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Hundeforum Der Hund
Bärenkind

heute wurde ich gebissen - mein erster "Betriebsunfall"

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Wurde von einer Nachbarin um Hilfe gebeten, sie kommt mit ihrem Hund nicht mehr klar. Er hätte schon sie und auch die 3 jährige Tochter gebissen. Ok. Bin heute Morgen da hin, um mir das kleine Kerlchen mal anzusehen.

Vorgeschichte: Ein Terriermischling (sieht etwas aus wie Tibet-Terrier-Rauhhaardackel) aus einem Oups-Wurf. Mit 4 Wochen der Mutter entrissen, nach Portugal exportiert, weil jemand aus der Familie dorthin zog (gebürtige Portugiesen). Dort wurde er der pflegebedürftigen Mutter des Hauses schnell lästig und kam in den Garten, am Seil. Er musste sich in dieser Situation wohl auch gegen streunende Tiere verteidigen. So weit so übel. Da war er etwa 4 Monate alt.

Meine Kundin fuhr mit Familie in den Sommerferien dort hin, sah den Zustand mit dem Hund (es lebt dort die Familie ihres Mannes) und beschloss, da sie vor Jahren schon mal einen Hund hatten, den Kleinen da raus zu holen und ihn wieder mit nach Deutschland zu nehmen. Hier lebt er nun seit 2 Monaten und tut sich logischerweise sehr schwer, sich in eine häusliche Gemeinschaft einzufügen. Der Mann und der große Sohn ignorieren ihn, bei denen klappt alles recht gut. Die Frau versucht ihn zu erziehen, da klappt fast gar nichts und die kleinen Tochter ist natürlich reichlich unkontrollierbar.

Er wurde nun weder von der Hundemutter vernünftig erzogen, was ja gerade in den letzten Wochen vor der Abgabe für Weplen sehr wichtig ist, noch wurde er danach vernünftig auf Menschen sozialisiert, noch vermutlich auf Artgenossen. Er ist jetzt 8 Monate alt und hat bisher 2 Dinge gelernt: Sich durch sein Gebiss zu verteidigen und die Dame des Hauses auf Schritt und Tritt zu kontrollieren.

Wir beide hatten uns nun heute schon eine ganze Weile miteinander beschäftigt, ich konnte schon recht viel beobachten, auch, dass seine Augen sich verändern, wenn man ihn berührt. Die Kundin zeigte mir noch, wie er sich beim Anleinen verhält, die Leine blieb dran und wir machten im Haus einige kleine Führübungen. Ich mit ihm. Einfach, um zu sehen, wie er so tickt. Er versuchte auch, mich sehr stark zu kontrollieren.

Ich begegnete ihm mit totaler Klarheit. Entweder ich ignorierte ihn, oder ich sagte ihm, dass er toll ist, fütterte ihn dann auch, oder sagte deutlich dass ich etwas nicht möchte wie beispielsweise an der Leine rumzerren, was dann auch sofort wieder belohnt wurde, wenn er es ließ. Auch machte ich ihm durch deutliche Körpersprache klar, dass ich mich in diesem Haus sehr wohl so bewege, wie ich das möchte, und mich von ihm sicher nicht ausbremsen lasse.

Dann wollten wir uns gemeinsam sein Körbchen anschauen. Ich lockte ihn mit einem Leckerlie dort hin. Wollte ihn dort streicheln, um ihm zu zeigen, dass es dort sehr schön ist und dann hatte ich ihn an der Hand hängen. Aus einem Reflex versuchte ich ihn so fest zu halten, dass er mich nicht beißen konnte, was mir bisher IMMER glückte. Heute nicht. Er hat mir die linke Hand kräftig zertackert, bis ich die Leine zu fassen kam und ihm den Boden unter den Füßen entziehen konnte. Dort schwebte er dann (am Geschirr) tobend und bellend so lange, bis er sich beruhigte. Ich setzte ihn wieder in seinen Korb. Er bellte und wollte mich attackieren. So griff ich die Leine wieder und er schwebte erneut in den Korb.

Es fiel mir nicht leicht, aber ich war im Korb total freundlich zu ihm und erzählte ihm, wie toll er das macht. Meine Kundin war der Ohnmacht nahe. Das wiederholten wir einige Male, denn um nichts in der Welt hätte ich, obwohl ich blutete und zitterte, in diesem Moment nachgegeben. Dann wäre alles umsonst gewesen.

Was ich total erstaunlich fand, er ließ sich danach von mir füttern und auch wieder anfassen. Ja ich weiß, es mag bekloppt sein, ihn noch mal anfassen zu wollen, aber es war mir super super wichtig, nach diesem "Streit" sein richtiges Verhalten wieder positiv zu verstärken.

Wie geht es jetzt weiter? Die Kundin hat Angst um ihre Tochter. Zu recht. Er hat nicht eine Sekunde vorgewarnt. Das hatte er bei ihr auch nicht. Er beißt direkt zu und hackt dann wie ein Wilder weiter auf die Hand ein. Terrierwahn...

Ich habe versprochen, heute noch mal hin zu gehen, um die Tochter im Haus zu beobachten. Eigentlich will sie den Hund weggeben. Eigentlich aber auch wieder nicht. Die einzige Unterstützung, dass sie das schaffen kann, bekäme sie von mir. Ihr Mann will den Hund nach allem, was war, sowieso schon nicht mehr. Das von mir darf er gar nicht erfahren, dann ist der Hund heute noch im Tierheim.

SIE könnte sich ausreichend schützen, wenn der Hund im Haus eine Mini-Schleppleine trägt. Damit bekommt sie ihre Hände außer Reichweiter und kann sich trotzdem durchsetzen. Aber wie schütze ich das Kind? Maulkorbgewöhnung? Schafft die Frau die konsequente Arbeit mit dem Hund, während das Kind dabei ist? Darf ich nach dem, wie meine Hand aussieht, einem weiteren Zusammenleben von Kind und Hund überhaupt zustimmen/zuraten?

Werde gleich wieder hin gehen und noch mal über alles sprechen. Musste ja erst mal zum Impfen... Was hätte der Hund woanders für eine Chance??? Wer nimmt so einen Hund? Er ist klein, supersüß, aber er dürfte nur zu jemandem, der ganz, ganz genau weiß, was er tut. Nun wurde er 3x raus gerissen. Verkraftet er noch ein weiteres Mal? :heul: :heul: :heul: :heul:

Ich bete von ganzem Herzen für eine gute Intuition, wenn ich gleich oder in den nächsten Tagen (wir wollten alle noch mal drüber schlafen) maßgeblich an einer Entscheidung beteiligt sein werde... Bitte drückt mir die Daumen.

LG Eure getackerte Anja

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:o Auweia, Anja, das hört sich ja nicht gut an! :o

Hat`s dich böse erwischt?

Ich drücke dich mal aus der Ferne! :knuddel

Ich drücke die Daumen, dass ihr alle gemeinsam zu einer Lösung kommt, die der Familie und dem Hund hilft!

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:o Tut mir auch sehr Leid, und ich hoffe du bekommst das hin, ohne weiteren Zwischenfall :???

Das ist immer schlimm, wenn man von solchen Tieren hört, und gerade bei Kindern, ist das auch sehr schwirig, da was zu bestimmen.

Da benötigt man schon ne ganze Menge Feingefühl, aber ich denke, dass du dieses nötige Feingefühl besitzt, und drücke dir ganz feste alle Daumen und Pfoten :holy:

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Aujeh, das hört sich ja wirklich nicht gut an :( scheint ein schwieriger Fall zu sein der kleine "Wüstling" :(

Ich drücke Dir erstmal die Daumen das gleich nichts weiteres geschieht, er Dich wieder attackiert oder dergleichen und Du die richtige Entscheidung treffen kannst, mit einer 3 jährigen dabei ist das ja nun auch nicht einfach :(

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Ich finde es unverantwortlich, mit einem 3-jährigen Kind einen Hund mit solcher Vergangenheit zu nehmen!

Er ist erst 8 Monate alt, er kontrolliert und beisst!!

In einem anderen Tread wurde gerade immer betont, wie sehr ein 5 Monate alter Hund noch Baby ist!

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In einem anderen Tread wurde gerade immer betont, wie sehr ein 5 Monate alter Hund noch Baby ist!

Ich denke, dass kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen, da die Hunde eine VÖLLIG anders gelagerte Vorgeschichte haben!

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:( Auweia :(

Ich hoffe er hat dich nicht zu schlimm erwischt.

:respekt::respekt::respekt::respekt::respekt: das du da überhaupt nochmal hingehst und dir so viele Gedanken machst. Finde ich echt toll.

Das ist ein schere Sache. Mit einem Kind finde ichdas ganze noch schlimmer als wenn kein Kind wäre.

Meine Meinung ist, das man so einen Hund, der auch noch ohne Vorwahrnung, beißt nie wieder komplett gefahrenlos begegnen kann. Das wäre nicht so schlimm bei einem Erwachsenen, der kann vielleicht bestimmt Anzeichen sehen, oder weiß zumindest was er tut.

Das Kind leider nicht.

Die einzige Chance meiner Meinung nach ist den Hund zu einem Trainer zu tun. Und raus aus der Familie und ihn da zu trainieren. Die Gafhr das dem Kind etas passiert finde ich zu groß.

Eigentlich sehe ich überhaupt keine Möglichkeit diesen Hund in der Familie zu lassen.

Einen neuen Platz für Ihn zu finden stellt sich bestimmt sehr schwer dar. Ich würde so einen Hund nehmen, weil ich der Meinung bin das ein Hund so etwas lernt. Aber ich habe ja schon einen.

Leider gibt es nicht viele Leute die sich die Arbeiot antun, und dann keine Angst haben.

Also eine Lösung kann ich dir leider nicht geben. :(

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Hi,

als Mutter und Hundebesitzer wäre mir der Umgang mit einem solchen Hund in Verbindung mit einem 3-jährigen Kind zu heiß.

Ich denke aber nicht, dass der 5 Monate alte Hund mit diesem 8 Monate altem Hund zu vergleichen ist, da die Grundvoraussetzungen wohl völlig anders sind.

Anja, ich wünsche, dass du auch hier deine Erfahrungen und deinen gesunden Menschen- und Hundesachverstand einsetzen kannst, um für beide Seiten die richtige Lösung zu finden.

LG Manuela

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Erstmal wünsch ich deiner Hand gute Besserung!

Ich kann mich dem nur anschließen, dass aufgrund der Vorgeschichten die Hunde nicht vergleichbar sind!

Aber auch mir wäre die Situation mit einem kleinen Kind zu gefährlich...

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Hallo Anja,

erst einmal puste ich virtuell auf deine verletzte Hand ;) , ich hoffe das keine Entzündung hinterherkommt!

Und nun zu dem Hund................hmmm, ich muß ehrlich sagen das ich schon Angst um das Kind habe, beißt der Kleine denn *nur* in die Hand, oder versucht er auch in den Arm, Gesicht oder wohin auch immer zu beißen?

Das ganze *schönzureden* (wie in deinem Fall, Frau mag es Ehemann nicht sagen), ist auch keine Lösung..........irgendwann ist der Punkt erreicht wo man es nicht mehr tollerieren kann....schlechte Welpenzeit, Seil, sich wehren müssen gegen fremde Hunde usw.,......die Sicherheit des Kindes geht in meinen Augen vor!

Ich denke du wirst mit der Halterin eine vernünftige Lösung finden, und so hart wie es klingt......wenn in der nächsten Zeit nicht eine starke Verbesserung eintritt.........muß der Hund weg, so schlimm es für ihn auch ist!

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