Nebenhoden

Aus Hunde-Wissen
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Nebenhoden (griech.Epididymis)


Wenn die Spermien die Hoden verlassen sind diese zwar bereits vollständig entwickelt (Kopf, Hals, Mittelstück und Schwanz eines Spermiums sind ausgebildet), ihnen fehlt aber noch immer die nötige Reife und Fähigkeit zur gerichteten Vorwärtsbewegung, welche sie für eine erfolgreiche Befruchtung der weiblichen Eizelle benötigen würden.

Zum Erreichen dieser, sind die Nebenhoden des Hundes von enormer Bedeutung, denn hier erfolgen weitere Reifungsprozesse der Spermien, nur solche, die den Nebenhoden passiert haben, können ihre nahezu vollständige Befruchtungsfähigkeit erhalten.

Jedem Hoden ist ein Nebenhoden eng angelegen und zum Teil mit diesem verwachsen, beide befinden sich geschützt im Hodensack und sind Temperaturen ausgesetzt, die ein paar Grad unterhalb der normalen Körperinnentemperatur liegen.


Aufbau der Nebenhoden

Die Nebenhoden weißen die Form einer langen Röhre auf die in sich selbst umschlungen ist und den Hoden halbseitig anliegen.

Besser vorstellen kann man sich dies, indem man sich eine geschlossene Faust vorstellt die von der anderen flachen Hand umschlossen wird (in etwa so, wie man sich kalte Hände wärmt). Die Faust stellt dabei den Hoden, ein schmaler Abschnitt der flachen Hand, den Nebenhoden da.

Der Nebenhoden wird anatomisch eingeteilt in


  • Nebenhodenkopf = Caput epididymidis
  • Nebenhodenkörper = Corpus epididymidis
  • Nebenhodenschwanz = Cauda epididymidis


Nebenhodenkörper und Nebenhodenschwanz werden dabei vom langen Nebenhodenkanal = Ductus epididymidis gebildet, den man auch als Nebenhodengang bezeichnet.


Nebenhodenkopf

Der Nebenhodenkopf ist mit dem Hoden fest verwachsen und in seiner Form, gegenüber dem folgenden Nebenhodenkörper, ein wenig verdickt.

Er ist die erste Station welche die Spermien beim Transport aus dem Hoden erreichen – zu diesem Zeitpunkt sind sie unbeweglich und nicht befruchtungsfähig.

Vom Nebenhodenkopf aus verlaufen viele Ausführungsgänge (beim Hund ca. 15-16) zum Nebenhodenkanal (Ductus epididymidis) zusammen, welcher beim Rüden die beachtliche Länge von 5-8m erreichen kann und sich in vielen engen Schlingen durch den gesamten Kanal ziehen - hier erlangen die Spermien ihre fast vollständige Befruchtungs- und Bewegungsfähigkeit.


Nebenhodenkanal

Der Nebenhodenkanal ist mit speziellen Zellen unterschiedlicher Art ausgestattet, welche verschiedene Produkte wie Proteine, Enzyme aber auch Wasser, verschiedene Ionen und andere Substanzen, die als eine Art Nährflüssigkeit für die Spermien dienen, absondern.

In Richtung Nebenhodenkörper nimmt der Kanal nun wieder eine etwas schmalere Form an und mündet schließlich in den Nebenhodenschwanz.


Nebenhodenschwanz

Der Nebenhodenschwanz weißt nun wieder eine etwas dickere Form auf. Er sitzt erbsenförmig dem Hoden an und lässt sich als harte Erhöhung am Hoden ertasten.

Der Nebenhodenschwanz ist Ort der der Spermienspeicherung und somit auf ein spezielles Milieu angewiesen um die Spermien während ihrer Speicherung lebensfähig zu erhalten. In erster Linie ist auch hier wieder die geringere Temperatur zu nennen, aber auch spezielle ph-Verhältntisse und Enzyme sorgen für eine optimale Umgebung.

Am Nebenhodenschwanz verlässt der Nebenhodenkanal den Nebenhoden und setzt sich dann als Samenleiter fort.


Funktion der Nebenhoden

Die Aufgabe der Nebenhoden umfasst im Wesentlichen

  • Reifung
  • Transport
  • Speicherung

der Spermien.


Reifung der Spermien

Diese Reifephase, die sich während der Passage durch die Nebenhoden vollzieht, bezeichnet man als epididymale Spermienreifung und vollzieht sich in mehreren Schritten im gesamten Nebenhoden.

Während die Spermien aus dem Hoden im Nebenhodenkopf noch weitgehend unfruchtbar sind, gewinnen diese in den folgenden Abschnitten weiter an Reife und erlangen die Fähigkeit zur gerichteten Vorwärtsbewegung.

Obwohl sie ihre volle Befruchtungsfähigkeit erst im weiblichen Genital erlangen werden, ist die Entwicklungsphase im Nebenhoden Grundvoraussetzung für die Fähigkeit eine Eizelle zu befruchten.


Transport der Spermien

Der stetige Transport der Spermien aus dem Hoden und durch den Nebenhoden, wird vermutlich durch die konstante Spermienproduktion der Hoden, zum Teil aber auch durch die Kontraktion der Muskeln im Nebenhoden verursacht und dauert im Schnitt 14 Tage.

Beim Transport erfolgt aber nicht nur ein „Vorwärtsschieben“ der Spermien, sondern auch eine Durchmischung der Spermien untereinander.

Unter anderem durch die Kontraktion der Muskeln im Nebenhoden wird gewährleistet, dass alle Spermien mit den Sekreten des Nebenhodens in Kontakt kommen und dass sich alte mit neuen Spermien vermischen. Diese Durchmischung sichert, dass in einem Ejakulat Spermien jeder Alters- und Reifestadium vorhanden sind und somit den Erfolg einer Befruchtung erhöht.


Speicherung der Spermien

Die Speicherung der Spermien erfolgt im Nebenhodenschwanz.

Dieser befindet sich am kühlsten Punkt des Hodensackes, hier liegen die Temperaturen 4-5 °C unterhalb der Körpertemperatur was für die Überlebens- und Befruchtungsfähigkeit des Spermiums während der Speicherung von enormer Wichtigkeit ist.

Trotz optimaler Bedingungen haben Spermien dennoch nur eine begrenzte Überlebenszeit.

Werden sie innerhalb von 2-3 Monaten nicht durch eine Ejakulation z.B. bei einem Deckakt abgegeben, erfolgt ein Abbau der Spermien durch spezielle Spermiophagen und enzymatischer Einflüsse.

Kommt es zu einer Ejakulation ziehen sich Muskeln v.a. im Nebenhodenschwanz zusammen und geben die nun ausgereiften Samenzellen in die Samenleiter.


Erkrankungen der Nebenhoden

Epididymitis

Unter einer Epididymitis versteht man eine Nebenhodenentzündung, die sowohl akut wie chronisch verlaufen kann. Da die Nebenhoden im engen Kontakt mit den Hoden stehen, sind oft beide Organe betroffen.



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