Hormonsystem des Hundes

Aus Hunde-Wissen
Version vom 27. Mai 2007, 11:57 Uhr von Steffi (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis


Einführung

Realistisch betrachtet, besteht jeder lebende Organismus aus einer unvorstellbar großen Anzahl von Zellen. Rund um die Uhr sorgt jede Einzelne dafür, das „Leben“ so wie wir unseren Hund von außen betrachten, überhaupt stattfinden kann.

Das Zusammenspiel der einzelnen Köperfunktionen ist dabei von größter Bedeutung. Eine große Anzahl dieser, wird mit Hilfe des Hormonsystems aufrecht erhalten und gesteuert, es greift ein, wenn unser Hund mit Stress umgehen muss, es sorgt für die nötige Energieumsetzung und kommt bei ganz alltäglichen Abläufen wie z.B. dem Hunger- oder Durstgefühl zum Einsatz. Leider kann es aber auch zu Störungen in diesem System kommen und unser Hund reagiert mit Erkrankungen die oft schwerwiegende Folgen für den Organismus darstellen können.

Der Organismus ist ein in sich fein abgestimmtes System. Die einzelnen Organsysteme, Funktionen und damit die Zellen sind keine Alleinkämpfer d.h,. sie arbeiten nicht autonom und aus diesem Grund bedarf es einer Form der innerlichen Kommunikation. Sie ist notwendig, weil ein Organismus entsprechend auf Veränderungen, die auf ihn einwirken, reagieren muss. Unser Hund, wie auch wir Menschen und eine ganze Reihe anderer Lebewesen, verfügen für diese Art der Kommunikation über zwei wesentliche Einrichtungen, das Nervensystem und das Hormonsystem.

Das Hormonsystem übernimmt in dieser Sache eine ganz besondere Rolle, denn Hormone fungieren als Nachrichtenübermittler von Zelle zu Zelle, von einem Organ zum anderen. Im Gegensatz zum Nervensystem, verläuft die Übermittlung hier allerdings nicht über elektrische Impulse, sondern über chemische Substanzen – die Hormone. Die Wirkung der Hormone setzt nicht so rasant schnell ein wie die Übermittlung der Signale über das Nervensystem. Während das Nervensystem die Nachrichten in Bruchteilen von Sekunden übermitteln kann, dauert die Informationsübertragung über die Hormone von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden.

Was sind Hormone

Ein Hormon ist eine körpereigene chemische Substanz, im Körper zirkulieren eine ganze Reihe unterschiedlicher Hormone. Ihr Job ist es, als Bote Informationen von einem Gewebe, von Zelle zu Zelle oder von einem Organ zum anderen, zu übermitteln.

Dabei kann die Distanz die es zurücklegen muss ganz unterschiedlich sein, es gibt Hormone die in der direkten Umgebung ihres Herstellungsortes wirken, andere wandern über den Blutkreislauf an weiter entfernte Stellen im Körper.

Wenn ein Hormon freigesetzt wird, so soll es natürlich auch eine Reaktion hervorrufen. Unsinnig wäre es, wenn jede Zelle im Körper auf die gesendete Botschaft eines Hormons reagieren würde und so reagieren nur die Zellen, die auch auf den Empfang einer solchen Botschaft eingestellt sind. Für diesen Zweck verfügen sie auf ihrer Oberfläche über kleine Rezeptoren, die eine Art Empfangsantenne für das Hormon darstellen. Das Hormon dockt an diesen Rezeptoren an und löst in der Zelle verschiedene Stoffwechselvorgänge aus.

Die Reaktion der Zellen auf die Botschaft des Hormons kann dabei völlig unterschiedlich sein, je nachdem welche Aufgabe der Zelle einprogrammiert wurde, fällt auch die Reaktion aus.

Hormone und ihre Herkunft

In den meisten Fällen werden Hormone in Hormondrüsen, auch endokrine Drüsen genannt, gebildet.

Im Gegensatz zu exokrinen Drüsen, wie z.B. die Speicheldrüsen des Hundes, entlässt eine solche endokrine Drüse ihre Sekrete nicht durch eine Körperöffnung nach außen, sondern gibt sie innerhalb des Körpers ab, wo sie auch verbleiben bis sie ausgeschieden werden.

Früher herrschte die Meinung, nur solche endokrinen Drüsen produzieren Hormone, inzwischen ist aber bekannt, dass auch einzelne Zellen Hormone produzieren, also keine Drüsen im klassischem Sinne darstellen. Neben den bekannten Hormondrüsen wie z.B. Hypothalamus, Hypophyse, Schilddrüse, Nebenniere, Hoden und Eierstöcke u.a., fand man inzwischen auch im Verdauungstrakt, Lungengewebe, Unterhaut, ja sogar in den Blutgefäßen und dem Herz hormonproduzierende Zellen.

Aufgaben von Hormonen

Hormone sind für den Organismus lebensnotwendig, alle biologischen Prozesse sind in irgendeiner Weise auf Hormone angewiesen, Störungen in diesem System führen oft zu schwerwiegenden Erkrankungen mit Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel, manchmal sogar bis zum Tod des Tieres, wenn sie nicht erkannt oder unbehandelt bleibt.

Hormone greifen nahezu in alle Bereiche des Organismus ein

  • Sie regeln z.B. alle Reproduktionsvorgänge, von der Bildung und Reifung von Einzellen bei der Hündin, über die Einnistung befruchteter Einzellen in die Gebärmutter bis hin zur Entwicklung der Welpen im Mutterleib und die Geburt. Beim Rüden ist die Entwicklung der Samenzellen von Hormonen abhängig.
  • Das gesamte Wachstum, angefangen vom Aufbau von Gewebe, über die Entwicklung der Knochen und Muskeln, bis hin zur optimalen Verwertung von Nährstoffen werden über Hormone mitgesteuert.
  • Hormone steuern den Wasserhaushalt des Körpers, sorgen dafür, das der Körper nicht mehr Elektrolyte verliert als nötig.
  • Der Blutzuckerspiegel wird über Hormone geregelt.
  • Sie sorgen für eine konstante Kalziumkonzentration im Blut, wo es u.a. für die Muskeltätigkeit benötigt wird.
  • Jede Verletzung, Erkrankung oder Infektion stellt eine Belastung für den Organismus da, die Fähigkeit des Körpers sich auf diese besondere Belastungen einstellen zu können ist nur mit Hilfe von Hormonen möglich
  • Emotionen, Verhaltensweisen wie Angst oder Flucht, Hunger oder Durst werden auch durch Hormone gesteuert.

Übergeordnete Hormondrüsen

Die Hormonproduktion im Körper verläuft in einem gesunden Organismus nicht planlos und unkontrolliert ab. Damit alles seine Ordnung hat und keines der Hormone in zu großen oder geringen Mengen hergestellt wird, verfügt auch der Körper unserer Hunde über einen übergeordneten Kontrollposten.

Zunächst laufen alle Informationen über innere und äußere Zustände im Gehirn zusammen. Ständig werden hier die einlaufenden Daten aufgenommen, verarbeitet und sortiert. Der wichtigste Teil des Gehirns ist das Zwischenhirn, als Teil des Hirnstammes ist es mit diesem für zahlreiche lebenswichtigen Vorgänge im Körper verantwortlich , hier werden die meisten Körpervorgänge kontrolliert und gesteuert. Eng anliegend an diese Gehirnteile findet man das limbische System, es ist für die emotionale Welt des Hundes verantwortlich sowie für bestimmte Verhaltensweisen. Die nahe anatomische Lage zu anderen Hirnregionen macht deutlich, warum Hormone und Verhalten oft in enger Beziehung stehen und viele hormonelle Störungen oder Veränderungen mit Verhaltenänderungen einhergehen. Hier im Gehirn findet man bereits drei Hormondrüsen.

Die Hormondrüsen im Zwischenhirn sind Epiphyse, Hypophyse und Hypothalamus.

Epiphyse

Die Aufgabe der Epiphyse im Hormonsystem ist noch nicht vollständig geklärt, man vermutet aber, dass sie ein Hormon bildet welches die vorzeitige Entwicklung der Geschlechtshormone verhindert und eine wichtige Rolle im Tages und Monatsrhythmus ausübt.

Hypophyse

Sie wird auch als Hirnanhangsdrüse bezeichnet und ist eine der wichtigsten Hormondrüsen im Sinne der geregelten Hormonsteuerung. Ihre Hormone steuern fast den gesamten Hormonspiegel, sie reguliert durch sog. tropen Hormone oder Tropine einen Großteil der Produktion andere Hormone aus weiteren Hormondrüsen. Doch auch die Hypophyse unterliegt einer weiteren Kontrolle, durch Hormone des Hypothalamus wird die Hypophyse zur Produktion von Hormonen angeregt, oder gehemmt.

Die enge Beziehung zwischen diesen beiden Hormondrüsen führt dazu, das in der Literatur beide als Hypothalamus-Hypophysen-System beschrieben werden.

Hypothalamus

Der Hypothalamus fungiert als eine Art Regelzentrum. Als Teil des Zwischenhirns stellt er die wichtigste Instanz für die Kontrolle vieler Körperfunktionen da.

Aus den naheliegenden Hirnregionen laufen hier zahlreiche Informationen aus der Umwelt und dem inneren Zustand des Körpers zusammen, er kontrolliert den Kreislaufzustand, die Körpertemperatur, den Wasserhaushalt und vieles mehr. Auch Informationen über die Gefühlswelt treffen hier ein, dies macht deutlich, warum z.B. hormonelle Veränderungen oft im Zusammenhang mit Veränderungen von Verhaltensweisen auftreten.

In ihrer Funktion als Regelzentrum für die hormonelle Steuerung produziert der Hypothalamus verschiedene Hormone, die wiederum die Hypophyse zur Produktion von Hormonen hemmt oder stimuliert.

Hormone die die Hypophyse zur Produktion von Hormonen anregen sollen werden als Releasing Hormone kurz RH bezeichnet.

Hemmende Hormone aus dem Hypothalamus dagegen als Inhibiting Hormone - kurz IHH.

Auf das Signal des Hypothalamus reagiert die Hypophyse entsprechend mit der Ausschüttung eigener Hormone, ihre Hormone wiederum dienen dann als Signalübermittler für weitere Hormondrüsen im Körper, die ihrerseits auf dieses Signal mit der Produktion weiterer Hormone reagieren.

Es gibt auch spezielle Ausnahmen in diesem System, von den vielen Hormonen die der Körper herstellt um Körperfunktionen aufrecht zu erhalten oder zu steuern, gibt es Hormone die zwar von der Hypophyse ausgeschüttet werden, deren Wirkung aber nicht auf andere Hormondrüsen ausgerichtet sind. Sie wirken direkt an speziellen Zielzellen ohne Umweg über andere Hormondrüsen z.B. das Adiuretin und das Oxytocin.

Andere Hormone werden ganz ohne Steuerung von oberen Instanzen ausgeschüttet z.B. die Hormone Insulin und Glukagon

Hormonkonzentration und Steuerung

Damit Hormone ihre zugeteilte Aufgabe auch erfüllen können, bedarf es einer bestimmten Menge dieser im Körper. In der Medizin wird die Konzentration des Hormons im Blut als Titer oder Spiegel bezeichnet. Abweichungen, sei es durch zu hohe oder geringe Konzentrationen, führen zu Störungen und damit zu Erkrankung des Organismus.

Der Körper verfügt für fast alle Funktionen über eine Art Regelsystem, welches festlegt, wie hoch z.B. die Konzentration von bestimmten Hormonen im Körper sein soll, oder auch in welchen festgesetzten Grenzen sich diese befinden dürfen. Nicht nur die Hormone unterliegen diesem Regelsystem, sondern auch Körpertemperatur oder, um nur einige Beispiele zu nennen, der Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Jede Abweichung vom gewünschten Sollwert wird von Rezeptoren im Körper registriert und an das Gehirn weiter gegeben. Von hier aus werden alle Werte sortiert, analysiert und an die entsprechenden Hirnregionen weiter gegeben. Ziel ist es, bei Abweichungen so schnell wie möglich Gegenmaßnahmen einzuleiten und somit das Gleichgewicht wieder herstellen zu können. Im Hormonsystem gelangen die Informationen über den hormonellen Ist-Zustand in den Hypothalamus, der Teil des Zwischenhirns ist.



Meine Werkzeuge