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Hundeforum Der Hund
Velida

"Dominanz"probleme?

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Hallo ihr Lieben!

 

Ich wende mich hier mir einem recht "frischen" Problem an euch.

Vor knapp einem Jahr haben mein Freund und ich einen pubertären Stafford-Rüden aus dem Tierheim übernommen. Wir haben beide Erfahrung mit Hunden, auch mit Problemhunden, und trotzdem hat der kleine Stinker uns vor völlig neue Herausforderungen gestellt. Die generelle Problematik würde ich mal kurz umreißen, falls es in irgendeiner Form relevant ist: Er reagiert stark aggressiv auf andere Hunde, hat massiven Jagdtrieb und ist in beiden Situationen regelrecht "abgeschaltet". Er rastet völlig unansprechbar aus, wenn er Hunde / jagbares Wild entdeckt und reagiert dann nur noch auf massive Einwirkung, also stark positive Strafe. Seit wir ihn haben, arbeiten wir daran. Immer wieder mit Rückschlägen, aber wir machen ganz langsam Fortschritte im Bereich der positiven Verstärkung (Zeigen und Benennen).

Das neue Problem besteht zwischen dem Hund und meinem Freund. Der Hund selber ist sehr freundlich und menschenbezogen. Er kann Menschen sehr gut um den Finger wickeln, ist fix zum kleinen Prinzen mutiert und hat sich so einen Platz auf dem Sofa und im Bett gesichert. Für uns ist das kein Problem, wir hatten das Getier immer nah bei uns und damit dürfen die Tiere recht viel. Nun hat Momo es sich zur Aufgabe gemacht, sich auf dem Sofa und im Bett möglichst fett zu machen. Ich darf eigentlich alles mit ihm machen, ich schiebe und ziehe ihn durch die Gegend, wie es mir gefällt. Er guckt genervt, das wars.

Keine Ahnung, wie wir darauf gekommen sind, aber heute erfahre ich, dass Momo bei solchen Aktionen meinen Freund anknurrt. Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil er bislang im Haushalt völlig unauffällig war.

Er ist vor allem MEIN Hund, also kümmere ich mich um alles - füttern, Gassigehen, Erziehung. Von Anfang hat hat er recht wenig Respekt gegenüber meinem Freund gezeigt, war aber händelbar. Insbesondere mein Wort ist Gesetz; wenn ich laut huste, stehen die Jungs stramm ;) An sich klappte auch alles, wenn ich außer Haus war.

 

Nun musste ich heute erfahren, dass mein Hund sich kackendreist benimmt, sobald ich außer Haus bin. Wenn er im Weg liegt und mein Freund ihn aus dem Weg räumt, knurrt Momo ihn an. Ich konnte es kaum glauben und erklärte ihm, dass ich ihn problemlos an den Pfoten herumbugsiere. Unser beider erster Gedanke war, dass mein Freund Momo im Halbschlaf erwischt und der ihm nur murrend mitteilt, dass er das Herumgezerre nicht schätzt.

Also hatte ich heut den Prinzen auf dem Schoß und mein Freund zeigt mir, wie er Momo aus dem Weg räumt - quittiert von einem ziemlich harschen Knurren. Ich demonstriere, wie ich Momo aus dem Weg räume - keine Reaktion. Mein Freund versucht es - Momo knurrt wieder ziemlich böse; ich musste Momo dann auch recht grob blocken, weil ich ein solches Verhalten als nicht akzeptabel empfinde. Als erste Reaktion hab ich meinem Freund die Retrieverleine in die Hand gedrückt und ihm gesagt, wenn Momo einen auf offene Hose macht, wird er nicht angefasst, sondern per Leine sofort von dem Sofa oder vom Bett geschmissen.

Bislang ist sein Verhalten nur unverschämt; wenn er aber irgendwann meint, seine unangenehmen Verhaltensweisen mit den Zähnen durchzusetzen, wird er einfach nur gefährlich. Er ist nicht gerade winzig und setzt seinen Dickschädel bei Bedarf sehr vehement durch.

 

Lasse ich ihm zu viel durchgehen? Ich will nicht, dass mein Freund gebissen wird, weil mein Hund sich zur Kackbratze entwickelt. Gerade kuscheln sie entspannt auf dem Sofa miteinander - es liegt also nicht alles im Argen. Wenn er bei mir Unverschämtheiten zeigt, fackel ich auch nicht lange und beschränke ihn in seinen Freiheiten. Aber ich krieg offenbar nur die Hälfte mit, also muss ich mit dem arbeiten, was ich mitbekomme. 

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Also erstmal herzlich willkommen hier!

 

Da habt ihr euch ja einen ordentliches Päckchen an Verantwortung aufgehalst. Erstmal finde ich es toll, dass ihr einem Tierheim Staff eine Chance gebt!

Zu den Problemen: das ist ja ein Potpourri. Was das Jagen betrifft, so würde ich ein gezieltes Anti Jagdtraining machen. Weiss jetzt nicht, wo ihr wohnt, aber bestimmt bieten sie irgendwo in deiner Nähe sowas an.

Zum Thema Aggresssion gegen Artgenossen: Hat er eine Leinenaggression oder reagiert er generell auch im Freilauf aggressiv? Könnt ihr ihn überhaupt mit anderen Hunden laufenlassen? Wie reagiert er bei Rüden: Intakt oder kastriert? Bei Hündinnen? Ist er selbst kastriert?

Es ist schwer, bei einem Hund den man nie gesehen hat, Tipps von außen zu geben. Ich kann also nur Vermutungen äußern, und bitte dich, es nicht persönlich zu nehmen.

Für mich liest sich das Ganze so, als würdet ihr neben all dem Schönen was ihr dem Hund bietet auch viel über Verhaltenshemmung und Strafe machen. Auch die Überschrift deines Threads geht in die Richtung: Nämlich Dominanzprobleme.

Ich weiss nicht, was genau die Geschichte deines Hundes ist. Ich kann mir aber vorstellen, dass er von Anfang an ( ehe er zu euch kam), nicht gut sozialisiert wurde und viel über Strafreize erlebt hat. Bei euch ist es nun so, dass er offenbar zu dir großes Vertrauen hat, zu deinem Freund aber nicht. Du kannst alles mit ihm machen, dein Freund nicht. Er wird angeknurrt, vom Sofa aus, und auch, wenn dein Freund ihn irgendwie an den Pfoten aus dem Weg schieben will.

Was diese zwei Punkte betrifft, würde ich mein Verhalten dem Hund gegenüber ändern. Ich würde ihn generell nicht mit einer Retrieverleine führen und ihn niemals (!) an einer solchen Leine vom Sofa runterholen. Warum: Weil sie unangenehm ist, und er das Runtergehen mit etwas Negativem verknüpft. Lieber ihm unten was Schönes anbieten, ein Leckerli oder einen Ball oder Ähnliches. Ebenso würde ich verfahren, wenn der Hund im Weg liegt: Ihm freundlich das Kommando Komm oder was auch immer geben und ihm sein Lieblingsspieli dafür auf seinen Platz legen.

Wenn ihr euch nicht sicher über das Verhalten auf dem Sofa seid: Dann würde ich dem Hund ein eigenes Liegebett herrichten, etwas erhöht, wo er nur sein Reich hat, und sich von deinem Freund nicht bedrängt fühlt. Aufs Sofa würde ich ihn erstmal nicht lassen. Hat der Hund einen solchen Rückzugsort, an dem er und nur er liegen darf?

 

Hat dein Hund bevor er zu euch kam schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht? Er scheint ja ansonsten offen und freundlich gegenüber Menschen zu sein, aber wie war seine Vorgeschichte?

Zum Thema Knurren: Seid froh, dass der Hund knurrt, solange er knurrt, warnt er noch. ich würde das Knurren nicht unterbinden, aber sehr ernstnehmen.

Die geringere Toleranzschwelle zu deinem Freund kann viele Ursachen haben: Er vertraut ihm nicht, oder er ist eifersüchtig, er fühlt sich von ihm bedrängt, er hat generell ein Problem mit Männern. Ich würde versuchen, die Ursache herauszufinden. gegebenenfalls sollte dein Freund sich mehr mit ihm beschäftigen, füttern, spazieren etc, damit er zur zuverlässigen Bezugsperson für Momo wird.

Diese ganzen Strafmaßnahmen: den Hund recht grob blocken, ihn  aus dem Weg räumen, Retrieverleinen usw, das würde ich erstmal alles sein lassen. Und dem Hund eine Alternative bieten. Dazu gehört, dass du die Vorstellung aus deinem Kopf bringst, der Hund sei unverschämt, macht einen auf dicke Hose oder wird zur Kackbratze.

Ich glaube nicht, dass der Hund dieses Verhalten aus Dominanz zeigt, sondern dass es ein Spiegel ist. Es hat  mit seiner Vergangenheit zu tun, und  mit euch.

Der Besuch eines guten Hundetrainers wäre anzuraten, allerdings taugen die meisten Hundetrainer nicht viel, da sie außer Dominanzstrategien nicht viel zu bieten haben.

Aber versuchen würde ich es. Alles Gute euch!

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Magst Du diesen Hund? :huh:

 

Dein Umgang mit ihm klingt recht lieblos und grob...

 

Wieso wird massiv auf ihn eingewirkt, wenn er bei anderen Hunden und Wild abschaltet?

Vor allem, wenn Du doch bemerkt hast, dass Zeigen und Benennen euch weiter bringt?

 

Wieso zerrt und schiebt ihr an ihm rum?

Wieso ihn nicht einfach bitten, Platz zu machen/an die Seite zu rutschen?

 

Das Brummeln/Knurren würde ich auf gar keinen Fall bestrafen.

Der Hund kommuniziert euch etwas. Nämlich, dass euer Umgang mit ihm nicht akzeptabel ist (Zu Recht, wie ich finde!).

Wenn ihr ihm das Knurren als Möglichkeit nehmt, was denkst Du, wird sein nächster Schritt sein?

Vor allem, wenn Du nicht dabei bist?

Er respektiert ´Deinen Freund nicht, schreibst Du.

Wenn Du, als die Person, die er fürchtet, nicht dabei ist, wird er sich wohl auf kurz oder lang massiver zur Wehr setzen.

 

Immerhin bringst Du ihm ja auch genau das bei:

Wenn Du ein Ziel hast oder Dir was nicht passt, setz es notfalls mit Gewalt durch!

 

Ich würde generell mal den kompletten Umgang überdenken, dann den Hund als denkendes und fühlendes Wesen betrachten, akzeptieren und auch behandeln.

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Eigentlich hast du die Situation doch meiner Meinung nach voll erfasst.

Er ist gegenüber deinem Freund respektlos. Bei dir nicht. Da kannst du ihm zeigen, dass nur, wer sich benimmt, Privilegien hat.

Ich würde es nicht nur dem Freund überlassen - das könnte sich hochschaukeln.

 

Wir hatten hier vor vielen Jahren eine ähnliche Situation mit unserer Terrierhündin. Der ältere Sohn wurde vergöttert, der jüngere wie oben gemobbt.

Eine Trainerin empfahl mir, erstmal Privilegien zu streichen und eindeutig das jüngere Kind dem Hund vorzuziehen, d.h. z.B. das Kind wurde sehr deutlich freundlich zuerst begrüßt, dabei dem Hund der Hintern zugedreht. Nach einer Weile erst wurde der Hund begrüßt.

So haben wir im Laufe des Tages - über 2 - 3 Wochen - immer wieder kleine Sachen inszeniert, bei denen deutlich wurde, dass zuerst das Kind kommt, dann der Hund. Dann aber auch den Hund mit einbezogen.

Vielleicht lässt sich da was auf eure Situation übertragen?

 

(Irgendwie ist es ja immer so, wenn man nach Hause kommt, ist da zuerst der Hund, der sich wie verrückt freut und man selbst freut sich auch mit ihm. Und wirf dem Partner nur ein Hallo hin. Da könnte der Hund auch falsche Schlüsse draus ziehen.

Obwohl man ja von der ganzen Dominanztheorie abgekommen ist, doch "nach Status strebend", das beschreibt meine erste Hündin perfekt. Königin halt).

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Da kamen jetzt noch einige Posts dazwischen.

 

Ich bin absolut der Meinung, dass ein Hund knurren darf und so mitteilt, dass ihm etwas nicht passt. Das hat man zu respektieren. 

Doch es gibt - genau wie bei Menschen, ein Verhalten, welches nicht seine Ursache hat im Übergriff des Anderen, sondern im Anspruch des Laut Gebenden.

Ich habe es wirklich so verstanden, dass er nicht durch den Freund bedrängt wird, sondern einfach durch das Knurren signalisiert, mein Platz, mein Privileg.

Das ist was anderes.

 

Wenn man noch nicht so einen Hund hatte, lässt sich das vielleicht nicht so nachvollziehen. Meine anderen Hund waren/ sind auch nicht so.

 

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Warum "räumst" du und dein Freund den Hund weg? Hat er keine Ohren, dass man ihn ansprechen könnte?

 

 

ich habe früher, als ich noch teenager war unseren ersten Hund (collie-mix) auch so rumgezogen und geräumt, und es hat ihn nie sonderlich gestört. Dann kam ich viel später zu meinem ersten eigenen Hund, und der war schon erwachsen und als ich ihn einmal genauso wie Marlowe damals unter einem Tisch rausziehen wollte hatte ich ihn in der Hand.

Sei froh, dass dein Hund knurrt! Straf ihn nicht für's knurren, sonst habt ihr einen Hund der es nicht tut,.... und ein Hund ohne Warnfunktion ist echt kein Witz.

 

Einfache Lösung des problems: ruft den Hund, sprecht mit ihm, lockt ihn wenn er irgendwo wirklich im Weg liegt. Behandelt ihn lieber so, wie ihr emanden behandeln würdet der euch im Laden im Weg steht. Da würdet ihr doch auch sicher sagen "Entschuldigung, darf ich einmal durch" statt einfach die Person am Arm zu packen und sie beiseite zu ziehen.

 

Und vielleicht überlegst du mal, ob dein Hund wirklich die Weltherrschaft will (und Unverschämt wird) oder ob a ein Kommunikationsproblem zwischen euch besteht. Bist du wirklich sicher, dass der Hund weiß was er tun soll? Dass er weiß, was ihr von ihm wollt? Wenn er von deinem Freundd nicht an den Beinen gepackt werden will, dann sorry, ist das sein gutes Recht. Ich denke mal, du lässt dich gerne von eine mFreund streicheln - aber würdest du das auch wollen, wenn jemand anders, zB sein bester Kumpel bei dir macht? Nein? Warum denn nicht, du magst es doch auch bei deinem Freund ;)

 

 

Niemals, niemals niemals knurren "abgewöhnen". MUSS dein Freund den Hund vom Sofa ziehen? Kann er nicht einfach sagen "hey, Momo, steh mal auf" oder - wenn er es dann nicht täte - "Momo, komm, gibt nen Keks wenn du aufstehst". Ist vielleicht erstmal nur Vermeidung des Problems, aber je mehr der Hund lernt "hey, meine Empfindungen werden berücksichtig" desto weniger vehement wird er sich verteidigen müssen. mit gewalt, oder blocken/schimpfen kommt man in so einer Situation nicht weiter.

 

Zu den Begegnungen draußen: schön, dass es mit Zeigen und Benennen besser wird. Ich weiß ja nicht ob es möglich ist (wohnortsmäßig), aber bei meinem Hund, der sehr sehr SEHR ähnlich war draußen (jagdtrieb, andere Hunde = bäh!! und das dazugehörende "abschalten") hat es geholfen, wo immer möglich Platz zu schaffen, so dass er noch ansprechbar blieb, und wenn er austickte, einfach nur noch managen. Wie du selber schreibst, würde bei ihm nur massives Strafen helfen - und das macht die Situation bestimmt nicht besser. Also wenn er ausrastet: festhalten, Raum schaffen, warten bis er wieder ansprechbar ist. Ich hab mit der Zeit gelernt, Leute auch nett zu grüßen wärend mein Hund an der Leine den Zerberus machte :D aber das ist dann schon Abschlussklasse, anfangs hab ich einfach nur versucht ihn festzuhalten und zu verhindern, dass er in seiner Rage mich beißt weil er nicht weiß wohin mit sich . (Das war bei Lemmy übrigens nie eine Unverschämtheit oder ähnliches - der war einfach so außer sich, der MUSStE beißen. Und außer mir war ja nix da. Hatte lange viele blaue Flecken am SChenkel. ein Glück dass ich keinen wirklich großen Hund hab :D )

 

und im Haus...

versucht es mal mit weniger ach-und-krach, und mehr freundlicher Ansprache. Mit Umwegen anstatt mit dem Kopf durch die Wand. Und vielleicht macht es sinn, erstmal zu sehen was der Hund überhaupt verstehen KANN, bevor sein Nichteinhalten dieser Regeln als "kackendreist" ausgelegt wird. Meistens (nicht immer, aber meistens) ist es eben so, dass der Hund etwas ganz falsch verstanden hat, oder es überhaupt nicht verstanden hat weil es für ihn keinen Sinn ergibt.

Und im Zweifelsfall: bau ihm halt ein super-kuscheliges Plätzchen neben der Couch und bringe ihm (freundlich) bei, auf ein Kommando dorthin zu gehen und dort auch zu bleiben. Dann könnt ihr ihn ganz leicht von dort wo er grade ist wegbekommen. Macht auch Sinn, wenn ihr mal Besuch bekommt - dann heißt es eben mal schnell "Korb" und ihr könnt die Couch mit euren Gästen nutzen, ohne den Hund im Weg zu haben.

 

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Okay, hier gibt es sehr viel zu klären.

Zum Thema Artgenossenaggression: Er reagiert auf Sicht bei jedem Hund, egal ob Rüde oder Hündin. Stellt er fest, dass der angemotzte Hund eine Hündin ist, fein  - die liebt er. Kastraten werden bedingt akzeptiert. Er selber ist nicht kastriert und wird das auch ohne medizinische Indikation nicht. Intakte Rüden dürfen nicht mal knurren, ohne sich eine auf die Nuss abzuholen. Hündinnen und Welpen dürfen einfach alles. 

Und ehe das falsch verstanden wird: Ich finde es SUPER, dass er knurrt. Ich würde dieses Verhalten nie bestrafen. Er signalisiert, dass er etwas scheisse findet und damit arbeite ich gern. Er tut das aber nur, wenn ich nicht da bin. Daher soll mein Freund in meiner Abwesenheit die Möbelstücke für sich beanspruchen. 

Und er fürchtet mich nicht. Er hat keinen Grund. Er liegt allabendlich bei mir im Arm und macht jeden Quark mit. Ich tue alles, um ihn nicht zu ängstigen.

 

Das massive Einwirken: kommt zum Einsatz, wenn er, wie erwähnt, nicht ansprechbar ist. Sprich, er hakt völlig aus, wenn er ein Eichhörnchen sieht, beisst um sich, beißt mir in den Arm, beisst in alles, was sich bewegt. Eichhörnchen weg: Mal schauen, was wir gerade angerichtet haben... Ich belohne, wenn er ein Eichhörnchen sieht und sich zu mir umwendet, so hochwertig wie irgend möglich. Wenn er mir gerade den Arm zerbeißt, bin ich ausgesprochen unlustig und ja, dann strafe ich auch. 

Den Begriff "Dominanz" hab ich nicht umsonst in Gänsefüßchen gesetzt. Im Prinzip empfinde ich diese Theorie als lächerlich. Ich wusste nur diesen Thread nicht besser zu benennen. Ich habe mehrere Hundetrainer besucht. Alle waren mit diesem Hund überfordert. Er ist nicht bösartig, um Gottes willen. Aber ich soll mich bitte an fähigere Menschen wenden, um diesen Hund zu erziehen - nur finde ich keinen, so sehr ich auch suche.

 

Und auch, wenn das für einige nicht so wirken mag - ich liebe diesen Hund. Aber das hier ist nicht das erste Mal, dass wir in meinen Augen missverstanden werden. Ich musste mir schon anhören, dass ich den Köter zu schinden hätte, bis er kotzt, ihn ans Fahrrad zu hängen, bis ihm die Lust am Laufen vergeht (man hänge sich mal einen artgenossenaggressiven Hund ans Fahrrad - eine ganz schlaue Idee).

en Hund ans Fahrrad - eine ganz schlaue Idee).

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Ich hatte es auch so verstanden, dass du so "hart" vorgehst weil er austickt, eben weil nichts anderes hilft.
Also dahingehend habe ich es schon richtig verstanden (Yay! :D ) aber halte es dennoch nicht für zielführend. wenn man SO massiv werden muss, damit der Hund einen wahr nimmt, ist aktives Verhaltensändern nicht möglich Denn so entwickelt sich eine GEwaltspirale - der Hund lernt nur dann aufzuhören, wenn man hart wird - und die sanfteren Signale überhört er schlichtweg.

 

Ebenfalls dort heißt es: wenn er so austickt, - managen. Situation so schnell wie möglich verlassen. Warten bis wieder ansprechbar  DANN erst ansprechen.

 

Meistens übersieht man vor dem punkt an dem der Hund austickt ganz viele Signale. Ohrenstellung, Blickrichtung, Rutenstellung - der Hund erzählt einem in der REgel schon sehr früh, was gleich passieren wird. Es hilft enorm im gesamten Leben mit dem Hund, wenn man wirklich wirklich lernt genau hinzugucken. Nicht nur auf so unsubtile Dinge wie knurren, sondern auf die feinen ZEichen. Je mehr der Hund lern "hey, die hört mir zu" desto williger wird er sein, mit dir zu kooperieren.

 

Ich erzähl mal die GEschichte von Lemmy und mir. Bitte entschuldige, dass ich gleich  vermehrt klein schreiben werde - meine eine Shift-Taste ist verloren gegangen und wenn ich viel schreibe, muss es schnell gehen - daher fällt dann eventuell ein paar mal der Großbuchstabe aus :)

 

Also, Lemmy und ich.

Lemmy war 6 als ich ihn aus dem Tierheim holte. Hatte seinen Vorbesitzer massiv gebissen, schien mir aber wirklich nur nett zu sein - mein gedanke war, dass der Mann wohl sein umsichbeißen an der Leine falsch gedeutet hatte. Jedenfalls hab ich eine ganze Zeit nicht geglaubt, dass dieser Hund wirklich bissig ist, (kleiner spoiler: ist er auch nicht ;) )

 

Ich hab ihn zunächst behandelt wie meine ersten Hunde, ganz normal eben. Erst nach einer Weile zB stellte sich raus, dass er jagt wie ein irrer (und dann stand ich da, 1 Stunde und betete dass der Hund wieder kommt....) und somit musste er im Wald an die Leine. Und mit Hundden verstand er sich auch nicht immer - also auch bei Hundebegegnungen an ddie Leine.

 

Das machte es nicht beser, er zog an der Leine, er wurde wüten wenn andere Hunde kamen (die er nicht mochte - er mochte durchaus ein paar, egal welchen Geschlchts) und ich ging zur Hundeschule und meldete mich hier im Forum an.

Huffa, hab erstmal alle möglcihen Ideen und Ratschläge gelesen, ein paar probiert, ein paar wieder fallen gelassen. Nach dem zweiten Umzug wieder in meine alte Heimat, wo ich ihn auch mal frei laufen lassen konnte weil ich sicher war, dass nicht viel passiet, wurde einiges besser. Nicht besser wurde das jagen ;) aber nun ... dann kam er im Wald eben weiter an die Schleppleine.

Auf den Spazierwegen im Ort war es besser, allerdings lief er immerm al wieder zu anderen Hunden hin und ließ sich nicht mehr abrufen, wenn eine bestimmte Entfernung erreicht war. Das kam dann hin und wieder zu kleineren Kloppereien, nie sehr schlimm aber doch auch unangenehm. Was macht man also - man schimpft wenn der Hund nicht kommt, oder man wird strenger und lässt es zB nicht mehr zu, dass er weiter wegläuft als man möchte, verlangt dass er sofort kommt ... all sowas, das Übliche nehm ich an.

"Der Hund uss sich nach em Menschen richten" war damals die Devise , und naja... dann versucht man halt dem Hund das so beizubringen.

 

Iiiirgendwann fing ich an - bedingt durch's mantrailen, aber auch durch ein paar Beiträge hier im Forum - mehr darauf zu achten, was mein Hund mir eigentlich so die ganze Zeit "erzählt". Wenn er die Ohren spitzte in eine Richtung, hab ich geschaut was da ist. War es ein Hund, kam von mir meist ein "ah, das ist Bello" oder auc "ah, ein Hund - prima, weiter". Kam uns er Hund entgegen, nahm ich ihn an die Leine oder lief einen kleinen Umweg, kannte ich den Hund, ließ ich ihn laufen (bzw wenn ich ihn kannte UND wusste dass es gut geht ;) ). Immer wenn die Aufmerksamkeit meines Hundes sich änderte, von *schnüffelschnüffelschnüffel" zu "huch?" - schaute ich was es war. Und entweder ich nickte nur vpr mich hin, oder sagte sogar etwas - IMMER hab ich es aber durch eine Bewegung kenntlich gemacht dass ich sehe was er mir zeigt.

 

Bis dahin dachte ich mmer, mein Hund und ich hätten eine super Beziehung. Ha! So gut wie dadurch war unsere BEziehung vorher nich im geringsten! Plötzlich, wie durch Zauberhand, fielen all die kleinen störenden Kleinigkeiten in die dazugehörigen Schlüssellöcher. Was ich vorher durch Zwang versuchte  - Hund soll sich an mir orientieren - passierte plötzlich komplett von selber, und zwar vom Hund aus! Dinge die vorher nie liefen - zB warten an kanntsteinen - konnte lemmy nie, hatte ich aufgegeben - lief mit einem Mal großartig. Er fing an darauf zu achten, ob ich langsamer wurde oder schneller, ließ sich viel besser abrufen (kein Wunder - ich hab ja jetzt auch viel früher gesehen dass ich was tun muss ;) ) und insgesamt kann ich sagen, dass ich hoffentlich bei meinem nächsten Hund nicht so lange brauche, bis ich das essentielle erkenne.

Nämlich: Hunde wollen uns gefallen - aber wenn wir sie ständig überhören, ihre Signale übersehen, dann müssen sie massiv anzeigen, was ihnen nicht passt.

lemmy will sich gar nicht ständig kloppen! aber wenn sein mensch so doof ist, und nicht sieht dass da ein Hund kommt ... dann muss er doch was machen! Sonst wird sein armer Mensch am Ende noch von em bösen fremden hund beschnüffelt!

Oder - bei ängstlicheren Hunden, zu denen lemmy nicht gehört ;) ) - das Gefühl, ddass der Mensch die GEfahr total übersieht! und was bleibt einem Hund da anderes übrig, als selber die Situation zu regeln?

 

Ich kann also wirklich, aus vollstem Herzen und aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sagen: Egal wie weit einem die Methoden diverser Trainer bringen ... nichts bringt so viel wie dem Hund zu zeigen, dass man ihn versteht.

 

Every dog want's to be a good dog.

Und jeder Hund wird daran wachsen, wenn wir den grundsatz "quid pro quo" auch auf uns anwenden. Wir wollen mehr Aufmerksamkeit? Dann müssen wir auch welche geben (situationsangepasst, natürlich :) ). Wir wollen ass der Hund gut an der Leine läuft? Dann sollten wir ihm auch die chance dazu geben, und nicht an einer 1,50 Leine gehen, mit der ein Hund mit vierrbeinantrieb automatisch ziehen MUSS weil er einfach schneller vorankommt als der Durchschnittsmensch. Wir wollen dass er keine Hunde prügelt? Dann sollten wir auch zusehen, dass wir seine Warnungen nicht ignorieren. 

 

Kein Tier ist so auf den Menschen fixiert wie der Hund. Kein Tier lernt so schnell die Körpersprache des Menschen wie der Hund - ich finde, wir können durchaus versuchen, ein wenig davon zurück zu  geben und "hundisch" lernen :)

 

 

 

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Ich möchte Lemmys Ausführungen nochmal ergänzen.

Was mir sofort aufgefallen ist, ist der mangelnde Respekt vor dem Hund.

Einfach wenn man so den ersten Beitrag liest.

 

Im zweiten Beitrag relativierst du die Aussage etwas, aber der erste Beitrag stammt ja auch von Dir.

Respekt bedeutet für mich: Ich sehe meinen Hund als eine eigenständige erwachsene Persönlichkeit an und behandle ihn auch so.

Worte wie "Stinker" "Kackbratze" usw. würden mir niemals in den Sinn kommen, wenn ich über ihn rede.

 

Ich würde meinen Hund auch nicht wie ein Kissen hin und her schieben und erwarten, dass er sich das ohne Murren gefallen lässt.

Und ihn schon dreimal nicht grob blocken.

Er hat das Recht, zu knurren, wenn ihm das nicht gefällt. Eine Retrieverleine brauche ich auch nicht um ihn vom Sofa zu ziehen.

 

Zitat

Wenn er bei mir Unverschämtheiten zeigt, fackel ich auch nicht lange und beschränke ihn in seinen Freiheiten.

 

Ich würde mich fragen, was in unserer Beziehung nicht stimmt. Ich kenne "Unverschämtheiten" von meinem Hund nicht.

Wenn man vom Hund Respekt erwartet, muss man ihm erstmal Respekt entgegenbringen. Anders geht das nicht.

Dann ist er mit Sicherheit auch ansprechbar, wenn er anderen Rüden begegnet oder Wild entdeckt.

 

 

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vor 11 Minuten schrieb Bubuka:

Wenn man vom Hund Respekt erwartet, muss man ihm erstmal Respekt entgegenbringen. Anders geht das nicht.

 

Eben. Respekt ist nämlich keine Einbahnstraße :)

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