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Diskussion: Würde ein verhungernder Hund sein Herrchen als potentielle Beute ansehen?

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Ytuberem   
vor 4 Minuten schrieb Lexx:

Ich glaube du weißt noch nicht so viel über Hunde, oder? Hast du einen Hund?  (Das ist wirklich nicht böse gemeint, ich verstehe dann deine Überlegungen).

 

Es geht nicht um ein "moralisches" Problem. Tiere kennen keine Moral nach unseren Vorstellungen. Sieh es eher als ein: "nicht auf die Idee kommen". 

 

Bei sozial lebenden Tieren, auch Menschen, haben sich im Laufe der Evolution  bestimmte Verhaltensregeln als sinnvoll herausgestellt. Eine davon ist das Sozialpartner nicht getötet werden um sie zu essen. Das ist einfach nicht sinnvoll, weder für Menschen, noch für Hunde, da sie Lebewesen sind die ihre Stärke durch die Gemeinschaft bzw. die Abhängigkeit zum Menschen erfahren.

 

 

Ich bin mit Hunden aufgewachsen und wir haben derzeit zwei Familienhunde, aber keine Angst, habe ich auch nicht böse aufgenommen. 

 

Deßhalb habe ich es auch angezweifelt, das "moralische" war eher scherzhaft gemeint. Mir ist klar dass das Leben im Rudel einen evulotionären Vorteil gebracht hat, aber darum geht es nicht. Es geht um die besagte Extremsituation, in welcher der Hund keinen weiteren Vorteil aus dem Leben innerhalb eines Rudels zieht. In genau dieser Situation bringt einem Hund nämlich diese Sozialstruktur rein garnichts. 

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Ytuberem   
vor 7 Minuten schrieb Lexx:

 

Ich bin schon viel gereist, viel auch in Asien. Glaub mir, da gibt es genug wehrlose Personen. Kleinkinder werden in sozial schächeren Gegenden vieler Länder dort nicht so überwacht wie hier. Selbst für einen geschwächten 12 kg Hund wäre es kein Problem ein 1 jähriges Kind zu erbeuten. 

Kann ich nicht einschätzen, vielleicht sieht ein Straßenhund den Menschen generell dennoch als Bedrohung an, schwer zu sagen. 

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marcolino   

Warum glaubst du dann trotzdem, dass ein Hund sich über bindungs- und beziehungswirksame Verhaltensweisen hingwegsetzen könnte?

 

Das hat nichts mit Moral zu tun, sondern mit einfachen, grundlegenden Verhaltensweisen von Säugetieren.

 

Das hier war der Ausgangspunkt des Themas:

Zitat

 

Hierauf sagte die Mutter meiner Freundin, dass ihr Hund dies ja niemals tuen würde, egal unter welchen Bedingungen. 

 

Wir selbst besitzen auch Hunde, aber ich würde es nicht generell ausschließen dass ein Hund dies in einer solchen Situation tuen würde. 

 

Ich vermute, dass ein Hund, welcher wirklich am verhungern ist, sehr triebgesteuert agieren würde. 

 

Die Mutter deiner Freundin hat Recht mit ihrer Behauptung, ihr eigener Hund würde dies nie tun (sofern er nicht darauf abgerichtet ist und mit Menschenfleisch gefüttert wird, welches er selber erlegen durfte ... ). Aber wir gehen ja von ganz normal als Familienmitglied gehaltenen Hunden aus.

"Triebgesteuert" ist ein veralteter Begriff, der in der Verhaltensbiologie keine Anwendung mehr findet und statt dessen durch "Motivation" ersetzt wird. Aus gutem Grund - weil Motivation viel deutlicher beschreibt, von wie viel mehr Faktoren Verhalten beeinflusst wird, als es der Begriff "Trieb" - als Synonym für nicht beeinflussbare Verhaltensweisen - vermag.

Zitat

Desweiteren glaube ich nicht dass es hier eine "moralische" Hemmschwelle gäbe, da das Leben im Rudel für den Hund ja doch eher Zweckorientiert ist. 

 

 

Um diese Zweckorientiertheit tatsächlich zu erreichen, verfügen gerade höhere Säugetiere - zu denen auch der Hund zählt - über ein sehr komplexes, differenziertes Sozialverhalten.

Hohe Beziehungs- und Bindungsfähigkeit ist ein Merkmal dieses Sozialverhaltens, und das lässt sich auch durch Hunger nicht außer Kraft setzen.

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gast   
vor 1 Minute schrieb Ytuberem:

Es geht um die besagte Extremsituation, in welcher der Hund keinen weiteren Vorteil aus dem Leben innerhalb eines Rudels zieht. In genau dieser Situation bringt einem Hund nämlich diese Sozialstruktur rein garnichts. 

 

Aber "angelegt" ist das Verhalten trotzdem. Bisher sprechen wir Hunden ja höhere kognitive Leistungen ab, man geht davon aus dass sich Hunde auf dem Niveau eines etwa 3 jährigen Kindes befinden.. Solche Überlegungen wie : jetzt bringt mir mein Frauchen nichts mehr, jetzt kann ich es auch essen, würde erstmal voraussetzen dass ein Hund auf einem sehr hohen Niveau überlegen könnte (as sehr unahrscheinlich ist) , und 2. ihm die Bindung und ja "Liebe" zu seiner Familie absprechen.

 

 

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marcolino   
vor 8 Minuten schrieb Ytuberem:

In genau dieser Situation bringt einem Hund nämlich diese Sozialstruktur rein garnichts. 

 

Es ist genau umgekehrt: Wenn Sozialstruktur etwas Instabiles wäre, unzuverlässig und aushebelbar durch Extremsituationen - dann verliert sie ihren Sinn für die Vorteilhaftigkeit des Überlebens.

 

Du kennst den Unterschied zwischen Beute und Sozialpartner?

 

 

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Ytuberem   
vor 11 Minuten schrieb marcolino:

Warum glaubst du dann trotzdem, dass ein Hund sich über bindungs- und beziehungswirksame Verhaltensweisen hingwegsetzen könnte?

 

Das hat nichts mit Moral zu tun, sondern mit einfachen, grundlegenden Verhaltensweisen von Säugetieren.

 

Das hier war der Ausgangspunkt des Themas:

 

Die Mutter deiner Freundin hat Recht mit ihrer Behauptung, ihr eigener Hund würde dies nie tun (sofern er nicht darauf abgerichtet ist und mit Menschenfleisch gefüttert wird, welches er selber erlegen durfte ... ). Aber wir gehen ja von ganz normal als Familienmitglied gehaltenen Hunden aus.

"Triebgesteuert" ist ein veralteter Begriff, der in der Verhaltensbiologie keine Anwendung mehr findet und statt dessen durch "Motivation" ersetzt wird. Aus gutem Grund - weil Motivation viel deutlicher beschreibt, von wie viel mehr Faktoren Verhalten beeinflusst wird, als es der Begriff "Trieb" - als Synonym für nicht beeinflussbare Verhaltensweisen - vermag.

 

Um diese Zweckorientiertheit tatsächlich zu erreichen, verfügen gerade höhere Säugetiere - zu denen auch der Hund zählt - über ein sehr komplexes, differenziertes Sozialverhalten.

Hohe Beziehungs- und Bindungsfähigkeit ist ein Merkmal dieses Sozialverhaltens, und das lässt sich auch durch Hunger nicht außer Kraft setzen.

Weil es um eine Extremsituation geht. In eben solch einer Situation sind auch Menschen zu Dingen imstande, die sie selbst nie für möglich gehalten hätten. Und in solch einer Situation habe ich unsere Hunde noch nicht erlebt, dementsprechend weiß ich dies nicht einzuschätzen und kann lediglich spekulieren. 

 

Mir ist klar das Hunde über ein ausgeprägtes Sozialverhalten verfügen. Die eigentliche Frage ist jedoch, ob dieses durch eine oben geschilderte Situation ausgesetzt werden kann. Auf den Menschen bezogen halte ich dies nämlich traurigerweise für sehr wohl realistisch. Da Nahrung ein Grundbedürfniss darstellt kann ich mir sehr wohl vorstellen dass dies das Verhalten maßgeblich prägen könnte. 

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marcolino   

Na ja - der Mensch ist das gefährlichste Raubtier auf der Welt, zu Dingen imstande, die in der Vorstellung von sonstigen Säugetieren nicht existieren.

Hier würde ich menschenmögliches Verhalten nicht auf andere Tiere übertragen, und auch nicht auf den Hund.

 

Du hast meine Frage nicht beantwortet :)

 

 

 

 

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Siobhan   

Hm...es gab doch schon den Fall, wo ein Hund seinem noch lebendem Besitzer im Schlaf die Zehen abgefressen hat. Der Mann hatte schwere Diabetis und das nicht bemerkt. Der Hund war allerdings nicht am Verhungern, die Motivation unklar.

Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, daß ein Hund seinen Besitzer frißt, aber ich würde nie nie sagen. 

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Ytuberem   
vor 6 Minuten schrieb marcolino:

 

Es ist genau umgekehrt: Wenn Sozialstruktur etwas Instabiles wäre, unzuverlässig und aushebelbar durch Extremsituationen - dann verliert sie ihren Sinn für die Vorteilhaftigkeit des Überlebens.

 

Du kennst den Unterschied zwischen Beute und Sozialpartner?

 

 

Bis zu einem gewissen Grad des "Hungers" kann ich diese Argumentation nachvollziehen. Aber wie eben schon geschrieben geht es um die Extremsituation des bevorstehenden Hungertods.  

 

Interessant wären wirklich Belege, wie Wildtiere im Rahmen eines Rudels bei starkem Hunger reagieren. Ich habe nur bei Wölfen einmal gelesen dass diese Nachkommen der rangniedrigeren Weibchen töten, damit die Nachkommen der Leitwölfin genug Milch haben und überleben können. 

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Ytuberem   
vor 8 Minuten schrieb marcolino:

Na ja - der Mensch ist das gefährlichste Raubtier auf der Welt, zu Dingen imstande, die in der Vorstellung von sonstigen Säugetieren nicht existieren.

Hier würde ich menschenmögliches Verhalten nicht auf andere Tiere übertragen, und auch nicht auf den Hund.

 

Du hast meine Frage nicht beantwortet :)

 

 

 

 

Tut mir leid, ich lebe nicht für diese Diskussion, auch wenn ich sie als äußerst interessant empfinde. ;)

Dementsprechend können Antworten auch mal ein paar Minuten dauern. 

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