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Hundeforum Der Hund
Laikas

Angsthund und Altersschwäche

Empfohlene Beiträge

Hallo,

mein unkastrierter Rüde ist 14 Jahre und lebt seit 9 Monaten bei mir. Er bekommt wegen einer Schilddrüsenunterfunktion seit 6 Monaten morgens und abends Thyroxin. Das Thyroxin scheint ihn lebendiger, aktiver, aber scheinbar auch ängstlicher zu machen. Er stammt aus dem Tierschutz und wurde wohl von Privatleuten jahrelang isoliert in einem Garten gehalten, deshalb war er hier bei mir immer sehr unsicher draußen. Er ist noch ziemlich fit, sehr sensibel und lernt schnell. Er wirkt auf mich wie ein scheuer Straßenhund, der Menschen zwar kennt, aber sie nur interessant findet, wenn sie was zu essen fallen lassen. Er hat sie bisher völlig ignoriert, wenn sie nichts von ihm wollten.

 

Die grösste Veränderung seit kurzem ist die gegenüber Hunden, weshalb ich hier auch schreibe. Er hielt sie anfangs abweisend und etwas grummelig alle auf Abstand, schnüffelte auch nie an ihnen, aber er blieb cool und entspannt, wenn die anderen das respektiert haben oder er blieb einfach stehen, grummelte rum und wartete bis sie wieder abrückten. Er hat draußen auch markiert und gescharrt dabei und er schien ein gewisses "Standing" bei den anderen zu haben. Ich hatte das Gefühl, dass er unter Hunden gar nicht so ein verhuschter Prügelknabe ist (wie jetzt leider), sondern eher ein mürrischer Senior, der mit anderen Hunden nichts mehr zu tun haben will und sich notfalls auch zur Wehr setzen kann. Seit kurzem flüchtet er aber vor jedem Hund, sobald er sie von weitem sieht. Das scheint mit einem Angriff vom Hund der Nachbarn zusammen zu hängen, der womöglich ein Fass zum Überlaufen gebracht hat. Der winzige Nachbarshund hat Angst und prollt dann rum. Diesmal pirschte er sich hinter einem Auto an uns ran und rannte plötzlich zwischen den geparkten Autos auf meinen Hund los, als wir vorbeigingen, und sprang ihm bellend vorne an den Hals. Mein Hund flüchtete erschrocken, so weit die Leine reichte. Seitdem markiert er draußen nicht mehr und verhält sich wie am Tag seiner Ankunft hier: alles, wirklich alles, Lichter, jeder Spaziergänger, Schatten sind jetzt spooky und gefährlich, er will am liebsten zuhause bleiben. Was die Eingewöhnung hier angeht, stehen wir wieder auf Null. Was schwach und ängstlich ist, scheint Angriffe anzuziehen.

 

Gesundheitlich geht es ihm scheinbar relativ gut, er frisst und trinkt gut. Sein Herzproblem ist mit Medis gut eingestellt, Harnstoff und Phosphor waren zu hoch im Blut, aber nichts dramatisches. Die Schilddrüsenwerte sind immer noch im unteren Drittel des Normalbereichs, aber sein Hausarzt sagt, das sei so okay. Er könnte eigentlich anfangen, noch ein paar schöne Spaziergänge hier zu genießen, denn er ist ein Läufer. Als es wärmer wurde, mochte er auch schon nicht mehr aus dem Haus. Spätabends ging es dann wieder. Ist ja normal in dem Alter, dachte ich. Jetzt sorge ich mich, dass er vielleicht einen Tumor ausbrütet... Womöglich hat er Schmerzen und will sich lieber verkriechen. Sehen die Hunde da mehr als ich? Ich las mal, dass Herzkrankheiten sogar selbstbewusste Hunde sehr ängstlich machen können. Vielleicht kommt das dazu?

 

Ich frage mich auch: Kann die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion das "wahre" Wesen eines Hundes zum Vorschein bringen, also aus einem lethargischen, eher depressiven Hund einen wieder handlungsfähigen (und flüchtenden) machen? Oder habe ich es einfach nicht erkannt, dass er ein extremer Angsthund ist, der laufend von mir überfordert wurde und jetzt genug hat? Ich verstehe einfach nicht, warum er sich jetzt so verändert hat. Ist die Schilddrüse womöglich falsch eingestellt? Oder liegt es am Sommer und an der Tagesform bei herzkranken Senioren? Seine Ängstlichkeit unterliegt auch gewissen Schwankungen, mal verhält er sich relativ normal, ein paar Stunden später ist alles furchterregend und er kennt mich draußen nicht mehr. Eine beginnende Demenz würde man doch auch zuhause bemerken und da ist alles in Ordnung mit ihm.

 

Vielleicht kennt jemand das ja. Ich gehe in drei Wochen zu einem Trainer, der sieht ihn ja dann vor Ort, aber ich wäre dankbar für ein paar Erfahrungen oder Ideen.

 

Danke und viele Grüße

Laikas

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Ohoh - das liest sich nach einer sehr kompakten Baustelle, erst mal: Schön dass du dir die Mühe gemacht hast, das so umfassend zu schildern :)

 

... und sehr schön, dass du einem alten Hund noch einen schönen Lebensabend ermöglichst :kuss:

 

Du scheinst dich schon sehr intensiv mit einigen Aspekten befasst zu haben, und das macht dich gerade sehr unsicher.

Von daher ist ein geschultes Auge "vor Ort" sicher die beste Möglichkeit, um individuelle Hilfe zu erhalten.

 

Kommt dieser Trainer denn zu dir nach Hause, um den Hund zunächst  in seinem häuslichen Umfeld zu erleben?

Was aber noch wichtiger ist: Ist dieser Trainer geschult im verhaltenstherapeutischen Bereich oder Hundespychologe?

 

Irgendwelche "Methoden", gleich welcher Art, werden hier wohl wenig Sinn machen, denn es geht um die passende soziale Unterstützung, die dein Hund von dir benötigt.

 

Dein Ziel ist, diesem Hund noch so viel Lebensqualität zu bringen, wie es für ihn in seinem Alter noch möglich ist.

 

Die durch die Isolation verlorenen Jahre kannst du ihm nicht zurück geben - aber wohl einen komfortablen, sicheren Altersplatz, in welchem ihm noch mal all die liebevolle MENSCHLICHE Zuwendung gegeben wird, die er verdient hat.

 

Rein intuitiv würde ich nicht mehr das Ziel verfolgen, diesen Hund möglichst umweltsicher (im Sinne von Abbau der Ängstlichkeit in allen möglichen Umweltbedingungen) zu machen, sondern einen strukturierten, gleichbleibenden Tagesablauf anbieten, der möglichst wenig ungeahnte Stresssituationen bringt.

Hundekontakte würde ich nur noch sehr ausgewählte zulassen, ansonsten wirklich die gemeinsame, kontrollierte "Flucht" anbieten - was nichts anderes heißt, als dass du sehr selbstsicher und aktiv mit ihm gemeinsam ausweichst und großen Sicherheitsabstand zu anderen Hunden einhälst. 

So gehst du auf sein derzeitiges Befinden ein, und womöglich erreichst du dadurch bei ihm die Erkenntnis, dass er in dir auch bei den Spaziergängen einen verlässlichen Partner hat, der auf ihn eingeht und Sicherheit gibt.

 

Das wäre jetzt so mein Ansatz aus der Ferne, der sich mehr auf die psychologischen Aspekte stützt.

 

Selbst WENN die Medikamente seine Ängstlichkeit verstärken - du kannst sie ja nicht absetzen :)

 

Ihr habt alle meine guten Wünsche für eine noch schöne, lange gemeinsame Zeit :kuss:

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Das ist schön, dass der alte Herr bei dir noch ein neues Leben anfangen darf. Ich sehe das wie marcolino: Genießt die Zeit gemeinsam und gib ihm einfach soziale Unterstützung.

 

Bei deiner Schilderung seines Verhaltens hätte ich weniger die Schilddrüsenmedikamente "in Verdacht", eher die Herzmedikamente. Es gibt für Hunde Herzmedikamente, die für Menschen bei uns nicht zugelasen sind, weil sie (u.a.) heftige psychische Nebenwirkungen haben können: Unruhe, Angstzustände, Halluzinationen. (Hat mir ein Tierarzt so erklärt.) Vielleicht schaust du mal aus dieser Sicht auf das Verhalten deines Hundes? Du wirst die Medikamente ja nicht absetzen können, aber vielleicht gibt es Alternativen? Oder es erklärt sein Verhalten vielleicht besser, was dir den Umgang damit erleichtert. Ich wünsche euch auch noch eine lange schöne gemeinsame Zeit!

 

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Eine SDU ist eine sehr komplexe Sache, tatsächlich kennen sich nur recht wenige TAs wirklich damit aus (was überhaupt rein gar nichts gegen deinen TA heißen soll), die vom Labor angegebenen Referenzbereiche sind leider null aussagekräftig. Es kann sein, dass auch wenn dein Hund im Referenzbereich liegt aber wie du sagst im unteren Drittel das er einfach mehr braucht.

Mein Hund liegt über dem Referenzbereich und erst da ist es für ihn gut. Ängste, verstärkte Ängste können durchaus durch eine SDU kommen (mit dem Herzen kenne ich mich nicht wirklich aus) deutet aber eher darauf hin das die Dosierung zu gering ist. Und ja wenn ein Hund richtig eingestellt ist kann sein wahres Wesen zum vorschein kommen, aber selten liegt es dann im ängstlichen Bereich... mein Hund ist erst 2,5 Jahre und zeigte die gleiche Symptome....

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vor 6 Stunden schrieb marcolino:

Kommt dieser Trainer denn zu dir nach Hause, um den Hund zunächst  in seinem häuslichen Umfeld zu erleben?

Was aber noch wichtiger ist: Ist dieser Trainer geschult im verhaltenstherapeutischen Bereich oder Hundespychologe?

 

Der Trainer hier vor Ort ist laut seiner Website zertifizierter Hundetrainer und Tierpsychologe (ATN) und hat ein Studium der Tierpsychologie mit Abschluss Diplom Tierpsychologe / Hund 04/1998, Akademie für Tiernaturheilkunde, Schloss Hilfikon/Schweiz. Aber was ich wichtiger finde: ich sehe ihn hier seit 20 Jahren mit Trainingsgruppen und seinen eigenen Hunden herumlaufen. Er wird mir zumindest beibringen können, wie ich freilaufende Hunde auf Abstand halte (bin auf dem Dorf) und meinem Hund mehr Sicherheit vermitteln und noch etwas Lebensqualität geben kann - soweit machbar auch außerhalb meiner vier Wände. Ich glaube, er braucht da bei uns eher Menschenpsychologie :10_wink:

 

vor 6 Stunden schrieb marcolino:

Irgendwelche "Methoden", gleich welcher Art, werden hier wohl wenig Sinn machen, denn es geht um die passende soziale Unterstützung, die dein Hund von dir benötigt.

Die durch die Isolation verlorenen Jahre kannst du ihm nicht zurück geben - aber wohl einen komfortablen, sicheren Altersplatz, in welchem ihm noch mal all die liebevolle MENSCHLICHE Zuwendung gegeben wird, die er verdient hat.

 

Ja, ich bin da wohl zu naiv rangegangen. Es stimmt, die Jahre hätte ich ihm gern noch schnell, bevor er sterben muss, ersetzt, denn es gibt hier jede Menge Bach, Fluss und Wälder und freundliche Hundekontakte. Ich war halt gern mit ihm abends zwischen den einsamen Getreidefeldern unterwegs, auf dem Boden sitzen und Leckerlis im Gras suchen lassen und horchen, was für Geräusche vom weit entfernten Dorf rüberwehen. Das einzige Mal, dass ich ihn hab lachen sehen, war dort auf einem Feldweg, rechts und links und mittig hohes Gras und ich zeigte ihm die rechte Spur, ich blieb auf der linken. Er hat es sofort kapiert und wir sind nebeneinander losgelaufen und er hat sich gefreut. Er freut sich sonst nie, wedelt extrem selten, aber in diesem einen Moment hat es ihm Spaß gemacht durchs hohe Gras zu rennen. Aber ich habe das Pferd wahrscheinlich von hinten aufgezäumt, nur um das einmal sehen zu können.

 

vor 6 Stunden schrieb marcolino:

Rein intuitiv würde ich nicht mehr das Ziel verfolgen, diesen Hund möglichst umweltsicher (im Sinne von Abbau der Ängstlichkeit in allen möglichen Umweltbedingungen) zu machen, sondern einen strukturierten, gleichbleibenden Tagesablauf anbieten, der möglichst wenig ungeahnte Stresssituationen bringt.

 

Einen berechenbaren Tagesablauf hat er, aber ich habe wohl auch den Fehler gemacht acht Tage hintereinander zum Tierarzt mit ihm zu laufen (Mandelentzündung und Antibiotika spritzen) und das mit einem Spaziergang zu verbinden. Er scheint jetzt zu denken, da draussen gibt es nach dem Rausgehen nur Hundeüberfälle, den Arzt mit Spritzen und Hitze und wenn er Glück hat, passiert nichts Schlimmes und auf mich ist kein Verlass, denn ich führe ihn da noch mitten rein. Er hat mir auch schon mal nach einer schreckenerregenden Autofahrt zur Kardiologin signalisiert, dass er mich draußen nicht mehr begleiten will, obwohl ich ihm kurz danach nur einen Platz neben mir im Schatten angeboten habe. Der Blick sprach Bände. Aber er muss ja nun mal öfter zum Arzt.

 

vor 6 Stunden schrieb marcolino:

Hundekontakte würde ich nur noch sehr ausgewählte zulassen, ansonsten wirklich die gemeinsame, kontrollierte "Flucht" anbieten - was nichts anderes heißt, als dass du sehr selbstsicher und aktiv mit ihm gemeinsam ausweichst und großen Sicherheitsabstand zu anderen Hunden einhälst. 

So gehst du auf sein derzeitiges Befinden ein, und womöglich erreichst du dadurch bei ihm die Erkenntnis, dass er in dir auch bei den Spaziergängen einen verlässlichen Partner hat, der auf ihn eingeht und Sicherheit gibt.

 

Das wäre jetzt so mein Ansatz aus der Ferne, der sich mehr auf die psychologischen Aspekte stützt.

 

Ja, sowas in der Art dachte ich mir auch. Ich muss ihn deutlich spürbar abschirmen. Zum Glück ist er ein schlauer Bursche, vielleicht müssen wir nochmal sehr kleinschrittig bei Null anfangen.

 

vor 6 Stunden schrieb marcolino:

Selbst WENN die Medikamente seine Ängstlichkeit verstärken - du kannst sie ja nicht absetzen :)

 

Ich frage mal seine Kardiologin wegen der psychologischen Wirkung seiner Herzmedis und schaue, ob ich einen Schilddrüsenspezialisten finde.

 

vor 6 Stunden schrieb marcolino:

Ihr habt alle meine guten Wünsche für eine noch schöne, lange gemeinsame Zeit :kuss:

 

Vielen Dank! Die TA-Prognosen lagen ja bei 3-6 Monaten Lebenszeit, ist nun doch etwas länger geworden :) Wir haben diesen fiesen Sommertag jetzt auch überstanden: endlich Regen!!

 

Auf jeden Fall herzlichen Dank für alle Antworten hier und viele Grüße

Laikas

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@Laikas

Du siehst die Geschichte insgesamt erstaunlich gut. Du wirst es schon schaffen, denn: Einsicht ist......

Viel Glück

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