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Hundeforum Der Hund
gebemeinensenfdazu

"Triebstau"- Phänomene. Übermotiviertheit? Angestaute Erwartungen?

Empfohlene Beiträge

Danke für eure Beteiligung! Das ist vielleicht sogar interessanter als ich dachte...

 

also:

vor 3 Stunden schrieb 2010:

Das wäre das absolute GIFT für meinen Hund. Das würde die Erwartungshaltung auf diese Aktion derart hochtreiben, dass nicht mehr zu toppen wäre....

Das mit der Erwartungshaltung würde wohl passieren, wenn ich das regelmäßig machen würde. Dann hätte ich einen Hund, der auf das Zergel/Ball wartet und evtl. darauf besteht, ERST dieses ritualisierte Spiel zu haben und DANN loszugehen.

Ich würde das einstreuen und irgendwie abwechslungsreich machen.

Es gibt bei ihr eine gewisse Erwartungshaltung dazu an diversen Wiesen, wenn wir länger nicht gespielt haben. Aber zum Einen wird es oft genug eingelöst, zum Anderen ist es auch mit einem enttäuschten Blick und einem Trostleckerli abgetan, wenn es mal nicht geht.

 

Abwechslungsreiches Spiel schraubt den Cortisolspiegel herunter. Dauerhaft. Wenn man bei ihr Spiel nicht"ausschleicht" sprich: Ihr das Spielzeug überläßt und nicht mehr auf ihre Avancen eingeht (dauert ca. 15 min, die der Hund zum Umschalten braucht). Abruptes Beenden kann schon zu Übersprungshandlungen führen, in denen sich kurz Ventil gesucht wird- wie Jagen. Beschützen zählt da allerdings nicht dazu, das ist ein anderer Modus.

Von Spielmodus zu Gefahrmodus dauert es deutlich länger, als zum Jagdentertainment.

Auf Gefahr wird nicht blindwütig losgeschossen- da wird beobachtet/angezeigt.

Insgesamt kann sie schon gut auch abrupt umschalten. Ist halt frustig. Muß halt manchmal sein, aber ich guck' schon dass ich das nicht so oft mache, weil es die Erwartungshaltung und den Wert der Beute unnötig steigert. Ich entschuldige mich auch dafür, daß nicht viel Zeit zum Spielen bleibt.

 

 

Ich schreibe nachher weiter... mir ist ganz viel dazu einfallen- danke für die Anregung!

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Eigentlich hatte ich das Thema ja erstellt wegen dieser "Belastungsprobe" und ihren nachhaltigen Effekten. Es wirkt immer noch nach, auch nach weit über einer Woche wird sich insgesamt viel weniger an Kleinigkeiten aufgehangen- ein kurzes Kein Ding-zur Seite reicht ist oft gar nicht nötig.

Deswegen habe ich ja den EIndruck, daß da wirklich auch etwas als Erfahrung verarbeitete wurde. So Sachen wie "seitlich Ausweichen oder kurz Warten reicht auch bei unüberschaubaren Massen an Leuten" oder auch "Wenn sie meint...naja das da neulich hat sie ja auch hingekriegt".

besonders im Winter muß ich so etwas wohl manchmal einstreuen- weil wir im Winter kaum vielen Leuten begegnen- fremden noch weniger. Ich glaube, das rückt dem Maßstab wieder etwas zurecht, wenn die normaler sind und wenn sie sieht, daß man auch mit den üblichen Mitteln (Ausweichenetc.) zurechtkommt, wenn sie PLÖTZLICH auftauchen.

Da hat sie wahrscheinlich viel mit Femo gemein.

 

 

Aber der Fokus ging im Thread ja dann auf diesen 200m (bzw. 10-15min.) Radius. Keine 3km:B) So wild ist das nicht.

Heute unwild as ever. Hund hat noch nicht einmal gezogen dank Schleppleine.

Gleich geschnüffelt argwöhnische Blicke in Richtung soziale Einrichtung wo sehr viele, vorwiegend migrantische und sehr hundeängstliche Leute unterwegs sind- aber- nur geschnüffelt- nicht gezogen (Sie riecht glaube ich auch, daß das eine komplett hundefreie Zone dort ist). Heute auch keine rauchenden, schubsenden, lauten 18-20 jährigen Jungs an dieser einen Ecke. Davor schon kein Eichhörnchen, das weggebellt werden mußte und keine Katze, für die dasselbe gilt. Auch keinen fremden Besucher im Garten. Und: kein unnötig langes Warten, wo man sich dann die Wartezeit mit bürokratischem Bewachen vertreibt. Da sind wie man sieht doch einige Faktoren, die da zusammenkommen müssen.

Entsprechend war das alles ULTRAEASY. Für diese 200m scheint die Schleppleine sich gelohnt zu haben- obwohl ich das Ding hasse. Spiel vorher oder währenddessen war weder auf Hin- noch Rückweg nötig. (eigentlich seit diesem langen Trip ist es insgesamt sehr selten-weiß gar nicht ob es überhaupt seitdem schon nötig war- nötig mit Spiel an bestimmten Orten zu gegenkonditionieren, Koinzidenz ist natürlich prinzipiell möglich).

 

 

@2010Nach deinen Schilderungen fand ich auch ein paar deutliche Parallelen zwischen deiner BC Hündin und meiner (Kontrollverhalten gegenüber Kindern, Wellenjagen, Lust auf Action, schnelle Angeknipstheit) aber ich glaube sie ist schon auch sehr anders.

Das Jagdverhalten ist wie gesagt ganz weit vom Wach-und Schutzverhalten weg. Jagdverhalten ist Fun, Wachen und Beschützen MUSS sein, das ist selbstauferlegte Pflichterfüllung, "das gehört so," "Passierschein?- Moment das muß erst autorisiert werden".

Sie weiß, daß sie das gut kann (insofern ist es auch selbstbelohnende Tätigkeit) und sie macht es von sich aus. Aber dieser FUN-Faktor fehlt.

Hund ist Meisterin in FUN Generieren. Dazu erwartet sie gar nicht viel von mir. Dazu braucht sie keine stereotypen Handlungen, sie läßt sich ziemlich viel Neues einfallen hat nie Langeweile und neigt nicht besonders zu Einförmigkeiten. Sie rennt schon gerne schnell,  vor allem abends gerne durch die Büsche, aber fängt dann auch von alleine wieder mit Traben und Schnuppern an- sie ist ziemlich nasenorientiert und sozial sehr interessiert.

Sie spielt ULTRAGERNE, am liebsten NUR. Aber sie würde bei Gefahr abbrechen. Es würde sie auch irritieren, weil Spiel so völlig entkoppelt ist von Gefahr- null Assoziation.(Außer vielleicht Unfallgefahr , wenn ich sie mitten im Spiel mit einem anderen Hund aufmerksam mache, nicht auf den Weg zu rennen, weil da gerade ein Fahrradfahrer kommt- das berücksichtigt sie dann auch). Da bräuchte sie kurz zum Umschalten.

 

 

 

Überhaupt - Umschalten. Das wurde mir beim Schreiben bewußt.

Dieses Umschalten Gassifreizeit- Territorialjob dauert eben etwas. Und das sind dann diese 200 m oder 10-15 min. Genauso wie Spielmodus auch immer eine Weile nachhängt, bis der Nichtspielmodus anfängt. So dürfte sich auch der Radius erklären.

 

Die Angeknipstheit ist glaube ich ähnlich- aber auf einer anderen Basis: grob kann man da Hormonsysteme bemühen (man verzeihe mir diese Vereinfachungen komplexer Zusammenhänge). Während beim BC vor allem der Dopaminhaushalt im Fokus steht (mit Stereotypien), ist es beim Dobi tendenziell eher der Serotinhaushalt ( mit Zwangshandlungen wie Flankensaugen-TENDENZIELL, daß alle zusammenspielen ist schon klar...), d.h. die Oxytocinausschüttung beim Spiel mit dem Halter wirkt evtl. anders.

Sie wirkt nämlich wie marcolino vorgeschlagen hatte entstressend.Es gibt da weniger diese Neigung zur Endloswiederholung "bis es sich gut anfühlt". Mein Hund macht eher wenige Wiederholungen, sondern sucht nach etwas Neuem. Erstmal gibt es Erwartungshaltung, aber das weicht ganz schnell anderen Beschäftigungen.

Die Erwartungshaltung, daß ich doch nochmal den Ball auspacke, dauert nach einem Schluß nicht mehr so lange.

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Das ist ja interessant, dass du Jagdverhalten als Fun bezeichnest. Die Sichtweise ist mir absolut neu. 

 

Das ein Dobermann und ein Bc unterschiedlich sind in ihren Aufgabengebieten ist mir klar. 

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Naja - da muß ich differenzieren-für meinen Hund ist das "Fun"- Jagen, wenn es wirklich nur um Spurjagen um die Büsche geht oder Wettrennen bei Kaninchen. Bei Raubwildjagd - so behandelt sie erstmal alles, was sie nicht kennt- ist es ja dann wieder Schutz/Abwehr mit Verbellen und Stellen. Da ist die Spurensuche eher ein "Nach dem Rechten schauen". Irgendwann findet sie die Tiere dann berechenbarer. Nutria werden mittlerweile nur noch angezeigt.

Also- mit Fun-Jagen meine ich wirklich das Wettrennen, das Spurenverfolgen usw. also alles- wo keine Gefahr im Spiel ist sondern Sportlichkeit. Für sie ist das wirklich eher Spiel- sie lauert nicht, gegraben wird nach Wurzeln usw. prinzipiell alles ersetzbar durch Spiel mit mir - ganz im Unterschied zu "Pflichterfüllung".

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Da geht es bei ihr nur ums Rennen und nicht um Beute machen- abrufbar ist sie da auch. Daß das bei anderen Hunden ganz anders ist, ist mir schon klar, es ist auch nicht wirklich rassetypisch- das Jagdverhalten weicht bei den Vertretern , die ich kenne stark voneinander ab. Nur Hetzen/Rennen tun sie wohl alle gerne.

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vor 3 Stunden schrieb gebemeinensenfdazu:

Nur Hetzen/Rennen tun sie wohl alle gerne.

 

Das ist nur logisch - schau dir den Körperbau an, diese Hunde sind zum Rennen GEMACHT. 

Nicht wie Windhunde, logisch - aber für SCHNELLE Fortbewegung ist dieser Körper ideal, und das wird dann auch genutzt (gelebt).

 

Deshalb ist Impulskontrolle wichtig  - nicht das auferlegte Warten in bestimmten Situationen (wie z.B. die klassische Impulskontrolle bei vielen Sportarten), sondern die intrinsische Motivation, dem schnell ausgelösten Bewegungsdrang nicht impulsiv zu folgen.

 

Dazu wird der Hund zum DENKEN angeregt - weil Denken vor dem Handeln folgt (folgen sollte), und das Handeln (also die körperliche Reaktion des Rennens) damit erst verzögert kommt ... wenn der Hund nicht sogar denkt: "Nö - lohnt sich nicht."

 

Dieser typischen Bevorzugung schnellerer Fortbewegung ist natürlich Raum zu geben, es ist ein Bedürfnis, welches befriedigt werden muss.

 

Ich kenne hier keinen einzigen Dobermann, der im Freilauf rumläuft (allerdings sind Dobermänner hier auch sehr selten, ich habe hier vielleicht 10 in 20 Jahren Hundehaltung gesehen). Deshalb ist meine Beobachtung auch nur anekdotisch.

 

Trotzdem freue ich mich, wenn ich bei dir lese dass DEIN Hund diesen Freiraum hat :)

 

Das ist aufgrund meiner Erfahrungen eine Ausnahme.

 

 

 

 

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vor 28 Minuten schrieb marcolino:

Ich kenne hier keinen einzigen Dobermann, der im Freilauf rumläuft (allerdings sind Dobermänner hier auch sehr selten, ich habe hier vielleicht 10 in 20 Jahren Hundehaltung gesehen). Deshalb ist meine Beobachtung auch nur anekdotisch.

Das ist ja krass:o

Dabei ist Freilauf mit denen so easy, enger Radius, guckt stets nach einem , ultraleicht mit Spiel zu motivieren und keine Tendenz zum in andere Hunde reinbrettern- dazu sind sie zu vorsichtig.

Nur an der Leine...das müssen aber unglaublich sportliche Menschen sein.... das würde ich nicht packen.

Nein hier ist es so, daß ich vielleicht zwei grundsätzlich angeleint Hunde gesehen habe, getroffen haben wir alleine hier schon ca. 20. Wir sind meist in freilaufprädestiniertem Gelände unterwegs, aber auch in der Innenstadt an der Straße habe ich schon welche getroffen, die frei liefen. Das wäre mir persönlich zu unsicher - nicht nur weil sie noch recht jung ist.

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Ah so- heute 12 km quer durch die Grünzonen der Stadt: die Einschätzung, daß daraus trotz (oder gerade wegen) Reizdichte Erfahrungen gezogen werden stimmt ziemlich sicher.

Sie hat eben ziemlcih genaue Muster für Normbedingungen. Heute war wiederalles easy- selbst Grundschulklasse , die auf 4m Abstand an uns vorbei sind . trotz einem Jungen, der einen anderen im Würgegriff hielt und mitschleifte (Was sind das für Ausflüge:ph34r:) Wir einigten uns auf: Naja, die sind halt strange und guckten, wie sie an uns vorbeizogen.

 

Im Winter und in der Schlechtwetterphase sind wir kaum Leuten begegnet. Damit war das eher die Norm und natürlich auch sehr bequem- wenn keiner da ist, muß man nix im Auge behalten. "Bahn frei-Bellen" macht die Bahn frei- praktisch- sehr sicher und wirkungsvoll , um die Norm wiederherzustellen (Wenig fremde Leute auf Abstand).

Stadtausflüge gab's in der Phase auch gar nicht. Im Winter sind halt wirklich kaum Leute draußen. Pubertät hat das noch begünstigt, daß bes nicht mehr so präsent war, wie es auch sein kann .

Der Stadtmarathon hat da scheinbar wieder etwas in das Gedächtnis gerufen, daß man da auch mit üblichen Mitteln gut klarkommt.

 

Der Hund macht solche Stadtsafaris voll motiviert mit- schnuppert permanent, schlägt Abstecher in Auslaufgebiete vor, wo wir vor über 5 Monaten  waren und zieht noch nicht einmal.

Also, so lange bei dem Hund alles Normale beisammen ist, ist auch alles normal. Sobald was fehlt nur einmal anders ist und nicht häufig usw. und solange man zu sehr in einem gebiet unterwegs ist wird die Welt kleinkarierter. Ist bei mir ja auch so:rolleyes:.

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Noch ein paar mal getestet.

Dieser Radius ist definitiv davon abhängig, wie aufregend die Phase davor war und was uns da begegnet. Entscheidend ist scheinbar wirklich, daß wir da durchs Katzenterrain müssen - das sind erklärte Feinde. Diese 50 m gehen nur extrem angespannt, wenn die Katzen kurz vorher da entlanggelaufen sind. Schleppleine hilft ihr da aber etwas- das geht im Schnitt viel besser, die kurze Leine steigert nur den Druck.

 

Waas die Reizmarathons angeht: der Hund geht dann auf dem zweiten Abendang nicht mehr Jagen. Sie ist nicht direkt müde, aber schon noch ausgefüllt.

Evtl. hängt auch nach, daß sie bei solchen langen Ausflügen auch die ganze Zeit bei mir in unmittelbarer Nähe ist- obwohl wir dabei immer kurz mal Freilauf, da wo es geht. einbauen. Aber eigentlich daran glaube ich nicht so richtig, weil sie, wenn wir nur die üblichen Besorgungen an der Leine machen, sie dann schon abends wieder nach Reizen jagen geht. Das führe ich also wirklich auf die Reizdichte zurück. Der Hund ist wirklich sehr erlebnishungrig.

Was den Schlaf angeht, kann es sein, daß sie dann in der Tendenz etwas mehr schläft- genau läßt sich das nicht sagen, da hier Umgebungsfaktor-abhängig gut geschlafen wird. Regnet es und wenig Leute sind unterwegs, keine schreienden Kinder schläft der Hund lange. Wenn gutes Wetter ist und viele Leute herumschreien wacht sie immer wieder auf - das reicht dann in der Summe noch, ist aber weniger erholsam.

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