Ab wann sollte man Dominanzverhalten unterbinden?





Hallo,

ich habe mal eine Verständnisfrage.

Ich hatte heute mal wieder eine Begegnung, bei der ich mich erst einmal furchbar aufgeregt habe, die mich aber zu einer Frage angeregt hat.

Ab wann beginnt Aggression und ab wann sollte Dominazgehabe unterbunden werden?

Hintergrund:
Ich war heute wieder mit unserem Harry (Bardino-Mix Rüde) unterwegs. Harry ist gegenüber anderen Hunden (egal ob Rüde oder Hündinh) in 1 von 50 Fällen, ich nenne es mal so, etwas "pöpelig". Meist verhält er sich unauffällig und ist in diesen Situationen auch abrufbar.

Ich bin der Meinung, dass das, wenn man seinem Hund, realistisch eingeschätzt, kein Aggressionspotential nachsagen kann, auch ok ist. Es können sich nun mal nicht alle Hunde leiden und wenn die Zähne nicht eingesetzt werden und kein Mobbing stattfindet, ist das eben so.
Heute haben wir nun wieder so einen Hund (Schäferhund) getroffen, bei dem Harry offensichtlich der Meinung war, zu sehen, wie weit er gehen kann. Harry zog seine Nummer ab wie Kopf oder Pfote auf den Rücken des anderen zu legen, was sich der andere aber nicht gefallen ließ und sofort die Zähen zeigte. Das hat Harry nicht abgehalten, noch mal zu versuchen, wie weit er gehen kann. Da hat doch dessen Besitzer mit dem Fuß nach Harry getreten und auch noch gemeint, dass Harry total aggessiv wäre. Er hätte jahrelange Ahnung von Hunden. Ich habe ihm daraufhin erst einmal eine Tracht Prügel angeboten (was ich natürlich nicht durchezogen hätte).

Harry hat noch niemals Aggressionen gezeigt, wie ich sie definiere: Lefzen hochziehen, schnappen, beißen. Ab wann beginnt Aggression? Sollte man jegliche Aktivität in Richtung Dominanzverhalten (Rempeln, stubsen, aufreiten) sofort unterbinden, oder erst mal sehen, wie sich sein Gegenüber verhält? Ich bin der Meinung, immer vorausgesetzt, dass kein Aggressionspotential vorhanden ist, sich da erst mal nicht einzumischen.

Sehe ich das falsch?

Viele Grüße

Peter






Hallo Peter,

ich sehe da kein "Dominanzverhalten", sondern eher eine normale "Unterhaltung". Wenn er dann vom anderen Hund eine drüber bekommt (ich meine jetzt nicht beißen), wäre es für mich auch noch normal, wenn er so penetrant die Pfoten auf ihn legt.

Du sagst ja selber: Bei Mobbing und Beißereien sollte Mensch eingreifen, bei "normalen Unterhaltungen" unter Hunden mische ich mich nicht ein. Aggressiv finde ich keinen der beiden Hunde, die du beschreibst.

Ich finde, dass du alles richtig gemacht, mal abgesehen davon, dass du dem Halter vielleicht doch hättest verprügeln sollen smilie_6.gif (Scherzlein)




Tja,
so können sich Meinungen unterscheiden. Ich sehe da klar eine Provokation, und das würde ich nicht zulassen. Alleine schon das Problem, dass du nicht weißt, wie sehr sich der andere provozieren lässt - maßregelt er angemessen oder geht er gleich richtig drauf? - verbietet meiner Meinung nach dieses Austesten. (Und was hat dein Hund davon, wenn er dann getestet hat, es zur Rauferei kommt, und du eingreifst? Sehr wenig, oder?)
Grüßle
Silvia




Bei den sogenannten Raufspielen handelt es sich um ritualisierte Kommentkämpfe, die mit einer Beißerei überhaupt nix zu tun haben und nicht mit Verletzungen einhergehen.




Hi Steffi,
und was bringen diese "ritualisierten Kommentkämpfe"? Die mE eine von mehreren theoretischen Möglichkeiten sind... Was lernt mein Hund?
Grüßle
Silvia




Hallo,
ich selbst finde die frage etwas schwierig, da jeder eine andere Auffassung von Dominanzverhalten hat. In deinem Fall, so wie du es beschreibst, würde ich es Kommunikation unter Hunden nennen. Harry hat weder die Zähne gezeigt noch geknurrt oder sonst etwas, also hat für mich das ganze keinerlei Aggressionsverhalten.

Mein Blacky pöbelt auch, allerdings nur an der Leine. Wie weit er gehen würde, sollte ein Kontakt an der Leine in einer Pöbelsituation zustande kommen kann ich nicht sagen, aber im Freilauf ist er mit allem und jedem verträglich. Ist ihm einer nicht ganz koscher, geht er diesem aus dem Weg bzw. lässt mich das regeln, sollte der andere zu frech werden. Akhiro dagegen ist gerade im besten Junghundealter, er versucht bei unsicheren Hunden aufzureiten und wird auch aufdringlich, dass allerdings unterbinde ich sofort, da ich selbst das nicht will. Bei Blacky hat er das genau zweimal versucht und hat sich gehörig eine eingefangen.

Ob ich mich einmische oder nicht, schätze ich am verhalten meiner Hunde ab. Sehe ich es wird ihnen zu viel, sie versuchen wegzukommen etc. gehe ich dazwischen, zur Not auch etwas unsanft. Ansonsten mische ich mich nicht ein.

Da fällt mir ein schönes Beispiel ein: Akhiro trifft auf einen etwa gleichaltrigen Border Collie Rüden, die beiden spielen etwas zusammen, alles okay. Plötzlich geknurre, beide stehen voreinander. Akhiro versucht aufzureiten, der Border lässt sich das nicht gefallen und wirft Akhiro auf den Rücken. Akhiro ergibt sich sofort, wendet den Kopf zur Seite und beschwichtigt. Der Border will gerade wieder runtergehen, da greift Frauchen ins Geschirr, reist ihn von meinem runter und gibt ihm einen recht harten Schlag auf den Rücken. Als ich versuchte ihr zu erklären das das alles in ordnung war machte sie komplett dicht, mein Hund hätte die Beisserei angefangen etc. Die beiden haben sich kaum berührt, das ganze lief Körperlich ab. Ich versuchte ihr zu erklären das die beiden völlig normal miteinander Kommuniziert haben, sie liess mich dann einfach stehen. Bei sowas bin ich der Meinung, wird Aggression gefordert und gefördert, da der Hund durch Schläge davon abgehalten wurde mit meinem zu Kommunizieren.

Ich bin mir sicher, hätte sie sich nicht eingemischt, wäre das alles in kurzer Zeit geklärt gewesen. Aber viele Menschen meinen leider, es allemal in allem besser zu wissen.




Also für MICH ist es ab aufreiten zu viel des Guten, das wird unterbunden! Alles andere ist in meinen Augen gerade unter Rüden ein sehr friedliches "Position checken", aber ab aufreiten wirds für mich kritisch weil hier schon viele Rüden auch mal aggressiv reagieren. Ich möchte auch nicht, das mein Hund auf Teufel komm raus überall versucht, Chef zu sein...immerhin bin ICH Chef...und er in dem Fall eben NIX...ein bisschen rumprollen ist ab und an ok, aber ernsthaftes rangordnungs-Geplänkel will ich nicht haben. Wenns Probleme gibt, machen die schließlich die Chefs unter sich aus, da haben die anderen nur wenig zu melden.

Nach MEINEM Empfinden, muss man nicht alles immer gleich unterbinden...Janosch hat hier in der Gegend zwei gute Kumpel, zwei Rüden, einer jünger, einer älter als er...der ältere legt ihm regelmäßig mal Kopf oder Pfote auf den Rücken, er akzeptierts, alles ist gut...der jüngere versuchts, er akzeptierts nicht, wird aber spielerisch geregelt indem beide immer wieder versuchen, obenauf zu sein...und beide immer mal wieder unten liegen...Janosch ist nur wichtig, das er zum Schluß obenauf ist, und das wiederrum akzeptiert der jüngere...aber jedesmal haben die Hunde viel Spaß beim Spiel, verstehen sich super und auch wenn ab und an mal geknurrt wird, es gab noch nie auch nur einen Kratzer...was auf uns häufig aggressiv wirkt, ist für die Hunde noch tolles Spiel...

Mich erinnert das immer ein bisschen an Araber...bitte versteht mich nicht falsch, aber bei Arabern, wenn die sich unterhalten, habe ich immer den Eindruck, das sie sich streiten...die Gespräche "klingen" so aggressiv..und hinterher umarmen sie sich, verabschieden sich lachend und sind beste Freunde...nix von wegen Aggression..normale Unterhaltung...nur nicht für meine Ohren, die ja den Inhalt nicht verstehen...ich denke, ähnlich ist es bei unseren Hunden...




Es kommt darauf an, wie der andere Hund drauf ist. Wenn der Halter seinen Hund kennt und weiss, dass dieser überdreht, sollte er eingreifen.




Was lernt mein Hund?



Sozialverhalten. Beispiel: Der Hund schubst und rempelt den anderen. Der knurrt und zieht die Lefzen hoch. So lernt der andere Hund, dass es jetzt genug ist und geht seines Weges. (vereinfacht ausgedrückt)
Dies kann er ja nur von anderen Hunden lernen. Ich bin der letzte Mensch der Erde, der sagt, dass Hunde alles unter sich regeln!! Aber bei manchen Dingen, sollte sich Mensch nicht einmischen.

Hast du mal Hunde miteinander spielen sehen (vor allem Hunde, die sich gut kennen). Die sind so "unverschämt" , "brutal" und laut untereinander, dass man meinen könnte, dass sie kämpfen. Das tun sie aber nicht, aber sie üben nur!


Edit:

Ob ich mich einmische oder nicht, schätze ich am verhalten meiner Hunde ab. Sehe ich es wird ihnen zu viel, sie versuchen wegzukommen etc. gehe ich dazwischen, zur Not auch etwas unsanft. Ansonsten mische ich mich nicht ein.

Da fällt mir ein schönes Beispiel ein: Akhiro trifft auf einen etwa gleichaltrigen Border Collie Rüden, die beiden spielen etwas zusammen, alles okay. Plötzlich geknurre, beide stehen voreinander. Akhiro versucht aufzureiten, der Border lässt sich das nicht gefallen und wirft Akhiro auf den Rücken. Akhiro ergibt sich sofort, wendet den Kopf zur Seite und beschwichtigt. Der Border will gerade wieder runtergehen, da greift Frauchen ins Geschirr, reist ihn von meinem runter und gibt ihm einen recht harten Schlag auf den Rücken. Als ich versuchte ihr zu erklären das das alles in ordnung war machte sie komplett dicht, mein Hund hätte die Beisserei angefangen etc. Die beiden haben sich kaum berührt, das ganze lief Körperlich ab. Ich versuchte ihr zu erklären das die beiden völlig normal miteinander Kommuniziert haben, sie liess mich dann einfach stehen. Bei sowas bin ich der Meinung, wird Aggression gefordert und gefördert, da der Hund durch Schläge davon abgehalten wurde mit meinem zu Kommunizieren.



Super Beispiel!! smilie_5.gif




@Steffi

Wenn der andere Hund nicht gut drauf ist, dann kriegst Du das Gegenteil von Sozialverhalten, nämlich eine massive, schlechte Erfarhung.



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