Addison-Krankheit

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Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Addison-Krankheit ist eine hormonelle Erkrankung der Nebennierenrinde, bei der es aufgrund von mangelnder oder unzureichender Produktion von lebenswichtigen Hormonen zu gravierenden Symptomen kommt.

Unbehandelt verläuft diese Erkrankung tödlich, da der Körper nicht in der Lage ist den Hormonmangel eigenständig zu kompensieren. Betroffen sind hierbei alle Hormone die in der NNR gebildet werden v.a. aber die Mineral- und Glukokortikoide, also die Hormone, die für den Flüssigkeits, Mineral- und Energiestoffwechsel des Körpers zuständig sind.

Die Erkrankung tritt bei Hunden relativ selten auf, vorwiegend bei größeren Rasse. Sie ist nicht unbedingt eine Alterserkankung d.h. weit häufiger betrifft es Hunde die jünger sind – bevorzugt scheinen weibliche Tiere betroffen zu sein. Die Addison-Krankheit ist nicht heilbar und bedeutet für das Tier eine lebenslange Hormonersatztherapie durch Medikamente, gut eingestellt können betroffene Tiere aber ein weitgehend normales Leben führen.

Benannt wurde diese Erkrankung nach dem englischem Arzt Thomas Addison, der die Symptome als Erster beschrieb. Weitere Bezeichnungen sind Hypokortizismus (Hypo=Unter...; Korti von Cortex=Rinde) oder Hypoadrenokortizismus.

Pathophysiologie Addison-Krankheit

Im Gegensatz zum Cushing-Syndrom liegt bei der Addison-Krankheit eine mangelnde Ausschüttung der NNR-Hormone vor d.h. Mineral- und Glukokortikoide werden nicht oder nur in unzureichenden Mengen in die Blutbahn abgegeben. Damit fehlen dem Körper wichtige Hormone die v.a. im Bereich des Wasser- und Elektrolythaushaltes, aber auch in der Stressbewältigung benötigt werden.

Das Fehlen der Mineralkortikoide, insbesondere des Hormons Aldosteron führt zu starken Wasserverlusten, hinzu kommt ein vermehrtes Ausscheiden von Natrium welches unter normalen Umständen Wasser im Körper zurück halten soll.

Der Körper verliert lebenswichtige Flüssigkeit und dies macht sich auch in der im Körper zirkulierenden Blutmenge bemerkbar. Damit Körperfunktionen reibungslos ablaufen können ist dieser aber auf ein entsprechendes Blutvolumen angewiesen, wodurch es zu Herz- und Leberfunktionsstörungen kommen kann. Hinzu kommt, das der Körper nun vermehrt Kalium zurückbehält – Aldosteron sorgt nämlich dafür, das dieses über die Nieren ausgeschieden wird. Kalium ist zwar ein essentieller Mineralstoff und wird für die Muskelkontraktion benötigt, hat aber in Überschuss negative Auswirkungen auf den Körper v.a. des Herzens.


Bei den Glukokortikoiden ist es besonders das Hormon Cortisol desssen Mangel durch die Erkrankung zu massiven Störungen im Organismus führt.

Dieses Hormon regelt den Energiehaushalt des Körpers, es ist in der Lage, in sehr schneller Zeit Glucose bereit zu stellen – dieser dient dem Körper als wichtiger Energielieferant besonders in Phasen erhöhten Bedarfes z.B. bei Stress. Aber Cortisol hat noch andere wichtige Aufgaben, so wirkt es u.a. entzündungshemmend indem es in das Immunsystem eingreift, es ist an der Regulation des Herz-Kreislaufsystems beteiligt, reguliert den Knochenabbau u.v.m.

Über die Hormonsteuerung v.a. der Glukokortikoide kannst Du unter Cushing-Syndrom mehr erfahren.

Ursache / Entstehung Addison-Krankheit

Das Unvermögen der Nebennierenrinde ausreichend Hormone zu produzieren kann verschiedene Ursachen haben.

Die primäre Form hat ihren Ursprung in der Nebennierenrinde selbst, in diesem Fall kommt es zu einer Zerstörung der hormonproduzierenden Zellen.

Grund für diese Zerstörung ist wohl in den häufigsten Fällen ein Autoimmunprozess, also ein Vorgang, bei der der Körper gegen seine eigenen Zellen vorgeht und diese zerstört. Die Symptome treten im späteren Verlauf dieses Prozesses auf, erst wenn ein Großteil der Zellen zerstört sind (80-90%) kommt es zu sichtbaren und auffälligen Symptomen. Aber auch andere Erkrankungen können zu einer Zerstörung der Zellen führen z.B. Infektionen oder Tumore.

Von einer sekundären Form spricht man, wenn die Ursache nicht in der Nebenniere selbst, sondern in den übergeordneten Regelmechanismen zu finden ist.

Dies trifft v.a. auf Tumore, Entzündungen oder schweren Verletzungen im Bereich des Hypothalamus/Hypophyse zu. Diese im Gehirn befindliche Hormondrüse produziert das Hormon ACTH, welches stimulierend auf die Bildung von Glukokortikoiden in der NNR wirkt. Die Bildung der Mineralkortikoide ist davon nicht betroffen.

Eine weitere Form der Addison-Krankheit ist die iatrogene Form. Iatrogen bedeutet in diesem Fall soviel wie „von außen zugefügt“. So können langandauernde Cortisongaben dazu führen, das die körpereigene Hormonproduktion von Cortisol unterdrückt wird. Als Folge können sich die Zellen der NNR die dieses Hormon bilden zurückbilden.

Setzt man die Cortisonbehandlung plötzlich ab, kann es zu Symptomen der Addison-Krankheit kommen. In diesem Fall kann der Körper nicht schnell genug mit eigener Hormonproduktion reagieren, der Organismus verfällt in einen akuten Hormonmangelzustand der lebensbedrohlich sein kann, sie sog. Addison-Krise.

Oft kann es monatelang dauern bis sich die Zelle der NNR nach einer Cortisontherapie wieder völlig regeneriert haben, aus diesem Grund sollten Cortisontherapien langsam ausgeschlichen werden und das Tier möglichst wenig Stress ausgesetzt werden

Symptome Addison-Krankheit

Da die Erkrankung sich langsam entwickelt, werden die Symptome oft nicht auf das Vorliegen einer Addison-Krankheit bezogen. Sie sind sehr unspezifisch und können sich über Jahre hinweg hinziehen. Nicht selten bleibt deshalb diese Erkrankung lange Zeit unentdeckt und erst eine wirklich lebensbedrohliche Addison-Krise bringt sie ans Licht.

Folgende Symptome können sporadisch, dann immer häufiger auftreten

  • wechselhafter Appetit
  • Erbrechen
  • Durchfälle und/oder blutigem Stuhlgang
  • Gewichtsverlust
  • Bauchschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Muskelzittern
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Teilnahmslosigkeit
  • vermehrtes Trinken
  • vermehrtes Urinieren

Auffallend kann sein, das sich die Symptome verschlechtern oder immer dann eintreten wenn der Hund unter einer Stressbelastung steht. Mit Stress ist dabei nicht nur der der psychische gemeint, sondern auch andere besondere Belastungen wie Erkrankungen, ein ganz normaler Durchfall kann für den Körper dabei schon eine enorme Belastung darstellen. Häufig werden bei den oben genannten Krankheitsbildern zur Behandlung Cortisonpräparate eingesetzt und die Symptome bessern sich. Der Grund ist einfach, durch die Therapie wird dem Hund unbewusst das gegeben, was ihm durch die eigentliche Erkrankung fehlt v.a. die fehlenden Glukokortikoide. Setzt man die Therapie aber ab, kommt es schnell wieder zu einer Verschlechterung.

Wirklich lebensbedrohlich wird es für den Hund im Endstadium der Erkrankung, oder aber, wenn in die sich langsam entwickelnde Phase ein akutes Krankheitsgeschehen fällt. Nicht selten ist es gerade dieser Zustand der letztendlich auf die Diagnose Addison-Krankheit führt, leider zu einem Zeitpunkt, in der es für den Hund wirklich um Leben und Tod geht. Dieser Zustand wird als Addison-Krise bezeichnet die einem Schockzustand gleichkommt.

  • Apathie
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche bis hin zum Kollaps
  • massive Dehydration – angehobene Hautfalte verstreicht nicht, Schleimhäute erscheinen trocken
  • Schocksymptome wie Untertemperatur, blasse Schleimhäute, schwacher Puls, schnelle Atmung, bläuliche Zunge, erhöhte Kappilarfüllungszeit, kalte Extremitäten. Leise Herzgeräusche

Hunde mit einer Addison-Krise sind absolute Notfälle, oft ist der Zustand so gravierend, das dem Tierarzt nichts anderes übrig bleibt als auf Verdacht zu behandeln, da das warten auf die Laborergebnisse zu lange dauern würde

Diagnostik der Addison-Krankheit

Die Addison-Krankheit hat keine typischen Symptome, jedes der oben genannten könnte auch auf eine andere Erkrankung zurückzuführen sein, es ist deshalb nötig das der Hund sich bei Verdacht weiteren Untersuchungen unterzieht.

Auch hier dienen zu Diagnostik Blut- und Urinuntersuchungen, Röntgen und zusätzlich EKG. Bestimmt werden v.a. allgemeine Parameter wie Kalium, Natrium, Hämatokrit u.a.

Zur sicheren Diagnose benötigt man außerdem den Wert des Hormons ACTH und Cortisol, auch hier kommt dabei der ACTH-Stimulationstest zum Einsatz - sie dazu Cushing-Syndrom.

Nicht selten tritt die Addison-Erkrankung mit einer Unterfunktion der Schilddrüse auf (Hypothyreose) auch andere hormonelle Erkrankungen als Begleiterscheinung sind möglich. Zum Thema Schilddrüsenerkrankungen

Therapie der Addison-Krankheit

Befindet sich der Hund in einer akuten und lebensbedrohlichen Krise, muss dieser sofort einer Infusionstherapie unterzogen werden. Bei einer akuten Addison-Krise wird der Tierarzt auf Verdacht hin behandeln müssen!

Für den Hund bedeutet die Addison-Krankheit eine lebenslange Therapie mit den Stoffen, die sein Körper nicht mehr selbst herstellen kann.. Dies geschieht durch die Verabreichung von Gluko- und Mineralkortikoiden deren Dosierung individuell erfolgt und ständig überprüft werden sollte. Während der Einstellungsphase und auch nach einer akuten Krise sollte der Hund so wenig Stress wie möglich ausgesetzt sein. Bei manchen Patienten kann eine zusätzliche Natriumversorgung über das Futter notwendig sein, denn Natrium und Wasser werden bei der Addison-Krankheit vermehrt vom Körper wieder ausgeschieden. Hierzu wie auch über die richtige Medikamenteneingabe sollte man sich unbedingt bei seinem Tierarzt informieren.

Was kann der Besitzer tun

Im Falle einer gesicherten Diagnose ist die Beobachtungsgabe des Besitzers von enormer Wichtigkeit. Verletzungen, Stress oder andere Erkrankungen können dazu führen, das die Medikamentendosis kurzfristig angepasst werden muss, treten Veränderungen auf sollte auf jeden Fall ein Tierarzt aufgesucht werden um eine akute Addison-Krise zu vermeiden. Trotz dieser doch sehr schweren Erkrankung kann der Hund ein weitgehend normales Leben führen, wichtig dabei ist die regelmäßige Medikamenteneingabe.



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