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Hundeforum Der Hund
PawSitive

Wie ein "Problemhund" mir mit ADHS geholfen hat

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Hallo ihr! 

Also da ja viele verzweifeln, möchte ich euch eine Geschichte erzählen, die vielleicht etwas zuversichtlich macht und euch bestenfalls Druck nimmt.

Zuerst etwas info über mich: ich habe ADHS im Erwachsenenalter. Das hat gute und schlechte Seiten und ist nicht jeden Tag gleich. Ich kann mir nicht aussuchen auf was ich mich konzentrieren kann und auf was nicht. Ich langweile mich schnell und werde dann zappelig. Vielleicht ein bisschen so wie ein Hibbelhund. 

Jetzt könnte man meinen, dass man einen Menschen wie mich nicht mit einem Hibbelhund zusammentun sollte. Habe ich auch immer gedacht. Und dann traf ich Tom. 

Mein damaliger Freund wollte am Wochenende mehr mit mir unternehmen und wir lieben beide Hunde, konnten aber selber keinen halten. 

Also riefen wir im Tierheim an und fragten, ob wir an Wochenenden gassi gehen dürfen. Wir hätten beide nicht gedacht dass das bei diesem Tierheim mit so viel Verantwortung verbunden ist. Verantwortung fand ich bisher eklig, denn Zuverlässigkeit bekam ich nicht gebacken. Aber gut, dafür gab es süße Hunde. Man kann ja mal testen. 

Zu meinem Entsetzen bekamen wir nach den ersten Gassigängen im Begleitung gleich den Schlüssel zum Tierheim und durften füttern und Medikamente geben und sogar zur Hundeschule. Es war eine Ehre, aber gleichzeitig hatte ich auch Riesenbammel, dass ich es versauen  würde. Und dann kam Tom. 

Eines Tages saß er im Zwinger und bellte mich an. Tom ist ein American Staffordshire Terrier und ich dachte, oh nein, der entspricht den Vorurteilen leider wirklich. 

Wie sich herausstellte, war Tom bei Menschen der pure Zucker, treudoof und der Schwanz wedelte nicht, sondern propellerte. 

Leider sah das draußen erstmal anders aus. Er rannte auf den Hinterläufen Gassi, so sehr hing er in der Leine. Wenn er einen anderen Hund sah, wollte er ihn zerfleischen. Wir dachten alle, das wäre nur Leinenagression, bis es einen Beißvorfall gab. 

Von Anfang an bekamen wir viel Beistand von der Chefin J, die deutlich mehr Erfahrung hatte, als ich. Mein Wissen war zwar umfangreich, aber nur in der Theorie. 

Wir gingen jeden Samstag mit Tom zur Hundeschule und fragten und hinterfragten, bis es nervig wurde, aber es half. Hundetrainers Methoden zu hinterfragen war nicht die schlauste Idee aller Zeiten gewesen, aber einiges tat ich letztendlich doch anders, weil es sich richtig anfühlte. 

Das wichtigste hatte diese Hundetrainerin jedoch super in mich eingetrichtert, zusammen mit J: Gelassenheit. Ruhe bewahren. Auf die eigene Körpersprache noch mehr achten, als auf die des Hundes. Das war der Schlüssel zum Erfolg bei Tom und ich wollte ihm helfen, sich entspannen zu können. 

Ich lernte, warum der Hund hinter einem gehen soll, vor allem aus der Tür. Nicht wegen der nicht vorhandenen Dominanz, sondern weil man unsicheren Hunden die Arbeit abnimmt, wenn sie glauben, sie müssen den Job des Menschen über nehmen und aufpassen. Wer aufpasst, geht zuerst durch die Tür und guckt ob die Luft rein ist. Der regelt bedrohliche Situationen. Und der macht auch Hundebegegnungen mit Leckerbissen und Obedience-Aufgaben toll. Nach ein paar Monaten konnte ich Tom bis auf 2 Meter Abstand zu anderen Hunden ruhig halten, aber wehe, ich guck ihm dabei nicht an! 

Ich habe geweint und gelacht, als er endlich ein neues Zuhause fand. Ich bin so stolz auf ihn. Und mir hat dieser Hund so viel Kraft, Mut und Durchhaltevermögen gegeben. Wenn man es nur durchhält und nicht aufgibt, dann schafft man es irgendwann, selbst wenn es wie bei uns fast ein ganzes Jahr intensives Training dauert. 

Bleibt gelassen. Regelt für eure Hunde schwierige Situationen. Ihr seid Herr der Lage, lasst euch vom euren Zweifeln nichts anderes sagen. Wenn ein ADHS-Mensch wie ich das kann, dann könnt ihr das schon lange! 

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Oh - ich habe deine Geschichte erst jetzt entdeckt :wub:

 

Das macht Mut - und sowas gefällt mir!

 

Am 4.12.2017 um 09:53 schrieb PawSitive:

Ich lernte, warum der Hund hinter einem gehen soll, vor allem aus der Tür. Nicht wegen der nicht vorhandenen Dominanz, sondern weil man unsicheren Hunden die Arbeit abnimmt, wenn sie glauben, sie müssen den Job des Menschen über nehmen und aufpassen. Wer aufpasst, geht zuerst durch die Tür und guckt ob die Luft rein ist. Der regelt bedrohliche Situationen.

 

Diese Aussage finde ich geil!

 

Sicher noch erläuterungsbedürftig - aber ich denke, ich verstehe genau was du meinst :)

 

 

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@marcolino oh super, das freut mich. Dafür war sie gedacht! :) 

 

Also die Hundetrainerin hat es mir damals so erklärt, dass in einem Rudel iimmer das Tier an der Spitze geht, das den Job des Aufpassers hat. Das ist nicht immer unbedingt auch der Anführer. 

Nun haben offenbar vor allem unsichere Hunde ein starkes Sicherheitsbedürfnis und wenn sie Herrchen oder Frauchen den Job des Aufpassers nicht zutrauen, weil er vielleicht keinen zuverlässigen Eindruck macht, über nehmen sie das selbst, um ihr Bedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen. Wirken zum Beispiel fremde Hunde bedrohlich und dem Hundeführer wird nicht zugetraut, es zu regeln, oder er tut es nicht angemessen aus Sicht des Hundes, übernimmt er diesen Job. 

Bei Aggressionen spielt offenbar ganz oft das unbewusste Verhalten des Besitzers eine Rolle. Gerade solchen Hunden können konsequente Regeln ein Sicherheitsgefühl vermitteln, weil sie nicht mehr das Gefühl haben, die Verantwortung tragen zu müssen. Also so habe ich das verstanden. :)

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