› 
 ›
 › Fragen zum Einzug eines Hundes aus der Tötung
 
 


Fragen zum Einzug eines Hundes aus der Tötung

Guten Morgen!
Ich hoffe, die Rubrik ist richtig, es sind ganz verschiedene Fragen die so nach und nach auftauchen und auf die wenigsten finde ich passende Antworten. In zwei Wochen zieht bei uns ein zweijähriger Schäfermix aus einer Tötungsstation in Frankreich ein, und mir schwirren noch ab und an doch immer noch mal Fragen durch den Kopf, hier sind ja ganz viele mit Erfahrung und ich würde mich freuen, ein paar Antworten zu hören!

1.) Das Abholen.
Wir holen den Hund ab, wenn der Verein ihn nach Deutschland gebracht hat. Außer der Fahrt Frankreich - Deutschland muss er dann mit uns noch gute zwei Stunden fahren. Klar ist, Handtücher ins Auto legen, welche zum wechseln dabei haben, Leine, Halsband, Geschirr parat haben. Aber wie kann ich ihm das Reisen angenehmer machen? Häufige Halts (was heißt da häufig?), ok. Und Bei jedem Halt Wasser anbieten. oder biete man auch während der Fahrt Wasser an und wenn ja, wie? Er bekommt am Anfang den gesamten Kofferraum dank eingebauten Absperrgitter.
Fütter ich ihn in der Zeit?

2.) Gassi gehen.
Gassi gehen ist klar, auch das am Anfang häufiger geht, aber auf Dauer, pass ich da mich dem Hund mit den Zeiten an oder gewöhnt man den Hund an die eigenen? Geplant wären für den Alltag vier Runden, morgens, mittags, nachmittag, abend, d.h. so um 7 - 8 oder 9 . Muss dann nachts noch ne Runde gelaufen werden oder nur am Anfang? Und wie lang und wie weit kann so ein Hund denn am Anfang laufen? Der wird ja nicht sehr fit sein, oder? Aber was heißt das bei einem jungen Schäfermix?

So, und vor lauter zuviel Text, hab ich die anderen beiden Fragen vergessen... Kaffeeeeee

Vielen lieben Dank fürs Durchsteigen meines Geschwafels und die kommenden Antworten!



Für zwei Stunden Autofahrt würde ich keinen Halt und kein Gassi gehen einplanen.

Für den Hund ist es streßfreier durchzufahren. Und natürlich auch nicht füttern. Der verhungert schon nicht in den zwei Stunden und es könnte sonst durchaus sein, dass er vor Aufregung eh nur kotzt. Wasser könnt ihr im natürlich anbieten, wenn ihr ihn in eurem Auto habt, bevor ihr los fahrt

Das Wichtigste ist, den Hund auf jeden Fall DOPPELT zu sichern (also Halsband und Geschirr und an beidem ein Ende der Leine dran). Leider häufen sich die Fälle, wo Auslandshunde wegen ungenügender Sicherung entwischen. Auch falls ihr einen eigenen Garten habt, bitte den Hund ersteinmal nur so gesichert rauslassen. Und auch wenn ihr die Haustür öffnet, wenn Besuch kommt, vorab den Hund sichern!!!!

Beim Gassi gehen stellt euch mal darauf ein, dass der Hund noch nicht stubenrein ist, ihr also das Training genauso wie bei einem Welpen gestalten müßt. Heißt: alle zwei Stunden raus und noch dem spielen, fressen und schlafen.

Alles weitere wird sich dann schon finden, je nach dem wie der Hund drauf ist.




Hallo,
ich sehe das genauso wie Junimond.
Allerdings solltest Du nicht zu viel Stress mit dem Hund machen.
Er soll schließlich erst einmal bei Dir ANKOMMEN.

Beobachte ihn einfach - ohne ihn direkt anzustarren.
Wir Menschen können es gut aus dem Augenwinkel.

Habe auch einen Hund aus dem Ausland - seit Januar.
Das was diese Hunde brauchen ist: ZEIT sich an all die neuen Dinge zu GEWÖHNEN.

Mach Dir nicht zu viele Gedanken. Du musst schauen, wie der Hund ist. Danach richtest Du dann Dein Verhalten.
Ist er sehr sehr quirlig - bist Du absolut ruhig. Gib ihm einfach die Zeit, die er braucht.
Es geht nicht alles auf einmal.

Ich wünsche Dir einen guten Start mit ihm.

LG B.




Ich schließe mich Junimond komplett an.
Möglichst bei der Übergabe pinkeln lassen und dann einfach durchfahren. Er wird sich melden, wenn das nicht klappt. In dem Fall besser irgendwo abbiegen und abseits der Autobahn halten.
Wasser anbieten ja, Füttern nicht.

Doppelt sichern ist unglaublich wichtig, stellt das Geschirr lieber zu eng als zu locker ein. Und beim Öffnen der Kofferraumklappe höllisch aufpassen!
Es entwischen ganz oft Hunde, die erst wie platt im Wagen lagen und dann, kaum dass man die Klappe öffnen, wie von der Tarantel gestochen herausflutschen.

Ich würde bei einem mir unbekannten, großen Hund auch zur Sicherheit einen Maulkorb ganz unten in der Tasche dabei haben. Man weiß nie, wie sie unter Stress reagieren und man kann sich selbst viel Stress und Drama ersparen, wenn man zur Not die Zähne vorübergehend unschädlich machen kann.

Was die Fitness und die Gassis betrifft: Ich weiß, es beruhigt ungemein, sich da einen Plan zu machen. Aber letztlich werdet ihr es sehen, wenn der Hund da ist.
Mein Beagle z.B. (aus dem Labor) kannte überhaupt keine Spaziergänge und hatte demnach weder Ausdauer, noch nennenswerte Muskulatur oder Hornhaut an den Pfoten. Wir planten also ganz kurze, ruhige Gassis ein.
Und dann kam der Hund - und zeigte, was ihn am wohlsten tut: Spaziergänge durch die Natur und LAUFEN
Fangt einfach langsam an und schaut, was der Hund euch sagt.



Auch ich schließe mich zu 100% @Junimond an

Außerdem: Überlegt Euch vorher, was er bei Euch darf und was nicht. Wenn z.B. Sofa tabu ist, dann ist es das vom ertsen Moment an und nicht erst nach dem Einleben. Etwas erst dürfen und dann irgendwann nicht mehr ist viel schwieriger zu verstehen. Außerdem fühlt sich ein Hund am wohlsten, wenn er weiß, innerhalb welcher Grenzen er leben soll und kann.

Und seht in ihm nicht das arme Hundchen, der ein hartes Schicksal hinter sich hat, sondern geht ganz natürlich mit ihm um! Wenn er Fehler mach, entschuldigt es nicht mit seiner Vergangenheit, sondern arbeitet an seiner Zukunft

Alles andere wird sich zeigen, wenn er denn da ist




Ich schliesse mich meinen Vorschreibern an.

Ganz ganz wichtig doppelt sichern. Bei der Bekannten von mir, die Hunde aus Spanien vermittelt heisst es immer eine Moxonleine dran. Auch wenn die hier nicht so beliebt ist, aber da zieht der Hund sich nicht raus und entwischt. Oder einen Würger. Das ist nicht für immer und in dem Fall zur Sicherheit des Hundes.

Das ist schon so oft passiert das ein Hund in Panik, ob bei der Übergabe oder kurz vor dem neuen Zuhause aus dem Halsband raus ist oder dem Geschirr.

Nehmt euch am Trapo die Zeit das Geschirr richtig anzupassen und kein Norweger oder so was in die Richtung nehmen, da geht der Hund einmal rückwärts und dann ist er weg....

Über Futter würde ich mir erst zu Hause Gedanken machen. Wasser ist ok.

Ich war einmal beim Abholen einer Hündin mit, die hat fast ne Stunde gebraucht bis sie so weit war das sie sich lösen konnte. Die Fahrt ist Stress für die Hunde, die wissen ja nicht was auf sie zukommt.

Viel Spass mit dem Wutz und die Idee mit dem Mauli finde ich gar nicht so verkehrt.






Vielen Dank für die flotten Antworten, das beruhigt ungemein.
Die doppelte Sicherung steht ganz oben, das werden wir auf jedenfall beherzigen. war auch eins der ersten Dinge, die wir nahegelegt bekamen.
Das mit dem nicht essen während der Fahrt ist ja nu logisch, jetzt wo ihr es so sagt *kopfklatsch* Aber natürlich hat man den Gedanken, das der genau in den zwei Stunden verhungern wird

Zeit hat er, mit stubenrein werden, mit ankommen, soviel er braucht!
Und Streß machen, nein, ich würde es nicht Streß machen nennen, eher Vorfreude. Ich weiß, das wirkt so... unüberlegt und übersürzt und hektisch. Klar hätte man gern mehr einen Plan, was da auf einen zu kommt, aber im Prinzip kenn ichs ja, hier saßen schon soviele nicht hundische Pflegelinge und in dem Moment, wo ich das Tier sehe, bin ich ganz ruhig, aber die Tage vorher dreh ich ab Aber es ist pure Vorfreude, ich liebe es zu lernen, Erfahrungen auszutauschen, Informationen zu sammeln und auszuarbeiten, ansonsten würd ich mich an das Thema Tötungshund auch nicht rantrauen.
Natürlich ist die Angst da, den Hund endgültig zu verkorksen wenn man jetzt Fehler macht, aber wie ihr sagt, am Anfang Ruhe, Essen, Schutz bieten und der Rest entwickelt sich.

Edit : Maulkorb : So ein Drahtding oder so einer der nur über der Schnauze ist, nicht überm Maul? (Haben die Namen? Tsss, was man hier alles lernen muss )



Mauli aus Draht oder Kunststoff nicht so eine Maulschlaufe, da können sie nicht mit atmen.



Feste Regeln von Anfang an sind klar, Sofa zb kein Thema, wir haben nämlich keins
Feste Regeln von Anfang an sind wir durch unsere Tochter gewöhnt, klingt blöd, aber durch ihre Epilepsie samt Medikamentation, kommt sie zb, mit Regeländerungen unheimlich schwer klar und wir sind es gewohnt, abends wenn sie schläft zusammen zu sitzen und Regeln mt allen Folgen zu durchdenken. So machen wirs nun auch beim Hund, wir sind Tagesablauf und jeden Raum durchgegangen, Liste geschrieben, ausdiskutiert Z.b. wird das Kinderzimmer wegen Spielsachen , Rückzugsmöglichkeit für Kind und Katzen für ihn tabu bleiben. Bett ist tabu, etc.

Danke euch, oft sieht man ja von außen mehr als wenn man selbst im Grübeln steckt



Wichtig: kein Mitleid wegen der schlechten Vergangenheit. Für den Hund fängt nun ein neuer Lebensabschnitt an und ihr solltet von Anfang an klare Regeln und Richtlinien festhalten. Hunde leben im hier und jetzt

Etwas heikel könnte es in Bezug auf eure Katzen werden. Gibt hier im Forum gerade einen Thread mit einem neuen Hund aus dem Ausland und zwei Katzen, wo es nicht gut läuft und der Hund wohl wieder abgegeben wird.

Wenn der Hund nicht gerade der Oberschisser ist, macht ihm von Anfang an deutlich klar, dass Katzen jagen absolut tabu ist. Lieber einmal anfangs richtig deutliche Ansage machen, als ein Schrecken ohne Ende.


Und noch was, zwar nicht wesentlich: aber gibt es ein Bild von dem Hund? Bin ja neugierig

Edit: würde euch noch einen Tipp ans Herz legen. Holt euch in der Apotheke Rescue Tropfen (Notfalltropfen) und gebt die dem Hund anfangs ins Wasser oder unters Futter.



Powered by: phpMyForum © Christoph Roeder