Diabetes insipidus

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Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Der Diabetes insipidus, auch als Wasserharnruhr bezeichnet, ist eine hormonelle Erkrankung, die zu erheblichen Störungen in der Regulierung des Wasserhaushaltes führt.

Durch das Fehlen des Hormons Vasopressin (eine andere Bezeichnung ist auch Antidiuretisches Hormon = ADH oder Adiuretin) oder einem nicht ansprechen der Rezeptoren für dieses Hormon in den Nieren, kommt es zu einer mangelhaften Rückresorption von Wasser.

Hunde mit dem Vorliegen eines Diabetes insipidus, haben ständig das Bedürfnis viel Wasser zu sich zu nehmen – der übermäßige Durst stellt hier eine Reaktion des Körpers da, diesen vor einem Austrocknen durch Flüssigkeitsverlust zu bewahren.


Auch wenn der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und der Diabetes insipidus mit dem gleichen Wort „Diabetes“ anfangen, sind es zwei völlig unterschiedliche Erkrankungen.

Diabetes bedeutet soviel wie „hindurchfließen“, in beiden Fällen betrifft dieses hindurchfließen den Harn. Während es sich beim Diabetes mellitus (mellitus = lateinisch: honigsüß) um eine Störung in der Insulinproduktion bzw. Verarbeitung handelt, bei der der ausgeschiedene Urin Zucker enthält, steht das Wort insipdus für „nicht schmackhaft“ und hat als Ursache das Fehlen, oder nicht Reagieren der Nieren auf das Hormon Vasopressin.

Pathophysiologie

Man unterscheidet den zentralen Diabetes insipidus und den renalen oder nephrogenen Diabetes insipidus.

In beiden Fällen spielt das Hormon Vasopressin aus dem Hypophysenhinterlappen des Gehirns eine tragende Rolle. Es wird im Hypothalamus gebildet und gelangt zur Speicherung über Nervenbahnen zum Hypophysenhinterlappen, von hier aus wird es bei Bedarf in die Blutbahn abgegeben und zur Niere transportiert.


Physiologischerweise wird Vasopressin immer dann ausgeschüttet, wenn „Rezeptoren“ im Körper Veränderungen im osmotischen Druck des Blutes oder des Blutdruckes feststellen. Über einen Reiz wird dem Gehirn mitgeteilt, das es Maßnahmen zur Gegenregulation ergreifen muss um Schäden für den Organismus zu verhindern.

Das Hormon Vasopressin ist im Bezug auf die Regulierung des Wasser- und Elektrolythaushaltes ein Regelmechanismus, es gibt außerdem noch das Renin-Angiotensin-Systems, welches aber bei dem Diabetes insipidus keine Rolle spielt und somit hier nicht weiter behandelt wird.

Ist das Vasopressin in den Nieren angelangt, veranlasst es diese, vermehrt Wasser zurückzuhalten und somit den Verlust über den Urin zu minimieren. Der Harn wird konzentrierter, die Harndichte nimmt zu.

Sind allerdings große Flüssigkeitsmengen im Körper vorhanden, wird die Ausschüttung des Hormons eingestellt, die Niere vermindert die Wasserrückresorption und ein weit größerer Anteil vom Wasser wird über den Urin ausgeschieden. Die Harndichte verringert sich und die Harndichte nimmt ab.

Bei Hunden die unter einem Diabetes insipidus leiden, ist dieser Regelmechanismus außer Kraft gesetzt. Das Gleichgewicht zwischen Wasserausscheidung und der Aufrechterhaltung des normalen Wasserhaushaltes, ist gestört.


Ursachen und Formen

Beim zentralen Diabetes insipidus liegt die Störung im Hypothalamus oder Hypophysenbereich, betrifft also die Produktion oder Freisetzung des Hormons Vasopressin selbst.

Ursache können hierbei Tumore oder traumatische Verletzungen z.B. nach Unfällen in diesem Bereich sein, auch Autoimmunerkrankungen oder Entzündungen sind möglich.

Die Einnahme von bestimmten Medikamenten kann die Bildung des Hormons Vasopressin hemmen, so z.B. Arzneimittel mit dem Wirkstoff Phenytoin, welche als Antiepileptika und zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden.

Möglich ist auch ein Defekt, der bereits angeboren ist und nicht selten ist überhaupt keine auslösende Ursache zu finden (idiopathischer Diabetes insipidus)

Die mangelnde Ausschüttung oder gar fehlende Feisetzung von Vasopressin in die die Blutbahn führt dann dazu, das der Niere die Botschaft für die Nachricht „halte Wasser zurück“ fehlt.


Beim renalen oder nephrogenen Diabetes insipidus dagegen, liegen zwar ausreichende Mengen am Hormon Vasopressin vor, allerdings liegt eine Art „Resistenz“ der Vasopressin-Andockstellen in der Niere vor d.h. sie reagieren nicht auf die Botschaft – eine Reaktion bleibt aus.

Eine angeborene Resistenz als Ursache der renalen Form ist eher selten, häufiger wird sie durch andere Erkrankungen die einen Diabetes insipidus nach sich ziehen ausgelöst, so kann die Aufnahme von Vasopressin bei Nierenerkrankungen vermindert sein, auch Gebärmutterentzündungen, Lebererkrankungen oder Hyperadrenokortizismus sind möglich.

Blutveränderungen wie ein geringer Eiweißanteil, erhöhte Kalziumwerte oder verminderte Kaliumwerte können einen Diabetes insipdus renalis nach sich ziehen. Solche Blutwertveränderungen haben natürlich ihren Grund und sollten abgeklärt werden.


Symptome

Das auffälligste Symptom für den Hundebesitzer ist ein, oft plötzlich einsetzender, unstillbarer Durst (Polydipsie) verbunden mit einer stark erhöhten Ausscheidung von Urin (Polyurie).

Die Hunde scheinen ihren Durst kaum stillen zu können und reagieren bei Wasserentzug schnell mit Anzeichen einer Dehydration. Anzeichen einer Dehydration sind, je nach Schweregrad

  • trockene Mundschleimhaut
  • Verstopfung
  • der Speichel wird zunehmend zähflüssiger
  • angehobene Hautfalte verstreicht nur langsam, bis hin zum völligem „stehen bleiben“ der Falte
  • schwacher Puls im fortgeschrittenem Stadium
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Der Harn verändert sich in eine unkonzentrierte Flüssigkeit und erscheint „dünner“ als normal, weniger gefärbt und geruchloser.

Diagnose

Ob es sich bei den vorhandenen Symptomen tatsächlich um die Folgen eines Diabetes insipidus handelt, kann nur durch weitere Untersuchungen ermittelt werden.

Da auch andere Erkrankungen zu massiver Polydipsie und Polyurie führen, müssen diese zunächst ausgeschlossen werden, hierzu sollte der Tierarzt eine umfassende, zunächst mündliche Befragung, anstellen z.B.

  • Nimmt das Tier Medikamente ein die eine Polydipsie / Polyurie auslösen können?
  • Was für Futter bekommt der Hund, ist dies evtl. sehr salzhaltig oder zu stark im Proteingehalt reduziert?

Neben der weiteren körperlichen Untersuchung, sollte eine Untersuchung des Harns, ein Blutbild und eine blutchemische Untersuchung erfolgen.

Bei einem Diabetes insipidus ist die Harndichte des Urins meist erniedrigt, was einen ersten Hinweis auf diese Erkrankung geben kann.

Zur Diagnosesicherung des Diabetes inspidus gehören auch Durstversuche und der Vasopressin-Test.

Vasopressin-Test

Mit dem Vasopressin-Test wird dem Hund künstlich das Hormon Vasopressin zugeführt.

Ein Ansprechen auf diese Hormongabe gilt als Indiz für ein Vorliegen von Diabetes insipidus zentralis, da durch die exogene Vasopressinzufuhr die Niere wieder vermehrt Wasser zurückhält, Trinkmenge und Harndichte nehmen wieder zu.

Ist nur eine vorübergehende Verbesserung festzustellen, so ist ein zentraler Diabetes insipidus eher unwahrscheinlich und eine weitere Abklärung für die möglichen Gründe der Symptome sollte durchgeführt werden.

Stellt sich dagegen unter der exogenen Vasopressin-Gabe überhaupt keine Änderung ein, so liegt die Störung vermutlich in den Nieren selbst. Hier kann es sich um einen renalen Diabetes insipdus handeln, allerdings reagiert die Niere auch bei Nierenversagen nicht auf diese Hormonzufuhr, eine Reaktion bleibt demnach aus, die Symptome bestehen weiter.

Durstversuche

Auch verschiedene Durstversuche finden in der Diagnostik des Diabetes insipidus Anwendung, wenn alle anderen möglichen Ursachen der Symptome abgeklärt sind und keine Ergebnisse zu Tage gebracht haben.

Da bei diesen Versuchen den Tieren über einen längeren Zeitraum Flüssigkeit entzogen wird, sind solche Testverfahren, wenn möglich, nur unter stationärem Aufenthalt in einer Tierklinik durchzuführen. Nur hier ist es möglich, den Patienten unter ständigen Kontrolle vor möglichen massiven Dehydrationen zu bewahren, die mitunter unbehandelt tödlich verlaufen können. Ziel dieses Testverfahrens ist es, durch fehlende Flüssigkeitszufuhr die Urinkonzentrationsfähigkeit der Niere zu überprüfen.

Bei diesem Test wird zu Beginn die Trinkmenge des Patienten, sowie die Harndichte ermittelt, ebenso das Körpergewicht kontrolliert.

Die erste Nacht verbringt der Hund in der Klinik, bei freiem Zugang zu Wasser aber unter Nahrungsentzug. Gleich am Morgen erfolgt eine weitere Urin- und ggf. Blutuntersuchung auf osmotisch wirksame Bestandteile (Natrium, Chlorid, Glukose, Harnstoff).

Nach einer vollständigen Blasenentleerung wird das Tier noch einmal gewogen und ein um 5% reduziertes Körpergewicht ermittelt. Dieser Wert dient als Hilfe, wann der Test abgebrochen wird – da der Körper zu einem großen Prozentsatz aus Wasser besteht, ist bei Erreichen des ermittelten, reduziertem Körpergewichtes, mit schweren Dehydrationsschäden zu rechnen.

Im weiteren Verlauf wird dem Hund nun vollständig Wasser wie auch Futter entzogen und in engemaschigen Kontrollen (1-2 Stunden), Körpergewicht und Harndichte ggf. Blutharnstoffwerte gemessen. Der Test ist beendet, wenn entweder das ermittelte reduzierte Körpergewicht erreicht ist, oder aber die Harndichte auf einen nahezu normalen Wert angestiegen ist (Normalwert ca. 1035).

Ist das ermittelte Körpergewicht erreicht, zeigt sich aber nur ein leichter bis kein Anstieg der Harndichte, so kann zusätzlich künstlich Vasopressin zugeführt werden. Steigt die Harndichte an, so liegt sehr wahrscheinlich ein Diabetes insipidus zentralis vor. Bei einem Diabetes insipidus renalis dagegen spricht der Niere auf die Gabe nicht an, das Harngewicht bleibt gering.

Sollte die Harndichte bei einem solchen Durstversuch auch ohne exogener Vasopressinzufuhr auf einen Normalwert ansteigen, so geht man davon aus, das kein Diabetes insipidus vorliegt und andere Ursachen für die genannten Symptome vorliegen müssen. In diesem Fall sollte auch an eine psychologische Ursache für den vermehrten Durst gedacht werden.

Bei einem zentralen Diabetes insipidus sollte im weiteren Verlauf eine Kernspintomographie durchgeführt werden, mit Hilfe dieser Untersuchung kann überprüft werden, ob Tumore oder andere Prozesse im Bereich des Hypothalmus-Hypophysen-Komplexes vorliegen.

Therapie

Der zentrale Diabetes inspidus lässt sich durch die Gabe von synthetischem Vasopressin, häufig als Wirkstoff Desmopressin, behandeln.

Dem Körper wird somit das Hormon zugeführt, welches er auf physiologische Weise nicht mehr selbst herstellen kann. Zur Anwendung kommen häufig Medikamente aus der Humanmedizin, früher wurde diese häufig in Form von Nasensprays appliziert, inzwischen sind diese aber auch als Tablettenform oder Injektionslösung erhältlich und für den Hundebesitzer einfacher zu verabreichen. Möglich ist aber auch, das der Tierarzt sich für ein Medikament entscheidet, welches in Form von Augentropfen verabreicht werden.

Auch unter einer Therapie ist das völliges verschwinden der Symptome nicht sicher. Der Hundebesitzer steht bei der Pflege des erkrankten Tieres in der Pflicht. Er muss nicht nur dafür Sorge tragen, dass dem Tier immer ausreichende Mengen an Wasser zur freien Verfügung steht, sondern ist auch für regelmäßige Kontrollen durch den Tierarzt und kontinuierliche Medikamentengabe zuständig. Außerdem sollte dem Hund stets die ausreichende Möglichkeit gegeben werden, sich zu entleeren, mit ein wenig Verständnis für diese Erkrankung und entsprechenden Hilfsmitteln, falls der Hund unsauber werden sollte, können Tiere durchaus mit dieser Erkrankung leben.

Beim Vorliegen eines renalen Diabetes insipidus gestaltet sich die Behandlung etwas schwieriger, ganz besonders dann, wenn die eigentliche auslösende Ursache nicht gefunden werden kann. Hier kann versucht werden, die Symptome durch minimierte Salzgehalte im Futter zu reduzieren, auch Medikamente kommen zum Einsatz, die die Symptome lindern sollen.



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