Hundefutter

Aus Hunde-Wissen
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Inhaltsverzeichnis

Die Deklaration bei Hundefutter

Was muss überhaupt bei Hundefutter deklariert werden und bedeutet Fleisch an erster Stelle auch, dass es ernährungsphysiologisch besonders wertvoll ist?

Wie immer lohnt sich ein Blick in die Futtermittelverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. Mai 2007 (BGBl. I S. 770), zuletzt geändert durch die Verordnung vom 15. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2483). Genaueren Aufschluss hierüber gibt § 13 FuttMV (Vorgeschriebene Angaben über Inhaltsstoffe und Zusammensetzung von Mischfuttermitteln)

Bei Mischfuttermitteln, die aus zwei oder drei Einzelfuttermitteln bestehen und entsprechend § 12 Abs. 1 Satz 2 gekennzeichnet sind, sind

  1. im Fall der ausschließlichen Verwendung mineralischer Einzelfuttermittel die Gehalte an Calcium, Natrium und Phosphor,
  2. in sonstigen Fällen die Gehalte an Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche

in vom Hundert anzugeben.

Für Hundefutter findet in aller Regel Nr. 2 Anwendung. Weiterhin sind zu deklarieren bei Mischfuttermitteln für Hunde und Katzen die enthaltenen Einzelfuttermittel in vom Hundert oder in der absteigenden Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile. Ferner ob es sich um ein Alleinfuttermittel handelt oder Mineral-, Melasse oder nur Ergänzungsfuttermittel ist, sowie weitere Angaben zu Mindesthaltbarkeit, Herstellungsdatum, Nettomasse usw. (vgl. § 11 FuttMV).

Fraglich erscheint nun, ob diejenigen Futtermittel, deren Deklaration Fleisch und / oder tierische Nebenerzeugnisse als prozentual höchsten Anteil ausweisen oder die an erster Stelle genannt werden auch wirklich Fleisch als bedeundsten Nahrungsmittelbestandteil aufweisen. Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, denn: Fleisch kann der Rezeptur von Hundefutter entweder frisch oder getrocknet hinzugefügt werden. Frischfleisch jedoch hat einen sehr hohen Wassergehalt. Da die Reihefolge der Deklaration sich an dem Rohgewicht orientieren (muss), kann ein zwar nach Rohgewicht höchster Anteil an Fleisch im Verhältnis zu den anderen Nahrungsbestandteilen scheinbar suggerieren, dass diese Quelle auch das Hundefutter dominiert. Von anfangs z.B. 25 oder 30% Fleisch bleiben jedoch nach dem Erhitzen nur noch weit unter 10% an Eiweiß übrig.

Daher ist der Umkehrschluss, wenn Fleisch an erster Stelle steht, dass es sich auch um den entscheidenden Futtermittelanteil handelt pauschal gesagt falsch. Vielmehr ist zu fragen, ob der Fleischanteil frisch oder getrocknet hinzugefügt wurde. Nur dann lässt sich erkennen, ob das Hundefutter auch wirklich “Fleisch dominierend” ist.


Futterinhaltsstoffe - was steckt dahinter?

Bei Hundenahrung finden sich im Rahmen der Deklaration der Inhaltsstoffe Angaben zu Rohprotein, Rohasche, Rohfett und Rohfaser. Doch was genau bedeuten diese Angaben?

Hundefutter besteht grundsätzlich aus organischen und anorganischen Bestandteilen. Die Inhaltsstoffe werden mit der weltweit verwendeten Weender Futtermittelanalyse erfasst.

Rohasche

Der Gehalt an Rohasche wird durch Ausglühen des Futters im sog. Muffelofen bei 550 Grad Celsius bestimmt. Rohasche ist also der anorganische Teil des Futters (Mineralien, Spurenelemente, Silikate). Die Differenz von Trockensubstanz zu Rohasche (Trockensubstanz - Rohasche) gibt den Wert des organischen Anteils von Futter wieder.

Rohprotein

Dieser Wert gibt nicht ausschließlich den Anteil von Eiweiß (=Protein) an, sondern erfasst alle stickstoffartigen Verbindungen, d.h. auch alle Substanzen, die keine Eiweiße sind, wie z.B. Peptide, Alkaloide, Amide oder freie Aminosäuren. Dieser globale Stickstoffanteil (= das Rohprotein) wird mit dem sog. Kjedahlverfahren bestimmt und mit dem Faktor 6,25 multipliziert (im Protein sind 16% Stickstoff enthalten -> 100/16 = 6,25, daher der Multiplikator).

Rohfett

Analysiert wird mit Petroläther. Alle Stoffe, die sich darin lösen werden als Rohfett bezeichnet. Dazu zählen reine Fette, Lipoide, Wachse, Fettsäuren und fettlösliche Vitamine (z.B. Vitamin A und E).

Rohfaser

Das Hundenahrung wird eine halbe Stunde in verdünnter Säure und dann eine weitere halbe Stunde in Lauge gekocht. Dabei lösen sich alle Inhaltsstoffe, bis auf die pflanzlichen Zellwandbestandteile auf. Unter den Begriff Rohfaser fält dann der unlösliche organische Anteil des Hundefutters. Imwesentlichen also Zellulose, Hemizellulose und Lignin.

Rohwasser

Hundefutter wird bei exakt 103 Grad Celsius getrocknet. So wird der Wasseranteil ermittelt und zusätzlich enthält die Angabe den Anteil an sonstigen flüchtigen (=verdampfenden) Stoffen, wie z.B. organische Säuren, Ketone oder Aldehyde)

Trockensubstanz

Der nach der Trocknung (s.o.) zurückbleibende Teil des Futters wird als Trockensubstanz bezeichnet.


Gruppenbezeichnungen

Was steckt eigentlich hinter den Gruppenbezeichnung von Hundefutter und sind tierische Nebenprodukte Abfall, der nicht für den menschlichen Verzehr geeignet und frei gegeben ist?

Auch hier lohnt der Blick in die einschlägigen Gesetze (Anlage 2b zu §13 Abs. 3 Satz 1 Futtermittelverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 24. Mai 2007 (BGBl. I S. 770), zuletzt geändert durch die Verordnung vom 15. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2483) und Verordnung der EG Nr. 1774/2002).

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse

Alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von Tierkörpern oder Teilen von Tierkörpern warmblütiger Landtiere.

Milch und Molkereierzeugnisse

Alle Milcherzeugnisse, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie die Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung.

Eier und Eiererzeugnisse

Alle Eiererzeugnisse, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie die Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung.

Öle und Fette

Alle tierischen und pflanzlichen Öle und Fette.

Hefen

Alle Hefen, deren Zellen abgetötet und getrocknet worden sind.

Fisch und Fischnebenerzeugnisse

Fische oder Fischteile, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht, sowie die Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung

Getreide

Alle Arten von Getreide, ganz gleich in welcher Aufmachung, sowie die Erzeugnisse aus der Verarbeitung des Mehlkörpers.

Gemüse

Alle Arten von Gemüse und Hülsenfrüchten, frisch oder durch ein geeignetes Verfahren haltbar gemacht.

Pflanzliche Nebenerzeugnisse

Nebenerzeugnisse aus der Aufbereitung pflanzlicher Erzeugnisse, insbesondere Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte, Ölfrüchte.

Pflanzliche Eiweißextrakte

Alle Erzeugnisse pflanzlichen Ursprungs, deren Proteine durch ein geeignetes Verfahren auf mindestens 50% Rohprotein, bezogen auf die Trockenmasse, angereichert sind und umstrukturiert (texturiert) sein können.

Mineralstoffe

Alle anorganischen Stoffe, die für die Tierernährung geeignet sind.


Nebenprodukte Abfall?

Stellt sich nun noch die Frage, ob tierische Nebenprodukte wirklich Abfall sind, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet sind?

Der Blick in die EG Verordnung Nr. 1774/2002, die Hygienevorschriften für nicht zum menschlichen Verzehr bestimmte (genau lesen: es heißt bestimmte und nicht etwa geeignete oder nicht zum menschlichen Verzehr frei gegebene) tierische Nebenprodukte regelt. Noch genauere Auskunft gibt Artikel 6 der Verordnung.

Konkret heißt es dort:

  • “… die nach dem Gemeinschaftsrecht genusstauglich sind”
  • “… die genusstauglich sind, die jedoch aus kommerziellen Gründen nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind”
  • “… die für die Schlachtung zum menschlichen Verzehr geeignet sind”
  • “… die weder für Menschen noch für Tiere ein Gesundheitsrisiko darstellen, nicht mehr für den menschlichen Verzehr bestimmt sind”
  • “… die keine klinischen Anzeichen einer über dieses Erzeugnis auf Mensch oder Tier übertragbaren Krankheit zeigen”

Tierische Nebenprodukte sind für den menschlichen Verzehr frei gegeben, werden nur nicht mehr hierfür verwendet.


weitere Inhaltsstoffe

Vitamin K3

Viele Trockenfuttersorten für Hunde enthalten das so genannte Vitamin K3 (Menadion). Es handelt sich hierbei um synthetisch hergestelltes Vitamin K, das sich durch einen günstigeren Preis und seine enorme Hitzebeständigkeit bei der Verarbeitung auszeichnet. Leider besitzt Vitamin K3 neben seinen wichtigen Funktionen, wie die Synthese von Blutgerinnungsfaktoren und positivem Einfluss auf die Knochensubstanz, auch schlechte Seiten. Es ist eine toxische Substanz, die nachweislich krebserregend und leberschädigend wirkt, weshalb sie schon vor Jahrzehnten für Menschen verboten wird. Auch an Tieren, die der Lebensmittelherstellung dienen, darf kein Vitamin K3 verabreicht werden.

Unsere Hunde jedoch werden täglich mit diesem Vitamin, das eigentlich gar keines ist, gefüttert. Natürlich ist es wichtig, dass der Hund ausreichend mit natürlichem Vitaminen der K Gruppe versorgt werden. Gerade bei schweren Durchfallkrankungen ist ein Vitamin K-Mangel gefährlich. Doch man sollte, seinem Hund zuliebe, Futtersorten wählen, die kein K3 enthalten oder notfalls mit entsprechenden Präparaten vorbeugen. Wer nun hoch erfreut ist, dass auf seinern Hundefutter-Paket nichts von dem oben beschriebenen K3 steht, den muss man leider an dieser Stelle enttäuchen. Für Vitamin K3 besteht keine Deklarierungspflicht. Wer Genaueres über sein Trockenfutter wissen möchte, muss sich direkt an den Hersteller wenden.

Zur K-Gruppe siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin_K



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