Sicht- und Hörzeichen

Aus Hunde-Wissen
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Sichtzeichen – Hörzeichen


Sichtzeichen sind Signale, die wir unseren Hunden mit unserem Körper oder Körperteilen (Händen) geben.Hörzeichen sind Signale, die wir unserem Hund verbal geben.

Idealerweise beginnen wir jegliche Kommunikation/Erziehung mit unseren Hunden über Körpersprache, da wir uns damit auf die kommunikative Ebene der Hunde begeben und eine gute Chance haben, verstanden zu werden.

Zu Beginn der Einführung von Sichtzeichen empfiehlt es sich, einmal zu überlegen, WARUM wir zunächst nur mit Sichtzeichen arbeiten sollten, BEVOR wir Hörzeichen, also das gesprochene Wort, einführen.

Der Wunsch fast aller Menschen ist ein Hund, der „aufs Wort“ gehorcht. Das heißt in der Regel, aufs Erste. Verstehen kann mich mein Hund von Haus aus aber nicht, da er nicht mit dem menschlichen Sprachapparat ausgestattet ist. Brülle ich meinem Hund also „Sitz“ ans Ohr, darf ich mich nicht wundern, wenn er es nicht macht. Zunächst sollte ich ihm zeigen, was ich mit dem Begriff meine. Und wie ich es meine. Dazu mache ich mit einem Gegenstand, der seine volle Aufmerksamkeit auf sich zieht, eine Körperbewegung mit Armen und Oberkörper, dass er gar nicht anders kann, als sich dabei hin zu setzen. Denn er will dem Gegenstand ja mit den Augen folgen. Sobald er das dann getan hat, wird er SOFORT dafür gelobt, in dem er den Gegenstand erhält, mit ihm gespielt wird, oder er Futter bekommt.

Diese Hilfsmittel mit Körpereinsatz kann man bei sicherer Ausführung der Bewegung immer weiter abbauen. Bei dem beschriebenen Zeichen bleibt zuletzt nur noch eine leichte Rückwärtsbewegung der Schulter übrig, und schon setzt sich der Hund hin. Möchte man eine sichtbarere Hilfe übrig behalten, so benutzen viele Hundeführer den erhobenen Zeigefinger für das Kommando Sitz. Es muß letztlich jeder selbst entscheiden, wie ausgeprägt oder reduziert die Sichtzeichen nachher werden sollen. Zu einem Zeitpunkt, an dem mein Hund immer und sofort auf mein Sichtzeichen hin SICHER sitzt, kann ich, während er sich setzt, das Wort „Sitz“ dazu sagen und wieder gut bestätigen. So konditioniere ich in ein perfektes Sichtzeichen ein perfekt werdendes Hörzeichen hinein und kann zukünftig, nach hunderten Wiederholungen sicher davon ausgehen, dass mein Hund genau das tut, was ich sage.

Bei Steh hat sich die gespreizte Hand des Hundeführers als Stopp-Schild-Funktion vor der Hundenase bewährt. Je nach Empfindsamkeit des Hundes sollte die Hand mehr oder weniger schnell und zackig den Lauf des Hundes unterbrechen. Auch hier gilt, loben im richtigen Moment. Zur Unterstützung können Futterstücke zwischen die Finger gesteckt werden, die dann bei einem schönen Steh sofort aus den Verstecken gegessen werden können. Auch hier baut man das Sichtzeichen soweit ab, wie man es möchte und wie man bequem aus dem Gehen heraus Signale geben kann. Konditionieren des Wortes Steh siehe bei Sitz.

Bei Platz führen wir eine schnelle Körperbewegung von oben nach unten durch, ohne den Hund mit dem Oberkörper zu bedrohen, und benutzen eine Hand, um mit dem Daumen Futter darunter zu „befestigen“. Die Hand muß anfangs länger am Boden verweilen, da der Hund erst verschiedene Möglichkeiten untersuchen wird, um an das verborgene Futter zu kommen. Hat er keinen Erfolg, legt er sich in der Regel davor hin. In diesem Moment wird er mit Freigabe des Futters belohnt. Diese Übung wiederholt man so lange, bis der Hund die Abwärtsbewegung der Hand schon als Signal begreift, um sich hinzulegen. Wichtig ist immer die sofortige Bestätigung für richtiges Handeln, teilweise auch schon für richtige Ansätze. Auch hier wird erst dann mit dem Hörzeichen Platz begonnen, wenn der Hund sich ohne Futterbestechung schnell und freudig auf ein kleines Handzeichen mit der flachen Hand von oben nach unten hinlegt und auch zunächst liegen bleibt.

Wichtig:

Diese Beschreibung ist nur oberflächlich zur Erklärung gedacht, aber ohne Kenntnisse nicht zur „blinden“ Nachahmung geeignet.

Sichtzeichen machen nur dann Sinn, wenn ich mit meinem Hund eine gut funktionierende Kommunikation habe, das heißt, er auf mich und meine Körpersprache achtet. Ein Hund, der mich nicht beachtet, sieht auch meine Sichtzeichen nicht. Er wird aber auch nicht hören, wenn ich ihn rufe.

Die Belohnungen und Bestätigungen müssen zu dem Zeitpunkt erfolgen, in dem der Hund wirklich sitzt, steht oder liegt. Füttere ich ihn, während er schon wieder losmarschiert, oder aufsteht, so bestätige ich ihn DAFÜR und nicht für das eigentlich Gewollte. Also aufs Timing achten.

Führt der Hund auf meine Verrenkungen hin nicht das Gewünschte aus, sollte ich den Fehler bei mir suchen, nicht beim Hund. Es empfehlen sich hier ohnehin Trockenübungen ohne Hund. Nicht ausgeführte Sichtzeichenbemühungen sollte man ignorieren, keinesfalls bestätigen!

Die Bestechung mit Futter kann anfangs eine gute Motivation für den Hund sein, um eine Bewegung mit zu machen, sollte aber sehr schnell in Belohnung umgewandelt werden, die immer mehr verzufallt wird. Sonst lernt mein Hund, dass er sich nur dann wirklich hinlegen muß, wenn ich auch ein Würstchen in der Hand halte. DAS wollen wir nicht.

Bei den ganzen Übungen für die Sichtzeichen sollte Spaß und Spiel an erster Stelle stehen. Ein Hund der mit Begeisterung Sitz lernt, wird es immer gerne, schnell und schön umsetzen.

Auch bei Sichtzeichen sollte man von Anfang an darauf achten, ein Auflösewort wie Fertig, Okay oder Lauf zu werwenden. Der Hund lernt damit, dass ER nicht die Zeichen/Kommandos auflöst, sondern der Mensch.

Die genaue Beschreibung der oben genannten Sichtzeichen mit Bildern findet man im Buch Mensch-Hund-Harmonie von Eckardt Lind.



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