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Hundeforum Der Hund
Betty2168

Die beliebten „Alpha“-Trainingsmethoden schaden mehr als sie nutzen

Empfohlene Beiträge

Hallo,

 

als ich damals (vor 20 Jahren) meinen Terrier-Rüden hatte, wurden uns im Verein der Jägerschaft ein paar der aversiven Dinge vermittelt. U.a. das Anstarren bis der Hund wegschaut, das Runterdrücken (keine Alpharolle, nur ins Platz drücken im Nacken und fixieren) und auch dieses in die Wangen packen und sich den Hund vor's Gesicht halten als Maßregelung. 

Mein Rüde blieb Zeit seines Lebens immer latent aggressiv. Als er bereits über 5 Jahre bei uns war, begann ich umzudenken und mich mit alternativen Methoden auseinanderzusetzen. Es wurde besser mit ihm, er vertraute mehr. Aber gewisse Kommunikationsmuster aus dem Aggressionsverhalten hat er nie abgelegt. Ich kann also die Zahlen oben nur unterstreichen. Ich habe Aggression anfangs nicht nachhaltig wegtrainiert, ich hab sie nur gedeckelt (weil ich es selbst nicht besser wußte). Führte auch dazu, daß er mich einmal ernsthaft biß. Das war quasi das Schlüsselerlebnis, wo ich mir dachte, hier läuft was verkehrt. 

 

Liebe Grüße

 

BETTY und Ronja

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Am häufigsten trat Aggression als Reaktion auf aversive (oder strafende) Eingriffe auf, selbst wenn diese indirekt waren:

• Schlagen oder Treten des Hundes (41% der Besitzer berichteten von Aggression)

• Den Hund anknurren (41%)

• Den Hund zwingen, ein Objekt aus dem Maul zu geben (38%)

• „Alpharolle“ (den Hund auf den Rücken zwingen und ihn unten halten) (31%)

• „Dominance down“ (den Hund auf die Seite zwingen) (29%)

• Die Wangen oder das Nackenfell packen (26%)

• Den Hund zum Wegschauen zwingen (den Hund anstarren, bis er wegschaut) (30%)

• Den Hund mit einer Wasserpistole oder Spraydose besprühen (20%)

• „Nein“ rufen (15%)

• Zwangsexposition (den Hund etwas aussetzen, vor dem er sich fürchtet – wie Fliesen, Geräusche oder Menschen) (12%)

 

Ich muss auch sagen, dass ich mit diesen Beispielen so meine Schwierigkeiten habe, oder sagen wir: meine Verwunderung kaum ausdrücken kann.

In 30 Jahren Hundelei habe ich zum Zwecke der Erziehung/Training noch nie einen meiner mir anvertrauten Hunde

- getreten/geschlagen

- Hund angeknurrt

- Alpharolle (?) - wurf verwendet

- im Nackenfell gepackt

- und das meiste was da sonst noch steht.

 

Und ich gehöre nun wirklich nicht zu denen, die was gegen den Einsatz von Aversivreizen haben, wenn sie angebracht sind.

Ich nutze Aversivreize und wurde noch von keinem mir anvertrauten Hund gebissen oder mit offener Aggression konfrontiert aufgrund meiner Erziehungsmaßnahmen.

Ich habe derartiges auch noch nie gesehen mit eigenen Augen bei bekannten Hundehaltern/Trainern.

 

Derlei Dinge beobachte ich nur bei einer Gruppe: überforderte Hundehalter in Stresssituationen.

Und da könnte man sich jetzt ernsthaft fragen, in wie weit sich sowas überhaupt für eine objektive Beurteilung der Sinnhaftigkeit von Aversivreizen generell eignet und nicht eher ein Abbild dessen ist, was überforderte Menschen im Stande sind ihren Hunden anzutun, wenn sie keinen Schimmer haben, was sie machen sollen.

Und in diesem Szenario überrascht es dann doch auch wirklich nicht, dass Hunde auf übertriebene, aggressive Verhaltensweisen ihrer kopflosen Besitzer ungemütlich antworten. Das lässt aber auch wieder keinen Rückschluss zu dosierten Aversivrezen in sinnvollem Training zu (= wo also eine Situation geschaffen wird, in der der Hund auf einen Negativreiz lernen kann).

 

Aber nun gut.

Die Studie (die ich übrigens erst ergoogeln musste, weil sie nicht direkt verlinkt ist; wenn ich nur Tomaten auf den Augen hatte verzeihe man mir) kann ich nicht komplett einsehen, bzw bin ich nicht bereit da Geld für abzulatzen.

Somit habe ich nun keinen Einblick in welchen Szenarien mit welchen Hunden wie genau gearbeitet wurde.

Denn niemand würde ja bestreiten, dass ein Hund auf ihm unverständliche Reize auch durchaus aggressiv antwortet, wenn seine Besitzer sich unfair, frustriert, gestresst, aggressiv etc verhalten. Das ist doch irgendwo logisch.

Deshalb müsste man wissen, wie diese Situationen aussahen, was das für Hunde waren, welcher Kontext usw um zu beurteilen, ob man wirklich Rückschlüsse ziehen kann auf Training mit Aversivreizen.

 

Was man definitiv sagen kann:

man behandelt ein Tier besser nicht unfair! 

Wenn man bei Problemverhalten keine Ahnung hat, lässt man die Finger davon (sonst sind sie schnell ab) und traktiert seinen Hund nicht mit sinnlosen Strafreizen.

Man lässt seinen Ärger, Frust, Angst, Stress im Training nicht am Hund aus!

Dazu brauch man aber keine Studie.

Sondern nur Einfühlungsvermögen, ein wenig (Hunde-)Verstand und/oder Selbstreflektion.

 

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Hallo,

 

acerino, Du magst über diese Reflektierheit verfügen, ich und viele Andere hier im Forum auch. Aber wo wir den Kopf schütteln und sagen, ist doch logisch, daß diese oder jene Reaktion folgt, weiß es manch Anderer eben nicht besser. Auch heute noch nicht, was ich erschreckend finde.

 

Ich finde es prima, daß Du in Deinem Umfeld nie solch einem Trainer begegnet bist. Es gibt sie aber noch, glaub mir, leider. 

 

Liebe Grüße

 

BETTY und Ronja

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Im Hundeverein, in dem ich aktuell Mitglied bin, ist das ganz normaler Alltag.

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Da hatte ich doch ein gutes Gespür, dass ich in keinem Verein Mitglied bin, in freier Wildbahn begegnet mir sowas nicht.

Vielleicht sollte man sich von solche Vereinen trennen, wenn alle gehen, denen es nicht passt, gehen sie pleite.

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Was das angeht: In "freier Wildbahn" sehe ich die Alpharolle auch eher selten, dafür leider immer noch sehr häufig den Nackengriff bzw. Nackenschütteln. Eher die letzte Zeit in Mode gekommen (war früher eher selten zu sehen) ist es, den Hund massiv in die Flanke zu pieksen. Auch was Vereine angeht gibt es hier im Umfeld alles mögliche, von "klassisch-Alpha" bis "modern-gewaltfrei", natürlich mit diversen Abstufungen dazwischen - teilweise sogar innerhalb des gleichen Vereins je nach Trainer und Sparte. Und wer von dem Segen des Elferparagraphen träumt: Selbiges gilt zumindest nach Berichten vieler Hundehalter auch für die professionellen Angebote.

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Hallo,

 

ja, der 11er...*seufz*

Hier im Nachbardorf praktiziert ein Trainer nach CM...wie der den Sachkundenachweis und die Genehmigung nach §11 bekommen hat, ist mir schleierhaft. Der muß seine Trainings-Philosophie komplett geleugnet haben bei den Tests. 

 

Gut gedacht, aber wie so oft schlecht gemacht...die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Zumal Ehrenamtliche in den Vereinen den §11 gar nicht brauchen.

 

Liebe Grüße

 

BETTY und Ronja

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Da hatte ich doch ein gutes Gespür, dass ich in keinem Verein Mitglied bin, in freier Wildbahn begegnet mir sowas nicht.

Vielleicht sollte man sich von solche Vereinen trennen, wenn alle gehen, denen es nicht passt, gehen sie pleite.

Wer geht denn hauptsächlich in solche Vereine?

Meist unerfahrenere, weniger aufgeklärte Hundehalter, die vollkommen ahnungslos denken, dort wird das Richtige vermittelt - das gehört so, das geht so, das muss man so machen. Gucken sie TV, werden sie darin noch bestätigt.

Die werden nie unzufrieden damit werden und der Traum, solche Vereine gehen pleite, bleibt ein Traum.

 

Ich bin dort Mitglied, weil ich zu jederzeit das große, sicher eingezäunte Gelände auch alleine oder mit Hunden von Bekannten nutzen kann.

 

Mich da aus dem Staub machen?

Nein.

Wer weiß, vielleicht sieht der eine oder andere auch selbst mal einen Unterschied und kommt ins Denken......

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Ok, sorry, wusste ich nicht.

Ich habe gedacht, dass das die Vereine sind, in denen die Leute über Jahre jede Woche etc gehen, mit trainieren auf diverse Prüfungen.

Hundeanfänger seh ich eher in Hundeschulen, aber eben ich prrsönlich bin nicht so 'vereinsfähig'

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Hallo,

 

acerino, Du magst über diese Reflektierheit verfügen, ich und viele Andere hier im Forum auch. Aber wo wir den Kopf schütteln und sagen, ist doch logisch, daß diese oder jene Reaktion folgt, weiß es manch Anderer eben nicht besser. Auch heute noch nicht, was ich erschreckend finde.

 

Ich finde es prima, daß Du in Deinem Umfeld nie solch einem Trainer begegnet bist. Es gibt sie aber noch, glaub mir, leider. 

 

Liebe Grüße

 

BETTY und Ronja

 

 

Betty ,es ist ja nicht so,das diese oder jene Reaktion ,auf aversive Reize,erfolgen muss.Es kommt auf den Hund an und noch viel mehr auf den HH.

 

Auch die Reaktion eines Hundes auf non-aversive Reize kann unterschiedlich sein,bis garnicht gezeigt werden.

 

Für mich ist ein grosses Problem,das doch sehr unterschiedliche Angebot an Hundeschulen.Der Paragraph 11 TschG,ist da nicht der entscheidende Faktor.

 

Man findet kaum eine Hundeschule,die mehrere Methoden anwendet,wobei ich auch leicht aversive Methoden mit einbeziehe.

 

Die meisten werben mit dieser oder jener Methode.,haben oft ausser zig Fortbildungen,kaum praktische Erfahrungen und Erfahrungen sind für mich nicht,ich habe zwei -drei Hunde besessen und erzogen,da gehört ein bisschen mehr hinzu.

 

Weshalb ich so vehement dazu stehe,ohne aversive Reize,keine Hundeerziehung,liegt überwiegend an meinen eigenen Erfahrungen.Bei mir gab es keine Hundeschulen und das empfinde ich im nachinein nicht als Mangel.

 

Im Gegenteil,ICH war gezwungen mich persönlich und alleine mit dem Individium Hund auseinanderzusetzen.Ich suchte mir Rat in Büchern,bei erfahrenen HH und hinterfragte den Sinn.

 

Ich war von Anfang an kritisch,aber auch aufgeschlossen gegenüber Neuerungen.

 

Heute wird eine Hundeschule gebucht,gemacht was der Trainer sagt und klappt es nicht ist der HH oft frustriert und es kann dann zu solchen aversiven Massnahmen kommen ,die zu 99% aus Frust des HH entstehen und schon ist der Kreislauf da.

 

Oben beschriebene aversive Korrekturen ,entsprechen nicht einer "normalen" Korrektur und können natürlich solche Reaktionen hervorrufen.

 

Ist es da nicht vielleicht besser,wenn ein Hundetrainer auch Erfahrungen in aversiven Methoden hat und nicht nur positiv arbetet?

 

Ich meine damit natürlich aversive Methoden,welche nicht tierschutzrelevant sind.Wenn einer natürlich der Meinung ist,man darf seinen Hund nicht mal kurz anstuppsen,um seine Aufmerksamkeit zu bekommen,dann wäre es müssig darüber zu reden.

 

Es ist doch in meinen Augen für den HH besser wenn er vom Trainer richtig gezeigt bekommt,wie man in Ausnahmefällen auch aversiv korrigiert ,als das er  alleine aus einer Frustsituation heraus den Hund bestraft,denn was Anderes ist es dann nicht.

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