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Hundeforum Der Hund
Assira

"Bindungsarbeit" mit Herdenschutzhundmix (bitte um Ratschläge)

Empfohlene Beiträge

Servus,

 

ich teile seit knapp einem Jahr mein Leben mit einem Tornjak-Mix Mädchen aus dem Tierschutz. Ich hab sie direkt an dem Tag übernehmen dürfen, als sie aus Bosnien nach Österreich kam. SIe ist nun etwa 16 Monate alt.

Vorweg: ich habe einen wunderbaren Hund bekommen!

Sie ist freundlich zu Tier und Mensch, sind wir daheim, wüsste ich nicht, was ich an ihr aussetzen sollte ...
Ich bin mit ihr viel unterwegs, neben unseren täglichen Spaziergängen gibt's viele Ausflüge (Spaziergänge in fremden Regionen, Tierpark, Stadt, Markt, Hundezonen, .....), denn ich möchte, dass sie möglichst viele Situationen kennen lernt. Ich habe das Gefühl, dass ihr das Freude macht, denn sie ist nicht eben die grosse "Spielmaus".

Freilauf kann ich ihr leider nur wenig bieten, denn bei uns in der Region gibt's viele Weingärten, und sie weiss genau, dass da drinnen "Has' & Reh" wohnen, und die hetz sie. Anfangs dachte ich an einen ausgeprägten Jagdsinn (man weiss ja nicht genau, welche Rassen sich noch in ihren Genen befinden), in der Zwischenzeit glaube ich eher, dass sie halt "Revierpflege" betreibt ;-)

 

So, nun aber zum eigentlich Punkt meines Beitrags: meine Zuckermaus tanzt mir auf der Nase herum, respektiert mich (im Freien) nicht, und ich habe das Gefühl, sie hat gar keine Bindung zu mir :-(

Dazu muss ich sagen, dass ich ihr selbstbestimmtes Wesen eigenlich sehr mag. Ich finde es toll, wenn ich sie rufe, und dann sehe, wie sie denkt, ob es den gut sei, zu kommen, und freu mich wie ein Schneekönig, wenn sie sich dann für mich entscheidet .... nur leider tut sie das nicht sehr oft.
WIr waren natürlich in der Hundeschule, dort hat man mir zur Bindungsstärkung geraten, sie daheim zu ignorieren, sie ausschliesslich aus der Hand zu füttern und sie in eingezäuntem Gelände temporär allein zu lassen, wenn sie sich nicht abrufen lässt ..... aber das macht mir ein unangenehmes Gefühl.

 

Ich bin sicher, es gibt hier im Forum auch Besitzer mit Herdenschutzhund(mixe)en, und würde mich von erfahrenen Leuten über Ratschläge freuen. Ich möchte eigentlich alles richtig machen, sie ist noch so jung, und ich wünsche mir, dass wir tolle gemeinsame Jahre verbringen.

EIns vielleicht noch - ich bin relativ entspannt und habe eine Menge Geduld. Hab die letzten 25 Jahre zwar ohne Hund gelebt, davor gehörten Afghanen zu meiner Familie. Soll heissen: ich bin kein Mensch, der im Hund einen Befehlsempfänger sieht ;-)
 

Über Antworten würde ich mich freuen.
Liebe Grüsse
SIlvia

 

 

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So, nun aber zum eigentlich Punkt meines Beitrags: meine Zuckermaus tanzt mir auf der Nase herum, respektiert mich (im Freien) nicht, und ich habe das Gefühl, sie hat gar keine Bindung zu mir :-(

Dazu muss ich sagen, dass ich ihr selbstbestimmtes Wesen eigenlich sehr mag. Ich finde es toll, wenn ich sie rufe, und dann sehe, wie sie denkt, ob es den gut sei, zu kommen, und freu mich wie ein Schneekönig, wenn sie sich dann für mich entscheidet .... nur leider tut sie das nicht sehr oft.

 

Huhu,

 

vorweg: ich habe keinen Herdi, finde es aber sinnvoll, wenn du dich mit solchen (edit: äh, mit Herdibesitzern! ;) ) austauschst. Am besten im echten Leben und so ;)

 

Dennoch möchte ich was zu deinen Ausführungen schreiben, wenn ich darf.

Das markierte ist mir aufgefallen.

Du hast den Eindruck, sie respektiere dich nicht, weil sie im Freilauf nicht richtig hört. Im Nachsatz steht dann, dass du ihre Eigenwilligkeit und ihren Hang vlt manchmal nicht zu hören, im Grunde auch irgendwie toll findest.

 

Ich könnte mir vorstellen, da liegt der Hase im Pfeffer.

Natürlich sind Herdis (und andere selbstständige Hundeschläge) etwas speziell und werden immer ihren eigenen Kopf haben und ihre Besitzer vor Herausforderungen stellen.

Aber das was du beschreibst, hat in erster Linie etwas mit einem nicht korrekt aufgebautem Rückruf zu tun - warum weiß ich nicht. Es ist anzunehmen, dass es u.a. an der Konsequenz hapert (es klingt, als hätte sie die Wahl zu kommen, oder eben nicht.)

Konditionierngsarbeit ist Fleißarbeit! Viele (arschviele!) Wiederholungen, die am besten alle 100% korrekt ausgeführt werden. Was auch heißt nur das Rückrufsignal zu geben, wenn du sicher bist, dass der Hund auch kommt; Situationen zu schaffen, die einen Lernerfolg ermöglichen usw.

 

 

Glaub nicht, sie hätte keine Bindung zu dir, nur weil sie den Rückruf nicht beherrscht. Das ist ein Konditionierungsproblem und spricht nicht zwangsläufig für ein mangelndes Verhältnis.

Oder gibt es da noch mehr, was dir Bauchschmerzen bereitet?

 

Dass der Hund draußen vlt einen größeren Radius hat und wenig auf dich zu achten scheint: naja, ich denke, du hast es ja schon gesagt, das gehört ein wenig zum Rassetypus. Und genau deshalb solltest du dich nicht mit Gedanken über fehlenden Respekt/mangelnde BIndung belasten.

Schau erstmal, dass du einen sauberen Aufbau im Rückruf hast.

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Servus acerino,

 

ich versuche die Situation möglichst kurz zu beschreiben:

 

dass Assira keine Bindung zu mir hat entnehme ich ihrem Verhalten bei Spazierengehen in Feld und Flur. Sie orientiert sich wenig an mir. Mache ich an der Schlepp Rückrufübungen, bekommt sie Belohnun natürlich nur, wenn sie kommt. Hier kann es aber passieren, dass ihr das angebotene Leckerli schnurzegal ist, ist steht zwar bei mir, aber ihr Blick und ihr Sinn ist definitiv nicht bei mir.

 

Was ich meinte, mit "ihre Selbstbestimmtheit mag ich" heisst, dass ich genau 1x rufe, es aber akzeptiere, wenn sie kurz überlegt. Eigentlich würde ich aber erwarten, dass sie dann doch kommt. Ich versuche mich zu beherrschen, kein 2.Mal zu rufen. Mache ich diese Abrufübungen in gesichertem Gelände (Hundezone, wenn kein anderer da ist) kann mir passieren, dass sie trotzdem nicht kommt, oder mich einfach veräppelt .... ehrlich gesagt, da fühle ich mich irgendwie hilflos, obwohl ich für sie den CLown mache.

 

Begonnen hat es so: als sie zu mir kam, durfte sie nach einiger Zeit auf dem Feld mit 3 Hunden spielen, und das genoss sie sehr. SIe ist mit den kleinen Rudel auch gekommen, wenn man sie rief. EInes Tages kam in Entfernung von etwa 1km der Zug (wie immer um diese Zeit). Meine Süsse hat sich standepede von der spielenden Hundegruppe abgesetzt, und Richtung Zug gehetzt. Als die Bahn hinter einer Baumgruppe verschwand, kam sie anstandslos zu mir zurück. Das passierte etwa 2 Wochen später noch einmal. Von da an habe ich bei unseren Spaziergängen (ausschliesslich an der Leine) 1-2x täglich den Zeitpunkt mit dem Zug  gewählt, und hab sie mit irgendwelchen anderen Dingen abgelenkt. Hat eine Weile gedauert, der Zug ist seither nimmer interessant. Was geblieben ist, ich kann sie nicht mehr mit Hunden im Feld spielen lassen, denn sie setzt sich seither immer wieder nach kurzer Zeit ab um ihrere Wege zu gehen. Ich fürchte demnach, ich hab zu diesem Zeitpunkt irgendetwas verabsäumt ?!?

 

Es ist natürlich schon vorgekommen, dass ich sie laufen liess, weil mir entweder die 10m Schlepp durch die Hand gerutscht ist, oder eine doppelreihige Zugstoppkette gebrochen ist, oder ich "unvernünftig" gewesen bin. Fazit: entweder sie geht alleine heim (weil sie einen anderen Weg wählt als ich), oder ich hol das Auto um sie zu suchen, oder sie steigt bei Fremden ins Auto, die mich auf dem Weg ohne Hund sehen und ihre Hilfe anbieten ..... BTW die "Glückshormonausschüttung" klappt bei ihr recht gut, ihre Hetzlaute sind unüberhörbar.
 

Seit die Badesaison zu Ende ist, darf man mit Hunden am Neusiedlerseestrand spazieren gehen. Das hab ich natürlich genutzt (genau 3x) und war überglückich. Sie lief ohne Leine, kam, wenn ich sie rief, dann hab ich sie wieder weggeschickt, damit sie nicht glaubt, dass sie immer angeleint wird, wenn sie brav kommt.....  beim 4. Mal ist sie draufgekommen, dass man bei dem Drehkreuzeingang zum Strand auch wieder raus kann .... tja, und dann hat sie die für sie fremde Ortschaft erkundet ..... 

 

Was wir tun: wir arbeiten am Rückruf mit der Schlepp in Feld und Flur beim Spazierengehen, zusätzlich auf einer grossen freien Wiese im Ortsgebiet auch mit der Schlepp, und in der grossen Hundezone (10.000 m² mit Büschen, Teich, Bäumen ...) ohne Leine.
Weiters Richtungswechselübungen, Slalom um Hundernisse, etc. zwecks Orientierung an mir.

Sowie (wie empfohlen) Futter nur aus der Hand ....

 

Ach ja - wenn ich mich verstecke, so ist es ihr egal. Sie sucht mich nicht .... das kränkt mich und macht mir Sorgen.

 

"Konsequenz" ist sicherlich meine persönliche Schwachstelle ..... daran muss ich ganz dringend arbeiten, ich weiss, die lässt noch zu wünschen übrig. Danke, dass DU mich mit der Nase draufgestossen hast (ich bracuh as eh) *lach*

 

LIebe Grüsse

SIlvia
 

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dass Assira keine Bindung zu mir hat entnehme ich ihrem Verhalten bei Spazierengehen in Feld und Flur. Sie orientiert sich wenig an mir. Mache ich an der Schlepp Rückrufübungen, bekommt sie Belohnun natürlich nur, wenn sie kommt. Hier kann es aber passieren, dass ihr das angebotene Leckerli schnurzegal ist, ist steht zwar bei mir, aber ihr Blick und ihr Sinn ist definitiv nicht bei mir.

 

 

Das ist ja besonders bei den "Eigenbrödlern" ein bekanntes Problem. Hast du dich mal mit anderen Formen von Belohnung beschäftigt?

Ich weiß, dass ist schwer, wenn man Hunde hat, die weder auf Lecker noch Spielie abfahren, aber irgendwas findet man meist, was sich als Verstärker (im Lerntheoretischen Sinne) eignet (etwas was der Hund gerne macht etc)

 

 

 

Mache ich diese Abrufübungen in gesichertem Gelände (Hundezone, wenn kein anderer da ist) kann mir passieren, dass sie trotzdem nicht kommt, oder mich einfach veräppelt .... ehrlich gesagt, da fühle ich mich irgendwie hilflos, obwohl ich für sie den CLown mache.

 

 

Das sind eben so Situationen, durch die sicher jeder irgendwann schon mal durch ist. Aber auch da gilt: man macht sich nicht zum Clown und ruft nur dann, wenn der Hund auch kommt. Tolle Hilfe, was? ;)

Heißt für dich einen Schritt zurück gehen und nochmal ganz nüchtern überlegen, was der Hund in der Vergangenheit gelernt hat: "Klare Verknüpfung Rückrufsignal=zu ihr kommen" oder doch eher "Rückrufsignal=kommen, wenn man Lust hat oder Hunger oder, oder oder..."

Jedes Mal wenn der Hund auf ein Signal nicht kommt, macht man sich das Kommando kaputt. Es verwässert. Der Aufbau im kleinen muss stimmen - ohne Fehlerquellen. Manche Hunde verzeihen das eher, deiner gehört eher nicht dazu ;)

Das ist also die bereits angesprochene Fleißarbeit und Konsequenz. Aber natürlich nur eine Seite der Medaille.

 

 

EInes Tages kam in Entfernung von etwa 1km der Zug (wie immer um diese Zeit). Meine Süsse hat sich standepede von der spielenden Hundegruppe abgesetzt, und Richtung Zug gehetzt. Als die Bahn hinter einer Baumgruppe verschwand, kam sie anstandslos zu mir zurück. Das passierte etwa 2 Wochen später noch einmal. Von da an habe ich bei unseren Spaziergängen (ausschliesslich an der Leine) 1-2x täglich den Zeitpunkt mit dem Zug  gewählt, und hab sie mit irgendwelchen anderen Dingen abgelenkt. Hat eine Weile gedauert, der Zug ist seither nimmer interessant. Was geblieben ist, ich kann sie nicht mehr mit Hunden im Feld spielen lassen, denn sie setzt sich seither immer wieder nach kurzer Zeit ab um ihrere Wege zu gehen. Ich fürchte demnach, ich hab zu diesem Zeitpunkt irgendetwas verabsäumt ?!?

 

 

Ach, du hast gar nichts versäumt! Der Hund hatte die Gelegenheit seinen Interessen zu folgen - die wird gerade ganz langsam erwachsen! Gerade bei der Rassemischung ist das völlig normal - die passen eben auf, schätzen Situationen ein und entscheiden dann, ob es in ihrem Kosmos relevant ist. 

Das ist die andere Seite der Medaille: du musst lernen diesen Hund ein Stück weit zu akzeptieren, ohne seine Verhaltensweisen auf dich zu beziehen.

Natürlich hängt vieles vom Erziehungsstatus ab. Aber wie ein Hund vom Wesen her tickt, ist für dich nicht beliebig manipulierbar. Also musst du für euch zwei einen Weg finden, ihren Drang die Welt zu erkunden, nicht persönlich zu nehmen und dennoch erzieherisch einzuwirken - in einem für den Hund verständlichen Maße. 

 

 

Sie lief ohne Leine, kam, wenn ich sie rief, dann hab ich sie wieder weggeschickt, damit sie nicht glaubt, dass sie immer angeleint wird, wenn sie brav kommt.....  beim 4. Mal ist sie draufgekommen, dass man bei dem Drehkreuzeingang zum Strand auch wieder raus kann .... tja, und dann hat sie die für sie fremde Ortschaft erkundet ..

 

 

Was ein kluger Hund :D

Aber du hast Recht: das geht natürlich gar nicht. Es ist gefährlich einen solchen Hund ungesichert laufen zu lassen. Besser Leine dran.

 

 

 

Ach ja - wenn ich mich verstecke, so ist es ihr egal. Sie sucht mich nicht .... das kränkt mich und macht mir Sorgen.

 

 

Das ist erstmal ein Zeichen für einen selbstständigen und selbstbewussten jungen Hund, der auch ohne Frauchen im Leben klar kommt (zumindest glaubt sie das in ihrem jugendlichen Leichtsinn ;) ) Und das ist was sehr gutes - das muss nur "gehandelt" bzw gemanaged werden.

Es muss dich nicht kränken. Ich weiß, es fällt schwer, aber man muss das aus einem anderen Blickwinkel betrachten. 

Dieser Hund hat alle genetischen Anlagen dafür alleine einen Job zu machen, eine Aufgabe zu erfüllen. Ob sie das wirklich souverän kann, weiß noch keiner. Sie ist da eh noch zu jung für. Aber diesem Umstand sollte man zumindest gedanklich Rechnung tragen.

Auch wenn sie sich hier natürlich nicht so ausleben darf, wie gewünscht.

 

Erste Regel in der Hundeausbildung: "Arbeite nie gegen die Motivation eines Hundes".

Du musst einen Weg finden ihre Motivation für dich zu nutzen. Wenn sie gerne "reviert", einen größeren Radius erkundet, Gegenden untersucht, vielleicht auch gerne Hasen hinterherwetzt, sind genau das die Dinge, die du dir zunutze machen kannst, auch wenn das ein wenig Fingerspitzengefühl erfordert, damit man unerwünschtes nicht ungezügelt verstärkt.

 

Magst du sagen aus welcher Ecke du kommst?

Vielleicht kann man dir eine Herdierfahrene Hundeschule empfehlen?

Oder bist du mit deiner voll zufrieden?

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Wie kommst du darauf, dass es beim Hund ein Bindungsanzeiger ist, wenn er sich an dir orientiert. Es kann genau andersherum sein. Ein Hund, der Exploration (Erkundungsverhalten ) zeigt, kann eine gute Bindung haben, du sicherst die Umwelt ab.

Was man sich bei eigenständigen Hunden erarbeiten muss, ist die Kooperation. Denn dafür sind sie eigentlich weniger ausgelegt. Sie sollen ja eigenständige Entscheidungen treffen, müssen also mit Fleiß und Bedacht herangeführt werden, dass der Mensch gute Entscheidungen trifft, die sich lohnen.
Umso mehr du auf Einhaltung von Gehorsam bestehst, desto UNernster nimmt dich der Hund.

Ich habe zwar keine Herdenschutzhunde, aber japanische Eigenbrötler. ;)
Verstecken war Yoma auch völlig egal, im Gegenteil, er fand mich "lächerlich" und hat nur gelernt, dass er ab jetzt noch mehr selbst aufpassen muss, denn ich verschwinde ja einfach mal...

Ach ja, Konsequenz heißt bitte nicht, dass du dich nun durchsetzen sollst und auf "blöden Entscheidungen" (aus Hundesicht!) beharrst, sondern dass du die Dinge immer gleich handhabst, damit sie weiß, was du von ihr willst. Aber mit viel Motvation udn Belohung ;)

(Belohnung = alles, was sie wirklich in diesen Momenten mag und nicht gefährlich ist)

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Smilla ist deinem Hund sehr ähnlich.

 

Sie orientiert sich erst an mir, seit sie gelernt hat, dass meine Entscheidungen sehr vorteilhaft für sie sind - ich habe im Wald gezielt Wege präpariert und sie erst einmal eingeladen, diese mit mir zu gehen, weil es zuvor unmöglich war, einen Weg zu gehen, den sie nicht gehen wollte. Sie legte sich dann hin oder wartete darauf, dass ich unaufmerksam war, um mir die Leine zu entreißen und alleine spazieren zu gehen. Erst, als ich ihren Wünschen nachgegeben habe und ihr gezeigt habe, dass die Wege, die ich gehen möchte, überaus spannend sind, hat sie begonnen, mir gern zu folgen und sich für das, was ich tue, zu interessieren.

 

Würde ich auf ein Kommando bestehen, das sie bereits beim ersten Mal nicht ausführt (außer, sie kann nicht, weil sie zu abgelenkt ist, dann wiederhole ich auch mehrfach), hätte ich sehr schnell einen Hund, der alles, was ich sage, ignoriert, weil ich "nur blöde Entscheidungen treffe". Erst kürzlich kam es dazu, dass ich sie abrief, weil sie mir zu weit auf ein Feld rannte - obwohl sie weder stöberte noch hetzte. Sie sah mich an und legte sich augenblicklich hin. Irgendwann kam sie mir parallel zum Weg entgegen und wandte den Blick bei jeder Kontaktaufnahme meinerseits ab. Nachdem ich sie noch mal rief, sie ableinte und freigab war, sie wieder kooperativ.

Smilla prüft immer, ob ein Verhalten sinnvoll ist. Ist es das nicht, wird sie es nicht zeigen - das ist etwas, womit ich leben und arbeiten muss.

 

Würde ich im Wald weggehen, ginge sie allein spazieren. Mich suchen? Allein macht es gleich viel mehr Spaß.

Ich habe das einmal gemacht und durfte sie dann sehr lange suchen. Seitdem lasse ich sie so lange schnüffeln, wie sie will, verteile derweil eine Futterspur auf dem Weg und lasse sie diese zur Belohnung suchen, wenn sie mir freiwillig nachkommt. Es gibt noch sehr viele andere Möglichkeiten, die Kontaktaufnahme zu belohnen - belohnend kann auch sein, dass du zu ihr gehst, wenn sie sich für etwas interessiert und es gemeinsam mit ihr beobachtest. (Das kann sogar beim Jagdverhalten hilfreich sein, wenn sie lernt, dass das Ansehen nicht verboten ist und unterbrochen werden muss, sondern dass es sich lohnt, weil es noch belohnt wird. Manche Hunde zeigen dann Wild erst mal an, statt direkt hinterherzuhetzen, weil sie nie hin(schauen) dürfen.)

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Vorweg: ich habe einen wunderbaren Hund bekommen!

Sie ist freundlich zu Tier und Mensch, sind wir daheim, wüsste ich nicht, was ich an ihr aussetzen sollte ...

Ich bin mit ihr viel unterwegs, neben unseren täglichen Spaziergängen gibt's viele Ausflüge (Spaziergänge in fremden Regionen, Tierpark, Stadt, Markt, Hundezonen, .....), denn ich möchte, dass sie möglichst viele Situationen kennen lernt. Ich habe das Gefühl, dass ihr das Freude macht, denn sie ist nicht eben die grosse "Spielmaus".

Dazu muss ich sagen, dass ich ihr selbstbestimmtes Wesen eigenlich sehr mag. Ich finde es toll, wenn ich sie rufe, und dann sehe, wie sie denkt, ob es den gut sei, zu kommen, und freu mich wie ein Schneekönig, wenn sie sich dann für mich entscheidet .... 

Ich habe einmal das rausgesucht, was ich für sehr positiv in eurem Verhältnis sehe. Von mangelnder Bindung ist hier nichts zu merken.

WIr waren natürlich in der Hundeschule, dort hat man mir zur Bindungsstärkung geraten, sie daheim zu ignorieren,

Würde ich NICHT tun. Ignorieren führt sicher nicht zur Bindungsstärkung, sondern zum Gegenteil!

 

sie ausschliesslich aus der Hand zu füttern

Schadet mM nach nicht, ob es wirklich nötig ist???

 

und sie in eingezäuntem Gelände temporär allein zu lassen, wenn sie sich nicht abrufen lässt ..... aber das macht mir ein unangenehmes Gefühl.

Alles was dir ein unangenehmes Gefühl macht, das mach einfach nicht! Dein Hund merkt das!

 

EIns vielleicht noch - ich bin relativ entspannt und habe eine Menge Geduld. Hab die letzten 25 Jahre zwar ohne Hund gelebt, davor gehörten Afghanen zu meiner Familie. Soll heissen: ich bin kein Mensch, der im Hund einen Befehlsempfänger sieht ;-Windhunderfahrung (ich habe selber zwei) hilft dir sicher weiter!

 

 

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Hmmm - meine Sorge um die Bindung wurde erstens verstärkt durch die Aussage des Trainers in der HuSchu, weil sie sich dort speziell "unmöglich" benimmt. Sieht man sie nur dort, würde man niemals denken, dass es Leute gibt, die sie als "ausgesprochen wohlerzogen" bezeichnen ;-) 

 

Anderseits irritieren mich SItuationen, in welchen sie Bekannte derart freudig und überschwänglich begrüsst, wie sie es bei mir noch niemals tat. ... ok, es handelt sich dabei um männliche Wesen (ich bin allein lebend, und sie hätt wahrscheinlich für ihr Leben gerne einen Mann *grins*) und ausserdem hat sie mich fast den ganzen Tag, ich bin schon in Pension und stehe daher stets zur Verfügung. Allerdings ist es kein Problem, wenn sie mal einige Stunden alleine daheim bleiben muss.

 

Vielleicht seh ich es wirklich zu eng mit der Bindung und vielleicht könnte ich dadurch noch ein wenig mehr Vertrauen in sie haben ... oje, ein Meer an Konjunktiven ;-)

Eigentlich ist sie unglaublich unkompliziert, ich hab sie heimgeholt, in einen Haushalt mit 9 Katzen und 5 Laufenten gesetzt, und alles war gut. Naja, das mit den Entchen klappt nicht wirklich, denn die wollen snicht gejagt und abgeschleckt werden. SO ungestüm sie ist, so vorsichtig ist sie im Umgang mit meinen Enkelkindern, auch bei andern Hunden lässt sie nicht den Macho raushängen, spielt mit denen wild und vorsichtig zugleich, daher hat sie in der Huzo doch einige Freunde, auch ein sonst recht reserviertes "nordisches" Mädel .... wenngleich ihr punkto Ausdauer und Elan nicht alle das Wasser reichen können.

 

Wir wohnen hier im Seewinkel, am Rande der Pannonischen Tiefebene, im Naturschutzgebiet Neusiedlersee .... wenn nur die Jäger nicht wären :-)
Die Hundeschule ist nicht schlecht, hier wird mit Belohnung gearbeitet. Leider kaum Herdi-Erfahrung, meistens Labrador/Retriever.

 

Ich erinnere mich an eine Situation während eines gemeinsamen Spaziergangs, wir gingen mit den Hunden hinaus, wo sie gemeinsam freilaufend spielen durften. Ich äusserte meine Bedenken und wurde getröstet, dass noch niemals was passiert wäre, die Hunde hätten Freude und es wäre noch niemals einer "abhanden gekommen". Es ging auch gut. Etwa 5 Minuten lang ...... dann war Assira weg. WIr haben eine Weile abgewartet, und sie dann mit 2 Autos gesucht und im Nachbarort in den Weingärten gefunden. SIe war dann ganz froh abgeholt zu werden, denn schliesslich war sie ja auch ausgepowert.

BTW auch nach solchen Aktionen demonstriere ich ihr meine übergrosse Freude über ihr Wiederkommen, habe niemals geschimpft, allerdings hatte sie auch niemals schlechtes Gewissen :-)

 

Frage: was haltet ihr von der Idee, den Hund im abgesicherten Gelände offensichtlich allein zu lassen, wenn sie sich nicht abrufen lässt? - so als Übung meine ich?

Meint ihr, dass es eine sinnvolle Übung bzw. für den Hund eine gute Entscheidungshilfe zum Kommen ist, wenn sie nur da und aus der Hand gefüttert wird?

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Ich würde als erstes die Hundeschule überdenken. Wenn sie sich dort "unmöglich" benimmt, fühlt sie sich vielleicht nicht wohl. 

Hunde haben kein schlechtes Gewissen! In ihren Augen hat sie ja auch nichts falsch gemacht. Was wie schlechtes Gewissen aussieht ist meistens Meideverhalten.

Meine Hunde sind öfter im abgesicherten Gelände alleine, das kratzt sie null.

Nach deinen Berichten habe ich einfach das Gefühl, dass bei euch beiden alles gut läuft und ihr euch auch sehr gut versteht. Kann es sein, dass deine Umwelt (Hundeschule und so) dir irgendwie Druck machen und daher Probleme auftauchen, die eigentlich für dich, deinen Hund und eure Beziehung gar nicht so wichtig sind?

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 - belohnend kann auch sein, dass du zu ihr gehst, wenn sie sich für etwas interessiert und es gemeinsam mit ihr beobachtest.

 

Oh ja - wir stöbern auch gemeinsam im Feld und suchen Mäuse. Weil die ja nicht auf dem Silbertablett liegen, hab ich meist kleine Käsewürfelchen mit, die ich ihr vorher in die Mauslöcher stopfe .... sie fordert aber stets meine Kreativität, denn Assira hätte schon gerne Abwechslung beim Bespassen :-)

 

Auch wenn sie eigentlich keine Spielmaus ist: daheim im WOhnzimmer - wo es ja kaum grosse Ablenkung gibt - darf ich schon mit ihr spielen. Da springt sie schon mal wie wild über Couch oder Couchtisch, und bringt ab und an sogar den Ball. Das wär im Freien gar kein Thema.

Draussen hab ich mit einem "Fährtenquadrat" begonnen zu üben, um ihre Nase eventuell vom Wildgeruch weg Richtung Käse zu leiten. Trofu ist ja nicht so sehr ihr DIng, und ob Fleisch auslegen nicht kontraproduktiv ist, weiss ich nicht. Was meinst DU?

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