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Hundeforum Der Hund
gebemeinensenfdazu

"Triebstau"- Phänomene. Übermotiviertheit? Angestaute Erwartungen?

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Dass der Triebstau- Begriff überholt ist , nie wirklich richtig war und vor allem, daß er sehr selektiv  für bestimmte sportliche Tätigkeiten herhielt, lasse ich ein bißchen außen vor.

 

Es geht darum, daß vor allem vorm zweiten Gassigang und auf den ersten 15 min der Hund ziemlich gepusht ist. Also extrem übermotiviert, sehr reizoffen., pendelt sich dann langsam ein. Hund akklimatisiert sich- dann ist alles normal und Dringlichkiten relativieren sich. Das Verhalten ist wesentlich  ausgeprägter, wenn sie länger vorher warten muß.

Fühlt sich wirklich an wie aufgestaute Energie, als ob der Hund kompensieren will, daß er vorher nur geruht hat. Sehr übermotiviert.

 

Heißt: Ich muß Personen auf dieser Strecke und in diesem Zeitraum grundsätzlich benennen und sie an Ausweichen erinnern- sonst würde sie 1-2 Leute, die uns in Grundstücksnähe begegnen, rein aus Prinzip und weil sie es kann auf Abstand pust:en.

Mehreres kommt da zusammen glaube ich-  plausibel scheint mir

 

-Wechsel ruhige Reizlage/ starke Reize (Leute/Fremde in unmittelbarer Territoriumsnähe)/ Hormonlage muß angepaßt werden

 

- vorsorgliches Verscheuchen von Fremden in Territoriumsnähe (das ja währenddessen unbewacht ist)

 

- Aufgeregtheit weil's raus geht (es fühlt sich aber mehr wie Pflichtbewußtsein an)

 

- unmittelbare Nachbarschaft mit viel Publikumsverkehr und vielen Fremden, die größtenteils Angst vor Hunden haben (das ist zumindest ein verstärkender Faktor und trifft nur auf die eine Standard-Gassistrecke zu, die Angespanntheit/Übermotiviertheit hat sie aber auch, wenn wir woanders langgehen

 

- temporäre Abwesenheit Kompensierenwollen

 

- Leine -die erste Strecke ist immer angeleint- nach 200 m kann ich ableinen (auch eher verstärkend- Hund kommt auch runter, wenn wir an der Leine durch die Stadt gehen)

 

- Alter

 

Wenn der Hund sich dann wieder erinnert (oder er erinnert wird), wie's auch geht  (also seitlich vorbeigehen und nicht vorsorglich alle im Umkreis von 5 m vom Weg pusten)läuft das auch wieder die nächsten Stunden. Aber ich habe den Eindruck sie braucht diese Akklimatisierungsphase. So als müßte immer erst wieder ein Maßstab hergestellt werden.

Easier ist es auf jeden Fall, wenn wir wenig Vorlauf haben- je länger sie ausharren muß desto weniger stimmen die Verhältnismäßigkeiten.

Pubertät spielt da bestimmt mit rein.

 Eigentlich würde ich behaupten, daß der Hund schon ausreichend Auslastung hat...

 

Auf der anderen Seite hat es der Hund neulich geschafft 7h lang mit mir unterwegs zu sein, erst 2h Gassi-Freilauf, dann Bus/Bahn/Rushhour mit Bahnhof/BaustellenNotfallfahrplanmassenbahnverkehrsumleitung, mit zigLeuten /schreienden Kindern etc. Da hat sich alles für sie relativiert und sie hat ziemlich gut mitgemacht- in der Menschenmasse etwas gezogen, aber mehr auch nicht, regelmäßig Blickkontakt gesucht und jede Anweisung sofort befolgt. Selbst die Rolltreppe, die sie noch nie gefahren ist hat sie im Strom mit mir genommen weil keine Treppe da war. So als ob sie zwischendurch mal Hardcore Action und Ausnahmezustand braucht.

Wenn ich zu lange nur in der Einöde unterwegs mit ihr bin entwöhnt sie sich richtig und jede winzige Abweichung fällt auf. Wenn der Hund mit Reizen zugeschüttet wird, relativiert sich richtig die Sicht und das wirkt noch Tage nach.

 

Ich hab' schon den Eindruck, daß ich regelmäßig wieder Resilienz auffrischen muß, vielleicht kennt ja jemand das so auch vom eigenen Hund und mag das hier erzählen oder vermutet andere Gründe und Zusammenhänge als ich hier.

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Ich stelle bei meinem Rüden ein ähnliches Verhalten wie du es beschreibst fest. Die Hündin reagiert auch auf unterschiedliche Situationen immer sehr chillig, aber beim Rüden sind die ersten 10-15 Minuten bei jedem Gassigang auch erstmal sehr aufgeregt. Das relativiert sich dann auch nach kurzer Zeit.

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Dann meinst du auch, daß da noch sehr viel am Alter liegt? Deinen Rüden hatte ich auch noch als recht jung abgespeichert...

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Hier ähnlich. Nyla ist knapp 2 Jahre alt. Zu Beginn der gassirunde extrem reizoffen und übermotiviert, sucht sich selbst "Ventile " indem sie bellt, stöckchen herumträgt, losprescht sobald Freilauf angesagt ist, und auch je nach Tagesform gerne mal in ihre alte Übersprungshandlung mit mich verbellen, herumgaloppieren und anspringen verfällt. Das ist v.a. In 'langweiligen' Runden (tägliche bekannte Strecke mit wenig neuem input) in den ersten Minuten so. Auslöser sehe ich auch in einer Mischung aus Energiestau, Aufregung  (Freude) und mangelnde Impulskontrolle gepaart mit erhöhter Reizoffenheit. Das pendelt sich aber nach den ersten Minuten und etwas Pulververschiessen ein. Wenn ich merke dass sie kurz vor dem auslösen einer ihrer 'Ventilausbrüche' ist, hilft es manchmal, ihre Aufmerksamkeit auf ein Stöckchen am Wegesrand o.ä. zu lenken. Manchmal verbellt sie dann auch die Grashalme und verfällt in übersprungsartiges buddeln nach virtuellen Mäusen. Nach einigen Minuten kommt sie dann deutlich runter und alles ist wieder normal. Ich hoffe dass es sich mit zunehmendem Lebensalter etwas abschwächen wird;). Auf jeden Fall hat der hund v.a.in den ersten Minuten meine volle Aufmerksamkeit, da gehe ich auch nicht ans Telefon, wenn ich es vermeiden kann. Denn Ablenkung meinerseits führt häufig zum auslösen und einfordern von "Äktschn" ihrerseits :rolleyes:

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Der wenig Neu- Input spielt schon eine seeehr große Rolle,dann wird halt versucht aus dem Grashalm, Frosch, langweiligen Passant etc. das rauszuholen was geht. Es ist jedenfalls nicht besser, wenn sie etliche Stunden am Tag gechillt hat und dann zum Abendgang rausgeht-es ist eher schlechter. Gut- zu wenig Schlaf ist auch nicht optimal...

Jedenfalls war ich doch beeindruckt wie gut sie diesen Mammut-Trip mitgemacht hat- uns sind da Hunderte begegnet, die sie, wenn wir ihnen allein begegnet wären mit mehr als Argwohn betrachtet hätte.

Vielleicht hat sie das ja auch beeindruckt, daß wir da mit unseren Manövern so gut durchkamen - so eine Art Kompetenzbeweis , der  Vertrauen stärkt. Auch darin, daß endlich mal was passiert...

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Ich kenne das von allen Hunden nur in der Anfangsphase, wenn sie neu hier sind. Dann verschwindet das (es sei denn, das Geschäft hat es eiliger). 

 

Aber ich gehe auch nicht 5+ täglich raus. Meine Hunde ruhen natürlich mehr als vor 5 Jahren, aber deshalb drehen die draußen nicht erstmal auf als hätten sie noch nie Sonne gesehen. 

 

7 Stunden Reizwelle: da relativiert sich nichts, da fährt das Hirn runter. Ist ja auch wichtig. 

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vor 4 Stunden schrieb gebemeinensenfdazu:

Der wenig Neu- Input spielt schon eine seeehr große Rolle,dann wird halt versucht aus dem Grashalm, Frosch, langweiligen Passant etc. das rauszuholen was geht. Es ist jedenfalls nicht besser, wenn sie etliche Stunden am Tag gechillt hat und dann zum Abendgang rausgeht-es ist eher schlechter.

Ja genau. Wenn Ich eine neue Strecke bzw eine länger nicht besuchte Runde gehe, gibt es soviel zu entdecken, dass ihre übersprungsartigen Verhaltensweisen komplett kompensiert werden... Die vorangegangene Ruhezeit ist dabei scheinbar unerheblich.

Ich denke trotzdem, die Waage zu halten zwischen genügend Ruhe und genügend Zeit für Input und auspowern dürfen ist gerade bei so reizoffenen und energiegeladenen Hunden sehr wichtig. Was übrigens in Zeiten der (medizinisch verordneten) zwangsweise verordneten Ruhe plus Bewegungseinschränkung (wie hier gerade durchgemacht) durchaus dazu führen kann, dass beschriebenes übersprungsartiges verhalten wieder verstärkt auftritt :ph34r::rolleyes:.

Aber auch extreme Freude/ Begeisterung führt gerne mal zu zuviel 'Druck auf dem Kessel', der dann in den ersten Minuten erstmal abgebaut werden muss:D...

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Die Überschrifft finde ich cool.

Triebstau :)

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vor 7 Stunden schrieb Hoellenhunde:

7 Stunden Reizwelle: da relativiert sich nichts, da fährt das Hirn runter. Ist ja auch wichtig. 

Ja sicher, aber, was ich bemerke: das wirkt nach. Tage danach noch. Das meine ich mit Relativieren.

Wenn sie total dichtgemacht hätte, hätte sie die Eindrücke wohl nur sehr bedingt verarbeitet. Und dann würde man erwarten, daß der Hund nach 1x Schlafen erst so richtig hochdreht, weil "das Hirn wieder in Gang kommt" oder? Das ist aber nicht so. Sie hat da schon etwas mitgenommen.

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Nein. Akuma ist nach sehr vielen Reizen 2-3 Tage "platter" als normal. 

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