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Hundeforum Der Hund
Betty2168

Mythos Dominanz- und Alpha-Theorie in Bezug auf Hundeerziehung

Empfohlene Beiträge

Hallo,

ich möchte hier mal die "alten Zöpfe" der Hundeerziehung vor dem Hintergrund der Alpha-Theorie und Rangordnung beleuchten.

Der Hund sollte NIEMALS vor dem Menschen fressen. Der Alpha frißt zuerst.

Ööhm...okay...hab auch schon gehört, ich solle wenigstens einen Keks essen bevor ich meinem Hund das Fressen gebe, um meine Alphastellung zu untermauern. Oder ich solle so tun, als ob ich etwas aus seinem Napf esse. Selbst, wenn ich keinen Hunger habe. Dann müsse der Hund eben warten. Daran wird sich kein Hund orientieren, bzw. wird er es nicht als Behauptung der Alphaposition wahrnehmen, wenn ich in einen Apfel beiße bevor er sein Futter bekommt. 

Der Hund darf nicht ins Bett, nicht erhöht liegen (Sofa). Diese Plätze beansprucht der Alpha für sich und teilt sie nicht mit Rangniedrigeren.

Das stimmt so nicht. Auch Hunde unterschiedlicher Ränge teilen sich Liegeplätze. Kontaktliegen ist wichtig für den Erhalt und den Zusammenhalt des Rudels. Auch unser Haushund genießt das und will sicher nicht die Weltherrschaft an sich reißen, weil er gerne mit auf der Couch liegt. Frei nach Martin Rütter: Er macht es, weil's bequem ist. 

Der Hund darf auf einer Treppe (hinauf) nicht vorweg gehen, oder sich in den oberen Bereich einer Treppe legen. Er schaut dann auf den Menschen herab, was ihn in der Rangfolge höher stellt.

Siehe oben...ich lasse meinen Hund gerade auf einer Treppe gerne vor gehen, damit ich sie im Blick habe. Wenn ich sie hinter mich bugsieren müßte, wäre mir das viel zu gefährlich. Ich würde nicht sehen, wenn sie stehenbleibt und sie vielleicht ziehen und sie stürzt. Auf ihren "Rang" in unserem Sozialverbund hat das keinen Einfluß.

Ein Hund, der an der Leine zieht (vorweg geht), ist dominant. Nur der Alpha führt das Rudel an.

Ein Hund, der zieht, will lediglich an sein Ziel. Und er hat das lockere Gehen an der Leine nicht gelernt. Daß ausschließlich der Alpha das Rudel anführt, ist längst widerlegt. Besonders bei der Jagd werden Rangniedrigere "vorgeschickt". Der Alpha würde sich nicht der Gefahr aussetzen, angegriffen zu werden. Dafür hat er Rudelmitglieder, die die Lage checken und somit vorweg gehen.

Der Hund darf nicht als Erster durch eine Tür gehen, der Alpha geht zuerst.

Auch das ist keine feste Regel in einem Hunderudel. Beim Verlassen des Baus z.B. geht die Mutterhündin zuerst. Die Welpen bleiben im schützenden Bau, bis die Mutter signalisiert, daß sie gefahrlos herauskommen können. Bei der Rückkehr ist es genau andersherum. Die Mutterhündin bleibt hinten, läßt die Welpen zuerst hinein und sichert nach hinten ab. Auch sonst führt nicht immer der Alpha das Rudel an. Der schickt auch schonmal die Schnösel vor, bzw. läßt sie vorweg laufen. Allerdings kommen diese auf eine Warnung auch direkt zurück (weil sie auf die Erfahrung und die Sicherheit des Alphas vertrauen). 

Rein praktisch ist es auch gar nicht immer umzusetzen, den Hund nicht zuerst durch eine Tür gehen zu lassen. Wenn ich die Wohnung verlasse, handhabe ich das so. Hat aber nix mit Alpha-Sein zu tun. Ich will nur nicht, daß sie vor mir draußen etwas sieht, das sie verbellen kann. Und ansonsten kommt es auf die Situation an. Mir ist es wichtig, daß ich meinen Hund lenken kann. Bei Automatik-Türen würde ich meinen Hund NIEMALS hinter mir zurücklassen und ihn erst auf Kommando durchgehen lassen. Ebensowenig bei Drehtüren oder vor dem Fahrstuhl. Da gibt es ein "Voran" und sie geht vor mir bzw. MIT mir durch. 

Der Hund darf niemals bestimmen, wann ein Spiel beginnt oder endet. Der Alpha kontrolliert das Spiel.

Ist so pauschal nicht haltbar. Auch die Schnösel eines Rudels fordern Ranghöhere zum Spiel auf und je nach Laune lassen die sich auch drauf ein. Spielaufforderungen sind unter Hunden eine Unterwerfung, ein submissives Verhalten. Entweder der andere läßt sich drauf ein oder eben nicht. Mit seiner Position als Alpha hat das allerdings nichts zu tun. 

Und wenn ich mit meinem Hund nun spiele und der hat keine Lust mehr und beendet das Spiel? Ist er dann dominant? Was soll ich tun? Ihn zum Weiterspielen zwingen damit ICH es beenden kann?

Ein Zerrspiel darf niemals der Hund gewinnen. Die Beute beansprucht immer der Alpha für sich.

Für einen unsicheren Hund ist es sogar förderlich, wenn er das Spiel gewinnt. Es stärkt sein Selbstbewußtsein. Und gerade in Bezug auf Beute gibt es so viele Mythen. Wenn der Alpha satt ist, ist es ihm egal, wer die Reste bekommt. War die Jagd erfolgreich und der Alpha ist noch satt vom letzten Mal, fressen eben die Schnösel zuerst. Und die knurren auch Ranghöhere an, um ihren Teil der Beute zu verteidigen. Und das wird nicht selten von den Ranghöheren Tieren geduldet. 

Nach einem lustigen Zerrspiel kann ich als souveräner "Alpha" auch mal meinem Hund die gemeinsam erlegte Beute überlassen.

Ein interessanter Artikel zum Thema "Dominanz - Ohne Indianer auch kein Häuptling":

 

http://www.wuff.at/cms/Kein-Haeuptling-ohne-I.1826.0.html

 

Liebe Grüße

 

BETTY und Ronja

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Oha, da wagst du dich ja gleich auf heißes, thematisches Terrain :D

 

Ich finde es erfreulich, dass immer wieder Artikel/Meinungen zu genau diesen "Mythen" auftauchen.

Aber ich muss immer wieder denken: WER glaubt (oder glaubte) denn wirklich ernsthaft an diese Sachen?

 

Also im Ernst: wer hat das wirklich genau so für bare Münze genommen und sich daran gehalten bzw tut es noch?
Ich kenne solche Menschen nicht (keinen einzigen!), deshalb habe ich immer ein wenig das Gefühl, diese Mythen werden künstlich hoch gehalten, um sich über sie aufregen zu können (ob nun als Marketingstrategie oder Meinungsverstäkrer sei dahin gestellt).

 

Deshalb tatsächlich die ernst gemeinte Frage, du bist ja glaube ich Hundetrainerin (?), wie oft dir Menschen/Kunden begegnen, die sich an oben genanntes halten, weil sie wirklich fest davon überzeugt sind?

(die Frage gilt natürlich auch für alle anderen, die da was beitragen können)

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Es gibt tatsächlich HH, die nach diesen Prinzipien arbeiten, unglaublich, aber es gibt sie.

Wir haben hier in der Nähe einen Hundeverein, bei dem ich mir vor einigen Jahren mal eine Übungsstunde angesehen habe und dort wurde so gearbeitet, wie oben beschrieben.

Allerdings sind alle Hunde dieses Vereins in meinen Augen verhaltensgestört. Ich kenne keinen, der richtig tickt.

 

 

Der Hund sollte NIEMALS vor dem Menschen fressen. Der Alpha frißt zuerst.

 

deshalb gibt es bestimmt auch so viele dicke und übergewichtige Hundehaltern (duck und wech)

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Der Mythos Sofa/Bett ist vermutlich deswegen noch aktiv, weil sich einige Hunde nicht vom Sofa/Bett scheuchen lassen und stattdessen ihr Frauchen/Herrchen mal galant anknurren. :) 

Das Runtergehen bei Aufforderung ist für mich eine Voraussetzung, ob ein Hund nun auf das Sofa/ins Bett darf oder nicht.

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Unsere Hunde kennen uns besser als Wir unsere Hunde kennen.

 

Mehr habe ich dazu nicht zu Sagen.

 

 

Ach, da fällt mir noch etwas ein : Ich kann ein Hund nur richtig Kennenlernen wenn ich auch Vertrauen kann. 

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Also ich treffe hier schonmal HuHalter, die noch einige dieser Mythen glauben und auch so mit ihrem Hund umgehen...

Das sind Menschen unterschiedlichen Alters.

Vielleicht sind sie leichtgläubig, haben kein Bauchgefühl, wenig Wissen, wenig Grips... keine Ahnung.

Es ist ja auch nicht leicht, sich eine Meinung zu bilden und eine geeignete Methode für sich und seinen Hund zu finden, um harmonisch durchs Leben zu gehen.

Das Internet ist eine unerschöpfliche Quelle für den, der Information und Rat sucht.

Früher sagte man "Papier ist geduldig", das läßt sich prima aufs I-net übertragen.

Wem kann man was glauben?

Der eine oder andere erzählte dann halt auch, dass er in einer HuSchule war, und der HuTrainer das so erklärt / gezeigt / empfohlen hat... was auch immer, Spritzer mit der Wasserflasche bei nen pubertären testosterongesteuerten völlig grenzenlos aufgewachsenen Labbi (das interessierte den nicht die Bohne), die Frau lief wochenlang mit ner Wasserflasche durch die Gegend.

Diese wurde dann ausgetauscht durcht Gartenschlauchstücke... der Hund ist jetzt 3 Jahre alt und immer noch nicht leineführig, immer noch ungestüm, immer noch ohne Impulskontrolle, immer noch springt er jeden an... ein grottenguter Hund, der will nix böses, aber Frauchen rafft es nicht...

Es ist erschreckend, ja, aber diese HuHalter gibt es, und ich befürchte, es wird sie immer geben.

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Das ist einfach nur traurig.

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Der Mythos Sofa/Bett ist vermutlich deswegen noch aktiv, weil sich einige Hunde nicht vom Sofa/Bett scheuchen lassen und stattdessen ihr Frauchen/Herrchen mal galant anknurren. :)

Das Runtergehen bei Aufforderung ist für mich eine Voraussetzung, ob ein Hund nun auf das Sofa/ins Bett darf oder nicht.

Möchtet ihr dazu mal eine Geschichte hören?

Ich frag vorher, nicht, dass ichs umsonst schreibe.

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Deshalb tatsächlich die ernst gemeinte Frage, du bist ja glaube ich Hundetrainerin (?), wie oft dir Menschen/Kunden begegnen, die sich an oben genanntes halten, weil sie wirklich fest davon überzeugt sind?

(die Frage gilt natürlich auch für alle anderen, die da was beitragen können)

 

Hallo,

 

daß das Thema "heiß" ist, ist mir bewußt. Diskutiere darüber hier nicht zum ersten Mal.

 

Zu Deiner Frage: Oh ja, mir begegnen nur allzu oft Hundehalter, die mir bereits am Telefon erzählen, wie dominant ihr Hund doch sei, obwohl sie genau die obigen Dinge doch konsequent tun. Interessanter Weise sind es oft (nicht immer und nicht alle) die Hundehalter, die diesen Mythen aufgesessen sind, die dann doch irgendwie "Probleme" mit ihrem Hund haben. 

Wenn ich diese Probleme dann "analysiere" und nach der Ursache suche, frage ich gerne mal, wie lange und wie konsequent die Besitzer das Sofaverbot denn nun schon versuchen, durchzusetzen. Und stelle dann die Gegenfrage, warum sie denken, ihr Hund sei dominant, wo er doch seit 3 Jahren nicht erhöht liegen darf. Manchmal macht es dann "Klick" bei den Leuten und man sieht die Denkerstirn... ;)

 

Liebe Grüße

 

BETTY und Ronja

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Möchtet ihr dazu mal eine Geschichte hören?

Ich frag vorher, nicht, dass ichs umsonst schreibe.

Ich würde die Geschichte gerne lesen :)

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