So... ein Hund, der arbeitet und nicht reizempfindlich ist, fällt auf und wird nicht verpaart.
Ein Hund, der arbeitet und nicht nervenstark ist, fällt auf und wird nicht verpaart.
Man kann nicht umhin es zu bemerken.

Eine Papaknolle ist vielleicht nicht reizempfindlich und hat kein ein starkes Nervenkostüm, braucht dies aber auch nicht in vollem Maße, da er ja nicht so viele Reize wahrnimmt, dann muss das im Alltag nicht unbedingt auffallen.

Die Mamaknolle ist vielleicht reizempfindlich, hat aber das passende Nervenkostüm dazu. Auch das fällt dann im Alltag nicht unbedingt auf. Die Hunde sind augenscheinlich im Gleichgewicht.
Also beide Hund unauffällig. Verpaart man die nun, kann es aber sein, dass die Babyknollen, reizempfindlich und nicht nervensstark sind, dann hat man ein Problem!

Und das waren nur zwei Aspekte (und die sehr vereinfacht, wenn BC- Züchter darlegen, was sie konkret bei dem Wurf erwarten, dann versteht man als Laie nur Bahnhof), die im Gleichklang sein müssen, um einen "anständigen" BC zu haben und die nicht nur beim Hüten wichtig sind, sondern auch im Alltag. Es gibt aber etliche weitere!!!

Diese Fähigkeiten und das fehlen dieser Fähigkeiten, fallen aber im Einzelnen u.U. nur da auf, wo sie wirklich benötigt werden und das ist beim BC beim Hüten. Im Alltag kann eine Fähigkeit oder beide u.U wegfallen, ohne dass man es sofort merkt oder dass man dadurch einen schwiergien Hund bekommt.


Ich bin kein Züchter, habe wenig Ahnung vom Hüten, erhebe keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit, aber so habe ich dies nach etlichen Jahren des Beschäftigens mit der Rasse verstanden!

Edit: Zudem sind BCs keine Hütehunde im eigentlichen Sinn, sondern Koppelgebrauchshunde. Und einem Aussie aus Arbeitslinie, braucht man auch ganz bestimmt nicht den Tötungsbiss aberziehen. Er hütet anders als ein BC, aber das ist nicht der Grund warum er weniger spezialisiert ist. Das liegt daran, dass er nicht nur zum Hüten, sondern auch zum Schutz des Hofes genutzt wurde.

@ Old Hemp (cooler Name für einen Knollenbesitzer smilie_24.gif ) Warum ist ein Kelpie ein weniger spezialisierte Arbeitshund als ein BC? Woran machst du das fest?

Lg Tina




ch frage mal meinen Schwager, ob er mir das in 3 Sätzen erklären kann.
Er ist Professor in solchen Sachen,




Juline:

Miemingborders:


Juline: Gehst du zum Anita Hermes Seminar dieses We?



Nein, zu Kai Haus.
Kennt jemand seine Seminare?



Ja anfang du wirst definitiv ein lehrreiches und spaßiges Wochenende haben. Kai Haus ist ein Mensch, der nicht nur den Hund analysiert, sondern auch immer den Menschen. Und das enorm treffend. Zudem von seiner Persönlichkeit her sehr angenehm.
Ich denk man kann ganz getrost sagen, dass er einer der besten Seminarleiter hier in Deutschland ist (und das er's auch selbst kann hat er letztens auf dem Trial Gut Schiff gezeigt. Dazu gibts hier einen Fotothread von Pixelstall).



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