Hoden

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Hoden (griech.Orchis, lat. Testis und Didymus)

Der Hoden liegt bei Rüden als ein paarig angelegtes Organ vor und wird zusammen mit den Nebenhoden, den Samenleitern und den akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Prostata und Samenleiterampulle beim Hund) sowie der Harnröhre, zu den inneren Geschlechtsorganen gezählt. Verborgen in einer Hauttasche der als Hodensack oder Skrotum bezeichnet wird, üben die Hoden zwei Funktionen aus.

Für die Fortpflanzung entwickeln sich hier über mehrere Entwicklungsschritte die Spermien, die dann im Nebenhoden heranreifen und gespeichert werden.

Als Organe des endokrinen Systems produzieren spezielle Zellen der Hoden Hormone. Eines der wichtigsten Hormone ist dabei das männliche Geschlechtshormon Testosteron, welches für die Ausbildung der primären (innerer wie äußerer Geschlechtsorgane) wie sekundären Geschlechtsmerkmale (Körperbau, Bemuskelung und Sexualverhalten) verantwortlich ist, aber auch in zahlreiche andere Körperfunktionen eingreift.

Hodenentwicklung und Hodenabstieg

Die Entwicklung der Hoden beginnt bereits beim ungeborenen Welpen im Mutterleib.

Gesteuert durch das männliche Y-Chromosom, entwickeln sich die Hoden beim männlichen Fötus im oberen Abschnitt der Bauchhöhle in der Nähe der Nieren. Etwa ab der zweiten Trächtigkeitshälfte erfolgt dann der langsame Abstieg der Hoden in Richtung Hodensack.

Für den Abstieg verantwortlich ist das Hodenleitband (Gubernaculum testis), welches mit den Hoden verbunden ist. Im Laufe der Entwicklung beginnt dieses Band durch den Einfluss von Hormonen zu schrumpfen und übt so eine Zugwirkung auf die Hoden aus, hierdurch werden diese über den Leistenkanal in das Skrotum gezogen.

Zunächst wird der Nebenhoden in den Leistenkanal gezogen, ungefähr ab der letzten Trächtigkeitswoche erfolgt dann auch der Abstieg der Hoden in den Leistenkanal, wo sie bis zum Zeitpunkt der Geburt verweilen. Innerhalb der ersten 14 Tage nach der Geburt, wandern die Hoden langsam durch den Leistenkanal in den Hodensack ab und können dort ertastet werden.

Der Abstieg der Hoden, den man auch als Descensus testis bezeichnet, sollte normalerweise in den ersten 3 Lebensmonaten des Rüden vollständig abgeschlossen sein d.h. beide Hoden sollten sich dann im Hodensack befinden. Individuelle wie auch rassespezifische Unterschiede lassen aber nur eine grobe Angabe zum Zeitpunkt bis zum vollständigen Abstieg zu. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit mit steigendem Lebensalter sinkt, wurden dennoch Fälle beobachtet in denen ein spontaner Abstieg noch bis zu einem Alter von 18 Monaten erfolgte.

Die Lage des Hodens im Hodensack und damit im Grunde außerhalb des Körpers, hat für die Fortpflanzungsfähigkeit des Rüden eine enorm wichtige Bedeutung. Die hier vorherrschende Temperatur liegt ca. 2°C Grad unter der normalen inneren Körpertemperatur. Dieser Unterschied ist für die Entwicklung der Samenzellen von wichtiger Bedeutung, denn ihre Temperaturempfindlichkeit benötig optimale Bedingungen um Spermien entstehen zu lassen, die nach ihrer Reifung auch befruchtungsfähig sind.

In der Bauchhöhle oder Leistengegend verbliebene Hoden dagegen unterliegen der normalen Körperinnentemperatur. Zwar wird dadurch die Hormonproduktion nicht gestört, aber die Gefahr einer tumorösen Entartung der Hoden steigt und die Entwicklung der Spermien ist eingeschränkt.

Nicht abgestiegene oder im Bauch oder Leistenspalt stecken gebliebene Hoden werden „verborgene Hoden“ genannt oder als Kryptorchismus bezeichnet. Da vermutlich eine erbliche Disposition eine Rolle spielt, werden Rassehunde die hiervon betroffen sind aus der Zucht ausgeschlossen.

Aufbau der Hoden

Die runden bis ovalen Hoden liegen zusammen mit den Nebenhoden frei verschiebbar im Hodensack (Skrotum) welcher die äußere und für uns sichtbare Hülle darstellt die die Hoden umgeben. Häufig liegt der rechte Hoden ein wenig verlagert in Richtung Rute, was sich sowohl im Stand als auch in Rückenlage des Rüden gut beobachten lässt.

Jeder Hoden ist von einer ca. 1-2mm dicken, für uns nicht sichtbaren Bindegewebskapsel (Tunica albuginea) umgeben, in der größere Blutgefäße verlaufen. Diese Kapsel ist verhältnismäßig dick und hält die Gewebestrukturen im Inneren des Organs unter einem gewissen Druck. Man nimmt an, dass dieser Druck für den normalen Ablauf der Spermatogenese wichtig ist. Wie jedes Organ der Bauchhöhle, wird auch diese Bindegewebskapsel außen vom Bauchfell überzogen, welche mit der Kapsel fest verbunden ist.

Von der Bindegewebskapsel aus verlaufen viele Strukturen, die kleine Scheidenwände darstellen, in das Hodeninnere und teilen es in viele kleine Läppchen ein. Diese als Hodenläppchen (Lobuli testis) bezeichneten Kammern enthalten jeweils eine Reihe von Hoden- oder Samenkanälchen, die für die Bildung der Samenzellen verantwortlich sind. Von den Samenkanälchen aus werden die Spermien dann über ein eine Art schleifenförmiges Kanalsystem (Hodennetz = Rete testis), welches in der Mitte des Hodens liegt, geleitet und gelangen von dort über Ausführungsgänge in den Nebenhodenkopf, der die Spermien in Richtung Nebenhoden transportiert.

Spermienbildung

Die Aufgabe der Samenbildung übernehmen spezielle Zellen, die sich an den Wänden der Samenkanälchen befinden und als Sertolizellen bezeichnet werden.

Unter dem Einfluss des Hormons FSH aus der Hypophyse wird die Spermienentwicklung der Sertolizellen angeregt und die erste Phase von der Entwicklung bis zur Reifung eines Spermiums beginnt.

Die Samenzellen haben zu dieser Zeit noch einige Vermehrungs- und Reifephasen zu durchlaufen. Im Hoden erfolgt zwar die Bildung der Samenzellen, ihre endgültige Reife erreichen sie aber erst während ihres Weges durch die inneren Geschlechtsorgane. Den Zustand der vollen Befruchtungsfähigkeit werden sie sogar erst im weiblichen Geschlechtsapparat erlangen.

Hormonbildung

Neben der Bildung und Reifung von Samenzellen haben die Hoden aber auch die Aufgabe Hormone zu bilden. Für diesen Zweck existieren im Hoden entsprechend spezialisierte Zellen, die als Leydig(schen)-Zwischenzellen bezeichnet werden.

Sie befinden sich gruppenartig angeordnet zwischen den einzelnen Samenkanälchen und bilden unter Einfluss des Hormons LH der Hypophyse das Hormon Testosteron. Dieses Hormon hat, wie viele andere Hormone, gleich mehrere Aufgaben.

Zum einen wirkt es stimulierend auf seine benachbarten Sertolizellen und sorgt so für die Aufrechterhaltung der Samenproduktion, zum anderen hat es aber auch Auswirkung auf andere Stoffwechselsysteme des Körpers wie die der Haut, der Knochen und Muskeln.

Natürlich unterliegen die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale ebenfalls dem Einfluss von Testosteron. Zu den primären Geschlechtsorganen zählen alle Organe, die für die Fortpflanzung notwenig sind. Sie sind bereits im frühesten Embryonalstadium angelegt, erlangen aber erst durch Testosteron ihre vollständige Ausprägung und Funktionsfähigkeit.

Zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen der Rüden gehört v.a. das äußere Erscheinungsbild welches bei vielen Rassen einen deutlichen Unterschied zwischen Rüde und Hündin erkennen lassen. Hierzu zählt meist eine stärkere Bemuskelung, der maskuline Körperbau und der meist ausgeprägtere Fellwuchs, sowie das Sexualverhalten des Rüden.

Erkrankungen der Hoden

Kryptorchismus

Ausgebliebener oder unvollständiger Abstieg eines oder beider Hoden in das Skrotum.


Hodentumore

Je nach Ausgangsgewebe unterscheidet man Leydig-Zelltumore, Seminome und Sertoli-Zelltumore. Mischformen sind möglich.


Orchitis

Unter Orchitis versteht man eine Hodenentzündung die sowohl akut wie chronisch verlaufen kann. Da die Hoden im engen Kontakt mit den Nebenhoden stehen, sind oft beide Organe betroffen.


Hodentorsionen

Bei einer Hodentorsion handelt es sich eigentlich um eine Drehung des Samenstranges um seine eigene Achse.


Anorchie

Bei der Anorchie oder Anorchidie handelt es sich um eine Fehlbildung, hier sind keine Hoden angelegt – sie fehlen vollständig. Bei Hunden eher selten. Die Anorchie ist nicht mit dem Kyptorchismus zu verwechseln!


Monorchie

Wie bei der Anorchie handelt es sich um eine Fehlbildung, es ist nur ein Hoden angelegt. Die Monorchie ist mit einem einseitigen Kryptorchismus nicht zu verwechseln!


Hodenhypoplasie

Hierbei handelt es sich um vorhandene Hoden im Skrotum, die aber unterentwickelt und klein sind. Das Sexualverhalten ist meist nicht beeinträchtigt, wohl aber die Qualität der Spermienproduktion.

Hodensack / Skrotum

Der Hodensack stellt eine der zwei Hodenhüllen dar, die die Hoden aber auch Nebenhoden und Teile des Samenstranges umgeben. Die äußere Haut ist meist nur wenig behaart, dünn und meist dunkel pigmentiert.

Seine Bedeutung im Fortpflanzungsgeschehen des Hundes ist mehr als die bloße Darstellung einer äußeren Hülle, das Scrotum ist vielmehr als ein Organ anzusehen, welches die Aufgabe hat den Hoden vor einer Erwärmung auf Körperinnentemperatur zu schützen.

Um diese Aufgaben zu erfüllen weißt der Hodesack einige Besonderheiten auf.

Im Gegensatz zu anderen Hautschichten des Körpers verfügt der Hodensack in seiner Unterhautzellschicht über kaum nachweisbare Fettschichten. Diese fehlende Isolierung ermöglicht es, das die niedrigen Temperaturen der Außenwelt bis nahe an die Hoden gelangen kann und so den Temperaturunterschied zu der inneren Körpertemperatur aufrechterhält.

Daneben sorgt eine spezielle muskulös–elastische Unterhautschicht (Tunica dartos) durch erschlaffen oder zusammenziehen auf Temperaturreize der Außenwelt für eine stetige Regulierung der Temperatur. Steigen die Außentemperaturen erschlafft diese Schicht, die Oberfläche des Skrotums vergrößert sich, die Wärmeabgabe steigt. Bei fallenden Außentemperaturen passiert dagegen genau das Gegenteil, die Tunica dartos zieht sich zusammen und die Wärmeabgabe wird verringert – die Haut des Hodensackes erscheint runzelig.

Eine weitere Funktion in der Temperaturregulierung des Hodens übt ein spezieller Muskel aus, der Hodenhebermuskel (Musculus cremaster), der sich im Hodensack befindet und den Hoden umhüllt. Bei Kälteeinwirkung vermag sich dieser Muskel reflexartig zusammenzuziehen und zieht dadurch den Hoden in Richtung Körper.

Erkrankungen des Skrotums

Erkrankungen des Hodensackes stehen meist in Verbindung mit reizenden Einflüssen auf die sehr empfindliche Hodensackhaut.

Sie reagiert auf chemische und mechanische Einflüsse sehr extrem, ständiges belecken und nagen der Haut z.B. durch Erkrankungen die mit Juckreiz oder Schmerzen einhergehen (Flohbefall, Kontaktallergien, aber auch Hoden- und/oder Bebenhodenerkrankungen)können zu schweren Entzündungen der Hodensackhaut führen (Skrotaldermatitis).

Auch mechanische Verletzungen, die oft sehr klein sind, können sich zu einer Skrotaldermatitis entwickeln. Hierzu reichen u.U. schon kleinste Läsionen, wie zum Beispiel Stöckchen die beim Stöbern im Unterholz die empfindliche Haut verletzen.



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