Hundeschule

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==Brauchen Hunde Hundeschulen? Grundlegende Überlegungen==
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Was ein Hund für sein Hundeleben braucht, hat er großteils bereits bei seiner Mutter und im Zusammenleben mit seinen Geschwistern gelernt. Sogar sitzen und „Platz machen“ kann der Hund schon im Welpenalter, für solche Künste braucht er keine Schule.
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Könnte man sich den Hund mal vorknöpfen und ihm kurz und bündig die Verhaltensregeln im Zusammenleben mit seinem Menschen bzw dem menschlichem Umfeld auseinandersetzen, wäre die komplette Hundeerziehung in fünf Minuten erledigt. Sie würde etwa lauten:
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#Wenn du gerufen wirst, komm – und das bitte gleich und ohne Umschweife.
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#Wenn du gebeten wirst, dich zu setzen oder hinzulegen mach es einfach.
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#Zerlege nicht die Wohnungseinrichtung – soll heißen: kaue an nichts, was man dir nicht ausdrücklich zum Spielen überlassen hat.
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#Verrichte deine Geschäfte nicht in der Wohnung.
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#Melde ungebetene Gäste, aber begrüße geladene Gäste stumm und mit freundlichem Schwanzwedeln und springe sie nicht an
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#Beiße nicht den Postboten und überhaupt nie einen Menschen, knurre sie nicht mal an
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#Raufe nicht mit anderen Hunden.
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#Benimm dich an der Leine gesittet und ruhig bzw laufe ruhig und gelassen neben deinem Menschen her.
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#Lauf nicht einfach weg, schon gar nicht um zu jagen – weder Wild noch Jogger oder Radfahrer – denn nur dein Mensch weiß, welche Gefahren in seiner Welt auf Hunde lauern und will dich davor beschützen.
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#Verhalte dich in der Wohnung ruhig und unauffällig, auch wenn du mal allein bleiben musst – dein Mensch kommt wieder.
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Zehn Regeln, die in 5 Minuten geklärt wären, wenn … tja, WENN der Hund Deutsch spräche. Und weil er das nun mal nicht tut, wird die Sache etwas kompliziert.
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Der Hund lernt über den schwierigen Umweg: Diese Handlung bringt immer und immer wieder Erfolg, jene Handlung bringt immer und immer wieder Misserfolg. Seine Art des Lernens braucht demnach vor allem eines: viel Zeit, viele Widerholungne, viel Konsequenz. Und das kann nun mal eine Hundeschulstunde pro Woche nicht bieten - auch nicht zwei oder drei. Der Mensch muss lernen, wie er seinen Hund lehren kann, erfolgreich in einem menschlichen Umfeld zu leben.
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Kuzum: Wer in die Hundeschule muss, ist der Mensch.
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==Die Wahl der geeigneten Hundeschule==
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Oberste Priorität zum Auffinden der geeigneten Hundeschule hat somit, dass der MENSCH als der eigentlich Unterrichtete sich dort wohlfühlt und die Gewissheit hat, aus dem dortigen Unterricht Brauchbares für sich und seinen Hund mitzunehmen.
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Als nächstes ist die Frage zu klären, nach welchen Methoden die Hundeschule unterrichtet und ob diese Methoden mit dem eigenen Denken und Fühlen kompatibel sind. Wer seinen Hund als atmendes Sportgerät betrachtet, das möglichst rasch möglichst perfekt funktionieren soll, wird andere Methoden gut finden als jemand, der seinen Hund als liebenswertes Familienmitglied sieht das höflich und liebenswert zu behandeln ist.
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Manche Schulen – es sind die teureren - deklarieren ihre Unterrichtsmethoden sehr detailliert, sodass man sich bereits im Vorfeld (zB via Internet) umfassend darüber orientieren kann, was einen dort erwartet. Viele Schulen – es sind meist jene, die vereinsmäßig betrieben werden und neben einem umfassenden Hundesportprogramm auch Welpen- und Junghundekurse anbieten – heften sich keine speziellen Methoden auf ihre Fahnen sondern gestalten ihren Unterricht so, wie ihn der jeweilige - oft ehrenamtlich agierende – Trainer eben auf dem Kasten hat. Das kann gut und zweckmäßig sein, oder eben nicht. Näheres darüber erfährt man, indem man mal eine Stunde reinschnuppert und die Augen offen hält. Kann man mit dem vorherrschenden Ton leben? Fühlt man sich wohl und als Individuum angenommen bzw wahrgenommen? Wie wird mit den Hunden umgegangen? Auch wenn sie mal nicht „funktionieren“?
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Wenn alle diese Fragen mit „Ja, kann damit gut leben“ beantwort sind, lohnt es sich, das gebotene Programm einer kurzen Analyse zu unterziehen.
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*Findet nur Programm mit den Hunden statt oder wird auch, während die Hunde neben ihren Haltern ruhen und sich somit die Aufmerksamkeit der Menschen auf den Trainer richten kann, so etwas wie Unterrichtung der Menschen geboten?
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*Wenn die Hunde sich im Freilauf austoben dürfen: greift da der (oder greifen die) Trainer auch mal moderierend ein oder wird bei allfälligen Streitigkeiten unter den Hunden darauf hingewiesen, dass „die das schon selbst unter sich ausmachen“?
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*Wenn Programm gemacht wird: handelt es sich da um Fußgehen im Kreis und Sitz in der Runde oder wird auch mal etwas anderes geboten?
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*Behält der Trainer bei der gegebenen Gruppengröße die Übersicht und findet die Zeit, individuelle Probleme zu bemerken und zu behandeln?
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==In Welpenspielgruppen==
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*Wieviele Trainer stehen für wie viele Hunde zur Verfügung? Auch ein sehr versierter Trainer kann nicht mehr als 4 bis maximal 5 Welpen im Auge behalten bzw 2 Trainer maximal 8 - 10 Hunde. Welpengruppen, die größer sind, mögen der Kassa der Schule nützen – dem Welpen schaden sie eher.
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*Passen die Hunde – besonders in Welpenspielgruppen – von der Größe her zusammen? Oder laufen winzige Toy Pudel und Zwergpinscher mit vergleichsweise riesigen Labradors, Windhunden und Schäfern in einer Gruppe? Kleine Hunde, die ständig – absichtlich oder unabsichtlich – von größeren über den Haufen gerannt oder gar gemobbt werden, lernen in einer solchen Gruppe kein freundliches Sozialverhalten sondern die Kunst der Selbstverteidigung, des Angstbeissens, des Unsicherheitskläffens und bestenfalls des hinter-dem-Menschen-in-Deckung-Gehen. Und das ist nicht der Sinn einer solchen Gruppe..
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*Werden wild raufende Welpen voneinander getrennt und müssen sich erst mal beruhigen, ehe sie wieder in die Gruppe entlassen werden? Oder heißt es gar: das müssen sie unter sich ausmachen? In der Tat machen sich zB wild lebende griechische Straßenhunde alles unter sich aus, doch hündische – auch völlig unblutige – Zurechtweisungen sind nichts für zarte mitteleuropäische Gemüter, die dann rufen: „Nehmen Sie Ihre bissige Töle von meinem Hund weg“ oder gar, wenn es zu einem – unter Hunden recht harmlosen – blutenden Löchlein gekommen ist: „Sie erhalten meine Tierarzt-Rechnung- geben Sie mir Ihre Adresse“. Kurzum: Fragen Sie Trainer, die das tatenlose Ignorieren von Mobbereien und Raufereien empfehlen, wo sie jederzeit erreichbar sind – zur Weiterleitung der künftigen Beschwerden anderer Hundehalter. Oder wechseln Sie die Hundeschule.
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*Werden die Welpen auf alle möglichen und unmöglichen Alltagssituationen vorbereitet, sprich: auf das, was im künftigen Leben auf sie zukommen kann? Angefangen beim torkelnden Betrunkenen über den Radfahrer, den Hutträger, den Schirmträger bis hin zu allen möglichen lauten oder absonderlichen Geräuschen, unterschiedlichsten Bodenbelägen usw? Wenn Sie eines Tages mit ihrem 50-Kilo-Hund über eine Treppe aus Gitterrosten gehen müssen und Wauzi sich strikte weigert, über einen so unzumutbaren Belag zu gehen, werden Sie wissen, dass Ihre Welpenschule zumindest in diesem Punkt versagt hat. Zumindest hätte man Sie drauf hinweisen müssen, dass Sie ihren Hund an unterschiedlichste Untergründe heranführen sollten.
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Bevor Sie sich für eine Hundeschule entscheiden, klappern Sie mehrere ab. Wenn keine Schnupperstunde (üblicherweise kostenlos) angeboten wird stellt sich grundsätzlich die Frage, was die Schule zu verbergen hat, dass sie den Wunsch verspürt, die Katze im Sack zu verkaufen.
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Hören sie auf Ihr Bauchgefühl, das nun mal nicht ohne Grund zustande kommt. Vielleicht wurde am Rand Ihres Wahrnehmungs- oder Blickfelds ein anderer Teilnehmer in übler Weise zusammengestaucht oder vorgeführt, vielleicht wurde ein Hund schlecht behandelt, vielleicht herrscht unter den Teilnehmern unterschwellig – warum auch immer - eine schlechte Stimmung.
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Die großzügige Vergabe von Leckerli allein ist noch kein Ausweis dafür, dass die Hundeschule sich generell um ein Lernen in angstfreier Atmosphäre mit positiver Bestärkung bemüht. Es kommt darauf an, wann und wie diese Bestärkung erfolgt. Beobachten Sie, ob jemals eine Korrektur (oder besondere Bestärkung) der leckerlifütternden Teilnehmer durch den Trainer erfolgt. Wenn nein, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Mogelpackung handelt. Selten setzen Anfänger die Futterbestätigung immer richtig und perfekt getimt ein. Wenn der Trainer das konsequent nicht bemerkt, ist das ganze „Training“ nichts als eine segensreiche Fütterungsstunde für verfressene Hunde.
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Treffen Sie letzlich ihre Wahl nach Bauchgefühl und praktischen Erwägungen. Man geht in die Hundeschule, damit einerseits der Hund fachlich moderierte Sozialkontakte zu fremden Hunden hat und andererseits der Mensch lernt, wie er seinen Hund alltagstauglich machen kann. Das geht nicht in einer Hundeschulstunde pro Woche – dazu braucht es konsequentes Training, beim Welpen praktisch rund um die Uhr. Der eigentliche Trainer ist also der Mensch und DIESER lernt demnach in der Hundeschule. Sie brauchen Rüstzeug für die alltägliche Praxis. Betrachtet man die Gepflogenheiten mancher Hundeschulen, ihre Schützlinge 90 % der Zeit im Kreis gehen, stehen und sitzen zu lassen, und die restlichen 10 % plaudernd am Platz zu stehen (Menschen) bzw sich nach Lust und Laune zu balgen (Hunde) so ergibt sich ganz klar: In solchen Hundeschulen lernt man nichts für die Praxis, denn die besteht nun mal nicht vorwiegend aus im-Kreis-Gehen.
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In den ersten Monaten seines Lebens ist ein Hund besonders empfänglich und lernfähig. Nützen Sie diese Zeit in einer guten Hundeschule Ihres Vertrauens – die Sie am besten schon rechtzeitig ausgewählt haben, noch ehe der Hund die „Schulreife“ erlangt hat.
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Romana Fürnkranz

Aktuelle Version vom 3. Juni 2009, 21:10 Uhr

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Brauchen Hunde Hundeschulen? Grundlegende Überlegungen

Was ein Hund für sein Hundeleben braucht, hat er großteils bereits bei seiner Mutter und im Zusammenleben mit seinen Geschwistern gelernt. Sogar sitzen und „Platz machen“ kann der Hund schon im Welpenalter, für solche Künste braucht er keine Schule. Könnte man sich den Hund mal vorknöpfen und ihm kurz und bündig die Verhaltensregeln im Zusammenleben mit seinem Menschen bzw dem menschlichem Umfeld auseinandersetzen, wäre die komplette Hundeerziehung in fünf Minuten erledigt. Sie würde etwa lauten:


  1. Wenn du gerufen wirst, komm – und das bitte gleich und ohne Umschweife.
  2. Wenn du gebeten wirst, dich zu setzen oder hinzulegen mach es einfach.
  3. Zerlege nicht die Wohnungseinrichtung – soll heißen: kaue an nichts, was man dir nicht ausdrücklich zum Spielen überlassen hat.
  4. Verrichte deine Geschäfte nicht in der Wohnung.
  5. Melde ungebetene Gäste, aber begrüße geladene Gäste stumm und mit freundlichem Schwanzwedeln und springe sie nicht an
  6. Beiße nicht den Postboten und überhaupt nie einen Menschen, knurre sie nicht mal an
  7. Raufe nicht mit anderen Hunden.
  8. Benimm dich an der Leine gesittet und ruhig bzw laufe ruhig und gelassen neben deinem Menschen her.
  9. Lauf nicht einfach weg, schon gar nicht um zu jagen – weder Wild noch Jogger oder Radfahrer – denn nur dein Mensch weiß, welche Gefahren in seiner Welt auf Hunde lauern und will dich davor beschützen.
  10. Verhalte dich in der Wohnung ruhig und unauffällig, auch wenn du mal allein bleiben musst – dein Mensch kommt wieder.


Zehn Regeln, die in 5 Minuten geklärt wären, wenn … tja, WENN der Hund Deutsch spräche. Und weil er das nun mal nicht tut, wird die Sache etwas kompliziert.

Der Hund lernt über den schwierigen Umweg: Diese Handlung bringt immer und immer wieder Erfolg, jene Handlung bringt immer und immer wieder Misserfolg. Seine Art des Lernens braucht demnach vor allem eines: viel Zeit, viele Widerholungne, viel Konsequenz. Und das kann nun mal eine Hundeschulstunde pro Woche nicht bieten - auch nicht zwei oder drei. Der Mensch muss lernen, wie er seinen Hund lehren kann, erfolgreich in einem menschlichen Umfeld zu leben. Kuzum: Wer in die Hundeschule muss, ist der Mensch.


[Bearbeiten] Die Wahl der geeigneten Hundeschule

Oberste Priorität zum Auffinden der geeigneten Hundeschule hat somit, dass der MENSCH als der eigentlich Unterrichtete sich dort wohlfühlt und die Gewissheit hat, aus dem dortigen Unterricht Brauchbares für sich und seinen Hund mitzunehmen. Als nächstes ist die Frage zu klären, nach welchen Methoden die Hundeschule unterrichtet und ob diese Methoden mit dem eigenen Denken und Fühlen kompatibel sind. Wer seinen Hund als atmendes Sportgerät betrachtet, das möglichst rasch möglichst perfekt funktionieren soll, wird andere Methoden gut finden als jemand, der seinen Hund als liebenswertes Familienmitglied sieht das höflich und liebenswert zu behandeln ist.

Manche Schulen – es sind die teureren - deklarieren ihre Unterrichtsmethoden sehr detailliert, sodass man sich bereits im Vorfeld (zB via Internet) umfassend darüber orientieren kann, was einen dort erwartet. Viele Schulen – es sind meist jene, die vereinsmäßig betrieben werden und neben einem umfassenden Hundesportprogramm auch Welpen- und Junghundekurse anbieten – heften sich keine speziellen Methoden auf ihre Fahnen sondern gestalten ihren Unterricht so, wie ihn der jeweilige - oft ehrenamtlich agierende – Trainer eben auf dem Kasten hat. Das kann gut und zweckmäßig sein, oder eben nicht. Näheres darüber erfährt man, indem man mal eine Stunde reinschnuppert und die Augen offen hält. Kann man mit dem vorherrschenden Ton leben? Fühlt man sich wohl und als Individuum angenommen bzw wahrgenommen? Wie wird mit den Hunden umgegangen? Auch wenn sie mal nicht „funktionieren“?

Wenn alle diese Fragen mit „Ja, kann damit gut leben“ beantwort sind, lohnt es sich, das gebotene Programm einer kurzen Analyse zu unterziehen.

  • Findet nur Programm mit den Hunden statt oder wird auch, während die Hunde neben ihren Haltern ruhen und sich somit die Aufmerksamkeit der Menschen auf den Trainer richten kann, so etwas wie Unterrichtung der Menschen geboten?
  • Wenn die Hunde sich im Freilauf austoben dürfen: greift da der (oder greifen die) Trainer auch mal moderierend ein oder wird bei allfälligen Streitigkeiten unter den Hunden darauf hingewiesen, dass „die das schon selbst unter sich ausmachen“?
  • Wenn Programm gemacht wird: handelt es sich da um Fußgehen im Kreis und Sitz in der Runde oder wird auch mal etwas anderes geboten?
  • Behält der Trainer bei der gegebenen Gruppengröße die Übersicht und findet die Zeit, individuelle Probleme zu bemerken und zu behandeln?


[Bearbeiten] In Welpenspielgruppen

  • Wieviele Trainer stehen für wie viele Hunde zur Verfügung? Auch ein sehr versierter Trainer kann nicht mehr als 4 bis maximal 5 Welpen im Auge behalten bzw 2 Trainer maximal 8 - 10 Hunde. Welpengruppen, die größer sind, mögen der Kassa der Schule nützen – dem Welpen schaden sie eher.
  • Passen die Hunde – besonders in Welpenspielgruppen – von der Größe her zusammen? Oder laufen winzige Toy Pudel und Zwergpinscher mit vergleichsweise riesigen Labradors, Windhunden und Schäfern in einer Gruppe? Kleine Hunde, die ständig – absichtlich oder unabsichtlich – von größeren über den Haufen gerannt oder gar gemobbt werden, lernen in einer solchen Gruppe kein freundliches Sozialverhalten sondern die Kunst der Selbstverteidigung, des Angstbeissens, des Unsicherheitskläffens und bestenfalls des hinter-dem-Menschen-in-Deckung-Gehen. Und das ist nicht der Sinn einer solchen Gruppe..
  • Werden wild raufende Welpen voneinander getrennt und müssen sich erst mal beruhigen, ehe sie wieder in die Gruppe entlassen werden? Oder heißt es gar: das müssen sie unter sich ausmachen? In der Tat machen sich zB wild lebende griechische Straßenhunde alles unter sich aus, doch hündische – auch völlig unblutige – Zurechtweisungen sind nichts für zarte mitteleuropäische Gemüter, die dann rufen: „Nehmen Sie Ihre bissige Töle von meinem Hund weg“ oder gar, wenn es zu einem – unter Hunden recht harmlosen – blutenden Löchlein gekommen ist: „Sie erhalten meine Tierarzt-Rechnung- geben Sie mir Ihre Adresse“. Kurzum: Fragen Sie Trainer, die das tatenlose Ignorieren von Mobbereien und Raufereien empfehlen, wo sie jederzeit erreichbar sind – zur Weiterleitung der künftigen Beschwerden anderer Hundehalter. Oder wechseln Sie die Hundeschule.
  • Werden die Welpen auf alle möglichen und unmöglichen Alltagssituationen vorbereitet, sprich: auf das, was im künftigen Leben auf sie zukommen kann? Angefangen beim torkelnden Betrunkenen über den Radfahrer, den Hutträger, den Schirmträger bis hin zu allen möglichen lauten oder absonderlichen Geräuschen, unterschiedlichsten Bodenbelägen usw? Wenn Sie eines Tages mit ihrem 50-Kilo-Hund über eine Treppe aus Gitterrosten gehen müssen und Wauzi sich strikte weigert, über einen so unzumutbaren Belag zu gehen, werden Sie wissen, dass Ihre Welpenschule zumindest in diesem Punkt versagt hat. Zumindest hätte man Sie drauf hinweisen müssen, dass Sie ihren Hund an unterschiedlichste Untergründe heranführen sollten.


Bevor Sie sich für eine Hundeschule entscheiden, klappern Sie mehrere ab. Wenn keine Schnupperstunde (üblicherweise kostenlos) angeboten wird stellt sich grundsätzlich die Frage, was die Schule zu verbergen hat, dass sie den Wunsch verspürt, die Katze im Sack zu verkaufen. Hören sie auf Ihr Bauchgefühl, das nun mal nicht ohne Grund zustande kommt. Vielleicht wurde am Rand Ihres Wahrnehmungs- oder Blickfelds ein anderer Teilnehmer in übler Weise zusammengestaucht oder vorgeführt, vielleicht wurde ein Hund schlecht behandelt, vielleicht herrscht unter den Teilnehmern unterschwellig – warum auch immer - eine schlechte Stimmung.


Die großzügige Vergabe von Leckerli allein ist noch kein Ausweis dafür, dass die Hundeschule sich generell um ein Lernen in angstfreier Atmosphäre mit positiver Bestärkung bemüht. Es kommt darauf an, wann und wie diese Bestärkung erfolgt. Beobachten Sie, ob jemals eine Korrektur (oder besondere Bestärkung) der leckerlifütternden Teilnehmer durch den Trainer erfolgt. Wenn nein, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine Mogelpackung handelt. Selten setzen Anfänger die Futterbestätigung immer richtig und perfekt getimt ein. Wenn der Trainer das konsequent nicht bemerkt, ist das ganze „Training“ nichts als eine segensreiche Fütterungsstunde für verfressene Hunde.


Treffen Sie letzlich ihre Wahl nach Bauchgefühl und praktischen Erwägungen. Man geht in die Hundeschule, damit einerseits der Hund fachlich moderierte Sozialkontakte zu fremden Hunden hat und andererseits der Mensch lernt, wie er seinen Hund alltagstauglich machen kann. Das geht nicht in einer Hundeschulstunde pro Woche – dazu braucht es konsequentes Training, beim Welpen praktisch rund um die Uhr. Der eigentliche Trainer ist also der Mensch und DIESER lernt demnach in der Hundeschule. Sie brauchen Rüstzeug für die alltägliche Praxis. Betrachtet man die Gepflogenheiten mancher Hundeschulen, ihre Schützlinge 90 % der Zeit im Kreis gehen, stehen und sitzen zu lassen, und die restlichen 10 % plaudernd am Platz zu stehen (Menschen) bzw sich nach Lust und Laune zu balgen (Hunde) so ergibt sich ganz klar: In solchen Hundeschulen lernt man nichts für die Praxis, denn die besteht nun mal nicht vorwiegend aus im-Kreis-Gehen.


In den ersten Monaten seines Lebens ist ein Hund besonders empfänglich und lernfähig. Nützen Sie diese Zeit in einer guten Hundeschule Ihres Vertrauens – die Sie am besten schon rechtzeitig ausgewählt haben, noch ehe der Hund die „Schulreife“ erlangt hat.


Romana Fürnkranz



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