Kampfhund

Aus Hunde-Wissen
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Kampfhund ist heute ein Begriff aus den Medien, um bestimmte Hunderassen zu diskriminieren; diese Definition hat, entgegen der Meinung vom Fachmenschen, auch in die Gesetzgebung Einzug gehalten. Zu diesen "Kampfhunden" zählen auch Rassen, die nie für Hundekämpfe missbraucht wurden.

Die Bezeichnung steht eigentlich für Hunde, die für Hundekämpfe, Hund gegen Hund oder Hund gegen andere Tiere, gezüchtet wurden. Gewünschte Eigenschaften sind Aggressivität, Ausdauer, niedrige Reizschwelle. Klassische Kampfhunderassen sind zum Beispiel Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier und American Pit Bull Terrier. Auch Hunde dieser Rassen sind, von wenigen Individuen abgesehen, nicht grundsätzlich aggressiv. Es wird also kein Hund als Kampfhund geboren.

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

Gepanzerter doggenartiger Hund um 1450

Kriegshunde der Vergangenheit

Schon Kulturen der Frühzeit kannten große Hunde vom Mastifftyp, die als Kriegshunde eingesetzt wurden. Sie bewachten den Tross und das Lager, wurden aber auch gezielt in den Kampf geschickt. Griechische und assyrische Armeen beispielsweise sandten ihren Kriegern Kriegshunde voraus, die das gegnerische Feuer auf sich ziehen oder den Feind aufspüren sollten. Häufig trugen sie Messer oder Fackeln am Halsband, um Tod und Verwirrung in die gegnerischen Reihen zu tragen. Erst mit dem Aufkommen besserer Waffen und anderen Methoden der Kriegsführung wurden diese Hunde im Mittelalter bedeutungslos.

Das Aufkommen der Hundekämpfe im England des 18. und 19. Jahrhunderts

im Rattenpit
Hund gegen Hund

Der von den Medien gebrauchte Begriff der Kampfhundes stammt aus der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts, als Hundekämpfe in England institutionalisiert zum "Massensport" wurden, um der allgemeinen Wettbegeisterung der Engländer zu huldigen. Wenn es auch aus heutiger Zeit sehr seltsam erscheint: für diesen Wettkampf gab es festgeschriebene Regeln, nach denen selbst heute die nun illegalen Hundekämpfe veranstaltet werden. Diese Regeln passen nun gar nicht zu dem Bild, welches von heutigen "Kampfhunden" gezeichnet wird!

Wie sahen die Kämpfe aus? Die häufigste Kampfart war wohl: wie viele Ratten kann der Hund in einer bestimmten Zeit töten? Hier wurden alle Arten von Hunden eingesetzt, angefangen beim Yorkie, ja, also auch der Yorkie war somit ein Kampfhund. Fast alle britischen Terrierrassen wurden hierbei eingesetzt. Diese Kampfart war die Häufigste, weil der Hund nicht in Gefahr lief getötet zu werden.
Die am höchsten bewertete (und bewettete) Hundekampf, waren der Kampf Hund gegen Hund. Hier wurden die etwas größeren Hunde eingesetzt, gekämpft wurde in der Regel bis zum Tode eines der Kontrahenten. Hier konnte schon zu der damaligen Zeit hunderte Pfund verdient werden, siegreiche Hunde hatten einen enormen Wert. Mitte des 19. Jahrhundert wurde Hundekämpfe endgültig verboten und wanderten in die Illegalität ab.

Der Pit, die Kampfarena Hundekämpfe, gegen wen auch immer, fanden in einem relativ eng umgrenzten Raum statt. Die Umgrenzung hatte die Aufgabe den Kampfraum zu begrenzen - ausweichen, weglaufen, also eine natürliche Reaktion, war nicht möglich. Der Freiraum des Hundes wurde also so eingegrenzt, dass nur der Kampf übrig blieb, was nach außen als Aggressiv wahrgenommen wurde. Diese Aggression durfte sich aber nur gegen den Kontrahenten richten, auf keinen Fall gegen Menschen. In der Kampfarena, der Pit, befanden sich neben den kämpfenden Hunden gleich 3 Menschen, die für den reibungslosen Ablauf sorgen sollten: ein Kampfrichter und 2 Assistenten, die jederzeit in den Kampf eingreifen konnten, die Hunde hochnehmen und in eine geregelte Ausgangssituation zurücksetzen konnten. Ein Hund, der einen Menschen biss, wurde für alle Zeiten gesperrt, durfte nicht zur Zucht verwendet werden und wurde in der Regel getötet.

Wie lebten die Hunde? Hundekampf und Haltung der Hunde war eine Sache der unteren Bevölkerungsschichten. Die "besseren" Kreise hatten ja Pferde und die Wettmöglichkeiten dort. Die Hunde lebten mit in der Familie, in den beengten ärmlichen Behausungen. Hunde hatten hier die Aufgabe die Wohnung, die Umgebung frei von Mäusen und Ratten zu halten und vielleicht mal ein Kaninchen zu wildern. Mit den Hunden bestand so auch die Möglichkeit, bei den Rattenkämpfen ein paar Schillinge zu verdienen. Aus den besten Hunden wurden auch die Kämpfer für die profitablen Kämpfe, auch Hund gegen Hund rekrutiert. Hier konnte ein armer Mensch relativen Wohlstand erlangen, wenn sein Hund in den Rängen aufstieg - der Absturz kam aber genau so schnell mit dem Tode des Hundes. Die Mehrzahl der Hunde sah allerdings nie die Kampfarena, die Pit! Gewettet werden konnte ja auch auf fremde Hunde.

Der Begriff das Kampfhundes heute

Der heute durch die Medien und Gesetze benutzte Begriff "Kampfhund" hat nur wenig mit dem historischen Begriff gemeinsam. Die meisten Bundesländer verwenden den Begriff Listenhund.

Zum Beispiel der Staffordshire Bull Terrier

Dieser Hund, in Deutschland der "böse" Hund schlechthin, ist in in Großbritannien "der" Familienhund schlechthin und überaus beliebt, das Aussehen: klein, kräftig, kurzhaarig und sein Wesen: besonders das Verhalten gegenüber Menschen, Kinderfreundlichkeit, Genügsamkeit und Nervenstärke machen ihn bis heute mit ca. 500.000 Exemplaren zum Familienhund Nummer eins.

Der Bullterrier

Ob diese Rasse überhaupt jemals bei Hundekämpfen eingesetzt wurde, darüber wird kräftig gestritten.
Die tatsächliche Gefährlichkeit des Standard Bullterriers wird von Experten bestritten. So erklärt zum Beispiel Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover im April 2005:

„Der Bullterrier ist eine der freundlichsten Hunderassen. (...) Der Golden Retriever ist genauso bissig.“
„Es fällt auf (...), dass der Bullterrier ein Hund ist, der im Vergleich zu anderen so gut wie überhaupt nicht durch aggressives Verhalten auffällt. Er bietet Aggression nicht als Lösungsstrategie an. Das liegt daran, dass die Bullterrierzüchter schon lange einen Wesenstest in der Zucht eingeführt haben.“

Aktuelle Rasselisten der deutschen Bundesländer

Die Liste zeigt, welche Hunderassen in welchen Bundesländern Deutschlands als gefährlich gelten.

Rasselisten in Deutschland, Stand März 2009
Rassenbezeichnung BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH Import nach D
Alano 2 2 2 je nach Ziel-Bundesland
American Bulldog 2 X 2 je nach Ziel-Bundesland
American Staffordshire Terrier 2 1 X 1 X 1 X X 1 X X X X X verboten
Bandog 1 je nach Ziel-Bundesland
Bullmastiff 2 2 X 2 2 2 je nach Ziel-Bundesland
Bullterrier 2 2 X 1 X 1 X X 1 X X X verboten
Cane Corso 2 2 je nach Ziel-Bundesland
Dobermann 2 je nach Ziel-Bundesland
Dogo Argentino 2 2 X 2 2 X 2 je nach Ziel-Bundesland
Dogue de Bordeaux 2 2 2 2 je nach Ziel-Bundesland
Fila Brasileiro 2 2 X 2 2 X 2 je nach Ziel-Bundesland
Kangal 2 X je nach Ziel-Bundesland
Kaukasischer Owtscharka 2 X je nach Ziel-Bundesland
Mastiff 2 2 X 2 2 X 2 je nach Ziel-Bundesland
Mastín Español 2 2 X 2 2 2 je nach Ziel-Bundesland
Mastino Napoletano 2 2 X 2 2 X 2 je nach Ziel-Bundesland
Perro de Presa Canario 2 2 je nach Ziel-Bundesland
Perro de Presa Mallorquin 2 2 je nach Ziel-Bundesland
American Pitbull Terrier 2 1 X 1 X 1 X X 1 X X X X X verboten
Rottweiler 2 2 2 X 2 je nach Ziel-Bundesland
Staffordshire Bull Terrier 2 1 1 X 1 X X 1 X X X X verboten
Tosa Inu 2 1 X 1 2 2 je nach Ziel-Bundesland
BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH Import nach D

Legende: Länderkürzel BW : Baden-Württemberg, BY : Bayern, BE : Berlin, BB : Brandenburg, HB : Bremen, HE : Hessen, HH : Hamburg, MV: Mecklenburg-Vorpommern, NI: Niedersachsen, NW: Nordrhein-Westfalen, RP: Rheinland-Pfalz, SL: Saarland, SN: Sachsen, ST: Sachsen-Anhalt, SH: Schleswig-Holstein, TH: Thüringen

Erläuterungen:

1: Die Rasse ist als gefährlich aufgeführt.
2: Die Gefährlichkeit der Rasse wird vermutet, kann aber widerlegt werden (Wesenstest).
X: Die Rasse ist als gefährlich aufgeführt, dieses Bundesland unterscheidet nicht zwischen Kategorie 1 und Kategorie 2. Die vorgenannten Kategorien werden in den Bundesländern unterschiedlich definiert.

Quellen

Schlusswort: Vom Kampfhund zum Kampfschmuser

... oder was wäre wenn?

Gehen wir spaßeshalber mal davon aus, dass ein Kampfhund wirklich ein Kampfhund war und ausgesprochen böse: Total aggressiv, schmerzunempfindlich und ginge keinem Kampf aus dem Wege. Was passierte also: vor 150 Jahren wurden Hundekämpfe verboten, der "böse" Hund war nun überflüssig, er hatte seine Aufgabe verloren. 150 Jahre das sind gut 75 Hundegenerationen! Was kann in 75 Hundegenerationen alles umgezüchtet werden? Nehmen wir doch als Beispiel den deutschesten aller deutschen Hunde, den Schäferhund: Was hat er mit dem Schäferhund vor 100 Jahren noch gemeinsam?. Vom Aussehen gleicht der Urschäferhund eher den heutigen Belgischen Schäferhunden: hochbeinig, elegant, gerader Rücken ... und heute? Andere Hunderassen traf es noch viel schlimmer.
Nehmen wir doch mal den Menschen von vor 75 Generationen = 1500 Jahre! In moderne Kleidung gesteckt würde er nicht auffallen: nur wenn er spräche, wer würde ihn verstehen? Wie sah es damals mit den Lebensumständen, im Vergleich zu heute, aus?

75 Generationen sind eine sehr lange Zeit! In dieser Zeit hätte bei der bösesten Hunderasse die Bosheit weggezüchtet werden können.

Die Behauptung einmal Kampfhund immer Kampfhund lässt sich nicht aufrechterhalten.

(Diese Seite ist noch Im Aufbau! Ideen und Fehler bitte an Caronna)



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