Erziehung eines Junghundes

Aus Hunde-Wissen
Version vom 9. März 2009, 10:28 Uhr von Caronna (Diskussion | Beiträge)

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Inhaltsverzeichnis

Festigung der Bindung

Festigung von Sitz und Platz

Leinenführigkeit und "Bei Fuß" gehen

Leinenführigkeit

Leinenführigkeit ist nicht gleichzusetzen mit „bei Fuß“ gehen! Der Hund kann rechts oder links gehen, ein wenig voraus oder hinterher laufen. Er darf schnüffeln und sich umschauen – er soll nur nicht ziehen. Das „bei Fuß“ gehen mit ausschließlicher Aufmerksamkeit zum Hundeführer ist ein „Arbeitslaufen“ und sollte auch nur beim Arbeiten auf dem Hundeplatz, bei Prüfungen oder Vorführungen von dem Hund erwartet werden. Ständig die Aufmerksamkeit zu halten, erfordert ein hohes Maß an Konzentration für den Hund und ist sehr anstrengend. Auf den alltäglichen Spaziergängen sollte der Hundeführer das nicht von seinem Hund erwarten. Ein paar Schritte zu Beginn, vom Parkplatz weg oder solange man eine Straße überquert – je nach Alter und Ausbildungsstand des Hundes ist das in Ordnung. Dann sollte der Hund (und auch der Hundeführer) den Spaziergang genießen dürfen. Und dazu gehört auf jeden Fall, dass der Hund stehen bleiben und schnüffeln darf. Erst das macht seinen Spaziergang interessant. Für einen Hund ist es etwas ganz Natürliches, neugierig zu sein. Es ist nicht sinnvoll, ihn für etwas zu bestrafen oder maßregeln zu wollen, das in seinen Augen zum vollkommen normalen Verhalten gehört.


Warum ziehen Hunde an der Leine?

Mögliche Gründe


1. Der Hund zieht, weil der Hundeführer ihm folgt, wenn er es tut.


2. Der Hund zieht, wegen der Art und dem Zeitpunkt der Korrektur.

In der Praxis sieht es so aus:

- Der Hund zieht.

- Hundeführer ruckt energisch an der Leine

- Um an der Leine rucken zu können, muss man sie für einen Moment lockern, denn beim Ziehen ist sie ja bereits gespannt.

- Dann kommt der Ruck: Der Hund fühlt den Schmerz und er verknüpft, dass auf eine lockere Leine der Schmerz folgt. Folglich wird er jetzt alles tun, um eine lockere Leine und den darauf folgenden Schmerz zu vermeiden!

Es ist schon in sich ein Widerspruch, ein Ziehen an der Leine mit einem Rucken an der Leine korrigieren zu wollen!


3. Der Hund zieht, weil sein Halsband von vornherein zu eng ist und ihn würgt. Er hat dadurch Schmerzen im Bereich des Nackens und des Halses und versucht, diesen Zustand durch Vorwertsziehen zu entkommen. Hunde kennen nur eine Richtung: Das ist die, wo die Nase hin zeigt!


4. Ständiger Einsatz von Flexileinen Die Flexileine ist immer auf Zug, egal wie viel Mühe der Hund sich gibt, dem Hundeführer ordentlich zu folgen. Er wird seine Bemühungen um eine lockere Leine daher schnell wieder aufgeben.


5. Der Hundeführer ist oft genervt, leicht reizbar. Er schreit den Hund an, schimpft ständig, tritt ihn mit dem Knie weg, packt ihn am Nacken. Logischerweise wird der Hund versuchen, so weit wie möglich vom Hundeführer weg zu kommen.


6. Der Hund ist ständig im Stress. Er ist hektisch, übermäßig bewegungsaktiv, sprunghaft – in diesem Zustand kann er nicht langsamer gehen und sich auf das konzentrieren, was er gerade tut.


Aus diesen Gründen ergeben sich die Punkte, die der Hundeführer berücksichtigen sollte

  • Nicht von dem Hund ziehen lassen – ruhig stehen bleiben, die Richtung wechseln, d.h. ihm nicht folgen.
  • Dem Hund klar machen, was man statt des Ziehens von ihm erwartet. Fehlverhalten ignorieren, Erwünschtes belohnen.
  • Ein weiches, breites Halsband benutzen (sollte über mind. 3 Wirbel gehen) oder alternativ auf Spaziergängen ein Brustgeschirr benutzen.
  • Jeglichen Leinenruck vermeiden! Das kann die Schilddrüse, die Halswirbelsäule, den Kehlkopfs, die Halsmuskulatur und den Bewegungsapparat des Hundes schädigen. Ein harter Ruck kann sogar zum Schleudertrauma führen! (Literatur: Anders Hallgren „Rückenprobleme beim Hund“, animal-learn Verlag )
  • Flexileine - wenn überhaupt – nur am Brustgeschirr befestigen und dabei kein ordentliches „Bei Fuß“ von dem Hund verlangen, d.h. wird die Flexileine benutzt, darf der Hund an der Leine ziehen.
  • Eine gute Bindung aufbauen. Für den Hund soll der schönste Platz auf der Welt an der Seite seines Hundeführers sein!


Übungsbeispiel für Leinenführigkeit

nach Turid Rugaas, aus: Hilfe, mein Hund zieht! Turid Rugaas, animal-learn Verlag –  ! Empfehlenswert!

Aufbau der einzelnen Übungsschritte, Schritt 1-5 in ablenkungsarmer, ruhiger Umgebung

1. Schritt:

Konditionierung auf ein bestimmtes Signal, dass man beliebig oft wiederholen kann. Z.B.: mit der Zunge schnalzen, auf den Oberschenkel klopfen, Quietschgeräusch

Die Konditionierung läuft ähnlich wie beim Clicker: Das Signal geben, reagiert der Hund und schaut sich in Richtung Hundeführer um, wird er belohnt. Er soll also das neue Signal mit einer Belohnung verknüpfen.

2. Schritt (ohne Leine)

Signal geben, den Hund loben, wenn er sich umdreht, ein paar Schritte rückwärts von ihm weg gehen – folgt er, bekommt er die Belohnung.

3. Schritt (ohne Leine)

wie beim 2. Schritt verfahren, dann das Signal ein zweites Mal geben und die Richtung wechseln.

Schritt 3 mehrmals wiederholen, dabei immer in eine andere Richtung gehen.

4. Schritt

jetzt mit Leine arbeiten (bei Übung 3 ansetzen), Leine immer locker lassen!!!

5. Schritt (mit Leine)

Schwierigkeitsgrad der Übungen erhöhen, d.h. öfters die Richtung wechseln und die Arbeitseinheiten verlängern (5 Minuten, 8 Minuten, 10 Minuten….)

Verliert der Hund die Konzentration, ist er müde. Vielleicht ist die Arbeitseinheit zu lang. Die Konzentrationsfähigkeit ist von Hund zu Hund verschieden und wird durch Alter, Stress und Erfahrungen beeinflusst. Der Hundeführer muss lernen, das Arbeiten so zu gestalten, dass bei seinem Hund keine Ermüdung auftreten kann.

6. Schritt

Ablenkungen in die Übung einbauen: Spaziergänger, Radfahrer, Jogger, lärmende Kinder, Autos, andere Tiere etc.

Die Ablenkung sollte erst in größerer Entfernung sein, Schritt für Schritt nähern.

7. Schritt

Abbau der Futterbelohnung: Jetzt nur noch jedes 2. oder 3. Mal belohnen, später noch seltener. Zwischendurch dann wieder etwas öfter. Es darf keine Regelung stattfinden und man darf auch nie ganz mit der Belohnung aufhören! Den Hund immer in der potentiellen Erwartung lassen, dass es etwas Leckeres geben könnte!

Ein verbales Lob sollte es aber immer geben.


Übungsbeispiel für "Bei Fuß gehen"

„Step by Step“

aus dem Obedience-Training von Angela White, Happy Dogs … Happy Winners Deutsche Ausgabe nur über Birgit Laser, Tel.: 0451-605233 - ! sehr empfehlenswert!


Einleitende Übungen

Nähe ist etwas Angenehmes! Um dem Hund dies klarzumachen lassen wir ihn sitzen und stellen uns selbst dicht an sein rechte Seite. Mag er anfangs diese Nähe nicht, können wir gut den Clicker einsetzen: Ein schnelles click-Futter, click-Futter …. soll dem Hund deutlich machen, dass wir die Nähe zu uns honorieren und dass sie somit etwas Angenehmes und Positives ist. Dabei sollten wir Idealerweise in dem Moment clicken, wenn der Hund seine Wange leicht an unseren Oberschenkel legt und zu uns hochschaut. Wer nicht mit dem Clicker arbeitet, achtet bitte darauf, dass sein verbales Lob in dem richtigen Moment kommt.

Es kann beim Training passieren, dass wir den Hund aus Versehen auf die Pfoten treten. Um ihn dafür etwas unsensibler zu machen und damit das nicht zu einem negativen Erlebnis für ihn wird, können wir ihm vorab klarmachen: Getreten werden ist toll! (Wir setzten natürlich voraus, dass es sich hier nicht um ein ernsthaftes Schmerzerlebnis für den Hund handelt!) Wir bringen den Hund wieder ins „Sitz“ und stellen uns direkt vor ihm hin. Vorsichtig beginnen wir, ihn mit unseren Füßen zu berühren, dabei fangen wir rechts oder links an der Schulter an und arbeiten uns langsam nach unten, bis wir ihm letztendlich auf die Pfoten „treten“. Für jede einzelne Berührung gibt es – genau im Moment der Berührung – einen „click“ oder ein verbales Lob und daraufhin ein Leckerchen.

Alle Übungen öfters wiederholen. Bei Schwierigkeiten noch langsamer voran schreiten. Diese Übungen sind sehr wichtig: Der Hund wird nie eng am Bein bei Fuß laufen, wenn ihm Nähe unangenehm ist!

Für die Handführung: Wir locken den Hund an unsere linke Hand heran, berührt er diese mit der Schnauze, wird er mit einem Leckerchen aus der rechten Hand belohnt. Der Hund soll lernen, der linken Hand zu folgen, ohne dass wir dabei etwas in der Hand halten. Anfangs im Stehen üben, dann ein wenig rückwärts laufen, auch mal in Schlangenlinien etc.

Auflösungswort: Wir beenden jede Übung mit einem Auflösungswort, wie z.B. „o.k“, „genug“ etc. Damit wollen wir dem Hund die Sache wieder etwas einfacher machen und verdeutlichen. Nach dem Auflösungswort darf der Hund tun, was er möchte, er ist von allen Pflichten befreit.

Wichtig: Nach dem Auflösungswort kommt auch kein Lob mehr. Immer darauf achten, genau das zu loben, was gerade geübt wird! Und: Der Hund soll niemals sehen, dass wir keine Futterbelohnungen mehr haben. Da soll immer noch was sein, was er sich verdienen kann!


In die Grundstellung führen

Der Hund sitzt oder steht vor uns, wir halten die Leine und Leckerchen in der rechten Hand. Jetzt führen wir den Hund mit der linken Hand mit einem kleinen Bogen an unserem linken Bein vorbei und mit einer (für den Hund) Linkswendung wieder eng an unser linkes Knie heran. Dort, in gleicher Höhe mit uns, soll er dann „Sitz“ machen – überschwänglich loben, Futterbelohnung. Sobald die Handführung immer klappt setzen wir unser Signalwort, z.B. „bei Fuß“ oder „close“ ein. Ziel ist später, dass der Hund auf das entsprechende Wort von dort, wo er sich gerade befindet, an unsere linke Seite springt. Die Führung mit der Hand wird nach und nach wieder abgebaut.

Aufmerksamkeit: Die Aufmerksamkeit des Hundes mit Futter oder Spielzeug einholen, beklicken und/oder verbal belohnen, auf Timing achten. Auch hier gilt wieder: Das entsprechende Signalwort erst dann einsetzen, wenn der Hund immer und überall auf uns schaut, wenn wir es wünschen.


Erste Schritte „Bei Fuß“

Haben wir jetzt unseren Hund in der Grundstellung und seine volle Aufmerksamkeit (wenn nicht, laufen wir erst gar nicht los!) bauen wir das „bei Fuß“ gehen schrittweise auf, indem wir erst einmal nur einen einzigen Schritt machen und dafür sorgen, dass der Hund wieder perfekt in der Grundstellung sitzt und weiterhin die Aufmerksamkeit auf seinen Hundeführer hält. 3-4 einzelne Schritte genügen für den Anfang – die Übung mit dem Auflösungswort beenden. Nach kurzer Zeit die Schritte wiederholen.

Es gilt: Wer langsam voran schreitet, kommt schneller ans Ziel! Hier wird der Grundstein für ein späteres perfektes „bei Fuß gehen“ gelegt.

Verbreitete Schwierigkeit ist das ausdrehen des Hinterteils beim Hund. Dies kann verhindert werden, indem man die Übungen dicht an einer Mauer oder ähnliches macht (Hund zwischen Mauer und Hundeführer). Dem Hund immer so viele Hilfen wir möglich geben! Lernt er nie, dass er sich auch ausdrehen kann, wird er es auch nie tun! Wir versuchen also Fehler bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Aus „ein Schritt -Sitz“ wird zwei Schritte -Sitz“, dann drei, vier und so weiter. Dabei bleibt die Leine immer locker. So aufgebaut, kommt der Hund niemals in die stramme Leine. Folglich wird er auch niemals an der Leine ziehen.

Für ein schönes „bei Fuß gehen“ erwarten wir vom Hund beim Laufen die Aufmerksamkeit zum Hundeführer.Dafür belohnen wir jeden Blick des Hundes in unsere Richtung sofort. Anfangs können wir diesen Blickkontakt auch herbeiführen, in dem wir den Hund freundlich und lockend mit seinem Namen ansprechen. Schaut er auf, sofort belohnen. Ziel ist, dass er das erwünschte Verhalten, also die Aufmerksamkeit zum Hundeführer, von alleine wiederholt, da er etwas positives, nämlich die darauffolgende Belohnung, damit verknüpft.

Als Motivation und Belohnung kann auch Spielzeug, wie z.B. ein Ball, eingesetzt werden. Alles ausprobieren, oftmals braucht man Zeit, um die beste Motivation für seinen Hund zu finden. Die Mühe, auch mal Hühnchenfleisch zu kochen oder Leberwurst zu schmieren lohnt sich!

Eine weitere Möglichkeit, sich die Aufmerksamkeit seines Hundes zu erhalten, ist, sich so interessant wie möglich zu machen. Der Hund soll einen triftigen Grund haben, zum Hundeführer „aufzuschauen“: Er ist für seinen den Hund das tollste und interessanteste auf der Welt!

Interessant macht man sich auch mit seiner Körpersprache. Daher gilt: Selbst nicht trödeln und gelangweilt laufen, sondern aufrecht, schwungvoll und mit Fröhlichkeit. Beim Laufen immer mal wieder den Hund überraschen: Mit einem kurzen Wettlauf nach vorne, mit einem Sprung beiseite oder eine plötzlichen Wendung. Wenn der Hund anfängt auf diese spannenden Elemente zu warten, erreichen wir von ihm freiwillig ein hohes Maß an Aufmerksamkeit!

Auch das verbale Lob vom Hundeführer hebt beim Hund die gute Laune und bringt Schwung in seine Bewegungen. Dabei sind hohe Töne für den Hund als Lob am besten zu verstehen.


Weitere Übungsbeispiele

====Longiertraining mit Hunden==== (nach Thomas Baumann)

Dazu benötigt man einen abgesteckten Kreis von ca. 10-30 m Durchmesser und 20-40 cm Höhe (richtet sich beides nach der Größe des Hundes). Anfangs führt man den Hund an der Leine, dabei läuft der Hund außen und der Hundeführer innen im Kreis. Der Hund soll als erstes lernen, den Innenkreis nicht zu betreten! Hier darf nur der Hundeführer rein. Jeder Versuch, in den Kreis zu dringen, wird konsequent unterbunden und nach und nach wird die Distanz zwischen Hund und Hundeführer erhöht. Dabei auf keinen Fall das Hörzeichen für Bei-Fuß-Gehen benutzen. Es wird wortlos gearbeitet.

Anfangs wird der Hund evtl. aufdringlich reagieren, es scheint, als entsteht bei ihm vergleichsweise das Gefühl, das ein Hund haben mag, wenn man ihn in einen anderen Raum sperrt. Es werden dann aber schnell Momente entstehen, in denen der Hund – scheinbar fragend – seinen Hundeführer anschaut. Genau in diesem Moment wird er bestätigt, d.h. jeder Blickkontakt zum Hundeführer wird gebührend belohnt.

Diese “Bleib-draußen-Strategie“ bewirkt, dass der Hund sich anfangs aufgrund von Unsicherheit („was passiert hier?“), zunehmend an den Signalen des innen laufenden Hundeführer orientiert. D.h., die soziale Kommunikation und die Bindung werden auf einfache Weise verstärkt.

Gerade, weil wir ihn „absichtlich ausschließen“ machen wir alles, was im Kreis ist, für ihn interessant. Nach dem Motto „was man nicht bekommen kann, ist umso begehrenswerter“.

Alle diese Übungen sollen letztendlich bewirken, dass der Hund sich gerne in der Nähe seines Hundeführers aufhält und nicht den Drang bekommt, von ihm wegzuziehen.


Das Arbeiten mit Brustgeschirr und Halsband

Dazu benötigen wir eine 2m Leine mit 2 Karabinerhaken. Das eine Ende wird am Halsband befestigt, das andere am Brustgeschirr. Wenn wir jetzt losgehen, korrigieren wir mit der linken Hand den Hund über das Brustgeschirr und haben so (mit der rechten Hand) die Möglichkeit, die Leine am Halsband immer locker zu lassen. Sollte der Hund einmal unkontrolliert nach vorne springen haben wir zusätzlich die Möglichkeit auch Druck über die Leine zum Halsband zu machen. Damit haben wir eine bessere Krafteinwirkung und können so größere und schwerere Hunde besser halten.


Das Arbeiten mit Brustgeschirr und Halti

Funktioniert vom Prinzip her wie mit dem Halsband, nur dass stattdessen ein Halti angelegt wird. Ein Halti kann man anlegen, wenn es größere Schwierigkeiten aufgrund unterschiedlicher Körperkräfte von Hund und Hundeführer gibt. Man sollte es aber erst dann benutzen, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Das Halti ist ein vorübergehendes Hilfsmittel und seine Benutzung sollte nach und nach wieder abgebaut werden.

Das Halti benötigt eine längere Gewöhnungsphase und sollte nicht einfach so übergezogen werden. Wer sich nicht damit auskennt, sollte sich über die Handhabung vorher gut informieren und das Anfangstraining unter Anleitung eines Hundetrainers beginnen.

Um den Hund an das Halti zu gewöhnen, legt man es ihm anfangs erst einmal bei der Fütterung an und auch nur für wenige Minuten. In Verbindung mit dem Futter, soll der Hund lernen, dass das Halti etwas Positives ist. Erst, wenn der Hund sich daran gewöhnt hat und nicht mehr versucht, es abzustreifen, kann man beginnen, damit zu arbeiten. Jetzt wird wieder ein Ende der Leine an das Brustgeschirr und ein Ende an das Halti befestigt. Auch hier soll die Haupteinwirkung über die Leine zum Brustgeschirr gehen, die Leine am Halti ist locker. Kommt man in eine Situation, die ein kräftiges Festhalten des Hundes erfordert, hat man über das Halti eine optimale Einwirkung seiner eigenen Kräfte – auch wenn man ansonsten seinem Hund körperlich eher unterlegen ist. Mit dem Halti hat man eine direkte und sofortige Einwirkung auf Kopf und Schnauze des Hundes. Während der am Halsband geführte Hund noch die Möglichkeit hat seinen, Kopf in eine andere Richtung zu strecken, erhält man mit dem am Halti geführten Hund sofort die Aufmerksamkeit in Richtung Hundeführer.

Mit dem Halti immer besonders vorsichtig arbeiten! Ein ruckartiges Herumziehen des Kopfes, z.B. beim Sprung aus dem Auto, kann schwerwiegende Verletzungen beim Hund verursachen.

Tricks, wie man in den Augen des Hundes immer konsequent wirkt

Selten hat der Hundeführer während der gesamten Lernphasen seines Hundes immer Zeit und vor allem Nerven und Konzentration, das „Bei Fuß gehen“ bzw. die Leinenführigkeit, zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort so durchzuziehen, wie er es beim Training tut.

Um zu verhindern, dass Unkonsequenz in bestimmten Situationen, sich nachteilig auf die Erziehung des Hunde auswirkt, kann man für "Bei Fuß gehen" bzw. für die Leinenführigkeit zwei Kommandos einsetzen. BeispieL:

Wenn ich meinen Hund beim Spazieren gehen für eine Weile bei mir behalten will, weil von vorne z.B. Jogger oder Reiter kommen, reicht es mir, wenn er neben mir herläuft. Wie er das tut, ist mir egal. Er muss nicht eng an meinem Knie kleben und voll Konzentration zu mir aufblicken, so wie ich es beim Arbeiten erwarte. Also benutze ich 2 Kommandos: „Close“ ist unser Arbeitslaufen und das benutze ich nur, wenn ich selber Zeit und Lust habe mit ihm zu arbeiten und bereit bin alle Übungen konsequent durchzuziehen. „Hier bleiben“ sage ich, wenn mein Hund einfach nur in meiner Nähe laufen soll und mir es egal ist, ob er dabei etwas weiter weg vom Bein und/oder hinter mir läuft.

Bei dieser Methode habe ich Zeit, meinem Hund das schöne, aufmerksame Bei-Fuß gehen beizubringen, ohne das ich mir aufgrund eigener Fehler das Kommando selbst kaputt mache, nur weil ich manchmal unkonsequent bin.

So oder ähnlich kann man in der gesamtem Erziehung des Hundes verfahren: Wenn man weiß, dass man keine Zeit hat, seine Signale auch hundertprozentig beim Hund durchzusetzen, sollte man lieber gar keine geben und unerwünschtes Verhalten ignorieren.



"Rüpelphasen?"

Sozialverhalten

Zuverlässiger Rückruf

Es gibt für mich 2 Möglichkeiten, den zuverlässigen Rückruf des Hundes zu trainieren:

Als erstes ist da der „bedingungslose“ Gehorsam (klingt schon so unmöglich, wie es ist!) Diese Methode setzt voraus, dass der Hundeführer von Anfang an 100%ig konsequent in der Erziehung seines Hundes ist. Ganz ehrlich, da müssen wir uns nichts vormachen: So durch und durch und in sich konsequent sind nur die wenigstens Menschen von uns. Wenn Sie es sind, dann herzlichen Glückwunsch! Sie werden es mit der Erziehung ihres Hundes leicht haben.

Die meisten Hunde leben als (fast) vollwertiges Mitglied in der Familie. Dadurch entsteht meistens eine starke emotionale Bindung, die der Mensch zu seinem Hund bekommt. Und wer behauptet da noch, in jeder Situation konsequent zu sein? Und das auch noch bei einem „ach, er ist doch so niedlich“ jungem Hund? - Also: Thema abgehakt!?

Jetzt kommt die 2. Möglickeit:

Ein Garant dafür, dass der Hund zu jedem Zeitpunkt auf Ruf sofort zum Hundeführer zurückkommt, ist, dass genau dieser Platz – an der Seite von Frauchen/Herrchen – der schönste Platz auf der Welt für den Hund ist!

Wie erreicht man das? – Indem man in erster Linie an sich selbst arbeitet, nicht am Hund!

Wie sehen unsere Spaziergänge in der Regel aus? Der Hund läuft vorweg, geht seine Wege, wir laufen hinterher, meist allein in Gedanken oder im Gespräch zu zweit. In diesem Moment sind wir für den Hund unglaublich langweilig. Jetzt kommen von vorne Jogger – wir rufen den Hund, er soll heran kommen. Wie ist das für den Hund? Endlich passiert etwas Interessantes, es kommt jemand von vorn – und wir rufen ihn ab?! Wir haben uns doch die ganze Zeit nicht für ihn interessiert! Welchen Grund soll er haben, jetzt zu uns zu kommen?!

Oder: Viele Hundeführer rufen ihren Hund nur einmal – und zwar, wenn sie wieder am Parkplatz angekommen sind. Was lernt der Hund dadurch? – Wenn Herrchen/Frauchen rufen, ist mein Spaß vorbei, ich muss an die Leine bzw. wieder ins Auto.

Sicher, es ist für den Hundehalter schwierig, interessanter zu sein, wie ein davon hoppelndes Kaninchen …. aber nicht unmöglich! Wichtig ist auch, immer mit offenen Augen und „vorausschauend“ den Spaziergang zu machen. In vielen Fällen kann ich den Hund vorher ablenken, wenn ich das Kaninchen zuerst gesehen habe. Die Chancen werden schlechter, je weiter ich den Hund voraus laufen lasse. Ist er ein Jäger, wird sein angeborener Trieb ihn immer erst einmal hinter Wild hinterher hetzen lassen, wenn dieses kurz vor seiner Nase und weit ab von unserer Kontrolle vor ihm weg springt. Wichtig ist es, dass man den Hund zurück pfeifen kann und man sollte ihn gar nicht erst aus einem bestimmten Radius heraus lassen, wenn er zum wildern neigt. Wenn man ihn dann noch auf Spaziergängen beschäftigt, ihn also schon im Vorfeld ablenkt, so dass er gar nicht erst auf den Gedanken kommt, eine Fährte zu suchen, hat man schon einiges zur Schadensbegrenzung getan. Wenn nötig, muss anfangs mit einer Schleppleine gearbeitet werden. Es macht keinen Sinn, wenn der Hund immer wieder abhaut und man nichts dagegen unternimmt. Mit der Schleppleine lernt der Hund gleichzeitig, dass er sich nicht so weit entfernen darf und dass sie ihn auch noch unter Kontrolle haben, wenn er weiter weg ist.

Ablenken in einer brenzligen Situation kann man den Hund z.B. mit einem Spielzeug (wichtig: Spielzeug ist immer so interessant, wie der Hundeführer es macht/bewegt!), mit einem Futterbeutel + Signalwort oder alternativ mit einer mit Futter gefüllten TupperDose, die man möglichst geräuschvoll schüttelt.

Dem Hund niemals hinter herlaufen! Versuchen, durch in die Hände klatschen oder ein ähnliches interessantes Geräusch seine Aufmerksamkeit zu bekommen, dann schnell in die entgegengesetzte Richtung laufen. Dabei weiter bewegen, nicht wieder (starr) stehen bleiben. Beim Heranrufen eine hohe Stimmlage benutzen – das finden Hunde toll. Alternativ kann ein Quietsch-Spielzeug verwendet werden.

Ist der Hund weg, ihn nicht ununterbrochen rufen – so weiß er nur, dass man noch in der Nähe ist und er sich keine Sorgen machen muss!

Die Situation immer abschätzen. Habe ich eine Chance, meinen Junghund aus dem wilden Spiel mit anderen Hunden zu rufen? Wohl eher nicht – daher ist es besser, abzuwarten, bis sich das Spiel beruhigt hat. Jedes Mal, wenn der Hund gerufen wird und er nicht kommt, wird die Konsequenz des Hundeführers aus Hundesicht schwächer. Da ist es besser, ihn gar nicht erst zu rufen. Ggf. hingehen und den Hund abholen.

Zusammengefasst:

Jedes Herankommen in der Übungsphase für den Hund zu einem Erlebnis gestalten!

Den Hund beim Spaziergang zwischendurch immer mal wieder rufen, obwohl nichts von vorne kommt, ihn mit besonderen Leckerchen überraschen oder ein tolles Spiel mit ihm machen!

Zwischendurch bekommt der Hund für ein gelungenes Zurückrufen (ggf. mit Pfeife und Napf) einen „Jackpot“ oder sein Lieblingsspielzeug (Prägespielzeug)

Dem Hund kann man nichts vormachen – freut euch ehrlich, dass er so gut hört. Kommt das Lob von Herzen, könnt ihr es besser rüberbringen und es wirkt beim Hund wie ein Jackpot!

Ich versuche meistens, unsere Spaziergänge als „Abenteuer mit Frauchen“ zu gestalten. Dabei zeige ich meinen Hunden z.B. einen Käfer, der auf dem Boden krabbelt, klettere mit ihnen auf einem Baumstamm oder auf eine Bank, zeige ihnen ein Eichhörnchen im Baum oder wühle (andeutungsweise!) mit ihnen einen Mülleimer durch. Sicher, die vorbeikommenden Leute schauen mich ab und zu etwas komisch an…

Im Ansehen des Hundes steigt man auch, wenn man Futter findet, also „Beute macht“. Besonders souverän ist man dann noch, wenn man ihm das Futter überlässt! Dazu versteckt man einfach ein etwas größeres Leckerchen, z.B. im Laub, ruft den Hund heran „schau mal, was ich da habe…“, evtl. gemeinsam ausbuddeln.

Mein Ziel ist es, mich interessant für meine Hunde zu machen. Sie sollen lernen, dass bei mir immer etwas los ist und das sie was verpassen könnten, wenn sie nicht schnell heran kommen, wenn ich sie rufe. Für mich ich das der beste Garant, dass ich meine Hunde von überall abrufen kann, egal, was von vorne kommt!

Wer seinen Hund auf die Pfeife konditioniert hat, sollte immer mal wieder an der Konditionierung arbeiten. Das kann man z.B., in dem man den lecker gefüllten Hundenapf mal mit auf den Spaziergang nimmt und am Ende eine Abrufübung mit dem Hund macht. Oder ihn gelegentlich wieder mit der Pfeife zum Fressen heran rufen. Die Pfeife sollte für Notfälle bzw. für weite Entfernungen sein. Den Hund nicht alle paar Meter heran pfeifen!

Die Konditionierung sollte letztendlich so aussehen, dass die Pfeife für den Hund lebensnotwendig wird! (Futter ist lebensnotwendig und Pfeife und Futter sind miteinander verknüpft)



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