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Der sanfte Führer

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marcolino   

Den Begriff des "sanften Führers" habe ich zum ersten Mal vor ca. 8-9 Jahren in einem Pferdebuch von Mark Rashid gelesen - und er hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.

 

Dieser Begriff beschreibt eine - bei Pferden von Mark Rashid beobachtete - Führungspersönlichkeit, der sich andere Pferde freiwillig anschließen.

 

Dieses sich-Anschließen begründet Mark Rashid mit der - ungewollten- "Vorbildfunktion" dieser Pferdepersönlichkeiten.

 

Diese verfolgen ihre Ziele mit Geduld und Hartnäckigkeit und setzen sie durch, ohne dabei in die direkte Konfrontation zu gehen.

 

Seitdem bin ich fasziniert von einerseits der Geduld und Hartnäckigkeit, mit der Ziele auch über Umwege erreicht werden können, als auch andererseits von dem Gedanken, ein Sich-Führen-Lassen auf freiwilliger Basis bewirken zu können.

 

Diese Gedanken haben nochmal nachhaltig meine Art im Umgang mit meinen Hunden bewusst beeinflusst, auch weil dieser damals "neue" Begriff wie ein weiteres Puzzleteil zu anderen Begriffen wie "Führungsstile" und auch dem des "Didactiv Leader" aus dem kognitiven Lernmodell darstellte.

 

Gerade das "Führen" eines Hundes wird ja oft sehr kontrovers diskutiert.

 

Welche Gedanken beeinflussen denn bei euch euren Führungsstil?

 

 

 

 

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Gast   

Menschen wie Mark Rashid, haben mich da auch sehr geprägt. 

zB. ein Hufschmied, der die schwierigsten Pferde ohne Draufhauen, Fesseln, Machtspielchen alà NHS, Brüllen usw. machen konnte und den ich mehr als ein Jahrzehnt regelmässig erlebte, mit meinen und fremden Pferden. Auch der TA, mit dem dieser Hufschmied zusammen arbeitete, war ebenso gestrickt - und mein Ex-Schwiegervater, Landwirt.

Dieses feine Erkennen und Bestätigen des richtigen Ansatzes, dieses ruhige Dranbleiben, wie Rashid es beschreibt, mache ich mir auch bei den Hunden zunutze und kann nur sagen, dass das für mich persönlich das effektivste ist und es mir persönlich am Besten liegt.

Auch Hunde sind unheimlich fein im Wahrnehmen - nicht nur Hunden, sondern auch uns gegenüber und ich kenne bisher keinen einzigen Hund, der darauf nicht ebenso fein anspricht, wenn er erlebt, auf diese Weise wahrgenommen und beantwortet zu werden.

Auch der Nicky, wenn er in einem Zustand ist, in dem er wahrnehmen KANN.

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KleinEmma   

Ich kenne mich mit Pferden nicht aus und kenne auch diesen Mann nicht.

 

Im Gegensatz zu früher, als ich meinen ersten Hund bekam (da war ich 9) änderte sich mein Führungsstil dahingehend, Hunden viel mehr Zeit zu lassen. Damals wurde mir beigebracht (von erwachsenen Hundehaltern), der Hund sei mit einem Jahr erwachsen und müsse dann alles Mögliche können. Dementsprechend Druck war in mir, den ich sicherlich auf meine Hündin übertragen hatte. Sie lief auch immer frei, wie all meine Hunde, aber damals bin ich mit mehr Druck rangegangen.

 

Jetzt z.B. bei Emma ist mir das schnelle Können unwichtig geworden. Deshalb ging ich da viel entspannter heran, als sie im sehr jungen Welpenalter zu uns kam. Mir war nicht wichtig, dass sie im Alter von einem Jahr alles Mögliche konnte. Mir war lediglich der Rückruf sehr wichtig, der dann im Alltag immer mal wieder "geübt" wurde. Üben ist irgendwie unpassend, da ich keine Übungseinheiten mache. Also so im Alltag nebenher gelernt trifft es besser.

 

Alles andere kommt eh durch Wiederholung und im Laufe der Zeit wie von selbst, natürlich nur, wenn man dran bleibt. 

 

Mein Führungsstil ist leise. Laut zu werden kostet mich sowieso Kraft, da ich von Natur aus kein lauter Typ bin. Kommandos nutze ich eher selten. Ich bin der ganze-Sätze-Typ :D Emma ist nun 3 und wir sind ein eingespieltes Team. Dieses sich verstehen ohne viele Worte - das ist immer mein Ziel, wenn ein "neuer" Hund bei uns einzieht. 

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UliH.   

Jessasss - darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht :)

 

Ich "führe" meine Hunde nicht, sondern ich lebe mit ihnen in einer Gemeinschaft zusammen. Ein respektvolles miteinander umgehen - das ist so mein Grundtenor. ... aber nicht nur beim Hund ;)  :)

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KleinEmma   

Wir führen doch alle unsere Hunde, also jedenfalls die meisten Hundehalter. Mein Nachbar, der führt seine Hunde nicht. Diese Hunde dürfen den ganzen Tag selbst entscheiden, wohin sie gehen und was sie tun wollen. Aber ansonsten übernehmen wir alle die Führung. Der Begriff Führung ist lediglich bei manchen Hundehaltern in den falschen Hals geraten. Führung ist ja nicht generell schlecht.

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Gerhard   

Pferde sind auch etwas anders gestrickt als Hunde. Das mal vorab. Trotzdem ist da auch was dran. Man muss im Rudel nicht immer mit der Kelle rein hauen. Das wichtigste ist die Autorität, die man ausstrahlt. Dann braucht es selten Konfrontationen. Hängt aber auch von den anderen Individuen ab. Die Meisten akzeptieren es, aber es gibt auch vereinzelt Hunde, die es immer mal wieder wissen wollen. Gerade Hunde, die selber einen recht hohen Geltungstrieb haben. Aber vom Grundsatz her passt es schon. Eine einmal stehende und nicht bezweifelte Führungsrolle, muss nicht dauernd bewiesen werden.

Dieses System funktioniert aber auch nur, wenn die Herden- oder Rudelstruktur natürlich gewachsen ist.

Pack z.B. einen Junghengst in eine schon bestehende und strukturierte Herde, dann geht das teilweise noch böser ab als bei Hunden.

Nix anderes auch z.B. bei Hühnern. Ein funktionierender Haufen ist das Eine, mach ein neues Huhn da rein und die Post geht erst mal ab.

 

PS als Edit: Respekt zur eigenen Autorität kann man nicht von "oben" nach "unten" erzwingen. Sie wird freiwillig von unten erbracht.

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KleinEmma   

Oh ja, bei den Hühnern kenne ich das auch. Wenn wir neue Hühner holen, müssen wir die zuerst von den anderen getrennt halten. Sonst gäbe es schnell Hühnerragout :D

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marcolino   

Eigentlich ging es mir nicht um Pferde ;)

 

Dieses "sanfte Führen" beinhaltet ganz klar folgende Aspekte:

 

1. Der Führer beansprucht keine Führungsposition

2. Die Geführten folgen aus eigenem Antrieb

 

Das ist eine kognitive Leistung, bei der über das Beobachten von Verhalten von den Geführten entschieden wurde, von der Erfahrung (und dem Ideenreichtum) eines anderen Pferdes zu profitieren, indem man sich diesem anschloss.

 

Die Vorstellung, meine Hunde dahingehend zu beeinflussen, meine Entscheidungen, meine Lösungen, meine Hilfen aus eigenem Antrieb anzunehmen und zu übernehmen, fasziniert mich. Zumal ich festgestellt habe, dass dies in vielen, oftmals eher unspektakulär erscheinenden Situationen große Auswirkungen hat. Z. B. bei Fremdhunden, die signalisieren, dass sie schon ganz gerne mal antesten würden, wer denn nun das Sagen hat. Da kann ich gerade meinen Amigo darum BITTEN, sich doch nicht ausgerechnet in der Nähe des anderen Hundes aufzuhalten - und er macht es. 

 

Ich weiß einfach, dass Hunde uns sehr genau beobachten. Nicht nur im Umgang mit ihrem Menschen, sondern auch ihren Menschen im Umgang mit anderen Zwei- und Vierbeinern.

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KleinEmma   

Jo, also, unsere Hunde aus der Nachbarschaft folgen mir, ohne dass ich sie dahingehend beeinflusse :D Die kommen einfach mit. Bin ich jetzt ein sanfter Führer? 

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Lemmy   

Dieses "sanfte Führen" beinhaltet ganz klar folgende Aspekte:

 

1. Der Führer beansprucht keine Führungsposition

2. Die Geführten folgen aus eigenem Antrieb

 

Naja... so ganz ohne dass der Chef die Führungsposition beansprucht klappt das aber nicht :) Ich denke mal du meinst, dass die Führungspostion nicht erkämpft wird, oder?

 

Denn wenn der Chef nicht Chef sein will, dann hilft es nüscht,wenn alle ihm folgen wollen. 

 

 

mein "Führungsstil"? Na, eigentlich hab ich das schon in diversen Threads mal geschrieben.

 

So nett wie möglich, aber doch mit dem Anspruch dass man mir weitestgehend folgt.

Wenn ich das nicht wollte, hätte ich ne Katze.

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