Tschechoslowakischer Wolfhund

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Tschechoslowakische Wolfshunde "Bragi und Freya"

Inhaltsverzeichnis


FCI - Standard Nr. 332 / 03.09.1999


Ursprung

Ehemalige Tschechoslowakische Republik


Patronat

Slowakische Republik


Verwendung

Gebrauchshund


FCI Klassifikation

Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde) Sektion 1 (Schäferhunde mit Arbeitsprüfung)


Geschichte und Wesen

Der Tschechoslowakische Wolfshund ist eine seit Juni 1999 anerkannte FCI-Rasse. Das Ursprungsland ist die Tschechoslowakei. Die Zucht begann im Jahre 1955 als wissenschaftliches Experiment mit einer Kreuzung des Deutschen Schäferhundes mit dem Karpatenwolf. Die Kreuzungsprodukte fanden einige sehr engagierte Freunde, die gezielt an der Herauszüchtung guter Arbeitseigenschaften als Diensthund mit der körperlichen Gesundheit und Robustheit des Wolfes arbeiteten. Die Selektion der Anfangsjahre war extrem hart und ist in solcher Form heute nicht mehr durchführbar, hat uns jedoch eine solide Zuchtbasis an gesunden, wesensfesten Hunden hinterlassen. Seit 1982 hat es keine Einkreuzungen von Wölfen mehr gegeben, weshalb der TWH heute nicht mehr mit Wolfshybriden zu vergleichen ist. Obwohl er sich viel an Körpersprache des Wolfes und ursprünglichen Verhaltensweisen erhalten hat, ist er ein guter Familien- und Arbeitshund geworden, der bei entsprechender Sozialisation und Erziehung auch in Familien mit kleinen Kindern kein Problem darstellt.


Entgegen den vielfachen Vorurteilen ist ein wolfsähnliches scheues Verhalten bei dieser Rasse absolut unerwünscht und wurde von Anfang an in den Ursprungsländern durch Zuchtselektion bekämpft. Welpen sind normalerweise aufgeschlossen bis geradezu überschwänglich, erwachsene Hunde verhalten sich zwar meist eher reserviert Fremden gegenüber, sollten aber keinesfalls ängstlich sein.

Trotzdem stellt er, was Erziehung und Abrichtung angeht, höhere Anforderungen an seinen Ausbilder. Stumpfer Drill liegt ihm nicht, denn er langweilt sich schnell. Für einen Besitzer oder Ausbilder, den er nicht respektiert, arbeitet er nicht. Da er das Problemlösungsverhalten des Wolfes erhalten hat, fallen ihm auch immer wieder neue Taktiken ein, um sich unerwünschten Situationen zu entziehen. Stellt sich der Ausbilder jedoch auf seinen Charakter ein, ist er für alle Aufgabenbereiche eines modernen Gebrauchshundes geeignet. Aufgrund seines weit überdurchschnittlichen Geruchssinnes und seiner extrem guten Körperkoordination können schon Welpen Situationen meistern und Hindernisse überwinden, die bei anderen Rassen auch für erwachsene Hunde unbezwingbar sind.

Dies sollte ein künftiger Besitzer bei der Auswahl auch deutlich berücksichtigen.


Als sehr ursprüngliche Rasse ist Tschechoslowakischen Wolfshunden die Ranghierarchie sehr wichtig. Der Besitzer sollte sich darüber im Klaren sein, dass schon ein kleiner niedlicher Welpe eine konsequente Erziehung benötigt und jede Handlung „seines Menschen“ genau beobachtet und bewertet.


Verhalten/Charakter (Wesen)

Temperamentvoll, sehr aktiv, ausdauerfähig, gelehrig, schnell reagierend, furchtlos und mutig. Seinem Herrn gegenüber zeigt er ungemeine Treue. Widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. Vielseitig verwendbar.


Tschechoslowakische Wolfshündin "Freya"

Allgemeines Erscheinungsbild

Fester Konstitutionstyp, über mittelgross, im rechteckigen Rahmen. Ist durch Körperbau, Bewegung, Behaarung, Haarfarbe und Maske dem Wolf ähnlich.

Haut : Elastisch, straff, ohne Falten; unpigmentiert.


Haar : Gerade, dicht anliegend. Das Winter- und Sommerhaar ist sehr unterschiedlich. Im Winter überwiegend mächtigee Unterwolle, die eine zusammen mit dem Deckhaar eine dichte Behaarung des ganzen Körpers bildet. Es ist notwendig, dass das Haar den Bauch, den inneren Teil der Oberschenkel, den Hodensack, den inneren Teil der Ohrmuschel und die Zwischenzehenflächen bedeckt. Gut behaarter Hals.


Farbe : Gelbgrau bis silbergrau mit der charakteristischen hellen Maske. Helles Haar auch am unteren Teil des Halses und an der Vorderseite der Brust. Zulässig ist eine dunkelgraue Färbung mit heller Maske.


Größe :

Widerristhöhe : Rüden mindestens 65 cm, Hündinnen mindestens 60 cm


Gewicht : Rüden mindestens 26 kg, Hündinnen mindestens 20 kg


Wichtige Proportionen

Länge des Körpers : Widerristhöhe = 10 : 9 Länge des Fanges : Länge des Schädels = 1 : 1,5


Kopf

Symmetrisch; gut bemuskelt; bildet von der Seite und von oben betrachtet, einen stumpfen Keil. Eindeutiges Geschlechtsgepräge.

Schädel: Von der Seite und von vorne betrachtet ist eine leicht gewölbte Stirn erkennbar. Keine auffallende Stirnfurche. Das Hinterhauptbein ist gut sichtbar.

Stop: Mäßig ausgeprägt.

Nasenschwamm: Von ovaler Form; schwarz.

Fang: Trocken, nicht breit; gerader Nasenrücken.

Lefzen: Straff anliegend, Lefzenwinkel geschlossen. Die Lefzenränder sind schwarz.

Kiefer / Zähne: Kiefer stark und symmetrisch. Gut entwickelte Zähne, besonders die Fangzähne. Scheren- oder Zangengebiss mit 42 Zähnen gemäss der Zahnformel. Regelmäßig angeordnete Zähne.

Backen: Trocken, genügend bemuskelt, nicht auffällig hervortretend.

Augen: Schmal, schrägliegend; bernsteinfarben. Gut anliegende Lider.

Ohren: Stehend, dünn, dreiecksförmig, kurz (d.h. nicht länger als 1/6 der Widerristhöhe); der seitliche Punkt des Ohransatzes und der äußere Augenwinkel liegen auf einer Linie. Eine von der Ohrspitze gedachte Senkrechte verläuft eng entlang des Kopfes.

Hals: Trocken, gut bemuskelt, bildet in der Ruhestellung mit der Horizontalen einen Winkel bis zu 40°. Der Hals muss so lang sein, dass die Nase den Boden mühelos berühren kann.


Körper

Obere Profillinie: Fliessender Übergang vom Hals zum Körper; leicht abfallend.

Widerrist: Gut bemuskelt; ausgeprägt, doch darf die Ausprägung den Fluss der oberen Linie nicht stören.

Rücken: Fest und gerade.

Lenden: Kurz, gut bemuskelt, nicht breit, leicht abfallend.

Kruppe: Kurz, gut bemuskelt, nicht breit, leicht abfallend.

Brust: Symmetrisch, gut bemuskelt, geräumig, birnenförmig mit einer Verengung zum Brustbein hin. Die Tiefe der Brust reicht nicht bis zum Ellbogen. Die Brustbeinspitze überragt nicht die Schultergelenke.

Untere Profillinie und Bauch: Straffe Bauchdecke, aufgezogen. Leicht eingezogene Flanken.

Rute: Hoch angesetzt, gerade herunterhängend. In der Erregung wird sie in der Regel sichelförmig aufgerichtet.


Gliedmaßen

Vorderhand

Allgemeines : Die Vorderläufe sind gerade, fest, trocken und eng gestellt mit leicht nach aussen gedrehten Pfoten.

Schultern: Das Schulterblatt ist ziemlich weit vorne platziert, gut mit Muskeln bedeckt. Es bildet mit der Horizontalen einen Winkel von ca. 65°.

Oberarm: Stark bemuskelt; bildet mit dem Schulterblatt einen Winkel zwischen 120° und 130°.

Ellbogen: Gut anliegend, weder aus- noch einwärts drehend, ausgeprägt, gut beweglich. Oberarm und Unterarm bilden einen Winkel von etwa 150°.

Unterarm: Lang, trocken und gerade. Die Länge von Unterarm und Vordermittelfuss beträgt 55% der Widerristhöhe.

Vorderfußwurzelgelenk: Kräftig, gut beweglich.

Vordermittelfuß: Lang; bildet mit dem Boden einen Winkel von mindestens 75°. In der Bewegung leicht federnd.

Vorderpfoten: Gross; leicht nach aussen gedreht; mit längeren gewölbten Zehen und starken dunkeln Krallen. Ausgeprägte, elastische, dunkle Baalen.


Tschechoslowakische Wolfshunde

Hinterhand

Allgemeines : Kraftvoll. Die Hinterläufe stehen parallel. Eine vom Sitzbeinhöcker gedachte Senkrechte verläuft durch die Mitte des Sprunggelenks. Wolfskrallen sind unerwünscht und müssen entfernt werden.

Oberschenkel: Lang, gut bemuskelt; bildet mit dem Becken einen Winkel von etwa 80°. Das Hüftgelenk ist stabil und gut beweglich.

Knie: Kräftig, gut beweglich.

Unterschenkel: Lang, trocken, gut gemuskelt; bildet mit dem Hintermittelfuss einen Winkel von etwa 130°.

Sprunggelenk: Trocken, kräftig, gut beweglich.

Hintermittelfuß: Lang, trocken, steht fast senkrecht zum Boden.

Hinterpfoten: Längere, gewölbte Zehen mit starken dunklen Krallen. Ausgeprägte Ballen.


Gangwerk

Harmonischer, leichtfüssiger, raumgreifender Trab, wobei die Läufe möglichst nahe über dem Boden schwingen. Kopf und Hals neigen sich bis zur Waagrechten. Im Schritt Passgänger.


Fehler

Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

  • Schwerer oder leichter Kopf.
  • Flache Stirn.
  • Das Fehlen von 2 PM1 (Prämolaren 1) oder der beiden M3 (Molaren 3) ist nicht als Fehler zu bewerten. Fehlt züsätzlich zu den beiden PM1 ein M3 oder zu den M3 ein PM1, so ist dies als Fehler zu bewerten.
  • Dunkelbraune, schwarze oder unterschiedlich gefärbte Augen.
  • Grobes, hoch oder tief angesetztes Ohr.
  • Hochgerichteter Hals in Ruhestellung; tiefe Haltung des Halses im Stand.
  • Wenig ausgeprägter Widerrist.
  • Atypische Rückenlinie.
  • Lange Kruppe.
  • Lange, niedrig angesetzte und nicht korrekt getragene Rute.
  • Zu wenig oder zu stark gewinkelte Vorderhand.
  • Schwaches Vorderfusswurzelgelenk.
  • Zu wenig oder überwinkelte Hinterhand, ungenügende Bemuskelung.
  • Wenig ausgeprägte Maske
  • kurzer, wellenförmiger Bewegungsablauf.


Ausschließende Fehler :

  • Aggressiv oder ängstlich.
  • Abweichende Proportionen.
  • Verhaltens- und Charakterfehler.
  • Atypischer Kopf
  • Fehlende Zähne (ausser 2 PM1 und den M3, siehe § Fehler). Unregelmäßige Bisslinie.
  • Atypische Form und Lage des Auges.
  • Atypischer Ansatz und atypische Form des Ohres
  • Wamme.
  • Starke Neigung der Kruppe.
  • Atypischer Brustkorb
  • Atypischer Ansatz und atypisches Tragen der Rute.
  • Fehlerhafte und atypische Stellung Vorderläufe.
  • Abstehendes und atypisches Haar.
  • Andere als standardgerecjte Haarfarben.
  • Lose Bänder.
  • Atypisches Gangwerk


Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.


N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.



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