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Hundeforum Der Hund
gast

@ Renate (Thema "unfair") und ein Loblied auf meine Trainerin und meinen Hund (lang!)

Empfohlene Beiträge

Hi Renate,

jetzt will ich auch noch was senfen:

Ich schließe mich den anderen an, wenn sie sagen: Nur Du kannst beurteilen, ob Du zu viel von Deinen Hunden verlangst und ob das unfair ist.

Ich möchte Dir dazu nur kurz meine "Entwicklung" mit Hanni schildern:

Hanni ist unser erster "eigner" Hund mit einer Vergangenheit, die wir nicht kennen. Mein Mann sah (und sieht es auch heute noch) eher pragmatisch und handelt viel aus dem Bauch heraus. Er hat zwar ein, zwei Dinge, die ihm in Hinblick auf Hanni verbesserungswürdig erscheinen und darüber tauschen wir uns aus und wollen eine Lösung finden, aber ansonsten ist er wirklich entspannt.

Ich dagegen habe mich mühsam durch viele Forenbeiträge gelesen, habe hier viele Fragen gestellt und versucht, alle Antworten irgendwie zu befolgen. Als nächstes sind wir in die Hundeschule, andere Sachen gelernt, auch versucht, dies umzusetzen. Hundeschule hat dann nicht mehr gereicht, ein Seminar musste her. Also zu einem Seminar angemeldet, völlig andere Sicht der Dinge, nämlich mehr auf Herr statt auf Hund bezogen, okay, versucht, auch noch umzusetzen. Buchtipps bekommen, gekauft oder geliehen, gelesen, ui, noch mehr zum umsetzen. Der Hund muss ausgelastet werden! Ach Du Schreck, noch ne Anforderung! Also umgesehen, was kann man machen, um den Hund noch auszulasten. Verschiedene Dinge ausprobiert, versucht, auch noch umzusetzen. Irgendwann kam es wie es schon vorprogrammiert war: Ich wußte gar nichts mehr und habe Hilfe gesucht. Für teuer Geld eine Trainerin engagiert. Und die hat mir erzählt, dass vieles, was ich in Hannis Verhalten gesehen habe, gar nicht so sein sollte. Sie freut sich nicht, wenn ich nach Hause komme, sie korrigiert mich, weil ich weg war. Aha. Ab sofort wurde nur noch drauf geachtet, was Hanni alles schlechtes im Schilde führte , wo ich Naivchen mir nichts bei gedacht habe.

Das ganze eskalierte dann nach etwa einem Jahr, unser Zusammenleben war nur noch von Mißtrauen und Traurigkeit über alles, was Hanni schlimmes macht und wie sie nicht ist, überschattet.

Und dann kam unerwartet Hilfe in Form einer anderen Trainerin auf mich zu. Und sie setzte mich gehörig auf den Pott, wenn auch nicht böse oder offensichtlich, sondern ganz fein und indem sie mich zwang, über mich und mein Verhalten und meine Erwartungen Hanni gegenüber nachzudenken. Und zwar bitte nicht nur aus meiner Sicht, sondern auch, wie Hanni manches wohl empfinden könnte, wenn sie mich und meine Sprache nicht versteht (Unfair?). Sie hat mir Fragen gestellt, die zu beantworten ich mich a) anfangs sehr schwer getan habe, weil ich ja die "richtige" Antwort geben wollte und die mir B) viel abverlangt haben, nämlich alle Tipps/Bücher/Ratschläge/Idealvorstellungen zu vergessen und mein Denken auf mich und meinen Hund zu konzentrieren. Aber es ging und was sich jetzt vielleicht nach "Psychostunde" anhört, hat Erfolg gehabt. Nebenbei bekam ich wertvolle Wegweiser, wie ich meine "Probleme" (und es ging ursprünglich nur um die Leinenpöbelei!) mit Hanni in den Griff bekommen kann und heute sind wir ein entspanntes Team! Ich habe aufgehört, andere Leute um Hunde zu beneiden, die andere Hunde passieren, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich habe angefangen, meine Hanni wieder so zu nehmen wie sie ist. Ich habe aufgehört, ihr schlechtes zu unterstellen, weil sie sich an mich drückt, wenn ich nach Hause komme. Und wenn ich heute mit ihr einen Hund passiert habe (wenn auch auf 8 Meter Entfernung) und sie zwar den Schwanz aufgestellt hat, aber dennoch auch mich geachtet hat und nach der Begegnung mit leuchtenden Augen auf ein Leckerchen wartet, dann ist das für mich das schönste Geschenk für unser Zusammenleben!

„Meine“ Trainerin hat mir in dieser Angelegenheit so unglaublich geholfen, mich auf das Wesentliche im Umgang mit Hanni zu konzentrieren. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Alle Tipps und Bücher und Seminare können Wegweiser sein, nur solange wir nicht wissen, wohin wir wollen, nützen sie uns gar nichts. Sie hat mir die Augen geöffnet, wohin ich will und nun bin ich in der Lage, zu selektieren und auf meinen Bauch zu hören. Und meinen Hund ohne Einschränkung so zu lieben wie er ist, auch wenn sie noch mal pöbelnd in der Leine hängt!

So. Lang, aber musste mal gesagt werden. Ob Du zu viel willst, kannst nur Du allein entscheiden. Ich habe mich auf das Wesentliche konzentriert. Natürlich beschäftige ich Hanni nach wie vor, natürlich laste ich sie aus. Aber nicht "wie es sein sollte", sondern so wie ich denke, dass es richtig ist und wie es ihr Spaß macht. Verlier Dein Ziel nicht aus den Augen!

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Das ist ein sehr guter Bericht und genau was du schreibst passiert vielen Leuten wenn sie es einfach zu gut machen wollen.

Mir ist es auch ne zeitlang so gegangen und ich hab einfach zuviel gewollt und diese Ziele waren für mich unerreichbar. Erst als ich meine Trainerin gefunden habe die eigentlich nicht viel an Kyra korrigiert hat sonder eher an mir, an meinem Verhalten, an meiner Ungeduld, an Sachen die ich ändern wollte aber nicht zu ändern sind weil ich Kyra nicht von Anfang an habe und ich gelernt habe meine Hündin so zu nehmen wie sie ist, geht es uns beiden gut !!

Oft liest man, hört man, bekommt gesagt das man jenes und welches machen muss aber ob das wirklich auf einen selbst als Team zutrifft kann man meist nur selber beurteilen.

Wie oft steht man sich selber im Weg und jeder wird aus Erfahrung wissen das dann gar nichts mehr geht.

Lg Birgit

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Toller Beitrag Anne, klasse. Das kann ich voll und ganz unterschreiben.

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Hallo Anne,

da hast du einen netten Bericht geschrieben, was du schon durchlebt hast.

Ich freue mich, dass du eine Trainerin gefunden hast, die dich auf das Wesentliche gebracht hat

und du nun siehst, dass man dann entspannter ist.

Ich denke das ist soooo entscheidend im Umgang mit seinen Nasen - die Entspanntheit -

aber das müssen wir lernen, denke ich. Fällt mir auch nicht immer so super leicht und muss mich da auch immer wieder mal selbst erinnern.

Wenn mein Balou z.B. mal einen anpöpeln musste, und ich ihn ins Platz lege, dann nutze ich auch noch den Moment nochmal tief durchzuatmen, um auch selbst wieder zu entspannen - nicht nur, dass er emotional runter kommt, sondern ich auch wieder lockerer werde.

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sehr schöner Beitrag!

Ich denke jeder (oder sehr viele Menschen) haben sich schon mal vor diesem Problem gesehen, alles auf einmal zu wollen um im Endeffekt nicht mehr zu wissen wo man eigentlich hin wollte. Immer schön Schritt für Schritt und den Spaß am Leben nicht vergessen... besser kann man es glaube ich nicht machen.

Freut mich sehr, dass du und Hanni euch entspannt auch an den schönen Seiten des Hunde und Hundehalter daseins zu erfreuen ;)

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:klatsch: Danke, Anne!

Sehr schöner Beitrag, der mal wieder zum nachdenken, überdenken anregt! :klatsch:

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:klatsch: toller Beitrag, hat mich wirklich fasziniert.

Ich finde auch, man sollte nicht "über Leiche gehen" um den perfekt Hund zu haben, zu bekommen. Ich bin nicht perfekt, die Gesellschaft ist nicht perfekt, warum sollte ich das Unmögliche von meinen Hunden erwarten?????

Ich hätte eher die Befürchtung, daß wenn meine Hunde so perfekt wären, wie ich es mir manchmal vorstelle, dann würden sie wahrscheinlich im Alltag untergehen. Und so werde ich bei jeder geklauten Pizza und bei jeder Balgerei auf meine zwei aufmerksam und selbst wenn sie den größten Schmarrn machen, ich liebe sie einfach dafür.

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Anne...ein klasse Bericht!

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Du sprichst mir soo aus dem Herzen. Danke Anne. Wieder mal ein Hinweis, dass es keine Pauschallösung gibt und jeder mit seinem Hund für sich seinen Weg finden kann und muss. Auch ich habe eine tolle Hundetrainerin und das aus Bayern telefonisch (täglich) und über Video gehabt, die uns eine ganz andere Amy gezeigt hat,als die, die mit dem Training in unserer Hundeschule nur noch mehr versaut worden wäre. Sie hat uns kolossal geholfen, wir werden wieder in die Hundeschule gehen, aber diesmal kann ich auch sagen, was ich mache und was nicht. Das wir nicht zu dem gleichen Ausbilder kommen hab ich schon abgeklärt. Aber meinen Hunden hat die Hundeschule auch sehr viel Spaß gemacht und nun will ich einfach versuchen, ob ein Neuanfang angesagt ist.

Viel geholfen haben mir auch die Bücher der Calming Signals (und DVD).

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Hi Anne!

Für diesen Beitrag muss ich Dich einmal gaaaanz feste drücken knuddel.gif

Hatte beim Lesen echt Tränen in den Augen....Du weisst warum kuckuck.gif und ich bin mächtig stolz auf Dich freu02.gif

Und knuddel mal die süsse Hanni von mir!

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