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marcolino

ambivalentes Verhalten

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marcolino   
(bearbeitet)

Lt Kompaktlexikon der Biologie ein Verhalten, dem zwei gegensätzliche Motivationen (z. B. Flucht und Wehren) zugrunde liegen.

Hierzu zählen auch Drohgebärden bei Hunden.

 

Ich erlebe häufig, dass dieser Inhalt von Drohgebärden von vielen Menschen gar nicht - weder bewusst noch unbewusst - berücksichtigt wird bei Hundebegegnungen oder auch sonstigen Interaktionen.

 

Darüber hinaus erlebe ich auch recht häufig, viele Menschen bemerken gar nicht die zusätzlichen Signale ihres Hundes, wenn er scheinbar aggressive Verhaltensweisen zeigt.

 

Mal am Beispiel: Da steht ein Hund in der Leine, geifernd und zähnefleschtend - und weicht ein klein wenig zurück, Gewicht wird  weg von der Vorhand mehr auf die Hinterhand verlagert, der Kopf wendet sich ab und es wird kurz über die Schnauze geleckt.

 

Oft geht diese Verhaltensweise mehrfach hin und her.

Die Halter solcher Hunde sagen oft: "Mein Hund ist nicht (so ganz) verträglich!"

 

Mir sagt dieses ambivalente Verhalten vor Allem das: Dieser Hund hat sich noch nicht entschieden, wie er reagieren soll.

 

Für mich ist das ein Ansatz, wie ich eine mögliche Interaktion zwischen den Hunden gestalten kann: Indem ich DRUCK rausnehme.

 

Bisher hat das immer geklappt, und es kamen friedliche Interaktionen im Freilauf zustande.

 

Seht ihr auch so oft dieses ambivalente Verhalten, bei euren oder fremden Hunden?

 

Was sagt euch das, und wie geht ihr damit um?

 

 

 

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Gerhard   
vor 10 Stunden schrieb marcolino:

Lt Kompaktlexikon der Biologie ein Verhalten, dem zwei gegensätzliche Motivationen (z. B. Flucht und Wehren) zugrunde liegen.

Hierzu zählen auch Drohgebärden bei Hunden.

 

Ich erlebe häufig, dass dieser Inhalt von Drohgebärden von vielen Menschen gar nicht - weder bewusst noch unbewusst - berücksichtigt wird bei Hundebegegnungen oder auch sonstigen Interaktionen.

In der Hundewelt spricht man da auch von "gegensätzlichem Verhalten" als eine von drei Ausdrucksformen inadäquater Reaktionen. Die zwei anderen Arten " Übersprungverhalten" und "objektübertragene Reaktion" sind oft mehr im Gespräch.

Allen ist aber gemein, dass sie Ausdruck von nervaler Überforderung sind. Im Klartext: eine Reaktion auf negative und belastende Reize.

Das alleine wäre nicht tragisch und ist ja von der Natur als Regelmechanismus vorgesehen. Der Hund ist durch solche Reaktionen in der Lage ein inneres "Gleichgewicht" wieder her zu stellen. Aber auch diese Medaille hat eine Kehrseite. Ist der Hund diesen Reizen gehäuft ausgesetzt oder kann das Gleichgewicht durch inadäquate Reaktionen nicht dauerhaft hergestellt werden, entstehen in Folge neurotische Verhaltensweisen. Die können sich im Bereich der Erregungs- oder Hemmungserscheinungen ( je nach Hund ) entwickeln oder in ultimo Ratio in vegetativen Störungen enden ( also in körperlichen Erkrankungen ).

Diese "unangepassten" Reaktionen sind also wichtig als eigener "Problemlöser". Sie sind aber auch als eine Art Warnstufe zu verstehen und sollten daher schon registriert werden. Zeigt ein Hund so etwas seltener und nur in klaren Stresssituationen ist die Welt ok. Zeigt ein Tier das häufiger oder bei allen Möglichen Anlässen, ist der nächste Schritt der Stufe vorprogrammiert. Das sind in der Regel dann die Hunde, wo auch hier postings beginnen mit:" Ich brauche Hilfe" ( häufig gepaart mit: "wir haben schon alles probiert").

Mit dem letzten Satz will ich nichts verurteilen, sondern nur mal die Augen dafür öffnen.

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marcolino   
vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

In der Hundewelt spricht man da auch von "gegensätzlichem Verhalten" als eine von drei Ausdrucksformen inadäquater Reaktionen. Die zwei anderen Arten " Übersprungverhalten" und "objektübertragene Reaktion" sind oft mehr im Gespräch.

 

Für die zwei anderen Arten machen wir bei Gelegenheit mal eigene Themen zu auf :)

"indadäquate", also unangemessene, nicht im Verhältnis zum Auslöser stehende Reaktionen finde ich in dem Zusammenhang etwas irreführend. Ich empfinde das im Fall von gegensätzlichem Verhalten nämlich so, als wären jegliches Drohverhalten unangemessen. Ich glaube, so ist das auch von dir nicht gemeint, und wir sollten uns das mal näher anschauen.

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Allen ist aber gemein, dass sie Ausdruck von nervaler Überforderung sind. Im Klartext: eine Reaktion auf negative und belastende Reize.

Das alleine wäre nicht tragisch und ist ja von der Natur als Regelmechanismus vorgesehen. Der Hund ist durch solche Reaktionen in der Lage ein inneres "Gleichgewicht" wieder her zu stellen.

 

Umgang mit Stress :) Dafür sind wir von der Natur ausgestattet. Agonistische Verhaltensweisen, also Reaktionen auf unser eigenes Verhalten (Wohlgefühl) störende Einflüsse aus der Umwelt/dem Umfeld gehören nicht nur zum Lebensalltag; sie sind auch notwendig, um ein Lebewesen überlebensfähig zu machen (Stichwort Resilienz, also Widerstandskraft gegen die "Unbilden" des Lebens). Das ist meiner Meinung nach nicht sofort eine Überforderung, weshalb ich auch hier nicht gleich von einer Überforderung sprechen würde.

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

 

Aber auch diese Medaille hat eine Kehrseite. Ist der Hund diesen Reizen gehäuft ausgesetzt oder kann das Gleichgewicht durch inadäquate Reaktionen nicht dauerhaft hergestellt werden, entstehen in Folge neurotische Verhaltensweisen.

 

Diese Kehrseite ist die Überforderung. Hier lohnt sich, genauer hinzusehen, weil ich dabei z. B. an Verhaltensweisen denke, die sich "verselbständigt" haben. Auch hier ein Stichwort "Erwartungshaltung". 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Die können sich im Bereich der Erregungs- oder Hemmungserscheinungen ( je nach Hund ) entwickeln oder in ultimo Ratio in vegetativen Störungen enden ( also in körperlichen Erkrankungen ).

Was meinst du mit Hemmungserscheinungen? Steh da gerade auf dem Schlauch :)

 

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Diese "unangepassten" Reaktionen sind also wichtig als eigener "Problemlöser". Sie sind aber auch als eine Art Warnstufe zu verstehen und sollten daher schon registriert werden.

 

Du setzt hier selber "unangepasst" in Anführungszeichen - ich denke hier daran, dass Drohverhalten nicht zwingend unangepasstes Verhalten ist. Dazu ein ganz einfaches Beispiel:

Ein Rüde will bei einer Hündin Analkontrolle machen. Die Hündin dreht sich daraufhin um, knurrt den Rüden an und schnappt in die Luft. Der Rüde versteht und akzeptiert das Signal der Hündin: "Mein Hintern gehört mir!" und unterlässt die Analkontrolle.

Das ist der Punkt, auf den ich eigentlich hinauswill: Die Hündin hat ganz klar kommuniziert, der Rüde hat es verstanden und akzeptiert das - und der weitere Verlauf der Interaktionen zwischen den beiden Hunden ist friedlich und komplikationslos.

In der Realität erlebe ich aber ganz oft, dass die Halter der Hündin dieser verbieten, derart mit jeglichen Rüden umzugehen. Das halte ich für falsch.

Die Hündin reagiert auf Stress (ihr ist nicht wohl bei einer Analkontrolle durch einen anderen Hund) mit einer Drohgebärde. Das ist in dem Moment KEINE Überforderung für die Hündin, sondern ganz normales Verhalten, und der Situation angemessen. 

Verbiete ich einer Hündin permanent dieses angemessene Verhalten, kann dies allerdings sehr wohl zu unangemessenem Verhalten führen - und das ist dann Überforderung.

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Zeigt ein Hund so etwas seltener und nur in klaren Stresssituationen ist die Welt ok.

 

Genau :) Hilft und unterstützt man hier den Hund, diese Situationen angemessen zu lösen, dann ist "die Welt im Döschen". 

Manche Situationen kann man einfach nicht mit einer allseits befriedigenden Handlung lösen - da hilft nur weitergehen, abschütteln - und um die nächste Ecke wartet dann eine Situation, die wir wieder lösen können.

Mit manchen "Lösungen" bin ich allerdings nicht einverstanden ... seinen "Lieblingsfeind" würde mein Vasco nämlich gerne mal zeigen, was er drauf hat, da ist er ganz "Rüde" :D

Diese Lösung will ich NICHT - weshalb wir DEN weiträumig umgehen... pfft ;)

 

 

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Zeigt ein Tier das häufiger oder bei allen Möglichen Anlässen, ist der nächste Schritt der Stufe vorprogrammiert. Das sind in der Regel dann die Hunde, wo auch hier postings beginnen mit:" Ich brauche Hilfe" ( häufig gepaart mit: "wir haben schon alles probiert").

Mit dem letzten Satz will ich nichts verurteilen, sondern nur mal die Augen dafür öffnen.

 

Dieses "häufiger oder bei allen möglichen Anlässen" geht mMn in die Richtung: "Verhalten hat sich verselbständigt". 

 

Damit zu dem Punkt, auf den ich hinauswill: Ein Hund der ambivalentes Verhalten zeigt, macht ein ANGEBOT.

 

Konkret auf Drohverhalten gerichtet, lautet dieses Angebot: Ich WILL keinen Ärger.

Statt Drohverhalten einfach nur zu unterbinden, ist hier die Lösung, dieses Angebot zu bestärken und Möglichkeiten zu finden, wie dieses Angebot umgesetzt werden kann.

 

Ich kann nicht mehr zählen wie oft es mir schon passiert ist, dass Menschen mir sagten: "Mein Hund ist nicht (so ganz) verträglich!" - und ich sehe da einen Hund, der verträglich ist, wenn er nur die Chance bekommt, sein Angebot umzusetzen. Diese Menschen sind unsicher, sie haben Angst oder zumindest Bedenken, weil sie die Reaktion ihres Hundes nicht sicher einschätzen können. 

Fatalerweise reagieren diese Menschen dann immer mehr mit vermeiden solcher Situationen - sie leinen den Hund an und gehen Kontakten aus dem Weg.

Das ist ein Teufelskreis, der zu dem Punkt führt, den du oben erwähnt hast: Die Hilferufe bei den postings.

Ich würde das nicht ganz so pauschal ausdrücken wollen - aber es geht schon in die Richtung "Augen öffnen", wie du es erwähnst.

 

 

Das liegt NATÜRLICH auch an MEINEN Hunden - die haben nämlich gelernt, dieses Angebot selber zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

(Meistens - nobody's perfect ;) )

 

 

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Amidala   

Hmmm, also ich glaube bei meiner Hündin war das am Anfang der Fall. Eine Mischung aus Neugierde und Flucht. 

Ich habe mich für zwei Alternativen entschieden. Ich biete dem Menschen mit gegenüber ein Verhalten meinem Hund gegenüber an, oder meinem Hund dem Mensch gegenüber an.

Zu Hause konnte sie gefahrlos neugierig sein. Die Menschen wurden gebeten den Hund nicht anzufassen, sondern sich von alleine zu nähern. Außerhalb der vier Wände habe ich Schutz geboten. Sprich: kommt der Mensch zu nahe kannst du hinter mir Schutz suchen.

Als Anfängerin fand ich es schön schwer immer richtig zu deuten. Hunde sind in punkto Kommunikation unglaublich schnell. Wir Menschen stehen da oft genug auf dem Schlauch. Ich bin sehr sensibel für beschwichtigungssignale geworden und stelle fest, enorm viele Hundehalter nehmen diese gar nicht wahr. Sei es bei meinem, oder deren eigenen Hunden. Ich denke es liegt daran, dass sich der Halter nicht gezwungen sieht sich mit solchen Signalen auseinanderzusetzen so lange es nicht allzu problematisch ist. Hunde Kommunikation ist dabei jedoch meiner Meinung nach, das wichtigste Hilfsmittel mit seinem Hund stressfrei zu leben. 

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2010   

 

vor 16 Stunden schrieb marcolino:

Mal am Beispiel: Da steht ein Hund in der Leine, geifernd und zähnefleschtend - und weicht ein klein wenig zurück, Gewicht wird  weg von der Vorhand mehr auf die Hinterhand verlagert, der Kopf wendet sich ab und es wird kurz über die Schnauze geleckt.

 

Oft geht diese Verhaltensweise mehrfach hin und her.

Die Halter solcher Hunde sagen oft: "Mein Hund ist nicht (so ganz) verträglich!"

 

Mir sagt dieses ambivalente Verhalten vor Allem das: Dieser Hund hat sich noch nicht entschieden, wie er reagieren soll.

 

Für mich ist das ein Ansatz, wie ich eine mögliche Interaktion zwischen den Hunden gestalten kann: Indem ich DRUCK rausnehme.

 

Bisher hat das immer geklappt, und es kamen friedliche Interaktionen im Freilauf zustande.

 

Ja, für mich ist nur interessant worauf hier der Fokus liegt.

Dem Hund zu helfen?

Den eigenen Hund zu sehen, wie er mit dem Problemverhalten fremder Hunde umgeht?

Dem Hundehalter zu helfen seinen Hund zu führen und zu helfen und dessen Körpersprache zu lesen?

Dazu braucht man Zeit und es ist eigentlich Trainerleistung.

Ich bin da sehr zurückhaltend geworden. Es gibt so viele gestörte Hunde, ich freu mich über jeden "klar tickenden Hund", den wir treffen.

 

Aber von deiner Beschreibung her: Ja, kenne ich auch. Von beiden Seiten.

Ein Hund mit ambivalentem Verhalten zu führen ist gar nicht so einfach. Es gibt einige Hundehalter, die meinen alles besser zu wissen, besonders, was für andere gut ist. Die sind ein Plage.

Manchmal ist ein Ausweichen besser.

Was ich schon für liebgemeinte Annäherungen a la: "Lassen sie die Hunde doch spielen".  hatte ist ätzend. Aber es gibt auch natürlich die ganz vernünftigen, die normal fragen und interessiert sind und mit denen und deren Hunden sind Kontakte gut.

 

Ich habe neulich auf einem Feld in einer Pfütze gestanden, während ich mich über hundert m schreiend darüber verständigen musste, dass ich keinen Kontakt zu dem Hund wollte, der mit seinen Leuten grad föhlich über ein (trockenes) frisch eingesäätes Feld dem Ball nachhüpfte. Mein "Ambivalenzler" hat schon ganz niedlich seine Pfotenzehen nachgezählt.

 

Klar hätte es auch gut gehen können. 

Gerade Neuhundehalter sind manchmal euphorisch über ihr Hundchen, dass sie vergessen, das andere Hunde, ihr vergöttertes Mauselchen nicht unbedingt, bedingungslos lieben und dass es Gründe geben kann, dass Menschen es nicht möchten, dass der eigene Ambivalezler sich an ihrem Junghund austoben darf. Und der hätte ein Packung bekommen, da bin ich sicher. Und ich bin weiterhin sicher, die Leute hätten es nicht verstanden.

 

 

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Rosilein   
(bearbeitet)

@2010 Gute Fragen, die hab ich mir auch gestellt.

 

Denn für mich gibt es da keine feste Umgangsmaxime, bis vll. "Stress rausnehmen" (denn dieses Tier scheint auf jeden Fall unsicher und gestresst, gar nicht selten, wie @Gerhard ausführte, schon neurotisch).

Was "Stress rausnehmen" in einer solchen Situation bedeutet, kommt jeweils auf die aktuelle Umgebung, den fremden Hund und Halter sowie auf die Reaktion meiner Hunde an.

 

Das kann also bedeuten, ich mache mich stumm, ruhig aber zügig vom Acker, kann aber auch sein, ich lasse meinen Grossen erst einmal mit Abstand (am Rand oder mehr in der Wiese) ruhig abliegen und warte, was da kommt (wobei ich die noch sehr junge TS-Hündin gerne aus so etwas mit Abstand raushalte, das nimmt sie Gott sei Dank gerne an, damit kann sie auch wenig anfangen, meidet sie, so etwas).

Reagiere so, wie es mir für das angegriffene Gemüt am besten erscheint, wenn Umfeld, Halter und Hund das zulassen. Man weiss nie so genau, was einen erwartet ...

Man begegnet dem ängstlichen Halter, der Hund an Leine mit Halsband hochreisst,  fortreisst oder solche, die den Hund an der Flexi dann kläffend und schnappend hinten in meine rein dätschen lassen. Wie auch Halter, die sich glatt rumdrehen und fliehen. Dann gibt es auch noch die "mein Hund muss diesen Sozialkontakt jetzt haben-Fraktion", aber auch welche, deren Ausdruck im Gesicht schon verrät "HILFE". Bei Letzteren mache ich mir gerne die Mühe, meinen abliegen zu lassen, auf dass der verunsicherte Hund selbst entscheiden kann, schnüffel ich mal dran oder lieber nicht (manchmal dauert es ein wenig, aber die meisten tun es und sind allein damit schon zufrieden, kommen wieder runter ... dafür muss ich dann aber nicht selten mit dem Aufstehen warten, bis sie etwas Distanz zu uns erreicht haben ... sonst geht es wieder los ... nicht immer ... kommt aber oft vor).

Die "muss Sozialkontakt-Fraktion" ist schon schwieriger zu handeln (oft auch, weil sie die Hunde das Tempo und die Zeiteinheit nicht selbst bestimmen lassen ... ziehen, schieben, zwingen ihren Hund zu meinem). Zwar lasse ich hier auch abliegen, bemühe mich jedoch so schnell wie möglich was von keine Zeit zu erzählen, um den unsicheren Sozialkontaktgenötigten aus der Situation zu holen und auch meine coole Socke nicht zu sehr zu strapazieren (auch seine Ruhe und Geduld kennt Grenzen).

 

Und eigentlich bin ich immer froh, wenn ich solche Begegnungen gar nicht habe ... obwohl mir die Hunde oft sehr leid tun.

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marcolino   
vor 10 Stunden schrieb 2010:

 

Ja, für mich ist nur interessant worauf hier der Fokus liegt

 

Bei mir ganz klar: Eine für alle Seiten nette Begegnung. 

Ihren eigenen Hund mal in nett zu sehen, verschiebt manchmal den Fokus der Halter ein wenig. 

Statt bei Hundesichtungen nur im Kopf zu haben: "Mein Hund ist nicht (so ganz) verträglich!" statt dessen zumindest die Option zu haben: "Mein Hund KANN auch anders!" eröffnet erst mal neue Möglichkeiten.

Was die Menschen damit machen, bleibt ihnen überlassen. Ich trainiere sie nicht :)

Immer mal wieder treffe ich den Ein oder Anderen auch mal wieder, zufällig. Da kann ich mit absoluter Bestimmtheit sagen: Diese Begegnungen werden von den Menschen mit deutlich weniger Bedenken angenommen, als beim ersten Treffen. Das ist doch schon mal was.

 

Interessant finde ich hier die Ausführungen von @Rosilein

vor 9 Stunden schrieb Rosilein:

Was "Stress rausnehmen" in einer solchen Situation bedeutet, kommt jeweils auf die aktuelle Umgebung, den fremden Hund und Halter sowie auf die Reaktion meiner Hunde an.

 

Weil ich meine Hunde grundsätzlich nicht einfach zu anderen Hunden hinlaufen lasse, verschaffe ich mir Zeit, mein Gegenüber UND auch meine Hunde und deren Reaktion näher ansehen zu können. Dadurch bekomme ich eben auch mit, wenn ein Hund ein ambivalentes Verhalten zeigt.

 

Im Laufe der Zeit habe ich immer mal wieder erlebt, wie es mit Hunden weiterging bei denen die Menschen aufgrund ihrer eigenen Unsicherheit Hundekontakte immer mehr gemieden haben. Das ging dann in Richtung neurotische Verhaltensweisen, wie @Gerhard sie erwähnte.

 

Ich bin davon überzeugt, viele Menschen könnten sich sogar selber helfen, wenn sie ihren eigenen Fokus auf den Hund mal nicht mehr nur auf das Drohverhalten richten, sondern die anderen Signale beachten und überlegen, womit sie dieses Angebot ihres Hundes auf friedliche Konfliktlösung bestärken können.

Dazu müssen sie diese Signale aber erst mal selber sehen lernen.

Sonst bleibt der Fokus auf dem Drohverhalten - und das wird dann unterbunden.

Womit es aber nicht aufgelöst wird.

 

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Gerhard   
(bearbeitet)
vor 19 Stunden schrieb marcolino:

Was meinst du mit Hemmungserscheinungen? Steh da gerade auf dem Schlauch

Neurotisches Verhalten kann sich vielfältig äussern. Bei Hunden unterteilt man in Erregungserscheinungen und Hemmungserscheinungen, die jeweils abhängig sind u.a. vom angeborenen Nerventyp.

Um nur einige Beispiele zur Verdeutlichung zu nennen:

- Erregungsäusserungen: starkes Speicheln, Unruhe, Schlaflosigkeit, gesteigerte Aggression, planloses Objekteschleppen, Wassertreten, permanentes Winseln/kläffen  usw.

- Hemmungsäusserungen: überhöhtes Schlafbedürfnis, Apathie, häufiges zurückziehen, Bewegungsunlust usw.

 

Noch mal zu deinem Beispiel von Drohgebaren mit gleichzeitiger Unterwürfigkeit:

Sowohl Selbstverteidigung als auch Flucht resultieren aus der gleichen Motivation und identischem Auslösereiz. In der Regel aus einer scheinbaren oder tatsächlichen Bedrohung für die Selbsterhaltung ( aus Sicht des Hundes ). Vorgesehen ist die Aktivierung einer der beiden Verhaltensabläufe, auch im direkten Wechsel. Nicht angepasst ist jedoch die zeitgleiche Aktivierung der beiden Möglichkeiten. Das spiegelt schon einen inneren Konflikt wieder, der gelöst werden muss. Manchmal löst sich das in der Situation selber, indem eine der beiden die "Oberhand" gewinnt. Manchmal aber auch nur durch Wechsel in eine gänzlich andere und von der eigentlichen Situation losgelösten Verhaltensweise.

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marcolino   
vor 2 Stunden schrieb Gerhard:

Neurotisches Verhalten kann sich vielfältig äussern. Bei Hunden unterteilt man in Erregungserscheinungen und Hemmungserscheinungen, die jeweils abhängig sind u.a. vom angeborenen Nerventyp.

Hier nur mal als Anmerkung: Mittlerweile kann man sicher davon ausgehen, dass auch bei Hunden ähnliche oder gar gleiche psychische Entwicklungen auftreten können wie beim Menschen. Depression wäre eine Hemmungserscheinung, und diese ist unabhängig vom Nerventyp.

Du sprichst doch bei "Nerventyp" von der Nervenaktivität, also der Reaktions- und Verarbeitungszeit der nervlichen Tätigkeit? 

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Noch mal zu deinem Beispiel von Drohgebaren mit gleichzeitiger Unterwürfigkeit:

Signalisieren diese Signale immer Unterwürfigkeit? Ist das immer Unterwürfigkeit?

Ich bezweifel das. 

 

Wenn wir die von mir beschriebene Situation mal ganz objektiv betrachten,  haben wir folgenden Status Quo:

 

- Drohen ist eine Warnung. Das Gegenüber hat also eine Wahlmöglichkeit: Es kann die Warnung beachten und sein Verhalten so einstellen, dass die Warnung nicht in die Tat umgesetzt wird. Es kann sein Verhalten auch so gestalten, dass die Warnung in die Tat umgesetzt wird.

- der Hund sendet gleichzeitig Signale, die dem Gegenüber sagen: Mir ist an einer friedlichen Konfliktlösung gelegen. Damit wird der ambivalenteCharakter der Drohgebärde noch verstärkt, und zwar genau DIE KOMPONENTE, die auf die friedliche Lösungsmöglichkeit hinweist.

 

Was ich oft erlebe ist, dass viele Menschen diese Hinweise auf eine friedliche Konfliktlösung gar nicht beachten, weil sie davon oft gar nicht wissen. Deshalb reagieren sie nur auf die aggressive Komponente von Drohverhalten, und hier eben oft mit Hemmen/Unterdrücken oder gar Strafen.

Nichts von diesen Reaktionen auf Drohverhalten lässt irgendeinen Raum für das Angebot des Hundes, einen Konflikt friedlich zu lösen.

 

Deshalb dieser Thread :)

 

vor 3 Stunden schrieb Gerhard:

Manchmal löst sich das in der Situation selber, indem eine der beiden die "Oberhand" gewinnt. Manchmal aber auch nur durch Wechsel in eine gänzlich andere und von der eigentlichen Situation losgelösten Verhaltensweise.

 

Geht es wirklich um die Oberhand? Du hast das selber in Anführungszeichen gesetzt :) Zumindest hast du also auch Zweifel an der Aussage dieser "Oberhand".

 

Ich glaube nicht nur, ich erlebe nahezu täglich bei Hundebegegnungen, dass es den Hunden völlig schnuppe ist, ob man über- oder unterlegen ist.

Da ist nur interessant: Kann ich im Dunstkreis des Anderen unbeschadet atmen oder nicht? 

 

Damit mal zur Praxis: Was KANN ich als Mensch den tun, wenn mein Hund mit Drohverhalten reagiert bei einem Fremdhund?

 

Ich bevorzuge da zwei Möglichkeiten: 

 

1. Hemmung des Drohverhaltens durch positive Emotion mit anschließendem Alternativverhalten: In dem Moment des Drohens unterbreche ich den Hund mit einem deutlich freudigen "Fein" und gebe ihm ein Leckerchen. Noch während er das Leckerchen nimmt und frisst, fordere ich ihn freundlich auf, mit mir gemeinsam auf etwas Abstand zum Fremdhund zu gehen.

Die weitere Vorgehensweise hängt vom individuellen Hund-Haltergespann ab. 

 

2. Ich lobe meinen Hund für ein Calming-Signal, welches er nach der Drohgebärde zeigt, und zwar in dem Moment wo er dieses Calming-Signal zeigt. Auch an dieses Lob binde ich direkt ein Alternativangebot an. Ich selber bevorzuge hier die freundliche Aufforderung, auf etwas Abstand zu gehen (manchmal reichen da schon wenige Zentimeter); bei manchen Hunden kann man aber auch eine konkrete Handlungsanweisung geben, wie ein "Sitz" oder auch ein "Hinter". Auch das ist abhängig vom Hund-Halter-Gespann.

 

In beiden Fällen verstärke ich nicht das Drohverhalten meines Hundes, sondern nehme Druck raus.

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Rosilein   
(bearbeitet)
Am 8.12.2017 um 11:03 schrieb marcolino:

Deshalb reagieren sie nur auf die aggressive Komponente von Drohverhalten

????????

Am 8.12.2017 um 11:03 schrieb marcolino:

die dem Gegenüber sagen: Mir ist an einer friedlichen Konfliktlösung gelegen. Damit wird der ambivalenteCharakter der Drohgebärde noch verstärkt, und zwar genau DIE KOMPONENTE, die auf die friedliche Lösungsmöglichkeit hinweist

 Also irgendwie stehe ich total auf dem Schlauch ...

 

Auf was soll denn irgendwer noch mit was reagieren?

Entweder ist es ein ambivalentes Verhalten (der Hund pendelt zwischen Beschwichtigung und Drohung) oder es handelt sich um eine Drohgebärde die durch weitere solcher Gebärden verstärkt wird. Beides in einem kann es nicht sein. Entweder ist etwas doppelt bzw. vermehrt (also wird verstärkt), dann wäre es doch eindeutig oder es ist ambivalent, dann wirkt es unentschlossen und ist nicht eindeutig (er hat sich ja auch noch nicht entschieden). Dann wird aber nichts verstärkt, zumindest solange sich der Hund nicht für eine Variante entscheidet. Was sieht der Gegenüber? Nun, einen unentschlossenen Hund. Vll. - mag ja sein - erkennt sein Halter das nicht, hat aber auf das, was einem geboten wird doch keinen Einfluss (solange der Halter nichts steuert, versteht sich, den Hund (noch) nicht beeinflusst).

 

Ansonsten kann ich Deinen Worten nicht mehr folgen, erkenne die Logik dahinter nicht, weiss nicht einmal im Ansatz, worauf Du hinaus möchtest (und das passiert mir eigentlich recht selten ... Error).

 

Oder wolltest Du nur herausarbeiten, wie falsch ein HH das ambivalente Verhalten seines Hundes interpretieren kann und diese falsche Einschätzung in Worte fassen? Das würde ich für ein nahezu aussichtsloses Unterfangen halten, also ohne umfangreiche Umfragen ... denn der Phantasie sind dabei ja sicherlich keine Grenzen gesetzt ...

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