Parson Russell Terrier

Aus Hunde-Wissen
Wechseln zu: Navigation, Suche
PR1.JPG

Inhaltsverzeichnis

Rassemerkmale

Der Parson Russell Terrier (PRT) ist ein robuster, mutiger und temperamentvoller Arbeitsterrier, dessen Charakteristika sich aus seinem ursprünglichen Einsatz als Bauhund bei der englischen Fuchs-Parforcejagd ableiten: Er sollte den Fuchs, der der Foxhoundmeute in einen Bau entschlüpft war, sprengen. Dabei sollte der Fuchs nicht geschlagen und möglichst auch nicht verletzt werden – die Jagd sollte ja weitergehen.

Somit musste der Terrier über entsprechende Ausdauer und Schnelligkeit verfügen, um mit der Meute mithalten zu können, was ein ausgewogenes, harmonisches, hochläufiges Gebäude erforderte. Sein Brustkorb musste spannbar sein, um dem Fuchs auch in enge Bauten folgen zu können und darin noch wendig zu bleiben. Er musste im Bau selbständig arbeiten können, also Intelligenz und Jagdverstand mitbringen, und er brauchte Mut, Charakterstärke, Selbstbewusstsein, eine lockere Kehle und katzenhafte Gewandtheit um es allein und auf sich gestellt mit dem Fuchs unter der Erde aufnehmen zu können. Die aggressive Raubwildschärfe mancher anderen Terrier war unerwünscht, er sollte ein Terrier „mit den Merkmalen eines Gentleman“ sein.

Als dominante Fellfarbe war ein strahlendes Weiß mit wenigen Abzeichen erwünscht, was der Sicherheit des Hundes diente und Verwechslungen mit dem ähnlich großen Fuchs ausschließen sollte. Diesen Zuchtzielen sind die wunderbaren Eigenschaften des heutigen PRT zu verdanken: er ist bei Arbeit und Sport ein lebhafter, einsatzfreudiger und intelligenter Geselle mit einer guten Portion Eigenwilligkeit. In der Familie ist er ausgesprochen liebenswürdig, ja geradezu sanftmütig, ein stets zu Späßen aufgelegter Spielkamerad für Kinder, der hart im Nehmen und weich im Maul ist.

Wer mit einem PRT arbeitet, ihn erzieht, fordert und ihn entsprechend seiner Schläue beschäftigt, erobert sein Herz und findet in ihm einen wunderbaren, gelehrigen und immer unterhaltsamen Partner. Er ist kein Hund für Stubenhocker und Langeweiler und er braucht eine freundliche, aber konsequente Erziehung. Man muss immer im Auge behalten, dass ein PRT rein äußerlich zwar klein, im Inneren aber restlos von der eigenen Größe überzeugt ist. Er bleibt bis ins hohe Alter bewegungsfreudig und meist auch sehr verspielt, was ihn leicht motivierbar und damit zu einem Hund macht, der unglaublich leicht, schnell und freudig lernt.

Mit einer Lebenserwartung von durchschnittlich 15 Jahren zählt er zu den langlebigsten Hunderassen. Seine ausgeprägte Lauffreude und enorme Sprungkraft prädestiniert ihn – abseits vom jagdlichen Einsatz - zum Hundesport von Flyball bis Agility. Sogar auf der Rennbahn macht der kleine Terrier mit großem Tempo von sich reden. In der Führigkeit besteht kein nennenswerter Unterschied zwischen Rüde und Hündin. Bei beiden sollte auf eine frühe, sorgfältige Sozialisierung großer Wert gelegt werden, denn im Umgang mit anderen – auch bedeutend größeren – Hunden neigt der PRT keineswegs zur Selbstunterschätzung. Sehr bald erkennt er, dass er in puncto Schnelligkeit und Wendigkeit vielen erheblich größeren Hunden überlegen ist, und auch sein selbstbewusstes Gehabe vermag so manchen „Großen“ zu beeindrucken.

Der PRT geht mit „seinen“ Menschen durch dick und dünn, versprüht dabei stets gute Laune, ist wachsam und stets bereits, seine Familie nach besten Kräften zu beschützen. Mit seiner unglaublichen Zähigkeit und Robustheit bringt er es auch nach einer ganztägigen Wanderung noch fertig, seine müden Menschen zu einem Spielchen zu verführen. Was der tapfere kleine Jäger und Familienhund gar nicht schätzt, ist es, allein gelassen zu werden. Kommt dazu noch eine generelle Unterforderung und mangelnde Auslastung, wird er sich selbst Unterhaltung verschaffen, was mitunter der Wohnungseinrichtung ein völlig verändertes Aussehen bescheren kann. Apropos alleine lassen: wer einen PRT in einem wohlgehegten Ziergarten sich selbst überlässt, darf sich nicht wundern, wenn der Terrier dort seiner angeborenen Leidenschaft, dem Graben, frönt und den Garten nach seinen eigenen Vorstellungen völlig neu gestaltet.

Desgleichen zählt es mitunter zu den schwierigeren Unterfangen, einen Garten PRT-sicher einzuzäunen, da der Terrier zusätzlich zu seinen Tiefbau-Talenten und seiner Sprungkraft über ein erstaunliches Klettervermögen verfügt. Hat er es sich einmal in den Terrierkopf gesetzt, seinen Garten zu verlassen, werden nicht selten Einfriedungen erforderlich, die an einen Hochsicherheitstrakt erinnern.

Was einmal mehr bestätigt: ein Parson Russell Terrier im Haus lässt niemals Langeweile aufkommen.

Geschichte

Der Begründer der Rasse, der in Dartmouth/Devon geborene Pfarrer (Parson) John (genant Jack) Russell (1795 – 1883) war zeitlebens ein überaus passionierter Reiter, Jäger und Terrierzüchter. Er war ein Gründungsmitglied des 1873 ins Leben gerufenen britischen „Kennel Club“. Die Hündin „Trump“, die er noch während seiner Studienzeit in Oxford kaufte, entsprach seinem Idealtyp eines Arbeitsterriers und gilt als die Stammutter der Rasse. Reverend Jack Russell erwarb die Hunde für seine Zucht aus den Jagdzwingern in Devon und New Forest, unternahm aber auch weitere Reisen durch England, um bodenständige Terrier, die seinem Zuchtziel entsprachen, aus anderen Gebieten zu holen – ein für die damalige Zeit sehr ungewöhnliches Vorgehen. Im Vordergrund seiner Zucht stand immer die Arbeitstauglichkeit vor einem typischen Rassebild. Erst in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erhielten die in der Tradition des Pfarrers Russell gezogenen Terrier, die bis dahin einfach als „Working Terrier“ oder „Foxterrier“ firmierten, den Namen ihres Erfinders, „Jack Russell Terrier“.

Bis in die jüngste Vergangenheit wurden, nicht immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, andere Terrierrassen wie Corgies oder Bullterrier eingekreuzt. Die Ergebnisse entsprachen oft nicht dem gewünschten Typ, wurden aber unter der Bezeichnung „Jack Russel“ gehandelt und haben dem Ansehen der Rasse geschadet. Ein walzenförmiger, säbelbeiniger, schwerleibiger weiß gefleckter Hund entspricht keinesfalls einem Jack-Russel oder Parson-Russell Rassestandard. Obwohl sich die Rasse längst großer Beliebtheit in England und auf dem europäischen Kontinent erfreute, wurde der „Parson Jack Russell Terrier“ erst 1990 vom Kennel Club und vom FCI anerkannt. Im Jahr 1999 erhielt die Rasse durch den Kennel Club die heutige Bezeichnung „Parson Russell Terrier“. Die endgültige Anerkennung des PRT durch die FCI erfolgte schließlich am 4.6.2001.

Seit 1992 wird der PRT innerhalb des JGHV vom Parson Jack Russell Terrier Club Deutschlad EV (PJRTCD) betreut. Der Club hat sich seit seiner Gründung 1986 der Reinzucht dieser Rasse unter der Prämisse von Wesensfestigkeit und jagdlicher Gebrauchstüchtigkeit verschrieben. Von den ca. 180 im PJRTCD organisierten Züchtern sind mehr als die Hälfte Jäger und Führer.

Verwendung

Seit den 70er-Jahren erfreut sich der PRT als leichtführiger, vielseitiger Jagdgebrauchshund auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit und hat sich neben dem Fox- und Jagdterrier einen festen Platz im Jagdgebrauchshundewesen erobert.

Sein Einsatz liegt längst nicht mehr nur unter der Erde, obwohl die Baujagd natürlich sein ureigenstes Terrain ist: Auf Drückjagden erweist er sich – allein und in der Meute – als exzellenter Teilnehmer, der sich mit Zähigkeit, Mut und Passion durch Dickungen arbeitet, vor denen größere Hunde kapitulieren müssen. Er ist scharf genug, um Schwarzwildrotten zu sprengen, aber nicht von blindwütiger Schärfe, was eine gute Lebensversicherung auf der Schwarzwildjagd darstellt. Zusätzlich trägt er zu seiner Sicherheit stets sein angeborenes weißes „Signalkleid“.

Dank seiner großen Führerbindung hält er bei Treibjagden regelmäßig Kontakt zu seinem Führer. Mit seiner ausgezeichneten Nase bewährt er sich auf Totsuchen und als Stöberhund sowie – seiner Körpergröße angemessen – als Apporteur. Er ist ein wasserfreudiger Terrier mit einer Vorliebe für Federwild. Der PRT ist standlaut, in den letzten Jahren wird, seinem erweiterten Einsatzbereich entsprechend, in der jagdlichen Zucht mit einsetzendem Erfolg am Spurlaut gearbeitet.

Für die "Jagdliche Leistungszucht" müssen beide Elterntiere zusätzlich zur Bauprüfung (EF/ED) mindestens zwei weitere Prüfungs- oder Leistungszeichen nachweisen. Die Prüfungsordnung des PJRTCD, die stark an die bewährten PO’s des Deutschen Foxterrier Verbandes und des Deutschen Jagdterrier Clubs angelehnt ist, sieht folgende Prüfungen vor: Wesenstest (WT), Junghundprüfung (JP), Bauprüfung (BP), Zuchtprüfung (ZP), Gebrauchsprüfung (GP), Schweißprüfung (SwP), Verbandsschweißprüfung (VSwP). An jagdlichen Leistungszeichen (mit Richterbegleitung) werden vergeben: Erdhund Fuchs (EF), Erdhund Dachs (ED), Saujager (SJ), Lautjager (Lt.), Schweißhund (SwH).

Alle im PJRTCD zur Zucht verwandten Hunde müssen neben der Mindestformwertnote "gut" auch einen Wesenstest erfolgreich absolvieren.

PR2.JPG

Aussehen

Der PRT ist überwiegend weiß mit tanfarbenen (lohfarbenen) und/oder schwarzen Abzeichen, die bevorzugt auf Kopf und Rutenansatz beschränkt sind. Das Haarkleid soll den Bauhund vor Nässe, Kälte und Schmutz schützen, daher harsch und hart mit geraden, fettigen Deckhaaren und guter Unterwolle sein. Neben Glatthaar und Rauhaar ist die Mischvariante „broken coated“ vertreten. Die beiden letzten müssen mindestens zweimal jährlich von Hand getrimmt werden, beim Glatthaar genügt regelmäßiges Bürsten. Im Gegensatz zum Foxterrier gelten die unterschiedlichen Fellvarianten nicht als eigene Schläge, sie können daher miteinander verpaart werden und innerhalb eines Wurfes können alle drei Felltypen auftreten.

Die Schulterhöhe bewegt sich zwischen 32 und 37 cm. Der hochläufige Terrier hat ein harmonisches, wohlproportioniertes Gebäude, dessen Länge geringfügig größer ist als die Höhe. Der Rücken ist kräftig und gerade mit mäßig hoch angesetzter kräftiger, gerader Rute, die in der Bewegung hoch getragen wird. Der Brustkorb ist mäßig tief und spannbar, also von zwei normal großen Händen zu umfassen. Die Vorderhand zeigt kräftige, gerade Läufe, die Gelenke dürfen weder nach innen noch nach außen drehen. Die Schulter ist lang und schräg, gut zurückliegend und klar umrissen am Widerrist. Die Hinterhand ist kräftig und muskulös mit guter Winkelung, das Sprunggelenk ist tief angesetzt, der Hintermittelfuß steht parallel und erzeugt viel Schub. Die kompakten Pfoten mit festen Ballen sind weder nach innen noch nach außen gedreht. Der Schädel ist flach und mäßig breit mit flachem Stop. Der kräftige muskulöse Kiefer trägt ein perfektes, vollständiges Scherengebiss. Die Augen sind tief liegend und mandelförmig mit durchdringendem Blick. Charakteristisch ist eine starke Pigmentierung – der weiße Terrier ist kein Albino - die sich in einer intensiv schwarzen Nase, meist schwarz umrandeten Augen und starken Pigmentflecken auf der Haut zeigt. Die Kippohren sollen das innere Ohr im Bau schützen, sie sind klein, v-förmig und am Kopf anliegend getragen, die Ohrenspitzen reichen bis zum Augenwinkel. Klassifikation FCI: Gruppe 3, Terrier. Sektion 1, hochläufige Terrier.

von Romana Fürnkranz, Wien


FCI Standart

Ursprung

Großbritannien

Verwendung

Derber, widerstandsfähiger Arbeitsterrier, besonders für die Arbeit unter der Erde geeignet

FCI Klassifikation

Gruppe 3 Terrier. Sektion 1 Hochläufige Terrier. Mit Arbeitsprüfung

Allgemeines Erscheinungsbild

Arbeitsfreudig, lebhaft, wendig; für Schnelligkeit und Ausdauer gebaut. Vermittelt einen allgemeinen Eindruck von Harmonie und Beweglichkeit. Natürlich erworbene Narben sind zulässig.

Haut: Muss dick sein und locker anliegen.

Haar: Von Natur aus harsch, anliegend und dicht, gleichgültig ob rauhaarig oder glatt, Bauch und Unterseiten behaart.

Farbe : Vollständig weiß oder vorwiegend weiß mit lohfarbigen, gelben oder schwarzen Abzeichen oder jede Kombinationen dieser Farben, vorzugsweise beschränkt auf den Kopf und/oder auf den Ansatz der Rute.

Größe :

Rüden : Ideale Widerristhöhe 36 cm (14 ins) Hündinnen : Ideale Widerristhöhe 33 cm (13 ins) Ein Über- oder Untermaß von 2 cm ist akzeptabel.

Wichtige Proportionen

Harmonisch gebaut. Die Gesamtlänge des Körpers ist geringfügig grösser als die Höhe vom Widerrist zum Boden. Die Entfernung von der Nasenspitze zum Stop ist ein wenig kürzer als die vom Stop zum Hinterhauptbein.

Verhalten/Charakter (Wesen)

Im Wesentlichen ein Gebrauchsterrier, mit der Fähigkeit und dem zur Arbeit im Bau und in der Jagdmeute geeigneten Körperbau. Unerschrocken und freundlich.

Kopf

Schädel: Flach, mäßig breit, zu den Augen hin allmählich schmaler werdend.

Stop : Flach

Nasenschwamm : Schwarz

Kiefer / Zähne : Kräftige Kiefer, muskulös. Perfektes, regelmäßiges und vollständiges Scherengebiß, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.

Augen: Mandelförmig, ziemlich tiefliegend, dunkel, mit leidenschaftlichem und durchdringendem Ausdruck.

Ohren: Klein, « V »-förmig, nach vorne fallend, dicht am Kopf getragen. Die Ohrspitze muss bis zum Augenwinkel reichen, die Falte nicht über dem höchsten Punkt des Schädels liegend. Der Ohrlappen ist mäßig dick.

Hals: Klar umrissen, muskulös, von guter Länge, sich zu den Schultern hin allmählich verstärkend.

Körper

Gut ausgewogen. Die Länge des Körpers ist geringfügig grösser als die Höhe vom Widerrist zum Boden.

Rücken : Kräftig und gerade.

Lenden: Leicht gewölbt

Brust: Von mäßiger Tiefe dabei nicht tiefer als bis zum Ellenbogen reichend, hinter den Schultern von zwei durchschnittlich großen Händen zu umfassen. Rippen nicht zu stark gewölbt.

Rute: Von mäßiger Länge und so grade wie möglich, zur Ausgewogenheit der Gesamterscheinung des Hundes beitragend, dick am Ansatz, sich zum Ende hin verjüngend. Mäßig hoch angesetzt, in der Bewegung hoch aufgerichtet getragen.

Gliedmaßen

Vorderhand

Allgemeines : Kräftige Läufe, die gerade sein müssen, mit Gelenken, die weder nach innen noch nach außen drehen.

Schultern: Lang und schräg, gut zurückliegend, klar umrissen am Widerrist.

Ellenbogen : Am Körper anliegend, an den Seiten frei beweglich.

Vorderpfoten : Kompakt mit festen Ballen, weder nach innen noch außen gedreht.

Hinterhand

Allgemeines : Kräftig, muskulös mit guter Winkelung.

Knie: Gut gewinkelt.

Sprunggelenk: Tief angesetzt

Hintermittelfuß: Parallel, erzeugt viel Schub.

Hinterpfoten : Kompakt mit festen Ballen, weder nach innen noch außen gedreht.

Gangwerk

Frei ausgreifend, ausgeglichen. Gerade im Kommen und Gehen.


Zurück zur Liste der Hunderassen



Meine Werkzeuge