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gebemeinensenfdazu

Handfütterung

Empfohlene Beiträge

(bearbeitet)

Im Thema "Aggressionen gegenüber Menschen" ergab sich eine Diskussion über Handfütterung, die einen eigenen Thread verdient hat.

vor 19 Stunden schrieb Juline:

 

Das würde ich auf keinen Fall tun, es kann den Hund ungeheuer stressen, das ist ständige bange Erwartungshaltung plus Unsicherheit (vielleicht sogar plus permanentes Hungergefühl) :

wann bekomme ich wieder etwas?

 

Ich finde, zum Grundvertrauen, zum Grundsicherheitsgefühl gehört das Wissen bzw. die Erfahrung, dass zu bestimmten Zeiten Futter hingestellt wird, ohne dass der Hund etwas dafür tun muss. Kein Absitzen vor dem Napf, kein Warten auf Freigabe oder ähnliche Schikanen: Nahrung muss ausreichend, sicher, regelmäßig und bedingungslos sein. Ruhe beim Fressen, keine Kinder, andere Hunde etc. außen herum.

 

Wenn eure Probleme mit Schutzverhalten zusammenhängen, dann verstärkst du sie evtl. damit. Du bist die einzige Futterquelle für den hungrigen Hund, du wertest dich damit in ungesundem Maße auf.

 

 

Zu Zeigen und Benennen gibt es einen tollen Artikel klick   von der Trainerin Martina Schoppe :)

 

 

vor 10 Stunden schrieb marcolino:

Die reine Handfütterung macht einem außerdem eine wichtige Quelle zur Produktion des "Glückshormons" Serotonin kaputt... furchtbar, aber auch die Abhängigkeit, zu der der Hund damit erzogen wird.

 

Ähnlich wie bei @2010 ist mir auch aufgefallen, dass die Gänge nach Draußen sich sehr nach viel Arbeit/Umwelttraining anhören...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

vor 9 Stunden schrieb Estray:

 

Gibts irgendwelche Texte oder Abhandlungen, die sich mit den negativen Auswirkungen reiner Handfütterung befassen? Gibts Quellen für die Aussage mit dem Serotonin? 

 

vor 3 Stunden schrieb marcolino:

@Estray Die Neuropsychologie des Hundes, James O'Heare, z. B. 

 

 

 

vor 3 Stunden schrieb Estray:

Wie begründet er das?

 

vor 3 Stunden schrieb marcolino:

Stresszusammenhänge, Sympathikus-/Parasympathikuswirkung.

 

Kennst du das Buch?

 

 

vor 2 Stunden schrieb gebemeinensenfdazu:

Soll ich einen Thread aufmachen? Obwohl ich Handfütterung nicht gut finde, mag mein Hund das scheinbar schon - ich glaube es liegt am Erringen/Abjagen und ein bißchen Mitessen spielt da mit. In der Scheinmutterschaft wurde der Napf verschmäht- egal wo ich den hingestellt hatte.

 

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(bearbeitet)
vor 10 Minuten schrieb gebemeinensenfdazu:

Obwohl ich Handfütterung nicht gut finde, mag mein Hund das scheinbar schon - ich glaube es liegt am Erringen/Abjagen und ein bißchen Mitessen spielt da mit. In der Scheinmutterschaft wurde der Napf verschmäht- egal wo ich den hingestellt hatte.

 

Nur kurz zu diesem letzten Kommentar:

Es ist wohl ein Unterschied, ob ein Hund fest eingebunden ist in die sichere Beziehung, Vertrauensgrundlagen längst geschaffen sind. Oder ob sich ein Hund in einer neuen, unbekannten Situation befindet, noch nicht lange beim neuen Mensch, noch nicht fest vertraut mit den neuen Lebensumständen ist, vielleicht vorher auf der Straße gelebt und / oder Hunger und Durst gelitten hat.

 

Der zweite Hund wird wahrscheinlich schneller und heftiger mit Stresssymptomen reagieren, wenn er bangen muss (ich finde, hier passt dieser altmodische Begriff ganz hervorragend), ob und wann er Nahrung bekommt.

 

 

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Stichwort Hund aus dem Ausland. 

Als Fly zu uns kam, die vorher zwei Jahre lang auf der Straße gelebt hat, wollte sie nicht fressen. Mein Rüde erkannte, dass sie Angst vor dem Futternapf hatte, nahm Futter auf und spuckte das vor ihr aus. 

In dem Fall hat anfängliche Handfütterung von Fly Sinn gemacht. Das waren aber tatsächlich nur ein zwei Tage, bis sie merkte, es geschieht nichts weiter, wenn der Napf (diese silbernen Edelstahlnäpfe) mal etwas scheppert, wenn die Futterbrocken dagegen stoßen und auch ihr nicht, wenn sie ihre Schnauze in das Teil absenkt. 

 

Ansonsten gibt es hier bei uns keine Handfütterung, denn ich möchte, dass diese Grundsicherung für den Hund frei zur Verfügung steht und er soll auch die Möglichkeit haben, sich in seinem Tempo satt zu fressen, so lange er nicht schlingt und dadurch gesundheitliche Probleme entstehen können.

 

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Ich muss gestehen, dass ich diese reine Handfütterung zu Trainingszwecken gar nicht kannte, bevor ich es bei VOX gesehen hab.. :ph34r:

 

Und ich war schon allein deshalb nicht begeistert von dieser Idee, weil Nahrungsaufnahme ein lebenswichtiges Grundbedürfnis ist, für das meine Hunde nicht "arbeiten" müssen.

Sie sollen sich sicher sein, dass sie hier immer satt werden und vor allem in Ruhe fressen.

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Dem Hund meiner Eltern habe ich in seiner Anfangszeit (ich glaube wir hatten ihn seit ein paar Monaten?) bei uns auf raten der Trainerin aus der Hand gefüttert. Grund dafür war sein großer Futterneid und sein aggressives Verhalten beim Fressen. Man konnte den Napf nicht mal hinstellen ohne das er drohte. Die Alternative war, den Hund dauerhaft vorm Füttern anleinen und in einen anderen Raum nehmen zu müssen. Nach dem ich ihm ein paar Tage lang die Futterbrocken aus dem Napf gereicht hatte, hat er scheinbar die Verbindung  Hand= Futter knüpfen können und sein Verhalten hat sich merklich gebessert.

In den Napf fassen würde ich ihm definitiv immer noch nicht, aber man kann ihm den Napf wenigstens hinstellen oder an ihm vorbei gehen während er frisst.

 

Bestimmt wäre das auch irgendwie anders gegangen, aber es hat für uns in speziell dieser Situation gut funktioniert.

Insgesamt finde ich das ein sehr spannendes Thema. 

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Also ich bin auch schon häufig auf das Thema Handfütterung gestoßen, um darüber den Hund zu erziehen. Aber für mich wäre das nichts. Bei uns gibt es feste Essens Zeiten. Wenn ich das Essen noch vorbereite und Jarinka drängelt, dann unterbinden ich das, aber ansonsten nichts. Ich denke das es dem Hund Sicherheit gibt feste Essens Zeiten zu haben und zuverlässig sein Fressen zu bekommen. Und ich bin ja trotzdem diejenige, die dem Hund das Fressen gibt. Das schafft doch so schon Vertrauen und wenn der Hund auch ansonsten seinen Menschen als kompetent ansieht, finde ich das als gute Grundlage und irgendwie schöner als das Tier durch die Futtergabe versuchen zu kontrollieren.

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Wichtig ist auch noch die Unterscheidung zwischen reiner Handfütterung oder teilweiser Handfütterung.

 

Unter bestimmten Bedingungen (die immer individuell zu sehen sind) ist eine Teilhandfütterung vertrauens- oder gar bindungsfördernd. Hier wird dann das Bindungshormon Oxytocin genutzt (am Meisten wohl bekannt als Bindungshormon in der Mutter-Kind-Beziehung).

Das geschieht aber nicht automatisch bei einer Teilhandfütterung, weil dazu weitere Aspekte dazukommen müssen um dieses "Kuschelhormon" auch zu aktivieren.

 

Warum eine reine Handfütterung in jedem Fall abzulehnen ist:

 

Das Gefühl satt zu sein ist ein beglückendes Gefühl. Dieses Gefühl wirkt auf den parasympathischen Teil (PNS) des vegetativen Nervensystem (VNS).

Dadurch wird vor Allem Serotonin gebildet, ein "Glückshormon" welches beruhigende Wirkung auf den Organismus hat.

Dabei kann auch schon die Aussicht auf das Sättigungsgefühl beglückend wirken, also serotoninfördernd.

Serotonin wird benötigt zum Stressabbau.

Bei gestressten Hunden ist eine sättigende, verlässliche und in ruhiger (sicherer, stressfreier) Umgebung stattfindende Fütterung ein großes Standbein, um Stress zu bekämpfen.

 

Das ist jetzt die grobe Zusammenfassung, wobei noch zu erwähnen ist, dass die Aktivität des vegetativen Nervensystems unwillkürlich abläuft, also nicht willentlich gesteuert werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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@Fiona01 So ging es uns am Anfang auch, obwohl Leni ja als Junghund zu uns kam und zuvor auf einer Pflegestelle aufgewachsen ist. Wir saßen zusammen in der Küche und ich habe ihr Bröckchen für Bröckchen zugesteckt :)

 

Nach der Eingewöhnung habe ich  ca. 1/3 von der Tagesration auf den Spaziergängen verfüttert, als wir den Rückruf geübt haben, der mit einer etwas größeren Portion belohnt wurde. Dieses Vorgehen würde ich jetzt aber nicht als "Handfütterung" bezeichnen, den Großteil gab es ja zu Hause. 

Was wir lange und oft gemacht haben, dass meine Tochter ein kleines Schälchen mit Futter hatte und daraus Leni mit der Hand fütterte. Unter Aufsicht versteht sich. Sowohl Kind und Hund waren/sind eher schüchtern und zurückhaltend und näherten sich so vorsichtig an. Auch heute noch wartet Leni ganz geduldig und dezent auf "ihren Anteil" und klaut nichts aus der Hand. Futter ist hier überhaupt kein Thema, ich führe das schon auf das Teilen von Essen und die "Handfütterung" der Anfangszeit zurück. (Spannend übrigens - wenn Leni vom Tisch klaut, dann nur, wenn wir gegessen und aufgestanden sind. Nicht, wenn ich den Tisch decke. Allerdings ist Aufstehen nicht immer gleichbedeutend mit fertig sein, und so ist doch schon einiges in Leni's Magen gelandet, was ich eigentlich noch essen wollte :D)

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@marcolino  Es ist doch ein Unterschied ob der Hund seine ganze Futterration auf einmal aus der Hand gefüttert bekommt oder sich über den Tag erarbeiten muss.

 

Ersteres ist schon sinnvoll und kann als intermediäre Brücke genutzt werden.

 

Der zweite Fall kann natürlich Frust beim Hund erzeugen.

 

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Stimmt, Heiko - in einem Rutsch bis zur Sättigung aus der Hand gefüttert zu werden ist auch noch mal ein Sonderfall, den ich übersehen habe.

Danke für die Ergänzung :)

Wobei eben auch hier genau der individuelle Hund betrachtet werden muss, weil das bei manchen vertrauens-/bindungsfördernd wirken kann, bei anderen dagegen Frust.

Auch, wenn es in einem Rutsch gemacht wird.

 

Grundsätzlich sollte das Ziel sein, dass der Hund sich sicher ist:

- ich bekomme meine Futterportion, die meinen Magen ausreichend füllt, verlässlich

- ich kann mein Futter in Ruhe fressen

- mir nimmt niemand etwas weg

 

 

 

 

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