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Hundeforum Der Hund
Junie

Wölfisches Verhalten

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mich würde mal interessieren, was ihr unter wölfischem Verhalten versteht? Wann verhält sich ein Hund oder vielleicht sogar eurer wölfisch und was ist bei euch typisch Hund? 

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Ich finde das echt schwer zu beantworten. Das ist so wie der Vergleich Affe und Mensch. Hund ist Hund und Wolf ist Wolf. Noch nicht einmal ein jagender Hund ist mit einem jagenden Wolf vergleichbar, obwohl vielleicht der Jagdtrieb der einzige "wilde" Rest ist, den der Hund noch von seinem Vorfahren zeigt. 

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Spannende Frage.

Wölfisch sind für mich Hunde vom Verhalten her, wenn sie eher eine deutliche Vermeidungsstrategie an den Tag legen, als "nach vorne" zu gehen bei neuen oder unbekannten Situationen.

Eine gewisse Reserviertheit vor Fremden gehört für mich auch dazu.

 

Daneben habe ich die Erfahrung gemacht, dass "wölfische" (oder sagen wir usprüngliche) Hunde in Erziehungsfragen sehr stark auf "klassische Elemente" reagieren.

Ich kenne da keinen fachlichen Terminus für, deshalb versuche ich es zu erklären:

Je ursprünglicher/wölfischer eine Rasse/ein Hund, desto stärker spielen Umgebung und Kontext eines Lernvorganges eine Rolle (spielen sie eh, aber für solche Hunde stärker, so mein Eindruck).

Ganz gut erklären lässt sich das auch mit folgendem Bild: Ein Wolfsrudel nimmt bspw immer einen bestimmten Weg zur Futtersuche. Tag ein Tag aus. Eines Tages ist irgendwas an dem Weg verändert (keine Ahnung, wegen mir ein Baum umgestürzt) und das Rudel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einfach so wie immer seines Weges ziehen - die Veränderung des Umfeldes wird stark registriert und beeinflusst das weitere Verhalten. Diese klassisch konditionierten Einflussfaktoren sind für ein Wildtier allgemein überlebenswichtig, daher reagieren sie darauf viel stärker als domestizierte Hunde.

 

Einiges davon sehe ich bei Wolfshunden und nordischen Rassen (andere ursprüngliche kenne ich kaum persönlich) stärker, als beim Labbimix/Golden/Pudel etc.

Es spielt daher nicht nur verstärkt beim Verhalten eine Rolle, sondern auch vermehrt in der Erziehung.

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Ach so, den letzten Teil der Frage vergessen:

 

typisch hündisch ist für mich de Kooperationsbereitschaft mit dem Menschen.

Prägnantes Beispiel dafür: Hund hat ein Problem, welches er nicht alleine lösen kann. Erster Blick geht direkt zu Herrchen oder Frauchen: "Hilfst du mir? Ich weiß nicht weiter!".

Das ist für mich typisch hündisch.

(Wobei es da natürlich immer Abstufungen gibt.)

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Hm... also wenn ich von wölfischen Verhalte spreche, beim Hund, nehme ich immer gerne die Ernstbrunner Vergleiche zwischen Wolf und Hund als Beispiel. Das ist nastürlich nicht vollständig.

Zunächst einmal möchte ich noch anmerken, dass ich mir vollumfänglich bewusst bin, Hunde zu haltenn und sehe sie auch als Hunde, ich möchte keinen Wolf, auch keinen Wolfhund (bei dem eindeutig Wölfisches mitspielt), allerdings nenn ich Akuma durchaus "mein Wölfchen" oder Yoma "Wildhund, Fuchs, Dingo".

Jedes Mal, wenn ich mir die Ernstbrunner Ergebnisse angucke, muss ich feststellen, dass eine dritte Vergleichgruppe mit ursprünglichen Hunden so eine Art "fehlendes Bindeglied" darstellen würde. Einerseits machen sie bestimmte Dinge, die die Wölfe nicht tun würden und andererseits agieren sie mehr wie Wölfe als die Erntsbrunner Hunde bei bestimmten Aufgaben.

Beispiel "Lernen durch Nachahmung". Hunde sind dzu fähig, bei Wölfen aber sehr stark ausgeprägt. Die Hunde lösten die Aufgabe eher schlecht.
Ein Hund zeigte, wie eine Apparatur zu lösen ging, die Wölfe haben sich das ganz schell abgeschaut, die Hunde eher selbst herumprobiert und letztenendlich den Menschen gefragt (was im Laufe der Domestikation ja eine tolle und wichtige Leistung ist). Guck ich mir meine Shibas an. Die fragen mich kaum, sondern sind dann schnell desinteressiert. Sobald ein anderer Hund was macht, gucken sie, beobachten sie und machen dann nach.
Yoma fand das Intelligenzspielzeug total dumm, weil man die Hütchen nicht mit den Pfoten umschmeißen konnte. Ich konnte da motivieren, was ich wollte. War doof. Sein Akita-Freund hat das dann gelöst und plötzlich konnte er die Dinger abnehmen und den Käse fressen.

Auch sind die Ernstbrunner Wölfe (wie die in Merzig oder Hellabrunn) Hunde gewöhnt, ich weiß nicht, ob das für alle Wölfe dann übertragbar ist. Aber sie sind absolut unbeeindruckt von Hunden, auch ganz besonders von bellenden.
Yoma erregte ihr Interesse aber schon sehr. Da wurde imponiert, beobachtet, geflirtet. Und in einer Traube nachgetrabt.

Bestimmt liegt das u.a. an Yomas Verhalten. Sich die Wölfe genau angeschaut, ruhig, ohne Imponiergehabe, aber "entschlossen".  Da bin ich dazu geneigt, ihm wölfisches Verhalten anzudichten.

Viel interessanter fand ich aber, dass Yoma gewusst zu haben schien, dass das keine Hunde sind. Er hat sich ganz untypisch verhalten, wenn ich an Hundesichtungen denke (und bei der Hundegruppe hat sich wieder normal verhalten). Er benimmt sich z.B. Wolfshunden, Nordischen und Japanern auch etwas anders, weil er sich gut an Rassen/Unterschiede anpassen kann, aber er hat die Wölfe als "anders" betrachtet, sein Interesse war kurzweilig und vielleicht fanden die Wölfe das spannend?


So, das ist natürlich total unvollständig. ;)

 

 

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Zur Belohnung für mich gabs dann beim Gehen noch ein kleines Konzert.

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Das Heulen fand Yoma übrigens befremdlich.

 

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Jerry hat auch einige, im Vergleich mit anderen Hunden unterschiedliche spezielle Verhaltensweisen. Momentan verwende ich den Begriff “naturnah“ dafür, da ich diese Verhaltensweisen eher bei Wildtieren vermutet hätte.

Grobes Beispiel: Wenn ein unbekannter Hund unerwartet in seinem Sichtfeld (40-50m) auftaucht, friert er spontan in der Bewegung ein (Hundeaugen sind spezialisiert auf Bewegung erkennen) und fixiert den fremden Hund. Dann nähert sich Jerry in der Art, dass er jede mögliche Sichtdeckung benutzt und beobachtet weiter. Erst wenn er genug taxiert hat, kommt es zu einer offenen, “normalen“ Annäherung.

Wenn Jerry das so macht, gibt's zu 99,9% kein Problem zwischen den Hunden.

Wird DAS, oder mit “welfischen Verhalten“ ganz was anderes gemeint?

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Nein, das ist für mich ein typisches, hündisches Konfliktverhalten und zwar: Freeze, was der Sondierung und Beschwichtung dient, in seinem Falle.


Ich finde das echt schwer zu beantworten. Das ist so wie der Vergleich Affe und Mensch. Hund ist Hund und Wolf ist Wolf. Noch nicht einmal ein jagender Hund ist mit einem jagenden Wolf vergleichbar, obwohl vielleicht der Jagdtrieb der einzige "wilde" Rest ist, den der Hund noch von seinem Vorfahren zeigt. 

In Hundne steckt viel mehr "wilder Rest" als das. Aber Hunde sind Hunde und keine Wölfe. Vielleicht auch besser zu begreifen, wenn man weiß, dass nicht die heutigen Wölfe die Vorfahren der Hunde sind, sondern beide aller Wahrscheinlichkeit nach einen gemeinsamen, ausgestorbenen Urahn haben. Wölfe sind also eher Brüder als Väter.

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Gedanken über das wölfische Erbe hab ich mir bisher immer dann besonders gemacht, wenn meine Hündinnen Junge hatten und z.B. Futter hochgewürgt haben für die Welpen,  oder eine Höhle gebuddelt hätten, die Geburt ohne Hilfe vonstatten ging, abgenabelt wird, Nachgeburt gefressen wird, Brutpflegeverhalten und Welpenaufzuchtverhalten innerhalb des Rudels tiptop ist, da war ich immer sehr froh, dass noch so viel ursprüngliches Verhalten vorhanden ist, das nicht bei jedem Hund heute noch selbstverständlich vorhanden ist und da ist nicht viel Unterschied zum wölfischen Brutpflegeverhalten. Wenn sie allerdings als Rudel in "Wolfs"geheul verfalllen, wenn ich zu lange von zu Hause weg war, oder ein Mini-Nachbarsrüde wie ein Bär brüllt, wenn er nicht zur Geliebten kann, oder sie als Familienrudel sich völlig abschotten gegenüber Fremdhunden und die Brut verteidigen, könnt ich auf das wöflische Erbe auch gut verzichten. :D

 

Für mich ist es einfach klar, dass ein gewisser Teil in den Hunden auf wölfisches Erbgut zurückgeht, sie aber keine Wölfe sind. Einige Parallelen und das nicht mal so wenig, gibt es und ich finde es hochinteressant, sich diese vor Augen zu führen, genauso wie ich es hochinteressant finde, wo die Unterschiede liegen. Dass es viele Gemeinsamkeiten gibt, ist nicht wegzudiskutieren, sicher ist vieles erst bei einer familären Rudelhaltung zu sehen, beim Einzelhund weniger. Genausowenig, kann man wegdiskutieren, dass es auch viele Unterschiede gibt. Vieles, was für uns Wesentlich ist, hat sich zum Glück durch die Domestikation anders entwickelt, ansonsten könnten wir ja auch nicht so mit unseren Hunden leben, wie wir es tun.

 

Mich nervt allerdings, wenn dann wiederum drauf rumgeritten wird, dass Hunde keine Wölfe sind, und man daher vom Wissen über Wölfe keinerlei Nutzen ziehen könnte für die Haltung von Hunden, nur weil es so ins Weltbild passt. Das sind für mich Floskeln, die nicht wirklich durchdacht sind.  Auch zwischen Menschenaffen und Menschen gibt es mehr Parallelen als sich manch ein Mensch eingesteht.

 

Kein Mensch behauptet das Hunde und Wölfe 100 % gleich sind, aber manchmal hat es den Anschein, als würde man annehmen müssen, dass 0 % Übereinstimmung bestünde und das ist genauso absurd, wie anzunehmen, dass 100 % Übereinstimmung bestünde. Ich denke, man kann sehr davon profitieren, wenn man sich einfach klar macht, wo genau gibt es Übereinstimmungen und wo genau gibt es sie nicht, und genau daran forschen die Wissenschaftler ja immer noch! Niemand von uns wird da 100 % genau Bescheid wissen.

 

Und mir ist auch bekannt, dass das wölfische Erbe nicht auf die heutigen Wölfe zurückgeht, sondern auf einen gemeinsamen Vorfahren, dennoch bleiben es gemeinsame Gene.

 

KleinEmma, da gibt es wirklich ganz viel mehr an Gemeinsamkeiten als das in der Tat nicht mal vergleichbare Jagdverhalten. Allein schon, dass Wölfe und Hunde Hybriden zeugen können und ins Rudel integrieren, zeigt ja schon, dass da noch sehr viel Gemeinsames vorhanden sein muss.

 

Ich bin übrigens auch der Ansicht, dass wenn man Wolf und Hund im Vergleich wissenschaftlich betrachtet, man im Grunde auf einige mehr Typen Hund zurückgreifen müsste, interessant wäre wirklich ein Vergleich mit Pariahunden oder mit sehr konträren Rassen, Herdenschutzhunde, Pudel, Mops, Hüter, Windhunde etc. nur von diesen Hunden, die grade in der Studie beobachtet warden kann man sicher  noch nicht auf alle Hunde pauschale Rückschlüsse ziehen, sondern nur Anhaltspunkte gewinnen. Aber selbst bei den Wölfen kann man nicht sagen, weil diese Wölfe so reagiert haben, es sei nun bei allen Wölfen so (Timber, Eurasischer Wolf, Indischer Wolf etc.), denn auch da kann es Unterschiede geben, hinzu kommen dann noch die Individuen innerhalb der Rassen. Da steckt die Forschung ja erst am Anfang.

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Mich nervt allerdings, wenn dann wiederum drauf rumgeritten wird, dass Hunde keine Wölfe sind, und man daher vom Wissen über Wölfe keinerlei Nutzen ziehen könnte für die Haltung von Hunden, nur weil es so ins Weltbild passt. Das sind für mich Floskeln, die nicht wirklich durchdacht sind.  Auch zwischen Menschenaffen und Menschen gibt es mehr Parallelen als sich manch ein Mensch eingesteht.

 

Und mir ist auch bekannt, dass das wölfische Erbe nicht auf die heutigen Wölfe zurückgeht, sondern auf einen gemeinsamen Vorfahren, dennoch bleiben es gemeinsame Gene.

Aber genau das ist problematisch. Hunde sind viel flexibler in ihrer Lebensweise (was Sozialverbände angeht) als Wölfe; obwohl es bei Wölfen  je nach Unterart auch Unterschiede gibt, weshalb ein Vergleich mit heute lebenden Unterarten des Wolfs viel mehr Verwirrung stiftet, als Klarheit bringt, meiner Meinung nach.

Wir leiten unsere Lebensweise auch nicht von Menschenaffen ab, wobei der Vergleich recht mühsam, da Gorilla und Schimpansen nicht unsere Vorfahren sind.

https://de.wikipedia.org/wiki/Stammesgeschichte_des_Menschen

Wir sind weder die gleiche Art, nicht mal die gleiche Gattung. Bei Hunden und Wölfen ist das anders, es ist die gleiche Art! Doch obwohl es die gleiche Art ist, gibt es bedeutende, alles verändernde Unterschied. Selbst bei der Nahrung.

http://www.lumpi4.de/wolf-evolution-ernaehrung-hunden-veraendert-15471512/

Wenn wir davon ausgehen, dass der gemeinsame Vorfahre des Hundes und des Wolfes ausgestorben ist, sind Rückschlüsse des Verhaltens des heutigen Wolfs nicht aussagekräftig genug, um sie auf Hunde zu übertragen. Auch wenn Wölfe und Hunde kreuzungsfähig sind, das sind Löwen und Tiger auch und deshalb kann man von dem einen nicht auf die anderen schließen.

Auch Hunde und Kojoten (gleiche Gattung), sowie Hunde und Schakale (gleiche Gattung) können sich paaren... kann man deshalb sagen, dass Hunde verkappte Kojoten/Schakale sind? Der Rotwolf steht im Verdacht ein Wolf/Kojoten-Mischling zu sein, das ist interessant, aber für das Verhalten der einen Gattung auf die andere nicht aussagekräftig genug. Obwohl Kojoten von ihrer Lebensweise, was die Flexibilität angeht, den Hunden (Canis lupus f. familiaris) erstaunlich nahe kommen.

Dabei spielt "familiäre Rudelhaltung" keine tragende Rolle, da selbst diese Lebensweise von Wolfsunterart zu Wolfsunterart unterscheidlich ausfallen kann.

Genauso wenig wie man sich menschliches Verhalten mit Schimpansen erklärt. Es ist faszinierend, Vergleiche anzustellen, mehr aber auch nicht.

Ich bestehe auf "Ich habe einen Hund". Gerade weil Hunde, noch vor allen Menschenaffen, den Menschen am besten verstehen ;)

Wenn ich den Hund nicht als verkappten Wolf sehe, verstehe ich ihn doch viel besser. Das heißt nicht, dass ich die Ernstbrunner Arbeit nicht spannend finde.

Die Wissenschaft bescheinigt auch keine 100%ige Übereinstimmung, sondern genetisch "nur" 99,8% (wenn mich nicht alles täuscht). Sagt aber nicht soooo viel aus, sind nämlich "nur" Gene.

Edit

Die Shibas können auch heulen (und sind sehr vokal, wie Basenjis), genauso wie Schlittenhunde und es hört sich signifikant anders an als Wolfsgesang.

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Ich kenne viele Menschen, die finden heulende Hunde "wolfsartig".

Ich kenne aber gar keinen Hund, der nicht heult / heulen kann ... also meine Hunde haben alle geheult. Sogar der Labbi heult.

Dankbarerweise selten

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