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Hund hat nach schlechten Erfahrungen Panik vor Artgenossen

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KleinEmma   

So, nun mache ich das mal zum Thema. Dazu muss ich aber ausholen - lehnt euch zurück :D 

 

Bei uns ist der Wurm drin und das begann Anfang November mit einem Beinbruch. Emma ist scheinbar in ein Loch getreten. Es geschah beim ganz normalen morgendlichen Spaziergang und bei der Strecke, die ich seit Welpenbeinen an mit ihr gehe. Jedenfalls musste sie operiert werden, trägt jetzt eine Schiene und Schrauben aus einem speziellen Kunststoff im Vorderbein.

8 Wochen Schonzeit waren angesagt. 

Damit begann der Wurm. 

 

Als die Schonzeit vorbei war, konnte sie zwar wieder gut laufen, aber sie hatte noch längere Zeit Probleme mit Bändern, Ödemen etc. 

Als die Schonzeit vorbei war, retteten wir eine ca. 3 Monate junge Hündin vor dem Hungerstod. Sie saß in einem Rohr unter/ neben der Straße. Einige wissen von Lili. 

Damit begann der Wurm größer zu werden.

 

Anfangs schien es so, als würden sich Emma und Lili bestens verstehen. Im dritten Monat zeigte sich aber dann, dass Lili Emma mobbte - einige von euch haben es mitbekommen, weil ich das hier im Forum berichtete.

Um es kurz zu machen: Wir suchten Lili ein neues Zuhause, das sich schneller fand als gedacht. Sie lebt nun in Frankreich und hat einfach ein super tolles Frauchen bekommen.

 

Für Emma hatte diese Zeit aber Nachwirkungen: Sie hat jetzt Angst vor Junghunden. Sind diese auch noch stürmisch, kommen angerannt oder noch schlimmer, sie rennen hinter Emma her, dann wird die Angst zur Panik.

 

Aber damit nicht genug.

Emma wurde Anfang April von einem großen Hund attackiert und gebissen. Die körperlichen Wunden sind verheilt, die seelischen Narben sind geblieben: Sie hat jetzt echt Panik vor Hunden. Diese Angst hat sich ausgeweitet. Es sind jetzt nicht "nur" große Hunde, sondern fast alle (fremden) Hunde. Lediglich die Zwerge wie Yorkshire und Co. machen ihr keine Angst.

 

Seitdem bin natürlich auch ich nicht mehr total entspannt und gelassen, wenn wir freilaufenden Hunden begegnen. Es ist aber nicht so, dass ich mein Schiss auf Emma überträgt. Dazu ein kurzes Beispiel:

Wir trafen in einem Ort in Frankreich auf drei Hundehalter, die ich letztes Jahr schon traf. Sie gehen morgens am See mit ihren beiden kleineren Hunden und einem Golden Retriever spazieren. Alle im Freilauf.

Als ich sie sah, habe ich mich total gefreut. Letztes Jahr sind wir nämlich an einem Morgen gemeinsam am See entlang gegangen. 

Diesmal: Emma sah die Hunde und vor allem den Retriever, stoppte, drehte um und lief weg :( Der Hund war dann für sie Grund genug, überhaupt nicht mehr spazieren zu wollen.

 

Ich habe von einem von mir sehr geschätzten Menschen gute Tipps erhalten, die ich jetzt auch umsetze. Also z.B. lasse ich Emma entscheiden, ob sie weitergehen oder umdrehen möchte. Ich lasse ihr Zeit, erstmal den Hund mit großem Abstand zu beobachten. 

Das ist natürlich nicht in jeder Situation möglich. Aber ich versuche immer auszuweichen, wenn Emma das möchte oder halt aus Distanz zu beobachten. 

 

Und natürlich kann ich nicht jede Hundebegegnung beeinflussen. Gestern kam ein Boxer aus einem Grundstück heraus gestürmt und stürmte zielstrebig auf Emma zu. Nicht spielend, sondern arg angespannt. Die Leute hatten vergessen das Tor zu schließen. Ich war wie gelähmt, Emma ebenso, aber mein Mann war mit und er konnte handeln. Er machte sich groß, rief laut "Hey!" und klatschte in die Hände. Das hat bei dem Hund gewirkt, denn er hatte uns überhaupt nicht bemerkt, erschrak also sehr und haute ab.

Für Emma mal wieder ein Drama und Grund genug nur noch eine Mini-Runde drehen zu wollen, um nicht an diesem Grundstück vorbei zu müssen. 

 

Hat jemand von euch Erfahrungen damit? Wie seid ihr vorgegangen? Ist euer Hund wieder fröhlich und entspannt geworden oder blieben die Ängste bestehen? Und wie habt ihr eure eigene Angst in den Griff bekommen, wenn wieder ein Hund angestürmt kommt (kein echter Tut-nix, sondern unnette Hunde)?

 

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gebemeinensenfdazu   

Wahrscheinlich hast du es ja schonmal gelesen, ich schreibe es trotzdem nochmal rein, weil es zum Thema paßt.

Meine Hündin wurde ja in der Vorpubertät angefallen- aus einem ihr nicht ersichtlichen Grund, der Angriff kam erst als die Begegnung schon fast vorbei war.

(deswegen konnte sie den Angriff nicht einordnen:Großer Labrador/Dobi/Irgendwas Mix-Rüde zweijährig lief in Weihernähe beiFrauchen. Sie rief, ob das ein Rüde sei und leinte nachdem das geklärt war ab,  ihr Hund knurrte sie im Vorbeigehen weg, meine- auch freilaufend- peilte daraufhin dessen Frauchen an und fiddlete, Frauchen ging darauf ein und schickte währenddessen ihren Rüden wiederholt weg. Großer Fehler - ich hätte gleich weitergehen sollen. Als wir weitergehen wollten lief sie am Rüden vorbei, der sie darauf seitlich Richtung Kehele packte und schüttelte. Ich konnte nach einigen Sekundenim Nachfassen meine Hand in den Maulwinkel kriegen, sie befreien und gab ihr ein "lauf!" während ich den Rüden festhielt. Also, sie hat dabei gemerkt , daß ich ihr effektiv helfen konnte, ich glaube daß das wichtig war)

 

Danach griff ich mir den ersten freundlichen großen Rüden auf dem Nachhauseweg- Ridgeback- nur vorsichtiges Schnüffeln. Am nächsten Tag auf die Freilaufwiese- gezielt große Rüden gesucht und einen sehr netten jungen Retriever gefunden, den sie heute noch sehr gern hat.

Trotzdem ist eine Skepsis bei großen Rüden geblieben. Größere Hunde allgemein begrüßt sie außerhab der Freilaufwiese nur, wenn sie mich in der Nähe weiß.  Sie wartet dann auf mich und schnuppert ausgiebig , um die Stimmung des Gegenüber auf Distanz möglichst gut einordnen zu können. Manchmal muß ich auch vorgehen und den Hund erst selber begrüßen, erst dann kommt sie dazu. Wenn er sich als freundlich und spielfreudig herausstellt , dann braucht sie ein paar vorsichtige Minuten - manchmal auch mit vorsorglichem Zurechtweisen ( per Zähneklappern"Mach bloß nichts mieses, ich könnte wenn ich wollte)und taut auf- danach ist sie normal.

 

Wie reagiert Emma, wenn du den Hund freundlich begrüßt und auf ihn zugehst? Sucht sie generell lieber Abstand oder bleibt sie in deiner Nähe?

Meine bleibt glaube ich bei mir, weil ich damals schnell eingreifen konnte.

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KleinEmma   

Sie ist dann im Zwiespalt, möchte natürlich nicht von mir weg, aber auch nicht zum Hund.

Deshalb lasse ich sie ja entscheiden - wenn das möglich ist. 

 

Ich habe auch eingegriffen, sonst hätte der Hund nicht losgelassen. Emma war im Schockzustand und lief panisch zurück zum Wagen. 

Sie hatte danach Kontakte zu Hunden, wollte in den ersten Tagen auch nichts von ihr bekannten Hunden wissen. Das hat sich dann wieder gelegt und sie freut sich Zuhause (wir sind momentan nicht in der Heimat) über ihre Kumpel. 

 

Fremdhunde sind nun ein arges Problem, egal was ich vom fremden Hund halte. 

 

Das Neuste ist: Sie möchte ihr Geschirr angezogen bekommen, wenn wir spazieren gehen. Das scheint so eine Art Thundershirt-Wirkung zu haben. Geschirr fand sie vorher furchtbar. 

Und wenn ein Hund in Sicht kommt, stupst sich mich an und möchte entweder an die Flexileine angeleint werden oder das Ende der Führleine ins Maul nehmen. 

 

Sind die anderen Hunde angeleint, ist das ja weniger ein Problem. Sie sieht ja, dass sie angeleint ist und traut sich auch vorbei. Hunde im Freilauf - das löst nun oft Panik aus, nicht "nur" Angst.

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gebemeinensenfdazu   

Oje. Dann fühlt sie sich wahrscheinlich an der Leine sicherer, weil ihr da noch nichts Schlimmes passiert ist.

Glaubst du es würde helfen, wenn man das Selbstvertrauen in die eigenen kommunikativen Fähigkeiten wieder stärkt? Ich habe nicht wirklich herauslesen können wie sie auf Distanz mit dem Fremdhund kommuniziert bzw. ob sie das überhaupt noch macht.

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KleinEmma   

Seltsam ist: Sie war bei der Hundeattacke angeleint. Ich hatte sie extra angeleint um dieser Hundehalterin zu vermitteln: Mein Hund ist angeleint, also lasse deinen bitte auch an der Leine. Hat ja nun nicht funktioniert.

 

Emma fühlt sich trotzdem in dem Moment der Hundebegegnung an der Leine oder mit Leinenende im Maul sicherer. 

 

Tja ,wie kommuniziert sie. Gute Frage. Solange der andere Hund nicht hinter ihr her läuft, bleibt sie mit großem Abstand stehen. Sie steht dann da, bewegungslos, Ohren angelegt und schaut zu mir (bin ja schließlich langsamer als sie), wartet dass ich komme. Und schaut auch zum Hund, aber eher, damit sie losrennen kann, falls der Hund zu ihr will. 

 

Es ist unterschiedlich, je nachdem wie viel Platz vorhanden ist, welche Hunde es sind usw. 

 

An einem Platz stürmten zwei Hunde (ein weißer und ein schwarzer Hund, beides Schäferhund-Mixe) auf sie zu und jagten sie. Dann wird Emma sofort panisch und rennt los. Unser Wohnmobil war nicht weit weg. Sie ist dahin gelaufen und hat sich unters Auto verkrochen. Der Schwarze wurde gerufen und geholt. Der Weiße stand freundlich wedelnd vorm WoMo und vor Emma. Emma hat ihn angebellt, mit einem hohen, fiepsigen Bellen (Angst). 

Aber: Sie ist hervorgekommen, sobald der Weiße weg ging und draußen geblieben. 

 

Bei anderen Hunden wiederum, will sie rein und nicht mehr raus. 

 

Kommunikation ist aber eher immer wegschauen. Sie schaut also den Hund nicht direkt an, schaut dann immer wieder weg. 

 

Ich wüsste jetzt nicht, wie ich das stärken sollte? Emma hat bisher andere Hunde immer sehr gut einschätzen können. Das ist ihr jetzt wohl verloren gegangen, denke ich.

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gebemeinensenfdazu   

Ich hole das Thema mal hoch - ich glaube, das haben mehrere Leute nicht gesehen, die dazu etwas raten können.

 

Wirklich raten kann ich da nicht, weil sich das wahrscheinlich wirklich besser jemand angucken müßte, aber intuitiv würde ich "Kommunikation Stärken" darin sehen, ihr "Freeze" irgendwie abzustuetzen, indem ich mich dazwischenbewege und splitte oder so . Außerdem- aber da weiß ich natürlich nicht auch nicht , wie sie dann reagiert, würde ich wahrscheinlich für längere Zeit mit einem vertrauten Hund unterwegs sein, der auf sie achtet, aber ruhige souveräne Kommunikation pflegt.

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Curly81   

@KleinEmma da hat eure Emma ja einiges hinter sich. Ich wünsche euch dahingehend alles Gute. Ich würde auch erst langsam anfangen, indem ich mit vertrauten Hunden Runden spazieren gehe.  Um fremde Hunde einen großen Bogen laufen, ich weiß, ist leider nicht immer möglich. :ph34r: Zumal wenn sie im Freilauf sind und einfach angerannt kommen. 

 

Unsere Emma hat zwar jetzt keine Angst, aber sie ist im Moment Läufig ist und findet daher fremde Hunde gerade sowas von doof. Vor allem stresst es sie ganz schön.  Sollte uns auf unseren Runden dennoch einer begegnen, versuche ich immer dazwischen zu sein. 

 

 

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Fiona01   

Fly hatte, als sie zu uns kam, auch sehr große Angst vor großen Hunden und wollte/konnte an denen nicht vorbei. Sie drehte um und lief auch weg. Irgendwann aber waren wir mi unserem Fahrradanhänger unterwegs, als die anderen Hunde kamen. Fly sprang dann dort rein und ich machte den Reißverschluss hinten zu. Tatsächlich interessierten sich dann auch nur ganz wenige Hunde für den Anhänger mit Fly drin und Fly fühlte sich dort sicher. Sie hatte auch verstanden, dass da niemand an sie heran kam. ;) 

Dass ist das, was ich bei Emma nicht einschätzen kann, ob sie das als Schutz annehmen könnte. Wenn ja, könntest du es vielleicht mit einen Fahrrandanhänger zum schieben versuchen, oder dein Mann bastelt dir ein Mobil? 

Auf jeden Fall toi toi toi, dass die Ängste sich wieder legen, das ist echt Mist. :knuddel 

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Freefalling   

Manche Hundehalter üben mit ihrem ängstlichen Hund, dass er sich - zunächst auf Kommando, dann selbständig - bei “Gefahr“ zwischen die Beine stellt. 

Das hat den Vorteil, dass man besser abwehren kann und es ist besser als der Fluchtreflex “nach Hause“, der die meisten selbst wohlgesonnenen Hunde zum Hinterherjagen anregt. Du könntest sie dann auch am Geschirr halten, so als Anker.

Ich würde ihr Bedürfnis nach der Leine in den Situationen stärken. 

 

Das alles beschert ihr noch keine super positiven Begegnungen, aber vielleicht braucht sie erstmal ein grundsätzliches Sicherheitsgefühl und will dann von der Warte aus manchen Hunden eine Chance geben. Aktuell scheint sie ja “kopflos“ davon zu rennen. 

 

Nur so ne Idee. 

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KleinEmma   

Danke für eure Tipps! Und auch danke, dass du den Thread hochgeholt hast, @gebemeinensenfdazu.

 

Vertrauter Hund ist zur Zeit nicht vorhanden. Wir sind ja mit Wohnmobil unterwegs. Ich bin aber vorher ganz oft mit einer Bekannten und ihren Hunden spazieren gegangen. Das lief sehr gut, zumal ein Hund Emmas Freund ist.

 

Splitten, Bögen laufen, zu ihr gehen usw., das mache ich bereits. Emma läuft immer noch meistens ohne Leine. Was sich nun geändert hat: Geschirr tragen und öfter anleinen. Wenn sie z.B. schon zu Beginn des Spaziergangs Angst hat und deshalb da steht und sich nicht traut weiterzugehen, leine ich sie an und zwar mit der Flexileine. Damit hat sie einen größeren Spielraum. Und damit traut sie sich dann - meistens -mitzugehen. 

Wir sind aber auch schon zurückgegangen, weil ihre Angst zu groß war.

 

Fahrradanhänger wird - wenn das Wetter mitspielt - bald wieder zum Einsatz kommen. Momentan sind wir viel in der Natur ohne feste Wege unterwegs. Wir gehen also durch Wälder usw, mit vielen sehr schmalen und oft matschigen Wegen.

 

 

vor 35 Minuten schrieb Freefalling:

Manche Hundehalter üben mit ihrem ängstlichen Hund, dass er sich - zunächst auf Kommando, dann selbständig - bei “Gefahr“ zwischen die Beine stellt. 

Das hat den Vorteil, dass man besser abwehren kann und es ist besser als der Fluchtreflex “nach Hause“, der die meisten selbst wohlgesonnenen Hunde zum Hinterherjagen anregt. Du könntest sie dann auch am Geschirr halten, so als Anker.

 

Das hört sich gut an. Eine zweifelnde Frage habe ich dazu: Wenn ich ihr beibringe: Da kommt ein Hund, komm schnell zwischen meine Beine - besteht dann nicht die Gefahr, dass ich ihr damit zeige, dass Hunde tatsächlich eine Gefahr sind? (Toller Satz - ist noch zu früh :D ).

 

 

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