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Hundeforum Der Hund
Mark

Leinenaggression

Empfohlene Beiträge

(bearbeitet)

Ausgangssituation:

Zwei Menschen mit Ihren angeleinten Hunden gehen normalen Schrittes direkt aufeinander zu und dann ohne innezuhalten aneinander vorbei. Beide Hunde "rasten" an der Leine aus.

Frage:

Mich würde an dieser Stelle interssieren, was Ihr denkt woran es liegen könnte und ob Hunde, die derartiges Verhalten gar nicht zeigen grundsätzlich "friedlicher" sind?

Zusatzfrage:

Wie kann ich o.g. Verhalten therapieren und hat sich der Gemütszustand des Hundes nach der Therapie wirklich verändert?

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(bearbeitet)

Ich weiss nicht ob ich richtig liege, aber im Grunde hatten die Hunde keine Zeit, sich kennen zu lernen, und dadurch, dass beide an der Leine sind, auch nicht die Möglichkeit, ihr natürliches Verhalten zu zeigen und evtl. zu beschwichtigen oder sich aus dem Weg zu gehen.

Hunde, die nicht "ausrasten" haben warscheinlich eine ganz andere Sozialisierung durchgemacht und eine engere Bindung an ihren Führer.

Sie sehen keine Notwendigkeit, Theater zu machen, denn wenn was nicht in Ordung ist, wird der Hundeführer das schon richten!

In dem Fall ist es vielleicht interessanter, beim Führer zu bleiben, als sich von ihm abzuwenden.

Kann sein, dass ich meilenweit falsch liege, aber das kam mir so spontan in den Sinn! :D

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Ich denke das die beiden Hunde entweder nur selten bis nie Kontakt mit anderen Hunden haben.

Und bei den seltenen Begegnungen der Kontakt nur mit Leine besteht,niemals frei.

Sobald sich die beiden HF mit ihren Hunden sehen wird die Leine schon angezogen,der HF wird angespannt und der Hund gleich mit.

Da ist Stress schon vorprogrammiert.

Ich kenne mit Kenay nur friediche Begegnungen,weil ich vielleicht auch nie denke:Hilfe,da kommt ein großer böser Hund,der will Kenay an den Kragen!

Gruß

Birgit

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Hallo Mark!

Ich hoffe nicht, dass dies Frage sind die Du Dir im täglichen Training stellst.

Ausgangssituation:

Für Hunde, die eine ausreichende Führerakzeptanz besitzen stellt auch diese sehr unhündische Art sich einander zu nähern kein Problem dar.

In der von Dir beschriebenen Situation lösen beide Hunde notgedrungen (und nur mässig abhängig von der richtigen oder falschen Leineneinwirkung) selbständig den Konflikt.

Zu der Frage: Ursachen gibt es soviele wie es Hunde gibt. Sehr oft kann man dieses Verhalten bei Hunden beobachten die mal im Schutzraum ihres Menschen (Umkreis 10-15m) oder noch schlimmer an der Leine gebissen wurden. Dies ist unabhängig von Prägung und Sozialisation.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen nicht vorhandener Leinenagression und "Friedfertigkeit". Es gibt Hunde, die anderen Hunden neutral begegnen, aber ressourcenbedingt Agressionen zeigen.

Zu der Zusatzfrage:

Eine Therapie ist immer ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren, somit kann es kein "Kochrezept für leinenagressive Hunde" geben.

Deshalb spreche ich lieber von einer Korrektur des Fehlverhaltens. Unabdingbar ist abgesicherter Grundgehorsam

(Leinenführigkeit, Freifolge, Ablage bis 30 Min., Platz in allen Variationen, Abruf aus dem Spiel). Korriegiert man vorher ist dies langfristig zum Scheitern verurteilt.

Ist der Grundgehorsam gefestigt geschieht die Korrektur zunächst mal in der Standsituation (Korrekturen in der Bewegung überfordern die meisten Besitzer) über das Hörzeichen "Sitz". Um auszulösen muss der Hund aufstehen, dies wird rechtzeitig über eine ggf. körperlich Einwirkung verhindert. Erst wenn Passagen in verschiedensten Situationen ruhig ablaufen kann individuell einen Schritt weiter gegangen werden.

Lob und Leckerchen sind in dieser Situation langfristig kontraproduktiv, da leinenagressive Hund bereits beim Anblick eines anderen Hundes (da können sie äusserlich noch ruhig wirken) einen Adrenalinaustoss haben.

Und ja, der Gemütszustand des Hundes ändert sich grundlegend. Hunde nehmen diese Form der Führung und Ruhe dankbar an.

LG,

Karl

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Zu der Frage: Ursachen gibt es soviele wie es Hunde gibt. Sehr oft kann man dieses Verhalten bei Hunden beobachten die mal im Schutzraum ihres Menschen (Umkreis 10-15m) oder noch schlimmer an der Leine gebissen wurden. Dies ist unabhängig von Prägung und Sozialisation.

Ist mir mit Boomer leider in den ersten 14 Tagen, als wir ihn hatten, dreimal passiert! :(

Ist er vielleicht deshalb so aggressiv an der Leine?

Und wie du schon beschreibst, beim Anblick eines anderen Hundes (Rüden) steigt sein Adrenalinspiegel so schnell in die Höhe, dass ich gar keine Chance mehr habe, mit Leckerchen oder Spielzeug einzuwirken!

Es hat sich zwar schon wesentlich gebessert, aber so hin und wieder bekommt er noch mal einen "Aussetzer"! :o

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Ich hätte jetzt gesagt, daß es relativ pauschal gedacht 2 Ursachen für dieses Verhalten gibt.

1) Hunde würden nie so direkt aufeinandern zugehen, wenn sie in friedlicher Mission unterwegs sind, sie würden einen Bogen gehen und beschwichtigen.

2) Die Menschen am anderen Ende haben vermutlich ein Führungsproblem, daher meint der Hund, die Situation regeln zu müssen.

Ich glaube nicht, daß Hunde, die nicht so reagieren, grundsätzlich friedlicher sind. Sie haben diese Situationen vermutlich sehr oft trainiert und werden entsprechend sicher geführt.

"Therapiert" haben wir sowas schon mit 2 Rüden über mehrere Wochen. Wöchentlich 3 Termine. Wir haben in großen Radien angefangen und sind uns nachher gegenüber gestanden. Die Hundeführerinnen hatten die Anweisung, die Rüden bereits am "Starren" zu hindern und Provokationen gar nicht aufkommen zu lassen. "Stören" war die Einwirkung des Menschen dagegen, die entweder mit einem Stups an die Schulter oder einem Leinenruck gemacht wurde. Alternativ Ablenkung über Spielzeug und Futter. Das aber erst gegen Ende der Trainingsphasen, als man schon näher aneinander vorbei gehen konnte.

Die beiden arbeiten in derselben Gruppe und können inzwischen relativ nah aneinander vorbei gehen, ohne daß was passiert. Es war eine intensive, mit Rückfällen durchsetzte, aber letztlich sehr erfolgreiche Arbeit, die vor allem der Bouvierbesitzerin (max. 50 kg) alles abverlangte...

Einmal stürzte sie auf Schnee, der Bouvier riß sich los, der Labrador wurde spontan losgelassen, die beiden machten schrecklich viel Lärm, 2 Herzen blieben stehen, 2 Trainerherzen waren wahnsinnig aufgeregt und neugierig und es ist genau nix passiert. Die Hunde ließen sich abrufen und schienen froh, der Situation entkommen zu sein.

Sie können in derselben Spielgruppe laufen, allerdings natürlich unter entsprechender Beflankung!

Karl erinnerst Du den Bouvier und den schwarzen Labrador vom letzten Seminar in Hemmoor?

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(bearbeitet)

Ich versuche die Ausführungen mal näher zu konkretisieren:

Beide Hunde haben fast täglich Kontakt zu Artgenossen jeden Alters, jeder Rasse und jeder Größe! Zudem ist der Grundgehorsam hervorragend. Ein Abrufen, selbst bei Jagd von Mäusen, Katzen oder anderen Tieren ist jederzeit und unverzüglich möglich. Gegenüber den Besitzern wird ausschließlich unterwürfiges Verhalten gezeigt. Abliegen mit variablen Zeiten auch über 30 Minuten ist problemlos möglich.

Trotz allem wurde Leinenaggression gezeigt. Und zwar insbesondere gegenüber fremden Hunden.

Beide Hunde wurden über extreme Strafreize nunmehr therapiert.

Bei der Beobachtung der Situationen nun ist mir aufgefallen, dass die für Besitzer wahrnehmbare Form der Leinenaggression nunmehr nicht mehr sichtbar ist (kein Knurren oder Bellen, kein Ziehen).

ABER: Beide Hunde zeigen weiterhin eine Fixierung des entgegenkommenden Hundes, sowie einen "Kamm" über die gesamte Rückenpartie.

Worauf ich hinaus will ist folgendes: Leinenagression hat wenig bis gar nichts mit der Stellung im Rudel zu tun, sowie der Akzeptanz des Rudelführers. Ebenso wenig mit der Frage, ob der Mensch dem Hund genügend Sicherheit bieten kann.

Diese Ausführungen, die insbesondere ein Martin Rütter in seinen zahlreichen Seminaren immer wieder propagiert (...der im Übrigen eine Golden Hündin sein Eigen nennt), sind wirklich zum Haare raufen.

Schaut man sich die Situation der beiden Hunde nun an, ist festzustellen, dass sie zwar kein sichtbares Aggressionsverhalten mehr zeigen, jedoch viel unberechenbarer geworden sind.

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Hallo Mark!

...

Deshalb spreche ich lieber von einer Korrektur des Fehlverhaltens. Unabdingbar ist abgesicherter Grundgehorsam

(Leinenführigkeit, Freifolge, Ablage bis 30 Min., Platz in allen Variationen, Abruf aus dem Spiel). Korriegiert man vorher ist dies langfristig zum Scheitern verurteilt.

.......

LG,

Karl

Hallo Karl,

Dein Kommentar verwirrt mich jetzt etwas.

Bei meinem 12 Monate alten Schnauzer komme ich auch ab und an in aggressive Situationen an der Leine.

Nun sitzt der Grundgehorsam aber noch nicht perfekt. Leinenführigkeit ist okay, aber Freifolge und langes Abliegen sind noch nicht vollständig gefestigt. (Ablage sind zur Zeit 5 Minuten und nicht mehr möglich.)

Trotzdem versuche ich in den Situationen einzugreifen, in denen mein Hund sich bei Begegnungen mit anderen an der Leine verspannt - eben in dem ich ihn ins Sitz bringe und auf mich konzentriere. Das nimmt er gut an und guckt dann zu mir (in Erwartung der Belohnung in Form von Lob und Leckerlie) und "vergisst" den anderen Hund.

Nach Deinen obigen Ausführungen, müssten meine Bemühungen jetzt aber zum Scheitern verurteilt sein (oder verstehe ich Dich falsch?).

Das glaube ich aber ehrlich gestanden nicht.

Zum Hintergrund: Mein Hund begegnet anderen Hunden (auch Rüden) nicht grundsätzlich aggressiv an der Leine, wenn er die Möglichkeit hat, den Kontakt langsam aufzubauen (auf Distanz stehen bleiben - gucken - Imponiergehabe - dann erst Kontakt - spontaner freundlicher Kontakt nur gegenüber "Welpen"). Aufgeregt und manchmal aggressiv wird er nur, wenn zügiges aneinander vorbeigehen passieren muss (z. B. weil der andere Hundebesitzer sich nicht die Zeit nimmt, oder nich weiss was da gerade abgeht).

Ich könnte mir ehrlich gestanden nicht vorstellen, mit der Einwirkung auf diese Situationen zu warten, bis eventuell mit 2 Jahren sein Grundgehorsam einigermaßen perfekt ist.

Meiner Meinung nach hätte ich dann verloren, weil sich bis dahin eventuelle Aggressionen bzw. aggressives Verhalten so festgesetzt hätte, daß ich wesentlich mehr Aufwand zu Lösung des Problems betreiben müsste.

Bin auf Deine Meinung gespannt.

Gruß,

Claudia

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Hallo Mark,

Du schreibst "Beide Hunde wurden über extreme Strafreize nunmehr therapiert. " Das hört sich für mich eher an, als das die Warnsignale wie Knurren und Bellen wegtrainiert worden sind. Das Eigentliche Problem aber gar nicht gearbeitet worden ist.

Da das Fixieren und das Aufstellen der Nackenkhaare ja immer noch vorhanden ist. Somit gehen beide Hunde schon angespannt in die Hundebegegnung. Das kann nichts werden.

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Hallo Mark!

bevor ich hier ausführlich antworte, betätige mir bitte erstmal ob ich dich richtig verstanden habe.

Du behauptest, Leinenagression hat nichts mit der Führungsrolle des Menschen und nichts mit Vertrauen (Sicherheit) zu tun? Ist dem so?

Frage: Was und wann war der Auslöser für das Verhalten der beiden Hunde? Und: Warum,in welchem Alter, in welcher Art und mit welchem Hintergrund wurden Strafreize eingesetzt?

LG,

Karl

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      Es gibt zwar schon x Threads dazu, aber nun erstelle ich trotzdem auch noch einen zum Thema Leinenaggression. 
       
      Mein spanischer Schäferhund-Mali(?)-Mix (ca. 4 Jahre alt und seit bald einem Jahr bei mir) regte sich bei Leinenbegegnungen von Anfang an stark auf (sprang die Leine, bellte, fiepte oder knurrte). Ohne Leine ist er grundsätzlich freundlich, aber sehr stürmisch und distanzlos. 
       
      Anfangs war ich guten Mutes, dass wir das relativ rasch in den Griff bekommen, da Duko schnellt lernt und eigentlich sehr kooperativ ist. Leider besteht das Problem jedoch immer noch. Ich habe anfangs versucht, bei Hundesichtung den Blickkontakt zu mir zu bestärken, was recht gut klappte, jedoch nur bis zu einer gewissen Distanz. 
       
      Ich war dann bei verschiedenen Hundetrainern, aber die Trainerin, deren Ansatz mir am besten gefiel, hatte nach dem Erstgespräch wochenlang keine Termine mehr frei. Daraufhin gab ich die Trainersuche entnervt auf und stellte das Leinenaggressionstraining gänzlich ein. Wir gingen eine Zeit lang nur noch in einsamen Gebieten spazieren und wenn irgendwo doch ein Hund auftauchte, machte ich rechts umkehrt. Dukos Leinenaggression hatte sich inzwischen verschlimmert und er rastete schon auf grosse Distanzen aus.
       
      Im Spätsommer wagte ich dann doch nochmals einen Trainerversuch und habe auch tatsächlich eine gute Trainerin gefunden. Sie arbeitet nach Cumcane und ich hatte mehrere Einzelstunden bei ihr, während denen wir die langsame Annäherung an andere Hunde geübt haben (zuerst auf sehr grosse Distanz ruhigen Blickkontakt zum anderen Hund bestärken und bei Ausrastern umdrehen oder Geschirrgriff). Wenn er es schaffte, bis zu einer gewissen Distanz ruhig zu bleiben, durfte er als Jackpotbelohnung manchmal auch Kontakt mit dem anderen Hund aufnehmen.
       
      Die Trainerin hat einmal pro Woche eine Gruppenstunde und die letzten paar Mal habe ich mit einer zweiten Trainerin zusammen dort mit Duko geübt. Wir näherten uns dem Hundeplatz aus verschiedenen Richtungen und ich bestärkte Duko immer, wenn er es schaffte, die Hunde ruhig zu beobachten. Das lief mehrheitlich sehr gut und er orientierte sich nach dem Markersignal meist sofort um. 
       
      Wir scheinen im Grossen und Ganzen also auf einem guten Weg zu sein, aber auf den Spaziergängen sind Hunde, die plötzlich auftauchen, immer noch ein grosses Problem. Wenn Duko und ich einen Hund frühzeitig sehen und ich ihn von Anfang an sehr schnell und hochwertig für den Blick zum Hund belohne, ist alles paletti und wir kommen ziemlich nahe an den Hund ran. (Um zu kreuzen, muss ich allerdings immer noch einen sehr grossen Bogen machen.) Wenn ein Hund plötzlich auftaucht, rastet Duko dagegen sofort aus und ich habe keinerlei Möglichkeit mehr einzuwirken. Dann gebärdet er sich wie eine Wildsau, was bei einem 30kg-Hund natürlich überhaupt nicht witzig ist. Der Geschirrgriff, den ich sehr oft positiv mit ihm übe, funktioniert in solchen Extremsituationen nicht mehr und zackig umdrehen und in die entgegengesetzte Richtung gehen ist oft auch nicht durchführbar (z.B. weil da ein Zaun, Gebäude o.ä. ist).
       
      Solche Situationen frustrieren mich immer extrem und ich habe noch keinen praktikablen Weg gefunden, um damit umzugehen. Vielleicht hat ja jemand von euch noch Ideen oder Anregungen für mich?

      in Hundeerziehung & Probleme


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