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Hundeforum Der Hund
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Auswirkungen verschiedener Erziehungsformen

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Ich muss mal gerade mal Off-Topic werden:

 

Cartolina, ich finde es immer sehr spannend, wenn du als Labbifrauchen aus deiner Sicht berichtest.  :D

Ich bin ja mit 1-2 Hunden gesegnet (die Vorgänger waren übrigens auch keine Labbirüdenfans), deren größter Alptraum es ist, von einem kontaktsuchenden, unkastrierten Labbirüden besucht zu werden.  :angry:

 

Ich war mit Oliver in der U-Bahn, er lag entspannt, da steigt 2 Meter weiter eine Podenco-Hündin ein und fängt an, aggressiv" zu kläffen, was das Zeug hält. Oliver stellt sich schweigend stocksteif hin und will dahin, abchecken, wer das ist und wieso er von dem anderen dermaßen angemacht wird. Ich sage "Platz" (hätte ich mir sparen können, so wie Oliver auf Spannung stand), er kommentiert das mit einem leichten Ohrzucken und legt sich nicht hin. Nun hätte ich deutlich strenger Platz sagen können, das hätte er dann getan, aber wäre voll auf Spannung geblieben. Oder ihn anstupsen, um ihn an mein bereits gesagtes Platz zu erinnern, mit dem gleichen Ergebnis. Ich habe mich anderes entschieden, einen Keks rausgekramt, allein schon beim rauskramen wurde Olivers Körper weich wie Butter und dann habe ich den Keks nach unten gehalten, er hat sich entspannt hingelegt, seinen Keks gemümmelt und die keifende Podenca zwar noch betrachtet, aber ohne dorthin zu wollen, ohne auf Spannung zu sein.
 

 

Labbibesitzer betonen dann immer gerne, dass ihr Hund ja vollkommen unaggressiv sei und merken nicht, dass der starke Wille des Labbis zur Annäherung den anderen Hunden schon hochgradig unangenehm ist, weil sie zum Beispiel gerade selbst nicht ganz entspannt sind in der Bahn, im Wartezimmer beim Tierarzt oder überhaupt an der Leine. Oder die Hunde bereits schlechte Erfahrungen mit aufdringlichen Labbis gemacht haben. Dass er für dich in dem Moment nicht ansprechbar war, zeigt ja schon, wie wichtig ihm die Kontaktaufnahme ist....und Podencos sind eben eher zurückhaltende Hunde, die darauf nicht so klar kommen. Säße da eine Boxerhündin euch gegenüber in der Bahn, hätten wahrscheinlich beide zueinander hingezogen und sich gerne näher kennengelernt. 

 

Sobald Oliver sein Vorhaben veränderte, konnte die Podenca sich ja dann auch entspannen. 

 

Wollte das nur mal betonen, weil ich eben in meine "Podencos" verliebt bin und verstehe, was sie nervt und warum.  :) Du bist auf Seite deines Hundes und hast Verständnis für ihn und seine Wünsche.  :) So ist das mit dem verschiedenen Hundetypen. 

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@ Cartolina:

was halt auch oft vergessen wird ist, wenn man in solch einer Situation wie du sie beschreibst, aversiv auf den Hund einwirkt, kann man sich ja nicht nur ein Problem in der Situation schaffen, sondern auch für die Zukunft! Fehlverknüpfungen etc.! Deshalb finde ich es gut. So viele Beispiele hier im Threat, wie man es auf gar keinen Fall machen sollte.

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@ Estray:

dass so ein Labbi ziemlich vielen Hunden nicht angenehm ist, das ist mir sehr bewusst (drum durfte er auch nicht "guten Tag sagen" gehen, da wäre die arme Podeco komplett hysterisch geworden - ihr auf sie einquatschendes Frauchen war aber auch nicht hilfreich).

Übrigens hat mein Labbi (sehr zu meiner Verwunderung) als Welpe ja auch richtig oft Kloppe von anderen bekommen, und zwar ganz ohne dass er aufdringlich war, sondern wenn er - den anderen Hund noch gar nicht wahrnehmend - irgendwo geschnuppert hat oder alleine rumgeflitzt ist, dann haben sich andere auf ihn gestürzt. Das ist mit meinen Schäfern und Malis nie passiert und ich habe echt gestaunt. Ich denke wirklich, alleine sein Energie-Level ist für andere schon eine Provokation und sein Testosteron-Spiegel kommt bei meinem Exemplar noch dazu ;) .

Also ehrlich, bei meinem ist es wirklich offensichtlich, dass sein Drang zum "Hallo sagen" andere überfordert, wenn der auf Spannung ist, sieht er auch für Laien nicht mehr nur niedlich aus (er will tatsächlich nur Kontakt, aber das weiß das gegenüber ja nicht). Bei etwas moppeligeren Labbis nimmt man als Mensch diese Anspanung vielleicht einfach optisch schlechter wahr, aber die anderen Hunde spüren es ja.

Es ging dann übrigens so aus: die Podenca stieg an der gleichen Haltestelle aus, ich habe gewartet und eine andere Tür gewählt, um ihr / uns Abstand zu lassen. Frauchen hat nicht bemerkt, dass wir auch ausgestiegen sind und geht vor uns die Treppe hoch. Die Podeca hat uns aber sehr wohl bemerkt, bleibt stehen, Frauchen geht weiter (Flexi dran und merkt nicht, dass ihr Hund 5 Meter zurück stehen geblieben ist und auf Oliver wartet ... *seufz* ) Nun muss ich ja auch vorwärts kommen, also darf Oliver auf der Treppe "guten Tag" sagen (in dem Moment wacht Frauchen auf, Ende der Flexi erreicht) und Oliver ist gar nicht sooooo interessiert, die Podenca aber sehr wohl, die hätte nun gerne ein lustiges Rennspiel hingelegt :D

War weder Zeit noch Ort dafür, also nix wie weiter :)

Also: mir ist immerhin klar, dass andere Hunde dieses Labbi "jeden kennenlernen MÜSSEN" weder teilen noch gut finden. Drum Bremse ich ihn ja oft oder lasse keinen Kontakt zu, wo es nicht passt.

Aber ich bin zugegebenermaßen trotzdem froh, dass er ein echter Tut-Nix ist, denn WENN er mal unkontrolliert Kontakt aufnimmt, dann tut er halt nix, außer schlimmstenfalls zu nerven. Was auch nicht schön, aber zumindest nicht gefährlich ist.

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Ich glaube, wir alle sind gar nicht so weit auseinander, nur dass manche glauben, sie würden ihrem Hund sämtliche Freiheiten lassen und den Hund über alles und nix entscheiden lassen - eine wunderschöne Illusion. 

 

Was ist denn die Leine? Ein Zeichen für Freiheit? Wird mit der Leine nicht gehemmt? 

Was ist mit der Jagdleidenschaft einiger Hunde? Warum werden Alternativen angeboten oder der Hund an der Leine geführt? Weil das der Hund entschieden hat? Weil er die Alternative besser findet, als hinterm nem Hasen herzujagen? Oder findet der Mensch die Alternative besser und hat den Hund gehemmt - und auch noch die Entscheidung gefällt - tsts :D

 

Hier geht es wieder zu, wie bereits in vielen anderen Threads. Auf der einen Seite die "guten" Hundehalter, die scheinbar ihrem Hund sämtliche Entscheidungen überlassen und ihm die weltbeste Freiheit gewähren (warum darf der Hund dann nicht den kompletten Tag selbstbestimmen, was er tun möchte und wohin er gehen möchte?). Auf der anderen Seite stehen die scheinbar "schlechten" Hundehalter, die hemmen was das Zeugs hält.

 

Man kann es drehen wie man will - der Arsch bleibt immer hinten - na gut, um es anders zu sagen: Jeder, auch du Kareki und duoungleich - entscheidet für den Hund und hemmt ihn auch ab und zu, und wenn es nur durch die Leine ist, durch die der Hund eben nicht mehr frei ist.

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da wäre die arme Podeco komplett hysterisch geworden
 Danke für das Wort! Im vorigen Beitrag klangst du eher danach, dass das ne alte Zicke ist, die grundlos aggressiv ist. Deshalb habe ich mich überhaupt berufen gefühlt, das nochmal aufzugreifen.  :)

 

Die Podeca hat uns aber sehr wohl bemerkt, bleibt stehen, Frauchen geht weiter (Flexi dran und merkt nicht, dass ihr Hund 5 Meter zurück stehen geblieben ist und auf Oliver wartet ... *seufz* ) Nun muss ich ja auch vorwärts kommen, also darf Oliver auf der Treppe "guten Tag" sagen (in dem Moment wacht Frauchen auf, Ende der Flexi erreicht) und Oliver ist gar nicht sooooo interessiert, die Podenca aber sehr wohl, die hätte nun gerne ein lustiges Rennspiel hingelegt
Das zeigt ja, dass sie in der Bahn wahrscheinlich angespannt und besorgt war und ihr so gar nicht der Sinn nach "Hallo sagen" stand. Draußen war sie dann heiulfroh überlebt zu haben  :D und war sogar lustig.  :)  Von der Treppenperspektive von oben nach unten sieht ein Labbi auch gar nicht mehr so bedrohlich aus auf einer Treppe.

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Möglicherweise, nein sehr wahrscheinlich, bin ich nicht in der Lage zu begreifen,

was ein Hund der so gut wie nie ohne Leine durch die Welt geht,

überhaupt entscheiden darf.

 

Wir haben hier in unserer Ecke der Welt mehrere Hunde  die ständig an der Leine sind.

Ganz abgesehen von der, aus meiner Sicht, fehlenden "Spiel-und-Tobe-Kondition",

können sie mal nicht entscheiden, ob sie jetzt mal mit der rasenden Rasselbande durch den Bach pflügen.

 

Nun hat ja jeder eine andere Philosophie, und meine ist ganz sicher nicht,

dass ich den Hund so viel entscheiden lasse, dass er die Dinge, die ich essentiell für ein Hundeleben halte, nicht tun darf.

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Stimmt, die Treppenperspektive habe ich gar nicht bedacht, da sieht man mal, was manchmal helfen kann!

Da war sie ja neugierig und hat extra auf uns gewartet.

Dann habe ich mich im ersten Beitrag falsch ausgedrückt, die Podenca war schon beim Betreten der U-Bahn im Stressmodus und kläffte, dass Oliver dann aufstand, war aus ihrer Sicht komplett SCHLIMM. Wäre ich schneller gewesen, hätte ich ihn nicht aufstehen lassen, aber naja, die Chancen stehen schlecht, dass ich schneller bin als er, wenn es um Hundesichtung geht :)

Also diese Podenca war aufgrund der Situation gestresst, volle U-Bahn ist nicht jedermanns Sache, aber ich glaube, draußen auf einer Wiese wäre die komplett anders. Wäre prima für Oliver, da die so schnell und wendig sind, kann er mit denen rennen und kommt nicht auf andere Gedanken :D

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Sorry, Cartolina, aber diesmal muss ich dir eindeutig widersprechen!

 

Das WAR ein MEISTERSTÜCK - von dir  :kuss:  :kuss:  :kuss:

 

So viel wohlwollende Empathie dem eigenen Hund gegenüber würde ich mir bei Anderen mehr wünschen :)

 

Vorbildlich auch deine Einsicht in die Handhabung des Platz-Kommandos, in dreierlei Hinsicht:

 

- dass du es dir hättest schenken können 

- dass es dir EGAL ist, was nun Andere zu dieser "Gehorsamsverweigerung" sagen

- dass du es gar nicht als Gerhorsamsverweigerung wertest

 

Zur Podenca: Verhalten bewirkt Verhalten  :ph34r:

 

Deshalb stelle ich mal folgende These auf:

 

Aus Gründen, die nur die Podenca kennt, die aber nichtsdestotrotz sicherlich vorhanden sind, war ihr der Anblick/die Anwesenheit von Oliver unangenehm.

Ich sehe es als durchaus möglich an, dass die Podenca nicht nur die Entspannung und damit zusammehängende Defokussierung von Oliver mitbekommen hat, sondern auch, dass und wie DU reagiert hast.

 

Du hast ruhig und freundlich gelenkt - und, btw, aus meiner Sicht aus auch sehr vorausschauend, indem du auch die Reaktionen der unbeteiligten Zuschauer mit berücksichtigt hast.

 

Ich halte es - eben auch aus eigener Erfahrung - für möglich, dass viele Hunde sehr wohl mitbekommen, ob und wie ein ihnen unbekannter Mensch sich bei Interaktionen einbringt.

Auch das trägt in nicht unerheblichem Maße zum Verhalten eines unbekannten Hundes bei.

 

Dabei dürfte Folgendes klar auf der Hand liegen:

 

Ein dem Hund unbekannter Mensch, der freundlich eine Verhaltensänderung bei seinem eigenen Hund bewirkt, wird anders eingeordnet als ein Mensch, der nicht freundlich eine Verhaltensänderung bewirkt.

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Zudem mag ich dieses Argument gar nicht, das im Endffekt besagt:

"Ich muss den Hund hemmen, DAMIT er diese Freiheiten hat."

Ich habe ja einen einfachen Hund.

Aber genau das habe ich am Anfang gemacht, ihn, soweit ich es nötig fand 'gehemmt' oder zurückgerufen, etwas verboten.

Viel war es nicht, Wega hat sehr viel 'will to please'. Diese paar Rückrufe, Verbote oder was auch immer, haben sich gelohnt.

Wega hat sehr viele Freiheiten, weil ich weiss, dass sie sofort mit irgendetwas, wenn ich es sage.

Wie gesagt, sie ist von Anfang an sehr einfach gewesen, genau der Grund weshalb ich einen Hund in der Art wollte.

Ein Hund ohne WTP wäre nichts für mich

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@ Käpt'n Körk: ich bin ja auch ein Freilauf-Fanatiker und sollte es jemals tatsächlich so sein, dass man Hunde nicht mehr frei laufen lassen kann, dann hätte ich keine mehr. Für mich wäre es auch Höchststrafe, selbst ständig an der Leine meines Hundes gehen zu müssen.

Ich weiß, dass ist Einstellungssache, bin mir aber sehr sicher, dass sich das niemals ändern wird.

Danke, marcolino ... als unverbesserlicher Positiv-Denker formulierst Du eben auch die suboptimal gelaufenen Dinge positiv, das macht viel aus, freue ich mich also einfach mal drüber. Und Oliver bekommt noch einen Keks, man kann die Keks-Sucht ruhig am Leben erhalten, sie ist manchmal sehr nützlich :D

Dass Hunde beobachten, wie andere Hunde von deren Haltern behandelt werden, denke ich auch. Oliver würde nicht zu jemandem hingehen, der seinen Hund gerade zusammen gestaucht hat, da wäre er misstrauisch, ob diese Person ihm gegenüber nicht auch fies wird.

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