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Hundeforum Der Hund
Renegade

Das "Halti" - Funktionsweise, Vor-/Nachteile?

Empfohlene Beiträge

@agathahat es im Zusammenhang mit ihrem Ramse zur Sprache gebracht.

Viele haben sich mit dem Post beschäftigt.

Was nicht 'rüberkam, ist, wie soll das Halti funktionieren?

Kann man damit etwas richtig machen, verbessern?

Oder ist es nur eins von diesen "aversiven" Hilfsmitteln, die nur HH anwenden, denen die positiv verstärkenden Ideen ausgegangen sind?

@Renesis hat angeregt, diese spezielle Thematik vom Ramse Thread zu trennen.

Finde ich gut und will diese Idee hiermit aufgreifen.

 

Kann das bitte mal jemand erklären, wie das Halti wirken soll und worauf diese Wirkungsweise beruht?

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Zitat

Sonderfall Halti

 

Das Halti, eine Vorrichtung, ähnlich wie das Führhalfter beim Pferd. Hier wird der Hund mittels einer Art Maulschlaufe um den Fang an diesem geführt. Bei Zug zieht sich das Halti zusammen und übt Druck auf den Fang aus, dies soll einen Schnauzgriff simulieren.

Außerdem wird der Kopf des Hundes in Richtung des Hundeführers gedreht.

 

Beim Halti gibt es mehrere Dinge zu beachten, weshalb ich aus diversen Gründen das Halti in den Bereich des Starkzwangmittels katalogisiere.

 

Zum von mir erwähnten Schnauzgriff gibt es aus kynologischer Sicht folgendes anzumerken.

In der veralteten Lehre von der Hundeerziehung wird oftmals der Schnauzgriff als artgerechte Methode angeführt seinen Hund zu strafen, bzw. zu maßregeln.

 

Hierzu ist anzumerken, dass es zwar immer wieder mal beobachtet wird, dass eine Hundemutter mit ihrem Fang über den Fang der Jungen streicht, bzw. „beißt“, jedoch bislang nochniemand feststellen konnte, in welchen Situationen und mit welcher Intensität dies geschieht und welche körpersprachliche Signalebereits vorausgingen.

Seien sie sich sicher, dass eine Hundemutter niemals einen Welpen einfach ohne Vorwarnung über die Schnauze beißt. Wer sich mit der Körpersprache des Hundes beschäftigt weiß, dass Hunde über eine derart feine Kommunikation verfügen, dass es uns Menschen teilweise gar nicht möglich ist, vorausgehende Signale richtig zu erkennen, zu deuten und geschweige denn sie selber nachzuahmen.

 

Welche Folge hat denn nun ein Schnauzgriff, wenn ihn der Mensch beim Welpen oder Junghund anwendet? Haben sie vor der

Anwendung bereits körpersprachliche Signale ausgesendet oder einfach über den Fang gegriffen, weil ihr Welpe dauernd in die Hand knabbert? Ein vom Menschen angewendeter Schnauzgriff führt bei Hunden in der Regel nur zu einem: Er verliert das Vertrauen in seinen Menschen.

 

Zum zweiten Punkt, das Drehen des Kopfes. Das Prinzip des Haltis ist eigentlich, dass man einen Hund niemals am Halti führt, sondern am Halsband oder Geschirr.

Eine zweite Leine ist am Halti eingehängt und hängt locker durch.

Übt der Hund nun Zug aus oder fixiert sich, dann kann man über einen ganz sanften und niemals ruckartig erfolgenden, leichten Zug an der Haltileine den Kopf des

Hundes sanft zu sich ziehen und so die Aufmerksamkeit des Hundes zu sich lenken.

 

Es gibt nur ganz wenige Menschen, die wirklich fachgerecht mit einem Halti umgehen können. Im Alltag sieht es so aus, dass die Hunde meist am Halti geführt werden, mit allen Konsequenzen. Das heißt, springt der Hund in die Leine, wird sein Kopf rumgerissen. Mitunter schwere Verletzungen an der Halswirbelsäule sind durchaus keine Seltenheit bei Haltihunden.

 

Ich rate deshalb von der Nutzung eines Haltis definitiv ab und empfehle stattdessen lieber mehr Zeit in fachgerechtes Training zu investieren.

https://www.trainieren-statt-dominieren.de/images/documents/Starkzwangmittel.pdf

 

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@Zurimor

 

Schau mal, es gibt schon ein extra Thema dafür. 

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Ich habe im Training auch ab und an ein Halti eingesetzt, zwar immer äußerst ungern, aber es gab ein paar Fälle, da war dieses aversive Hilfsmittel die einzige Möglichkeit, einen Fuß in die Tür zu bekommen.
In allen Fällen war die Ausgangssituation: Sehr großer, schwerer, kräftiger Hund mit absolutem Leichtgewicht als Halter*in.
Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass eine 45kg Frau einen Doggen-, Molosser-, Herdenschutzhund o.ä. der locker ein 60kg + Gewicht mitbringt, schwer halten kann, wenn dieser auf Krawall gebürstet ist. ;)
In diesen Fällen haben wir mit Halti, Doppelleine und Brustgeschirr an der Leinenführigkeit gearbeitet. Das Halti war dabei der Rettungsanker, wenn der Hund nach vorn geht und der/die Besitzer die Kontrolle zu verlieren droht. Dabei gibt es einen psychologischen Effekt beim Halter. Allein durch das Bewußtsein, den Hund auch in schwierigen Situationen ohne große Krafteinwirkung halten zu können, verliert dieser seine Angst vor Kontrollverlust und lernt mit diesen Situationen besser umzugehen. Dies erzeugt natürlich auch eine Wechselwirkung beim Hund.
Selbstverständlich ist das Zuziehen des Halfters/ Haltis unangenehm für den Hund, es erzeugt durch Zuziehen Druck auf das Nasenbein, der Hund nimmt selbst die Spannung raus, indem er langsamer wird oder stehen bleibt, WEIL es für ihn unangenehm ist.
Es ist eine sehr schwierige Übung, man führt ein Halti wie ein rohes Ei, wenn nicht, tut man dem Hund weh.
Der Hund soll beim einfühlsamen Training mit dem Halti lernen, an lockerer Leine am Geschirr zu laufen, dann kommt das Halti weg. Es darf und sollte nie dauerhaft eingesetzt werden und man sollte schon wissen, dass man hier mit einem aversiven Hilfsmittel arbeitet, dass Meideverhalten hervorruft.
Ich bin der Meinung, es sollte, wenn überhaupt, nur achtsam von Trainern eingesetzt und Kunden vermittelt werden und nur dann, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind und es mit Gefahr für Hund und Halter verbunden ist, einen Hund ohne Hilfsmittel zu führen. Auch da sollte das Halti nur vorübergehend und kurzfristig eingesetzt werden.

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(bearbeitet)

Ich kopier mal meine letzten zwei leicht modifizierten Beiträge aus dem anderen Thread hier  rein.

 

 

vor 5 Stunden schrieb Zurimor:

 

Darum geht es doch gar nicht. Sondern darum, daß ein Halti prinzipiell aversiv ist. Darüber sollte man sich bewußt sein und es sich nicht schön reden.

Zum Thema Schnauzengriff:

http://www.einfachtierisch.de/hundeerziehung/ist-der-schnauzengriff-fuer-die-hundeerziehung-geeignet-id109790/

https://www.tophundeschule.de/blog/hundeerziehung-tipps/folgen-beim-bestrafen-des-hundes-der-schnauzengriff-433449

http://www.hundeerziehung-online.com/der-schnauzengriff/

 

Im zweiten Link ist die Rede davon, daß der Schnauzengriff unter erwachsenen Hunden meist nur angedeutet wird, im dritten, daß dem Schnauzengriff eine Reihe anderer Signale voraus gehen. In allen Links ist die Rede davon, daß ein Schnauzengriff als unangenehm empfunden wird.

Wenn der Schnauzengriff als unangenehm empfunden wird, ist es doch nur logisch, daß auch ein Halti wenn es sich zuzieht als unangenehm empfunden wird. Auch die eigene Erfahrung reicht für diese Schlußfolgerung aus,  wenn die Eltern einem als Kind den Mund zuhielten wenn man in ihren Augen zu laut war, war definitiv nicht angenehm. Jedes Kind wehrt sich gegen diese Aktion. Um Schmerzen oder sowas geht es nicht, sondern darum, ob etwas als angenehm, neutral oder unangenehm empfunden wird. 

 

 

vor 53 Minuten schrieb Zurimor:

Worum es geht ist doch der Reiz, in diesem Fall das Zuziehen des Haltis. Wird dieser Reiz als unangenehm empfunden, so handelt es sich um einen aversiven Reiz. Da kann man positiv aufbauen und belohnen wie man will, der Reiz an sich ist und bleibt aversiv. Wenn mein Hund an der Leine ist und was vom Boden fressen will und ich lasse ihn da nicht hin, so ist auch das ein aversiver Reiz, der Hund bekommt nicht was er will. Auch wenn ich meinem Hund dabei gut zuspreche,lobe und belohne bleibt der Reiz an sich für den Hund aversiv. In dem Fall ist das für mich auch keine Erziehung sondern reines Situationsmanagment. Es wurde schon wiederholt festgestellt, daß es gar nicht möglich ist, alle aversiven Reize zu vermeiden, ich für meinen Teil versuche so viele wie möglich zu vermeiden.

Ich finde es für mich als Hundehalter wichtig, zu wissen, was man tut, warum man was tut und wie das was man tut funktioniert. Lerntheorie finde ich in dem Zusammenhang sehr interessant. Natürlich halte ich meinen Hund von einer potentiellen Gefahr fern, wenn nötig auch gegen seinen Willen, ich bin mir aber dessen bewußt, daß das eine aversive Handlung ist. Wie bereits erwähnt hatte ich es ja auch nicht mal bewertet, sondern lediglich festgestellt, daß der durchs Halti ausgelöste Reiz ein aversiver Reiz ist und auch bleibt, ganz egal wie sehr und wie viel man lobt, belohnt oder gut zuredet. Man sollte sich darüber aber eben auch im Klaren sein.

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@benno0815 Vielen Dank für den Link und deine zugehörigen Erklärungen aus deiner Praxis.

Ich muß gestehen, dass mir bisher nicht so richtig bewusst war, dass der Schnauzengriff so tiefes "Missvergnügen" beim Hund auslöst.

Zwar habe ich immer versucht, ihn zu vermeiden, aber wie schnell wendet man ihn doch mal spontan an, wenn es darum geht, den Hund der ungeliebten Prozedur der Ohrenreinigung oder ähnlichem zu unterziehen.

Ich denke, unsere Hunde lassen sich so manches gefallen von uns, was eigentlich grundfalsch ist in ihrer Hundewelt.

Sie sind sehr geduldig mit uns und müssen sich oft halt einfach anpassen. Welche Wahl haben sie denn?

 

Insofern finde ich eine (wirklich kompetente!) Hundeschule für Anfänger in Sachen Hund egentlich unverzichtbar.

Learning by doing - u. U. ergänzt durch Ratschläge von Hundehaltern, die ihr Wissen auf die gleiche Weise erlangt haben - ist schon eine recht suspekte Sache...

 

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@benno0815 So könnte ich eventuell den Einsatz des Haltis tolerieren - aber ausschließlich vom kompetenten Fachmann eingesetzt bzw. begleitet. Beim Beispiel der kleinen, leichten Frau mit massivem Hund: Da würde ich erwarten, dass der Trainer die Frau auf Gassigängen begleitet, wenn das Halti verwendet wird. Keinesfalls nur im Training anleiten und dann mit nach Hause geben. Und auch wenn es eine sofortige Änderung der Übungssituation bewirkt, die vom Halter vermutlich positiv bewertet wird, sollte klar sein: Das Ding muss so schnell wie möglich wieder weg!

 

Bleiben wir beim Beispiel: Was ist die Ursache der Situation? Die sollte doch behoben werden, oder? Also: Warum hält eine kleine, leichte Frau sich einen so massiven Hund? Täte sie das nicht, müsste der Hund jetzt nicht das Halti ertragen. Das müsste man der Beispiel-Dame mal eingehend klar machen. (z.B. jetzt viel Geld für einen teuren Trainer? Selber Schuld ...) Der nächste Hund sollte dann höchstens Handtaschenformat haben ... denn auch ein mittlerer Hund mit 15-20 kg kann enorme Dynamik entwickeln, der eine so zierliche Person physisch nicht gewachsen ist. Und wenn sie es auch mental nicht schafft, den großen Hund zu kontrollieren - wird sie es mit einem kleinen Hund schaffen? Im Gehirn und in der Psyche eines Chihuahuas spielen sich die gleichen Dinge ab, wie bei einer Dogge. Manche Menschen sind einfach ungeeignet, einen Hund zu halten, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen.

 

Halti & Co. sind Erfindungen, um Hunde zu kontrollieren; für Menschen, die eigentlich nicht dazu fähig sind ...

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In Stockholm scheint das Halti normal zu sein, diverse Hunde hatten nicht mal Halsband oder Geschirr, sondern nur Halti.

Hier habe ich erst einmal eines gesehen.

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(bearbeitet)

@DerOlleHansen Natürlich hast Du Recht, aber Du kannst jemanden, der seinen Hund liebt nicht sagen, er soll ihn weggeben. Abgesehen davon gibt es auch nicht massenhaft nette Leute, die sich für einen Koloss begeistern ;)

Ich habe ja oben bereits geschrieben, dass ich das für keine gute Lösung halte. Allerdings hat es in allen (meinen) Fällen funktioniert, das Halti wieder auszuschleichen.
Natürlich sind die Kunden im Training mit Halti gelaufen.

Aber ich war trotzdem erleichtert und habe mich für Hund und Mensch gefreut, wenn sie das hinbekommen haben und zusammen bleiben konnten. Ich werde hier bestimmt keine Lobhudelei für ein Halti starten, ich hoffe, das ist jedem klar ;)

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vor 12 Minuten schrieb DerOlleHansen:

Warum hält eine kleine, leichte Frau sich einen so massiven Hund? Täte sie das nicht, müsste der Hund jetzt nicht das Halti ertragen. Das müsste man der Beispiel-Dame mal eingehend klar machen. (z.B. jetzt viel Geld für einen teuren Trainer? Selber Schuld ...) Der nächste Hund sollte dann höchstens Handtaschenformat haben ... denn auch ein mittlerer Hund mit 15-20 kg kann enorme Dynamik entwickeln, der eine so zierliche Person physisch nicht gewachsen ist. Und wenn sie es auch mental nicht schafft, den großen Hund zu kontrollieren - wird sie es mit einem kleinen Hund schaffen?

 

Ooooch nö.... dann dürfte kein Mensch auch nur mit dem Gedanken spielen reiten zu wollen!

Leichte, zierliche Frauen nicht.

Und auch nicht das "starke Geschlecht" :P

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