Hunderudel

Aus Hunde-Wissen
Version vom 3. November 2006, 19:32 Uhr von Renate (Diskussion | Beiträge)

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Inhaltsverzeichnis


Vorüberlegungen

Bevor Sie ernsthaft über einen Zweithund nachdenken, sollten Sie vorab ganz genau in sich hinein horchen. Warum möchten Sie ein Hunderudel? Das ist die zentrale Frage von der auch Ihre Entscheidung pro oder contra Zweithund abhängen sollte. Spricht man mit Hundebesitzern, die ernsthaft über einen Zweithund nachdenken erhält man vielfach folgende Erklärung: "Dann hat mein Hund doch einen Artgenossen zum spielen". Hand aufs Herz: Das mag sicherlich eine Motivation sein, aber ist es nicht vielfach doch eher ihre mangelnde Zeit, die sie darünber nachdenken lässt? Ganz nebenbei bemerkt werden zwei Hunde in aller Regel auch nicht immer (eher sogar selten) ausgiebig miteinander spielen. Sie langweilen sich dann eben zu zweit. Wenn Sie also einen Zweithund ins Auge gefasst haben, dann sollten Sie in erster Linie eines haben: Zeit und nochmal Zeit! Im folgenden erhalten Sie eine Hilfestellung:


  • Haben Sie genug Zeit für zwei Hunde?
  • Sind Sie sich darüber bewusst, dass zwei Hunde beim Spaziergang mitunter Ihre dreifache Aufmerksamkeit abverlangen?
  • Haben Sie die höhere Steuer für den Zweithund bedacht?
  • Was passiert während Ihres Urlaubs - zwei Hunde sind weitaus schwieriger bei Freunden zu lassen als ein Hund!
  • Sind Sie bereit Ihre menschlichen Gefühlsregungen zu unterdrücken? Insbesondere dann, wenn der Zweithund vielleicht irgendwann mal der "Boss" wird und ihrem Ersthund den Rang abläuft?
  • Ein Hunderudel ist eine geschlossene Gesellschaft - denken Sie daran, wenn Sie gerne mit anderen Hundebesitzern unterwegs waren. Das kann sich mit zwei Rüden oder einem Pärchen ganz schnell ändern. Fremde Hunde werden hier nur unter den aller strengsten Auflagen geduldet.
  • Haben Sie sich ausreichen über Sprachschwierigkeiten unter den Hunden informiert und das bei Ihrer Wahl berücksichtigt?
  • Das Alter des Zweithundes ist fast "alles" bei einer reibungslosen Integration - haben Sie sich hier ausreichend Gedanken gemacht?
  • Wissen Sie wenigstens (theoretisch) welche Kombinationen sinnvoll sind? (Rüde - Rüde, Hündin - Hündin, Großer Hund zu kleinem Hund usw.)?


Sie sehen schon, diese Liste ließe sich fast unendlich fortsetzen. Bevor Sie sich jedoch auf das Abenteuer Hunderudel einlassen sollten Sie diese Anregungen sehr ernst nehmen! Ein Hunderudel ist toll, aber für viele Hundebesitzer gänzlich ungeeignet! Nur wenn alle Voraussetzungen bei Ihnen stimmen sollten Sie sich selbst grünes Licht geben.

Ein Paar (fast) nur Harmonie

Ein Pärchen, Rüde und Hündin, ja das ist was Feines! Aber da gibt es einiges zu bedenken: Was ist, wenn beide nicht kastriert/sterrilisiert sind, und man nicht züchtet? Dann hat man unter Umständen zwei Mal im Jahr drei Wochen lang ordentlich Stress! Eine räumliche Trennung für diese Zeit käme in Betracht. Hat man aber einen *liebestollen* Rüden, kann da schon mal eine Tür drunter leiden! Mag auch nicht jeder Vermieter!

Nächste Alternative: Einer von Beiden wird kastriert/sterrilisiert. Nun stellt sich die Frage: Wer soll auf dem OP-Tisch landen? Bei Rüden ist solch ein Eingriff meist unproblematischer und billiger, bei Hündinnen muss ein Bauchschnitt vorgenommen werden. Rüden wiederum neigen danach gerne zu Übergewicht, das Futter sollte reduziert werden. Bei einigen Hündinnen kann es zu einer Inkontinenz kommen. Hierzu sollte man den Tierarzt zu Rate ziehen, der einem sicher mit Tipps weiterhilft.

Weiterhin ist bei einer zweigeschlechtlichen Haltung zu überlegen, wie reagiert der Rüde draussen, wenn sich andere Geschlechtsgenossen für *sein* Weibchen interessieren? Nimmt er das cool und gelassen hin, oder könnte es da zu einem Machtgerangel kommen.

Die Spaziergänge mit einem Pärchen sind auch nicht immer einfach. Setzt sich die Hündin hin, um wirklich nur ihre Blase zu entleeren, markiert der Rüde jede Hauswand und Grasbüschel. Unter Umständen hat man voraus die Dame, die ihren Weg fortsetzen will, hinten dran hängt der Rüde, der noch mal schnell eine Duftmarke setzen muss. Sieht für Aussenstehende schon mal ein bisschen dämlich aus, wenn man mit ausgestreckten Armen irgendwo steht!

Das sind nur ein paar Überlegungen, die man sich vorher machen sollte.

Mehrere Rüden untereinander

Zwei, drei und mehr Hündinnen zusammen

Das Hunderudel - die geschlossene Gesellschaft

Der Mensch als Rudelchef

Gerechtigkeit - hier ist Umdenken beim menschlichen Rudelchef gefragt

Gerechtigkeit im Hunderudel ist ein weitgreifender Begriff. Worauf sollte man achten? Beide Hunde sollten, was Futter und Schmuseeinheiten angeht, gleich gehalten werden. Klar, darf man dem Einen mal heimlich was zustecken oder den Anderen auch mal alleine knuddeln. Im Grossen und Ganzen sollte sich das aber die Waage halten.

Der Ersthund sollte auch als solcher behandelt und geachtet werden. Zieht der Zweithund ein, so ist die Ranghöhe des Ersten auch vom Menschen als solche zu akzeptieren. Privilegien, die einmal galten, sollten nicht über den Haufen geworfen werden, Zugeständnisse an den Zweithund, die die des Ersthundes übertreffen oder bevorzugen, sollten vermieden werden.

Ändert sich im Laufe des Zusammenlebens die Rangfolge beider Hunde, sollte man das akzeptieren und auch dementsprechend handeln: Der Ranghöhere wird auch vom Menschen als solcher behandelt.

Haben beide Hunde ein Problem mit dem Stand in der Familie, muss der Mensch helfend eingreifen und evtl. regeln, was die Hunde untereinander nicht können oder wollen.

Hier ist ein wachsames Auge und Feingefühl gefragt, um keinen Stress aufkommen zu lassen.


Das Alter des neuen Hundes, Pubertät und Streit

Vor dem Einzug des Zweithundes sollte man sich über dessen Alter einige Vorgedanken machen.

Wie alt ist der Ersthund, passt da eher ein Welpe zu oder sollte er schon ausgewachsen sein?

Ist die Nr. 1 schon im fortgeschrittenen Alter, kann man ihm einen quirligen, noch überaus bewegungsfreudigen Welpen vorsetzen? Ist er evtl. mit dem Bewegungsdrang des *Kleinen* überfordert? Kann er sich in seinem Alter noch auf einen Jungspund einstellen? Auf der anderen Seite hört man sehr oft, dass so ein quietschvergnügter Junghund wie ein Jungbrunnen für den Älteren wirken kann und evtl. dessen Lebenserwartung verlängert. Ein Welpe integriert sich evtl. auch schneller und akzeptiert die vorhandene Rangordnung leichter. Bei einem Welpen sollte man weiterhin bedenken, in der ersten Zeit braucht er einfach mehr Betreuung und Fürsorge. Nimmt das der *Althund* so ohne Weiteres hin oder kommt es da zu Reibereien?

Geht die Überlegung zu einem etwa gleich alten Gefährten, muss man sich vor Augen führen, passen die Charaktere zusammen? Kann einer den anderen akzeptieren und *riechen*?

Ist die Wahl auf einen älteren Kameraden gefallen, ist zu bedenken, kann sich dieser noch in das Gefüge eines Rudels einfügen? Wie ist die Vorgeschichte? Kennt er die Mehrhundehaltung oder wurde er bisher als Einzelhund gehalten?

Alles Fragen, über die man sich im Vorfeld Gedanken machen sollte und sorgsam abwägen muss. Man kennt seinen Ersthund und wird nach Überprüfung aller Sichtweisen zu einem für alle akzeptablen Ergebnis kommen.



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