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Hundeforum Der Hund
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Aversionsverhalten

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Ich bin auch der Überzeugung: Wir müssen alle unsere eigenen Prioritäten setzen :)

 

Wenn du jetzt schreibst, dass das Meideverhalten von Bär nicht wirklich dramatisch ist - dann glaube ich dir das erst mal :D

 

So rein gefühlsmäßig tendiere ich auch eher dazu, nicht monatelang viel Zeit und Aufwand zu betreiben um ein von mir als eher gering eingeschätztes Übel zu beseitigen, und statt dessen diese Energie für Dinge aufzuwenden, die Hund und mir Spaß machen. Sehe ich dann auch als mehr als gerechten Ausgleich für manchmal unbequeme Dinge.

 

Manchmal muss mein Vasco z. B. bei Fuß gehen, längere Zeit, ohne zu Schnüffeln, ohne andere Hunde zu kontaktieren. In einer Arbeitsphase macht er das sogar gerne - nur bei einem Lauf durch z. B. die Stadt sieht er das nicht so wirklich ein. Als Ausgleich gibt es dann aber sowohl vorher als aus nachher Freilauf mit Kontaktmöglichkeiten; Vorher, weil es sich mit voller Blase und Darm schlecht trainieren lässt, und hinterher als Möglichkeit, von der hohen Konzentration die für's Training erforderlich ist abzuspannen.

 

Zurück zum Aversivverhalten: Das Meideverhalten von Bär ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich

 

1. Aversion nicht vollständig ausmerzen lässt im Leben und

2. wandelbar ist.

 

Nicht nur wir Menschen, auch unsere Hunde treffen immer im Leben auf weniger angenehme Situationen, mit denen wir lernen müssen umzugehen.

 

Der Schlüssel hierfür ist LERNEN - siehe Hippocampus :)

 

Wenn unserem Hund also etwas unangenehm ist, wir aber wissen, dass er in seinem Leben immer wieder mit diesem Unangenehmen konfrontiert werden wird - dann lehren wir ihn in angepassten Schritten, wie er mit dieser Situation umgehen kann.

 

Damit ein Hund eine solche Konfrontation nicht mit uns in Verbindung bringt (also uns gegenüber Meide/Fluchtverhalten oder aber Aggression) zeigt, brauchen wir zunächst eine Basis.

 

Diese Basis ist unsere Beziehung zum Hund, und diese lässt sich grob in 3 Gruppen aufteilen:

 

1.       Die strikten Anhänger von Dominanz- und Alphatheorie. Der Hund hat sich zu unterwerfen, jederzeit. Das sind für mich die Hardcorer, die Unverbesserlichen, bei denen eine Diskussion für mich zwecklos ist. Der Hund wird über Grenzen setzen „erzogen“.

 

2.       Die Wattebäuschchenwerfer im negativen Sinne; dass sind diejenigen, die ihren Hund als denkendes und fühlendes Wesen ansehen und  jegliche Anwendung von Druck ablehnen –  erinnert stark an die Bewegung der antiautoritären Erziehung bei Kindern. Grenzen setzen ist verpönt.

 

3.       Die „Normalos“; sie sehen ihren Hund als denkendes und fühlendes Wesen, schließen aber weder Grenzen setzen noch aversive Einwirkungen in ihrem Umgang aus – die einen mehr, die anderen weniger. Ansonsten erziehen sie ihren Hund ganz gut mit Bauchgefühl, das mal mehr mal weniger mit Wissen untermauert ist.

 

Während die ersten beiden Gruppen völlig überzeugt von ihrer Grundhaltung sind und sich weder durch Argumente noch durch Schmähungen aus dem Gleichgewicht bringen lassen, sind es die Normalos, die bei Diskussion schnell mal in eine der beiden Ecken gedrängt werden … und sich dann fürchterlich darüber aufregen.

 

Dabei ist es gerade diese Gruppe, die bei einem Austausch die Chance hat, das gesunde Bauchgefühl mit weiterem Wissen zu untermauern …

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Kleine Erweiterung:

Zu den Wattebauschwerfern. Kein Wattebauschwerfer, der Aversivreize vermeidet (und ja, sie verteufelt), den ich kenne, mag keine Grenzen setzen. Mit antiautoritärer Erziehung (du meinst eher laissez-fair) hat das gar nichts zu tun.


Und ja, ich sehe mich nicht als Autorität und setze dennoch Grenzen.

Ich bin also in Gruppe 2 und doch, ich habe mich durchaus schon überzeugen lassen, innerhalb in "meiner Gruppe". Und auch wie ich da hineingekommen bin. :)



"Gesundes Bauchgefühl" --> Bauchgefühl ändert sich mit dem Wissen. Das ist nicht etwas, das einfach so PUFF auftaucht und sich nie ändert.

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2.       Die Wattebäuschchenwerfer im negativen Sinne; dass sind diejenigen, die ihren Hund als denkendes und fühlendes Wesen ansehen und  jegliche Anwendung von Druck ablehnen –  erinnert stark an die Bewegung der antiautoritären Erziehung bei Kindern. Grenzen setzen ist verpönt.

 

Also die meisten "Wattebäuschchenwerfer", die ich so kenne, setzen schon Grenzen, allerdings ohne aversiv (ETA: würd ich dann halt evtl. anders nennen, weil so viele Leute das irgendwie mit aversiv gleichsetzen). Die, die es nicht tun, machen es meiner Ansicht nach normalerweise einfach falsch, also das ganze Konzept, weil sie extrem wenig Theorie-Wissen haben oder es super schlecht umsetzen können. Das sind dann aber auch in so einigen Fällen Leute, die ich nicht dabei sehen wollen würde, wie sie mit aversiv arbeiten, denn Hintergrundwissen sollte da auch echt nicht fehlen, grade wenn beim "Bauchgefühl" anscheinend gravierend was daneben liegt. Genauso wie es bei der "antiautoritären Erziehen" ja auch genug Menschen gab (gibt?), die Kinder einfach als kleine Erwachsene behandelt haben, bzw. bekomme ich manchmal den Eindruck, dass das die Norm war. Das ist einfach weder mit noch ohne "autoritäre" Herangehensweisen eine gute Idee.

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@kareki: Du wirst oft als der Wattebauschfraktion, wie in Gruppe 2 beschrieben, zugehörig bezeichnet, nicht wahr?

 

Ich sehe dich auch in Gruppe 3 :)

 

In einer fb-Diskussion habe ich tatsächlich mal gelesen, dass eine Halterin ihren Hund lieber vor ein Auto laufen lassen würde, als ihn mit Zwang daran zu hindern. Ich fand das erschreckend. 

 

Wäre es verständlicher gewesen, wenn ich statt "Bauchgefühl mit Wissen untermauert" geschrieben hätte: "Bauchgefühl wird durch Wissen gespeist"?

 

Also eigentlich heißt es ja "Intuition wird durch Wissen gespeist" - aber mit Bauchgefühl können die meisten Menschen mehr anfangen, fühlen sich mehr angesprochen, als mit dem Wort Intuition.

 

Aber du hast Recht, Bauchgefühl oder besser Intuition taucht nicht einfach auf und ist auch veränderlich.

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@Miss Wuff: Also ich erlebe ganz oft, dass den "Wattebäuschchenwerfern" vorgeworfen wird, sie würden ja schon ein "Nein" verpönen, weil dieses Verbot dem armen Hund ja nicht gerecht wird.

 

In der Realität habe ich aber noch nie erlebt, dass jemand tatsächlich so agiert.

 

Erlebt habe ich aber wohl schon des Öfteren Hundehalter, die mit einem gesäuselten "Schatzilein, das darfst du aber wirklich nicht tun" meinten, ihren Hund ausreichend zurecht zu weisen. Das hat aber nix mit Wattebäuschchenwerfen zu tun, sondern ist eher dem Unvermögen dieses Menschen zuzuschreiben, die Wirkungslosigkeit seines Handelns zu erkennen ... ;)

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Was ich tatsächlich nicht tun muss: meinen Hund "zurechtzuweisen" und wenn ichs täte (oder mal genervt bin...), würde es keinerlei oder kaum Wirkung zeigen. Vielleicht würden sie in dem Moment ihr Verhalten abbrechen, aber nachhaltig ist das nicht.

Also schaue ich zu, wie ich meinen Hund dazu bringe, die Dinge zu machen, die ich gerne hätte.

Ich breche Verhalten auch ab, meist mit etwas, was der Hund schon kann, wie "Weiter" oder "Sitz" :)
Auch Verhaltensunterbrecher via positive Verstärkung habe ich geübt, aber im Alltag... brauche ich die eigentlich nicht.


Ja, dein zweiter Satz zum Bauchgefühl gefällt mir mehr. Ich bin ja "positiv", da hat sich auch mein Bauchgefühl hinverschoben.



Bevor mein Hund ins Auto läuft (was er normalerweise nicht kann, weil er angeleint ist an Straßen), würde ich ihn sogar am Schwanz festhalten, wenn ich den noch zu fassen kriege.


Das Ziel meiner Erziehung ist, dass Hunde selbstständig sich innerhalb ihres Rahmens als Hundes fürs "richtige/angemessene" Verhalten entscheiden.

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Also irgendwie liest sich dieser Thread,Mals wären wir alle exakt der gleichen Meinung

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Ich will vor allem nicht in irgendeine Kategorie eingeteilt werden.

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@Cartolina: Komisch - warst du nicht an anderer Stelle der Meinung, dann eigentlich hier im Forum gar nichst mehr schreiben zu dürfen ...

 

:D

 

Das meine ich jetzt eindeutig liebevoll-scherzhaft! 

 

Ich bin davon überzeugt, dass der aller-aller-allergrößte Teil der Hundehalter (nicht nur hier im Forum) der Gruppe der Normalos zuzuordnen ist.

 

Dennoch werden immer wieder in Diskussionen Menschen in die Schublade gesteckt: 

 

- wenn du das so weiter machst mit deinem Hund, gehörst du zu den Aversivlern (damit meine ich jetzt Gruppe 1, die, die noch an Dominanz/Alphatheorie im altherkömmlichen Sinne anhängen)

 

Dem gleichen User wird dann von anderer Seite vorgeworfen:

 

- wenn du das nicht mehr so weiter machst, schlägst du dich wohl auf die Seite der Wattebäuschchenwerfer

 

... und schon haben wir eine Diskussion, in der es nur noch um Klischees geht - aber nicht mehr darum, wie dem Halter und damit dessen Hund denn nun tatsächlich geholfen werden kann!

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Zu dem Thema Autorität möchte ich gerne noch einen kleinen Satz ergänzen, den ich persönlich immer sehr bezeichnend fand:

 

Wer Autoriät hat, muss nicht autoritär werden!

 

Das ist eine der entscheidendsten Unterscheidungen, wie ich finde. Denn Autorität hat etwas damit zu tun, dass die anderen einen als kompetent, fähig etc. einschätzen und anerkennen. Während autoritär etwas mit der umgekehrten Richtung zu tun hat, nämlich dem Versuch, sich durch mehr oder weniger gewalthafte Maßnahmen die gewünschte Autorität selbst zu erzwingen. Und so rum funktioniert es eben nicht.

 

In so fern würde ich sagen, ich möchte im Umgang mit meinem Hund schon gerne als eine Autorität gesehen werden, will aber nicht autoritär agieren! Und bei ganz genauer Betrachtung schließt sich beides ja sogar gegenseitig aus, nicht wahr?

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