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Hundeforum Der Hund
gatil

Dominanz und Rudelführer: kurze Erklärung der heutigen Sichtweise

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vor 3 Stunden schrieb marcolino:

Der Titel des Threads fragt eigentlich danach, wie die die Sicht auf Dominanz und die Theorie des "Rudelführers" (Alpha) heute gesehen wird.

 

Wie etwas "heute gesehen wird" ... von wem denn? Die Formulierung suggeriert eine Allgemeingültigkeit, die es einfach nicht gibt. Es ist doch ein Unterschied, ob etwas allgemeiner Konsens in der Wissenschaft ist oder ob etwas Konsens in einem bestimmten Hundeforum oder zwischen einigen Individuen ist. Nicht mal hier im Forum scheint es einen Konsens zum Thema "Dominanz" und "Führung" in der Biologie zu geben, denn du schreibst dies hier:

 

vor 3 Stunden schrieb marcolino:

Gatil fragt dann im ersten post nach, wie am Besten kurz und knackig erklärt werden kann, dass die althergebrachten Zöpfe der "Dominanz über den Hund" und die Rolle des Menschen als jederzeitiger Beherrscher überholt sind, und wie man statt dessen die "neue Sicht" auf den Hund kurz erklären kann, ohne dabei diese Begriffe zu nutzen.

 

Ich glaube, ohne diese Begriffe geht es nicht :ph34r:

 

Denn sowohl Dominanz als auch die Einordnung von "Alpha, Beta und Omega" sind ja existent und finden Anwendung in der Verhaltensbiologie - nur sind durch "neue" Erkenntnisse belegt, dass die früheren Schlüsse, die aus den damaligen Erkenntnissen gezogen wurden, so nicht stimmen.

 

Verstehe ich dich richtig: es gibt dominante Hunde und Alpha-Hunde und der Begriff "Dominanz" ist Teil der wissenschaftlich akzeptierten Terminologie und beschreibt die Wirklichkeit nach wissenschaftlichem Konsens völlig korrekt? Dann haben sich also nur die Ansätze für eine andere Pädagogik (mittels verbesserter Lerntheorien) und die Ethik im Umgang mit dem Lebewesen Hund (Hund hat auch Rechte) geändert - zumindest bei einigen Hundehaltern und Hundeschulen?

 

Ich finde, es gibt hier im Forum diese bedenkliche Vermischung von Ethik (Was soll ein Mensch tun?) und wissenschaftlichen Fakten (der aktuelle Konsens in der universitären Forschung über das, was existiert und wie es funktioniert). Das wirkt auf mich extrem unseriös. Was hat Ethik mit Biologie und Fakten zu tun? Vermutlich kann man auch eine Studie finden, dass Frauen kleinere Gehirne haben als Männer und die Ungleichheiten bei der Bezahlung damit rechtfertigen. Dass sie mit den Kindern hinter den Herd gehören, unterfüttern manche auch mit der Biologie. Hier im Forum wird es den Hundehaltern auch so verkauft und eingefordert: ihr müsst euch so und so verhalten und denken, weil die Wissenschaft das angeblich unisono festgestellt hat. Das ist in meinen Augen das Funktionalisieren von Wissenschaft für ideologische oder weltanschauliche Zwecke.

 

vor 3 Stunden schrieb marcolino:

Das ist ein Beweis dafür, dass unsere Hunde Denken und Fühlen - und zwar sehr ähnlich dem Denken und Fühlen von Menschen.

 

Ich behaupte einfach mal, dass das jetzt nur für dich persönlich ein hinreichender Beweis ist und für eine kleine Unterströmung in der Wissenschaft eine spannende Hypothese, aber da ist eben kein wissenschaftlich hinreichender Beweis, so dass diese These jetzt von der Mehrheit in der Forschung genau so und unwidersprochen akzeptiert wird. Soweit ich das jetzt zumindest in Artikeln der Nachrichtenmagazine lese, ist dieser Ansatz recht neu und hat es eher schwer, sich in der Forschung durchzusetzen.

 

Artikel bei Deutschlandfunk 10.02.11: Der Hund fühlt, aber denkt nicht - Philosophen diskutieren über Fähigkeiten von Tieren :

"Selbst angesichts der ja teilweise spektakulären kognitiven Fähigkeiten sieht Brandt Tiere nicht als denkende Wesen."

 

Spiegel-Artikel 10.08.09: Studien ausgewertet Hunde sind so schlau wie Kleinkinder

"Das Denkvermögen der Hunde übertreffe bei Weitem das, was den Tieren bisher zugetraut wurde, erklärte Coren, der mehrere Bücher über die Intelligenz von Hunden verfasst hat."

 

Trotz dieser Erkenntnisse, acht Jahre später:

Artikel im Geo-Magazin 4.10.2017: Wissenschaftler bricht ein Biologie-Tabu "Wir müssen Tiere vermenschlichen"

"In der Verhaltensbiologie gilt es als Todsünde, Tieren „menschliche“ Gefühle, Absichten und Denkweisen zu unterstellen. Jetzt fordert ein Biologe genau das"

 

Das hört sich für mich nicht so an, als wären alle Hundehalter außerhalb der Forumsblase machtgeile Deppen und Bösewichter, die es nicht besser wissen wollen. Sie vertrauen eben auch dem aktuellen Stand der Wissenschaft und dem, was ihre Sozialisierung ihnen vermittelt hat.

 

vor 3 Stunden schrieb marcolino:

Erziehung über Einschüchterung war im Mittelalter :ph34r:

 

Ich finde, das sollte man nicht nur bei Tieren beherzigen sondern unbedingt auch auf neue Forumsuser oder Gassigänger anwenden. Wäre jedenfalls moderner als Hexenjagd, Pranger und repressive Sprachvorgaben, um das Böse aus der Welt schaffen.

 

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