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Hundeforum Der Hund
Juline

Tierliebe

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Erworben? Angeboren? Was ist das überhaupt?

Schon seit geraumer Zeit grüble ich über dieses Phänomen namens "Tierliebe".
Anstoß war ein älterer Pudelbesitzer, mit dem ich zu tun hatte –er liebte seinen Hund offenbar über alles, auch die Vorgänger, sprach aber fast schon hasserfüllt über Katzen, über die Nachbarshunde (doofe Kläffer) und über diese blöden aggressiven Schwäne.
Also Tierliebe nur zu diesem einen Tier… ?! Ich fand das befremdlich.

 

Natürlich kann man jetzt eine Grundsatzdiskussion rund um den Begriff „Liebe“ führen, was das denn überhaupt ist.
Oder überlegen, ob dieses „Gefühl“ der Tierliebe egoistisch oder altruistisch geprägt sein darf /muss.
Oder mal darüber nachdenken, warum die meisten Menschen Eichhörnchen niedlich und Ratten eklig finden, beides Nagetiere. Nur weil Ratten potentielle Krankheitsüberträger sind? Oder wegen dem Puschelschwänzchen? Würden sie Eichhörnchen immer noch mögen, wenn die irgendein Bazillus übertragen könnten?
Warum finden die meisten Menschen Rehe süß, egal wie alt, erwachsene Wildschweine aber nicht, Frischlinge aber schon noch? Weiches Fell, Augen, sind das Kriterien, ob ein Tier geliebt wird? Warum steht dann fast jeder Mensch auf Vögel?
Und gilt das wirklich: man kann nur lieben, was man kennt?
Aber ich schweife ab.

 

Mich beschäftigt vor allem die Frage, ob Tierliebe eine angeborene Eigenschaft ist oder eine erworbene. Oder beides. Es fällt ja auf, dass es sogar innerhalb des kleinen Europas große Unterschiede bezüglich der Tierliebe in der Bevölkerung gibt. Ebenso große Unterschiede gibt es zwischen den Ländern, wobei  ich in dem Zusammenhang ein deutliches Nord-Süd-Gefälle sehe. Warum ist das so?

Aber auch wenn man sich auf der Welt umguckt, gibt es krasse Unterschiede.

Werden diejenigen Tiere am ehesten geliebt, die dem Menschen einen emotionalen, keinen wirtschaftlichen Nutzen bringen und /oder die besonders „süß“ ausssehen (harmlos? Kindchenschema?)  Oder werden diejenigen Tiere am ehesten geliebt, mit denen der Mensch am meisten zu tun hat, die er am besten kennt, egal wie der Nutzen aussieht?

Etwas OT, aber interessant finde ich das Ergebnis einer Studie zweier amerikanischer Soziologen, die ich beim Stöbern gefunden habe, das besagt, dass erwachsene Tiere, denen Leid geschieht, mehr Emotionen /Mitleid erregen als erwachsene Menschen, denen Leid geschieht:
http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article118937668/Tierliebe-geht-immer-ueber-Naechstenliebe.html

 

Ich fände es klasse, ein paar Gedanken zu dem Thema von euch zu lesen.

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Ein wirklich sehr interessantes Thema, ich muss mir jedoch erst in Ruhe ein paar Gedanken machen, bevor ich etwas schreiben kann. Aber ich bin sehr gespannt darauf welche Ansichten und Meinungen sich hier sammeln werden.

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Spannend und sehr komplex.

Angeboren und Umweltbedingt - ja, beides.

Angeboren sind zb diese Kindchenschema-Sachen. Da reagieren wir drauf, egal ob Mensch oder Tier. Wir finden runde Kulleraugen süß und reagieren auf ein angeborenes Schema. Vielleicht deshalb auch Bambi und Klopfer putziger als das ausgewachsene Warzenschwein?
Auch ist unsere Fähigkeit Empathie zu fühlen/zeigen angeboren. Ich denke das ist universell und bezieht sich nicht nur auf innerartliche Wesen.

 

Es gibt sicher noch mehrere Punkte im "angeboren" Bereich.

 

 

Umweltbedingt passiert ebenfalls eine ganze Menge. 

Erst in der Kindheit, durch Eltern und Bezugspersonen, weil wir erleben, wie diese mit anderen Tieren umgehen.

Als Teil der Sozialisation.

Hier enscheidet sich vermutlich auch, wie eng wir Kontakt zu Tieren haben, welche Beziehungen wir zu ihnen knüpfen und was wir daraus emotional lernen.

Das prägt für das weitere Leben.

Kulturelle Mythen/Gegebenheiten/Historie wirken darauf ein, wie wir Tiere in einem größeren Zusammenhang wahrnehmen (edel, mystisch, geheimnisvoll, Nutzvieh, Schädling etc) und das wiederrum, welche persönlichen Stellenwert wir denen einräumen.

 

Auch ein Landwirt, der seine Kälber und Rindviecher artgerecht hält, sie pflegt und großzieht, wird eine enge Beziehung zu den Tieren aufbauen (ich schließe da für mich jetzt allerdings keine Massenbetriebe ein, muss ich gestehen), sie irgendwann zur Schlachtbank führen und sich selbst dennoch als Tierlieb bezeichnen. Hat er Recht? Ich denke ja. Aber das ist stark abhängig vom kulturellen Umfeld, we ich diese Frage beantworte.
Denn wir gehen mit Tieren, wie du schon angemerkt hast, unterschiedlich um.

 

 

Ich persönlich liebe nicht jedes Tier.

Aber ich habe Respekt vor allen Lebewesen auf diesem Planeten und wünsche keinem davon einen sinnlosen Tod.

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Seit ich mich erinnern kann, war ich schon immer völlig verrückt nach Tieren, vor allem nach Hunden -  und im Elternhaus gab es kein einziges Haustier. Ich wollte jeden Hund streicheln und das hat mir garantiert keiner eingeredet. " Beißt der?", war einer ersten Sätze, die mir meine Eltern zu meinem eigenen Schutz beigebracht haben. Ich als Kind wäre der Alptraum meiner Hündin Lulu.

 

Meine Eltern haben mich von kleinauf als besonders tierlieb beschrieben.

 

Mein Freundinnen früher hat das immer genervt, wenn die verletzte Krähe zum Tierarzt gebracht werden musste, der die ganzen Regenwürmer von der Straße gerettet werden mussten.

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Angeboren und Umweltbedingt - ja, beides.

Angeboren sind zb diese Kindchenschema-Sachen. Da reagieren wir drauf, egal ob Mensch oder Tier.

Was macht ein Kind, das in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, die Hunde nur benutzt, quält und misshandelt, wenn es einem kulleräugigen, weichpelzigen Hund begegnet? Wüten dann zwei Seelen in seiner Brust? Wird es den Hund treten oder auf den Arm nehmen zum Kuscheln?

(Edit... und wie können Menschen dann Welpen in Mülltonnen werfen?)

Towanda

also bist du eindeutig angeboren tierlieb :)

Ich war /bin genauso und hole heute noch Regenwürmer von der Straße, rette jede Schnecke und trage Käferchen und Spinnen aus dem Haus nach draußen :)

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Was macht ein Kind, das in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, die Hunde nur benutzt, quält und misshandelt, wenn es einem kulleräugigen, weichpelzigen Hund begegnet? Wüten dann zwei Seelen in seiner Brust? Wird es den Hund treten oder auf den Arm nehmen zum Kuscheln?

 

Das wird immer anders ausgehen, weil Verhalten gegenüber Tieren unweigerlich durch die Umwelt beeinflusst und konditioniert wird.

Kommt also auf das Kind und seine spezifischen Erfahrungen an, was da überwiegt. 

Es ist ja kein Zufall, dass Tierquälerei als Symptom/Indiz für eine soziale und/oder psychische Störung angesehen wird (wobei es da Grauzonen gibt).

"Normal" ist es jedenfalls nicht, andere Lebewesen zu quälen, foltern, töten und dabei Freude zu empfinden.

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(Edit... und wie können Menschen dann Welpen in Mülltonnen werfen?)

 

 

Sehe ich erst jetzt.

Vielleicht einfach ein Link zu den ganz unterschiedlichen Gründen für Tierquälerei. Da wird auch gut unterschieden zwischen versch. Formen, die sich zum Teil aus ganz normalen emotionalen Entwicklungen ergeben: 

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/(Int.1-Tierquaelerei).pdf

 

 

 

Und noch ein Video, weil wir über den Faktor Umwelt gesprochen haben:

Der Junge wird sicher sehr tierlieb sein. Dass sich das in seinem Fall so äußert und er das auf ein Huhn überträgt (was ja in unseren Breitengraden eher ungewöhnlich ist, da Nutztier usw) hat mit seinem Zugang zu Hühnern zu tun, wie seine Bezgspersonen dann auf seine "Liebe zum Huhn" reagieren (hier wohl eher positiv, man filmt es ja) und wie die Hühner dann auf diese Annäherung reagieren.

 

Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf: in welchem Maße erziehen wir Kindern die Tierliebe vielleicht auch (unbewusst/bewusst) ab?

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Ich unterscheide tatsächlich zwischen der Liebe zu meinen Hunden (auch die zu den veblichenen) und einem Charakterzug, den ich Tierliebe nenne. Tierlieb ist für mich jemand, der sich z.B uneigennützig um verlassene und ausgesetzte Kätzchen kümmert, die aber nicht seine sind und die auch nicht bei ihm leben. Die Liebe zu den eigenen Tieren ist anders und ganz besonders, bedingungslos, ein Leben lang und darüber hinaus. Beide Formen haben m.E etwas mit der eigenen Lebensgeschichte und Lebenserfahrungen zu tun, was ich dann eher als erworben ansehe und nicht als vererbt. 

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Das wird immer anders ausgehen, weil Verhalten gegenüber Tieren unweigerlich durch die Umwelt beeinflusst und konditioniert wird.

Kommt also auf das Kind und seine spezifischen Erfahrungen an, was da überwiegt. 

Es ist ja kein Zufall, dass Tierquälerei als Symptom/Indiz für eine soziale und/oder psychische Störung angesehen wird (wobei es da Grauzonen gibt).

"Normal" ist es jedenfalls nicht, andere Lebewesen zu quälen, foltern, töten und dabei Freude zu empfinden.

Und wenn jemand einfach nur nichts empfindet?

Können Menschen als nicht normal bezeichnet werden, die keinerlei Emotion empfinden, wenn sie einen Welpen in die Mülltonne werfen oder einen Wurf junger Katzen ersäufen?

Weil ihnen doch eigentlich sowohl das angeborene Kindchenschema ( --> Oxytocin, Schutzverhalten) als auch eine gewisse Empathie dem Leid des Lebewesens gegenüber zu fehlen scheinen?

Tierlieb ist für mich jemand, der sich z.B uneigennützig um verlassene und ausgesetzte Kätzchen kümmert, die aber nicht seine sind und die auch nicht bei ihm leben.

Ist auch jemand tierlieb, dem die Kätzchen einfach nur leid tun, der aber nichts unternimmt?

Ich finde es etwas unglücklich, den Begriff Tierliebe von Aktionen im Tierschutz abhängig zu machen. Weißt wie ich meine?

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Ich glaube, das ist eher angeboren. Bei uns in der Familie gabs keine Tiere und ich war und bin die Einzige, die von Kindheit an Tiere (vor allem Hunde) haben wollte. Meine Eltern gaben mir dann die Erlaubnis, einen Hund zu halten, als ich neun Jahre jung war. Davor habe ich schon Nachbars Hunde ausgeführt (das war zu der Zeit noch möglich, ohne dass geschrien wurde, Kinder dürften nicht alleine mit nem Hund spazieren gehen), verletzte Katzen angeschleppt und gepflegt usw.

 

Mir hat also niemand Tierliebe beigebracht. Meine Familie ist zwar nicht gegen Tiere, aber die haben so manches Mal die Augen verdreht, wenn ich wieder mit irgendeinem verletzten Tier angeschleppt kam. 

 

Dann denke ich an meinen Mann, der mit den Überzeugungen aufwuchs: Tiere sind schmutzig, übertragen Krankheiten und alle Hunde beißen. Als ich mit ihm vor 18 Jahren zusammenkam, hatte er sogar vor Hunden der Größe eines Mini-Yorkshire-Terriers Angst. An gemeinsame Haustierhaltung war erst einmal gar nicht zu denken. Aber, ich hatte hin und wieder meinen Hund zu uns geholt, den ich gemeinsam mit meinem Ex-Mann hatte, ein Riesenschnauzer-Mischling. 

Wer jetzt meinen Mann kennenlernt glaubt nicht, dass er mit solchen Überzeugungen aufgewachsen ist. Die Liebe zu Tieren kam bei ihm erst später zum Vorschein. 

 

Jetzt könnte man sagen, ich hätte ihm das beigebracht, aber kann man Liebe beibringen? Ich glaube nicht.

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