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Hundeforum Der Hund
Schnee für Smilla

Ursachenforschung Aggressionsverhalten

Empfohlene Beiträge

Guten Tag,

ich würde gerne mit eurer Hilfe eine Ideensammlung zu Smillas Aggressionsverhalten ins Leben rufen, da mir andere Blickwinkel Hoffnung auf neue Lösungansätze geben.

 

Zunächst einmal zum Sorgenhund:

Smilla ist ein Auslandshund aus Rumänien. Bei der Vermittlung wurde sie als Findelkind aus Constanta, einer Hafenstadt, abgegeben. Beim Kontakt zu der Person, die sie als erste aufnahm, erfuhr ich, dass sie in einer verlassenen Gegend der Karpaten gefunden wurde, in der es angeblich Gerüchte über scheue, dort lebende Hunde gibt, die man jedoch nicht fangen kann und aus Angst vor jenen nicht fangen möchte. Sie wurde von Wanderern mit circa 4-5 Monaten gefangen und in private Obhut gegeben. Dort zeigte sie sich aggressiv und wurde wegen eines Beißvorfalls abgegeben. Sie lebte dann in einem Vorgarten einer anderen privaten Pflegestelle, wo sie sich jedoch sehr territorial und aggressiv zeigte, weswegen sie in ein Tierheim gebracht wurde.

Dort war sie offenbar sehr freundlich, zurückhaltend und freute sich über jede Zuwendung – die Aussagen der anderen Helfer wurden nicht bei der Vermittlung angegeben. Zu mir kam sie mit etwa 12 Monaten.

 

Inwieweit die Aussagen stimmen, kann ich nicht sagen. Ich halte sie jedoch aufgrund ihres Verhaltens für sehr plausibel.

 

Smilla ist generell sehr eigenständig, unabhängig und handelt instinktiv. Sie ist eher selbstsicher, kann man ungewohnten Situationen gut und ruhig umgehen, zeigt keine Deprivationsschäden, hat ein gutes Verhalten Artgenossen gegenüber und ist sehr lernfähig. Ihr Schutzinstinkt ist ausgeprägt, ihr Territorialverhalten ebenso.

 

Nun zu den Problemen:

 

Drinnen:

Smilla duldet keine Besucher. Sie lässt niemanden, den sie nicht von Anfang an kennt, hinein – und wenn er doch hinein kommt, kommt er nicht wieder hinaus. Sie knurrt bereits, sobald die Türe aufgeht und der Besuch eintritt, stellt diesen und lässt ihn sich nicht mehr bewegen. Sie verweigert Futter sowohl von mir als auch vom Besuch, reagiert auf mein sauber aufgebautes und sonst zuverlässiges Abbruchsignal nicht. Sperre ich sie ein, wenn der Besuch eintritt und lasse sie dann zum sitzenden Besuch, geht sie ihn entweder an oder legt sich knurrend davor.

Mittlerweile kann der Besuch mit mir in der Wohnung herumlaufen, ohne dass sie einschreitet. Läuft er allein herum, wird er gestellt und würde auch gebissen werden.

Sind wir bei anderen, möchte sie diese ebenso vertreiben.

 

Nach drei erfolglosen Trainerkontakten habe ich beschlossen, Besuch nur noch zu empfangen, wenn er nicht über Nacht bleibt oder ich Smilla sicher verwahren kann und Besuche bei Menschen, die Smilla nicht kennt oder duldet, allein zu unternehmen. Sie kann sich auf Fremde in deren Wohnung einlassen, wenn ich mich bei jenen absolut wohl und sicher fühle. Sobald Spannungen da sind, ist ihr Vertrauen weg und sie benimmt sich wieder wie oben beschrieben.

 

 

Draußen:

Laufen Leute zu nah an ihr vorbei, möchte sie diese stellen/zwicken, sobald sie direkt neben ihr sind. Das lässt sich unterbinden, indem ich sie ablenke. Ist genügend Abstand dazwischen, sind Passanten kein Problem.

Sobald ich mich mit ihr länger an einem Ort niederlasse und ein Fremder dazukommt, wird dieser vertrieben – wie Besucher und Besuchte.

Laufen wir allein im Wald und es kommt nach langer Zeit jemand ohne Hund oder Fahrrad, wird dieser als bedrohlich eingestuft, angeknurrt und würde auch gestellt werden, wäre da nicht die Schleppleine. Kommen uns in regelmäßigen, kurzen Abständen Leute entgegen, die mich nicht gerade anpöbeln, ist alles in Ordnung.

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Bist du die einzige Bezugsperson? Wenn nein, verhält sie sich bei anderen genauso?

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Ich bin die Hauptbezugsperson. Sie hat auch eine Bindung zu meiner Mutter. Sie kann mit ihr rausgehen, sie streicheln, mit ihr spielen, aber sie hat keinen so hohen "Stand" bei ihr - wenn Smilla nicht möchte, knurrt sie sie an, ignoriert ihre Kommandos und ist ihr gegenüber nicht so offen wie mir gegenüber. Bei ihr verhält sie sich Fremden gegenüber noch schlimmer bzw. ist weniger kontrollierbar.

 

Sie mag auch meine Großeltern und drei meiner Freunde, aber mit denen würde sie niemals rausgehen, Futter annehmen oder sich ohne meine Anwesenheit nähern.

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Nur mal ne Frage: könnte da ein Wolf mitgemischt haben?

Karpaten... das AblehnungFremden gegenüber, bzw. die Akzeptanz nur ganz weniger Personen... die große Individualdistanz... das Territorialverhalten... alles an Verhalten was du so beschreibst, läßt mich ein wenig an Hiro denken.

Vielleicht wäre ein Kontakt zu jemandem der sich mit Wolfshunden / Hybriden auskennt hilfreich?

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Monika, wäre da Wolf mit dabei, wären definitiv andere Probleme da:

Panik vor Fremden, vor Angst Pinkeln und K*, versuchen vor jeder unbekannten Situation zu flüchten...

Ich sehe da einen Hund, der genau weiß was er will. Und der die volle Kontrolle über das Haus hat.

Und soweit ich es heraus lese, ist das ausnahmsweise ein Hund, der nicht damit überfordert ist bzw diese Position gerne macht..

Wie reagiert Smilla, wenn du sie einschränkst?

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(bearbeitet)

Ich finde Monikas Denkansatz gut.

 

Du schreibst, Smilla stammt aus den Karpaten. Was wenn diese dort wild lebenden Hunde über Generationen ein Verhalten aufgebaut haben, das Menschen in ihrer Nähe nur schwer akzeptiert und dieses Verhalten vererbt und vorgelebt wurde, denn das Territorialverhalten etc. von Smilla scheint ja wirklich tief verankert zu sein.

 

Frage ist dann aber, wohin man sich wendet?

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Das klingt nach völlig aus dem Ruder gelaufenem Herdenschutzhundverhalten, leider haben viele Rumänchen solche Tendenzen. Wölfe wären eher ängstlich.

Mich interessiert, wann und wie das bei dir anfing und was die 3 Trainer dir rieten. Wie wurde mit Smilla gearbeitet?

Zu Anfang war sie ja sehr zugänglich, zumindest erinnere ich mich wage an deine Berichte.

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Für mich klingt das auch schlicht nach einem Herdenschutzhund. Vieles von dem, was Du schreibst, scheint typisch für HSH zu sein.
Und dass sie anfangs zugänglicher war .... da war sie ein Junghund, der danach Stück für Stück erwachsen wurde und vielleicht schlicht am falschen Ort lebt (damit meine ich nicht Dich als Person, versteh mich nicht falsch, sondern einfach Umgebung und Tagesablauf).

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Smillas Verhalten lässt einen wirklich an HSH-Verhalten denken. Vielleicht solltest Du mal Kontakt zu Petra Krivy  aufnehmen, die eine HSH-Expertin ist.

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Das war auch mein erster Gedanke, dass da ein Wolf mitgemischt haben wird. Schon bei der Beschreibung der scheuen Karpatenhunde dachte ich an Wolfsmischlinge. 

Bleibe ich bei dem Gedanken, vermute ich weiter, dass der Hundeanteil in ihr (da ist der sehr frei lebende HSH naheliegend), dem genetisch die Nähe zum Menschen mitgegeben ist, unter dem Fehlen eben dieser Menschen in der entscheidenden Frühphase ihres Lebens eine Fehlentwicklung (Deprivation) durchgemacht hat (die durch konsequent freundliche Arbeit verbesserbar aber nicht auflösbar ist) und mit der angeborenen wölfischen Menschenscheu eine zusätzlich brisante Komponente mitbekommen hat. Zu welchem Anteil da welches genetische Profil aktiviert ist, kann man nicht wissen. Nicht jeder Wolfsmischling ist panisch. Dass es zu einer ziemlich schwierigen Persönlichkeit führt, halte ich für logisch.

 

Zweiter Gedanke: Selbst wenn kein Wolf seine Finger im Spiel haben sollte, kann dieser Hund in der entscheidenden Phase seines jungen Hundelebens ohne Kontakt zu Menschen aufgewachsen sein (auch wieder Deprivation). Interessant wäre, wie die Wanderer sie überhaupt mitnehmen konnten. Haben sie sie eingefangen (wie macht man das ohne Hilfsmittel?), wurde sie angelockt, war sie geschwächt, kam sie freiwillig? Das wäre wirklich wichtig zu wissen. Wenn sie aus zwei privaten Unterbringungen wegen Beißens bzw. Aggressivität abgegeben wurde, hat sie sich spätestens da erfolgreich gegen Menschen zur Wehr gesetzt. Wären das aber die ersten und einzigen falschen Erfahrungen mit Menschen gewesen, hätte sich das unter freundlicher, positiver Führung nicht in der geschilderten Form erhalten. Daher vermute ich eher, dass sie vor den beiden Unterbringungen eher gar keinen Menschenkontakt hatte.

Dass sie im Tierheim freundlich gewesen sein soll, kann man sich durch das vorhandene, Sicherheit gebende Hunderudel erklären und auch durch den dort herrschenden Druck von allen Seiten. In diesem Umfeld gibt es nur die Flucht (die ihr wohl eher nicht entspricht) bzw. das Verkriechen oder die Anpassung, denn ständige Aggression wäre lebensgefährlich.  

 

Dritter Gedanke: Traumatisierung. Auch das kann sein, halte ich für unwahrscheinlich. Dann müsste es eindeutige Auslöser und eine permanente Verbesserung geben, vorausgesetzt, das Trauma und ihr Umgang damit (Aggressivität) wird im Alltag nicht ständig erneuert, aber das kann ich mir nicht vorstellen.

 

Vierter Gedanke: HSH. Der mag daran sehr wohl beteiligt sein. Gegen den HSH spricht für mich, dass sie Menschen erst im nahen Kontakt angreift und bei Fernsichtungen gelassen bleibt. HSH melden jeden Hund und jeden Menschen normalerweise bereits auf große Distanz. Das erleichtert ihnen das effiziente Vertreiben z.B. von Bären, ohne sich in einen Kampf begeben zu müssen.

 

Ich bin mir relativ sicher, dass sie doch unter Deprivation gelitten haben muss bzw. aufgrund der dadurch entstandenen Entwicklung auch noch leidet und das auch so bleiben wird, auch wenn es natürlich Fortschritte geben kann. Ein Zeichen dafür ist die Aggression Menschen gegenüber. Sie wird sehr früh gelernt haben, dass aggressives Verhalten ihr alle möglichen vermeintlichen und realen Gefahren vom Hals hält. Das ist ein ziemlich typisches Zeichen für Deprivation. Dazu passt auch, dass sie bei Dir Gelerntes nicht generalisiert, also in Krisensituationen typischerweise kein Abbruchsignal wahrnimmt. Deprivaten lernen schlechter und können Gelerntes nicht verallgemeinern, sie bleiben quasi immer bei neuen Erfahrungen instinktgesteuert, auf sich gestellt, schlecht oder gar nicht ansprechbar. 

 

Dass sie das Haus kontrolliert und das bereitwillig tut, glaube ich nicht. Ich glaube eher, dass sie ihre Angst kontrolliert und das schon lange  und sehr erfolgreich. Das sieht ziemlich gleich aus, aber die Ursachen sind andere und um erfolgreich an einer Verbesserung arbeiten zu können, sollte man den Hund daraufhin von einem wirklich guten Verhaltenstherapeuten beobachten lassen. 

 

Ich würde sie, falls noch nicht geschehen, positiv an einen guten Maulkorb gewöhnen und sie bei Besuch in der eigenen Wohnung nicht frei zu den Gästen laufen lassen und auch nicht wegsperren, sondern angeleint bei mir halten. Durch den Maulkorb kannst Du entspannt und ruhig sein und dem Hund damit auch Ruhe vermitteln. Durch die Leine an Deiner Seite hilfst Du ihr, an Deiner Seite Ruhe zu finden und nichts selbst beurteilen und regeln zu müssen. Momentan erlebt sie jedes Mal, wenn sie Menschen schon an der Wohnungstür stellt, dass ihr Lebensrettungskonzept wieder mal funktioniert. Sie sollte von Fremden in Ruhe gelassen werden. Jeder freundliche Ansatz (ruhiges Hinsehen, entspanntes "Naseausstrecken", wohliges Ablegen) ihrerseits sollte belohnt werden. 

 

Ein Trainer für Smilla muss vor allem anderen ein Fachmann für Hundeverhalten sein, denn es geht hier um eine Verhaltensänderung, die nach meiner Überzeugung nur im freiwilligen Mitwirken des Hundes begründet sein kann. Dazu muss ein Trainer wirklich jedes noch so winzige Zucken eines Ohres sehen und verstehen können. Und er muss erkennen, wann der Hund von sich aus den richtigen ersten Schritt macht, aus dem lernen kann und diesen punktgenau bestätigen. 

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