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Hundeforum Der Hund
Zurimor

Ausschließlich positiver Umgang mit Hunden - Warum nicht?

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Damit's nicht untergeht, ich frag mich das nämlich schon seit bevor ich einen Hund hatte. ;)

Ich trag jetzt einfach mal alle diesbezüglichen Zitate aus einem anderen Thread zusammen (ohne den Trash ;)):

 

vor 21 Stunden schrieb Hoellenhunde:

 

Der Hund hat _alle_ vorher (!) gebissen. 

 

Er ist deshalb abgegeben worden.

 

Der Hund hat durch aversive Erziehungsversuche angefangen, Menschen zu beißen. Nicht weil ich so unfähig war. 

 

Er war 2,5 Jahre als er zu mir kam, niemand hat sich getraut, ihn auch nur anzufassen. Was er nämlich so auch nicht zugelassen hat. Er war tief traumatisiert.

 

Und genau deshalb könnte man auch mal auf mich hören, dass diese ganzen verbreiteten Methoden scheiße sind und dass es auch ohne Blocken/Beschränken und „authentisches“ Zusammenstauchen geht. Das lernt man nämlich bei einem Hund wie Akuma, der wiederum gelernt hat, sich entsprechend zu verteidigen, weil er Menschen misstraut hat.

 

vor 21 Stunden schrieb julchenx:

Ich hoffe, dass du selbst merkst was du da erzählst.... Nicht jeder Hund ist so aufgewachsen..... Merkst du was? 

 

vor 21 Stunden schrieb Hoellenhunde:

 

Aber jeder Hund hat das Potential so zu werden, wenn er so behandelt wird. 

 

Und wenn man einen solchen Hund hat und dann nur noch nette Methoden anwenden kann:

Warum sollte es mit einem unkomplizierten Hund nicht noch einfacher funktionieren?

 

vor 10 Stunden schrieb Zurimor:

Ich frag mich z.B. auch warum man, wenn man bei einem wirklich bissigen, deprivierten Hund mit ausschließlich netten Methoden weiter kommt bei anderen, nicht so verkorksten Hunden überhaupt zu anderen Methoden greifen muß/sollte. Dass Beispiel zeigt doch wunderbar, daß das überhaupt nicht nötig ist.

 

vor 10 Stunden schrieb KleinEmma:

Für mich hat Höllenhunds Denkweise nichts mit Intelligenz zu tun. Es ist ihre Art mit Hunden umzugehen. Ich möchte nicht damit rechnen müssen, dass mich mein - wenn auch deprivierter Hund - beißt. Dafür ist mir mein Wohlsein zu wichtig. 

 

vor 10 Stunden schrieb Amaterasu:

 

Okay. Hoellenhunde hat es anders gemacht, sie hat Akuma behalten und mit ihm trainiert. Er hat nun ein wundervolles, entspanntes Leben, in dem er aufgehen kann, geliebt wird, Verständnis und Geborgenheit erfährt. Ich weiß nicht, warum man da auf Biegen und Brechen etwas Negatives sucht?

Akuma hat, bevor er bei Hoellenhunde war, jeden gebissen. Nun beißt er nicht mehr. Und das ist schlecht. Hä?

 

vor 10 Stunden schrieb KleinEmma:

Nein, das ist nicht schlecht, aber nicht DIE Methode, die allen Hundehaltern von deprivierten, bissigen Hunden zu empfehlen ist. Es muss sich nicht jeder ins Bein beißen lassen und dafür noch Verständnis haben.

 

vor 10 Stunden schrieb Amaterasu:

Ich verstehe das Problem nicht. Kein Hund beißt "einfach so". Weil er es lustig findet und nichts besseres zu tun hat. Es gibt immer eine Ursache, ob depriviert und traumatisiert, oder nicht. Ich persönlich würde schon wissen wollen, warum mein Hund sich dazu genötigt fühlte, und was wir besser machen oder woran wir trainieren können, damit es dazu nicht mehr kommt. Eigentlich normal...

 

 

vor 8 Stunden schrieb Hoellenhunde:
vor 10 Stunden schrieb KleinEmma:

Nein, das ist nicht schlecht, aber nicht DIE Methode, die allen Hundehaltern von deprivierten, bissigen Hunden zu empfehlen ist. 

Es ist keine Methode, sondern eine Einstellung. Innerhalb der antiaversiven Herangehensweisen gibt x Methoden, die ihr eich aussuchen könntet. . 

 

vor 7 Stunden schrieb KleinEmma:

Genau, es ist deine Einstellung und andere haben eine andere Einstellung. Ich finde es gut darauf hinzuweisen, dass verschiedene Methoden nicht zu einem vertrauensvollen Mensch-Hund-Team führen. Wir müssen aber nun nicht alle deine Einstellung übernehmen. Und nu rede ich wieder in Ich-Form, da ich ja nicht für alle sprechen kann: Wenn ich deine Einstellung nicht komplett übernehme bedeutet das nicht, dass ich meinen Hund quäle oder ihn nicht lesen kann.

Genau das möchtest du aber manchmal nicht einsehen. Dann setzt du deine Brille anderen Usern auf und das ist nicht fair. 

 

Du stellst sehr oft heraus, dass Shibas anders als andere Hunde sind. Ein Shiba ist auch ein Säugetier und lernt demnach nicht anders als andere Säugetiere ;) 

 

vor 7 Stunden schrieb Amaterasu:

Hoellenhunde hat nie behauptet, dass ein Shiba kein Säugetier ist. Es gibt rassenbedingte Unterschiede. Der Mops unterscheidet sich vom Dackel, der Dackel vom Schäferhund, der Schäferhund vom Labrador, ....

 

Den Shiba zeichnet einfach seine Unabhängigkeit aus. 

 

Das Problem liegt darin, "anders" immer gleich als "besser" zu verstehen. Dabei könnte es "gleich gut/schlecht" sein, oder gar "schlechter".

 

vor 7 Stunden schrieb Zurimor:

 

Hatte ich auch schon öfter angesprochen. Ich denke, das Problem ist oft, andere Hunde lassen es sich halt gefallen/bieten und da muß man nicht den anderen, oft langwierigeren Weg nehmen. In der Hinsicht wäre es schon manchmal wünschenswert, wenn jeder Hund was vom Shiba hätte (oder zumindest so behandelt würde).

Insofern finde ich können Shibas in gewisser Hinsicht schon als allgemeines Beispiel für guten Umgang mit Hunden herhalten, denn das wäre der Optimalfall, wie man auch mit jedem anderen Hund umgehen sollte.

 

vor 7 Stunden schrieb Hoellenhunde:

Sie *lernen* ja auch nicht anders. 

Habe ich nie behauptet. Wölfe lernen ja auch nicht anders. Aber die brauchst du nicht blocken. 

 

Die Shibas beißen halt eher zurück und dann muss mensch umdenken, das *ist* anders an ihnen.

 

vor 6 Stunden schrieb KleinEmma:

Ich denke, wir (User) denken da größtenteils ähnlich oder gleich. Es ist ja hier im Forum eher selten der Fall, dass jemand Methoden anwendet, die als veraltet gelten. 

 

Oder sehe ich das nur so? *denkdenk*

 

vor 6 Stunden schrieb Hoellenhunde:

Nein, sorry. 

Es wird immer wieder bedauert, dass man wegen mir nicht mehr offen seine Scheißmethoden diskutieren kann. 

 

Leinenrucke, Blocken, Anschnauzen ist ja „authentisch“. 

 

Dass sich hier alle als ganz gewaltfrei erziehend empfinden: ja.

Dann schildern sie ihren Umgang und für mich steht fest: sie sind es nicht und genau das stößt den meisten sauer auf, wenn ich das sage. 

 

vor 6 Stunden schrieb KleinEmma:

Dazu noch was und dann bin ich erstmal off. Es geht ja nicht nur immer um Anschnauzen, Leinenrucke, blocke etc. 

Ich schreibe nun auch immer dazu, dass ich z.B. ein "Lass sie mal in Ruhe" (die Schildkröten) nicht streng, schnauzend, zischend o.ä. ausspreche. Das ist wie ein "Nein", das nicht immer streng ausgesprochen sein muss.

 

D.h., ich überlege auch, ob ich dies und jenes hier schreibe oder es lieber sein lasse - eben weil manche Begriffe schon Reizwörter sind. 

 

Übrigens habe auch ich meine Reizwörter, keine Frage. Vielleicht ist das menschlich. Bei manchen Aussagen merke ich, dass mir direkt der Puls ansteigt - eben weil ich dann ein bestimmtes Bild vor Augen habe. Ich versuche dann immer, mein Bild erstmal wieder wegzuwischen - gelingt mir natürlich nicht immer.

 

vor 6 Stunden schrieb Hoellenhunde:

Und gegen sowas habe ich nichts. Warum dann fühlst du dich angesprochen?

 

vor 4 Stunden schrieb Shyruka:

Und ich mag auch Hoellenhundes Intensionen und kann diese durchaus nachvollziehen. Und das was sie sagt IST auch richtig, wenn man wirklich von ursprünglicheren Hunden ausgeht, oder HUnden die sich aufgrund von Erfahrungen verhalten wie solche.

Ich hab für den Tierschutz ja auch bereits "gerettete" verwilderte Laborkangale handzahm gemacht. Ein Hauch von Aversion oder Erziehung in jeder Form hätte jeden Fortschritt hundertfach zurückgeworfen und sich ggf auch gerecht. Wenn man denn wirklich so blöd wäre auf die Idee zu kommen, zwei verwilderte kranke Laborkangale zu blocken oder körpersprachlich zu bedrohen, wenn sie einen sowieso kaum kennen und absolut kein Menschenvertrauen haben.

 

Nichts desto trotz, kann man Hunden durchaus körpersprachlich durch in den Weg stellen (defakto Blocken) Grenzen zuweisen, sofern sie dafür geistig fest genug sind, die Person kennen und es nicht zu Unsicherheiten o.ä führt.

 

So, denke, das waren alle.

 

Mir ist das Thema wichtig genug, um dafür einen eigenen Tread zu erstellen. Denn wenn man mit deprivierten, bissigen Hunden ohne aversive Methoden klar kommt, wäre es dann nicht Zeit umzudenken und generell Hunden gegenüber nicht aversiv zu sein? Völlig unabhängig davon, ob bei anderen Hunden aversive Methoden funktionieren? Ich find diese Argumentation immer schade und traurig, bloß weil ein Hund sich das bieten läßt ist das dann okay? Also, in meinen Augen nicht. Ich versuche zumindest, meinen Hund immer nett und freundlich zu behandeln. Klar verliert man auch mal die Nerven und ich ärger mich dann darüber. Aber der Erfolg gibt mir in meinen Augen recht, hatte ich heute in einem anderen Thread gepostet: "Ich hab heut Suhna ein Stück vor der Hundewiese abgeleint, links rein geht da ein kleiner Weg, wo es seeeehr spannend riecht, die Rehe und Wildschweine halten sich in der Richtung regelmäßig auf. Madame bog dann auch erstmal links ab anstatt geradeaus zur Wiese zu gehen, ließ sich aber zum Anhalten bewegen und lief nach kurzem Zögern auch in die richtige Richtung weiter. Hat sie toll gemacht, wir haben das gar nicht geübt, aber anscheinend bin ich inzwischen wichtig genug, um mal auf mich zu hören." Ich find das den Wahnsinn und hatte selbst ehrlich nicht damit gerechnet, daß sie sich noch stoppen läßt. Ein Hund mit durchaus vorhandener Jagdmotivation, der schon quasi eine Spur in der Nase hat und dann doch anhält und abdreht, bloß weil ich ihn darum gebeten habe. Ich hab da doch noch Hoffnung, daß sie irgendwann mal ohne Leine laufen kann, wird man sehen. 

[Ich hab wirklich lang überlegt, ob ich das jetzt überhaupt schreibe, denn es könnte als überheblich ausgelegt werden. Ich finde es aber zu wichtig um es nicht zu schreiben. Für obigen überraschenden Erfolg mache ich vor allem die tolle Bindung verantwortlich, die wir zueinander haben. Meinem Training ist das zumindest nicht geschuldet. ;)]

 

 

Vor einiger Zeit wurde in einem Thread gefragt, wie man einem Hund denn nicht aversiv beibringen soll nicht einfach auszusteigen. Nun bin ich ja Neuhundehalter und hab jetzt seit eineinhalb Jahren einen Hund, aber mein erster Gedanke dazu war "ein "bleib" aufbauen und nutzen". Wenn ich da ohne viel Erfahrung drauf komme, dann sollte das anderen doch eigentlich auch möglich sein. Ist es oft nicht einfach nur Bequemlichkeit, wenn man zu aversiven Mitteln greift?

Für mich persönlich gibt es absolut keinen Grund zu aversiven Methoden zu greifen, denn das es auch anders geht zeigt ja der Umgang mit deprivierten Hunden, in dem man ohne aversive Mittel auskommen muß. 

So weit erstmal meine Gedanken dazu.

 

 

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Danke für den Thread.

 

Zu deinem Beispiel mit Suhna möchte ich allerdings anfügen, dass es schon mehr ist als "bloß" Bindung. Der Umkehrschluss, der daraus unmittelbar folgt, wäre, dass ein jagender Hund nicht genügend Bindung zu seinem Halter hätte. Vielleicht wolltest du das nicht ausgesagt haben, aber es gibt tatsächlich viele, die genau das denken. "Trainer", Halter mit 50 Jahren "Erfahrung", aber auch Neuhundehalter, die sich aufgrund solcher Theorien unnötige Sorgen machen. 

 

Das soll euren Erfolg nicht schmälern! Ich hätte mich da auch gefreut. Und du belohnst sie dann doch auch sicherlich? 

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Waren wir nicht einmal an dem Punkt, dass aversiv eben nicht gleich aversiv ist? Man arbeitet da ja mit Widerwillen. Wenn ein Hund also beispielsweise nicht gestreichelt werden will und man ihn streichelt, dann handelt man eigentlich schon aversiv. Darum ist meine Aussage eher gleichzusetzen mit: Es ist nicht alles für jeden Hund gleich aversiv. Aber wenn es aversiv ist, dann bekommt man das im Regelfall mit, denn der Hund wirkt dadurch unglücklich. Das kann man sehen. Ganz harte Beispiele wären da schon das Teletakt. Andere "weichere" Beispiele wären Cesar Milan beim blocken von Hunden. Da haben die Hunde ja prinzipiell schon eine Abneigung gegen den Kerl durch die Vorleistung, also auch beim Blocken. Und er ist auch ein gutes Beispiel, dass auch ein lieb gemeintes Streicheln aversiv sein kann. Bei ihm prinzipiell ja sowieso alles. :x

 

Hinzu kommen ja noch andere Faktoren. Wie erziehe den Hund sonst, wie behandle ich den Hund?

Bin ich  schon der Nutzer der harten Hand? Ein Hund der permanent bedroht wird, in Granzen gewiesen wird, besitzt ein deutlich empfindsameres Nervenkostüm, als ein Hund der permanent Liebe erfahren hat. Der erste Hund ist gar nicht in der Lage zu verzeihen, weil er es ja gar nicht anders kennt. Da baut sich unglaublich viel Frust auf und dieser Frust sucht sich irgendwann ein Ventil. Und dann eskaliert die Situation. Da dann einen Fuß zwischen die Tür zu kriegen, die schon mit dem Brecheisen aufgebrochen wurde, ist harte Arbeit.

Während hingegen der Hund, der permanent Liebe erfährt über einen Fehltritt des Halters schon eher mal drüber wegsieht. Und da sind wir dann bei dem Punkt wo es schon eher Rasse abhängig ist, wie schnell der Punkt erreicht ist. Für viele geliebte Hunde ist eben stink normales Blocken, wie ein menschliches Trenngitter. Und das nicht aus Angst, sondern schlicht und einfach weil das immer wieder korrigiert wurde. Denn ich kann dir versichern, dass die Hunde anfangs trotzdem durch dich durchbrettern. (Im übrigen hab ich das durchaus mit einem Bleib aufgebaut. Meine Hand ist dann das Blockene Zeichen plus Körpersprache. Aber sag mal einem Hund, der nur Turbo im Kopf hat, und wo die Klingel gerade geläutet hat, dass er das jetzt zu akzeptieren hat. Das übt sich nur in der Praxis. Blocken daher immer pauschal zu aversivieren, halte ich für falsch oder missverstanden.)

Ich hab mich jetzt die ganze Zeit am Blocken aufgehalten, trifft aber so ziemlich auch das Kofferraumbeispiel. Da würde ich mir aber auch dämlich vorkommen, jedes Mal Klappe auf und Klappe zu zu spielen. Da schnall ich den Hund im Auto an,beim rausgehen leine im Kofferraum um, schnalle ab und wenn ich Hopp sage wird rausgehüpft.

 

Aversiv ist, was der Hund als aversiv empfindet. Deswegen würde ich Erziehungsmethoden nicht pauschal verurteilen, wenn sie gewaltfrei sind (Psychisch und physisch).

 

 

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Ich finde es gut, dass du es abgetrennt und den Trash weggelassen hast. Danke dafür. :D

 

Es gab letztens ja schon einmal so einen Thread und ich sehe die Gefahr, dass dieser ähnlich verläuft. Worüber möchtest du genau sprechen, in Abgrenzung zum letzten Thread? @Zurimor

 

Was ich dir persönlich zu bedenken geben möchte, unabhängig von der Trainingsmethode: Nicht jeder kann sein Leben so sehr nach seinem Hund ausrichten wie du es kannst. Für Suhna ist das natürlich weitestgehend (wir sind uns da nicht ganz einig, denke ich. Stichwort Deutzer Bahnhof) super. Und ihr wohnt in einer Umgebung, in der das geht. Sicher hast du deinen Teil dazu beigetragen, dass Suhna so unkompliziert ist, wie sie ist. Aber das, was du machst, könntest du nicht mit jedem Hund so machen ohne größere Probleme zu bekommen. 

Desweiteren glaube ich, dass du manche Probleme für Suhna bzw deine Umwelt nicht immer wahrnimmst. 

 

Übrigens hat Nichtjagen nichts mit Bindung zu tun. Auch jagende Hunde können gut an den Halter gebunden sein. Aber ich gönne euch natürlich den Erfolg, was auch immer in dem Moment der Grund war. Vielleicht doch Training? :D

 

P.S. Femo lässt fragen, ob du ihn vielleicht auch mal an deinen Bauchgurt....? ;) Scherz. Ist schon spät.

 

 

 

 

 

 

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vor 40 Minuten schrieb Zurimor:

Vor einiger Zeit wurde in einem Thread gefragt, wie man einem Hund denn nicht aversiv beibringen soll nicht einfach auszusteigen. Nun bin ich ja Neuhundehalter und hab jetzt seit eineinhalb Jahren einen Hund, aber mein erster Gedanke dazu war "ein "bleib" aufbauen und nutzen". Wenn ich da ohne viel Erfahrung drauf komme, dann sollte das anderen doch eigentlich auch möglich sein. Ist es oft nicht einfach nur Bequemlichkeit, wenn man zu aversiven Mitteln greift?

Für mich persönlich gibt es absolut keinen Grund zu aversiven Methoden zu greifen, denn das es auch anders geht zeigt ja der Umgang mit deprivierten Hunden, in dem man ohne aversive Mittel auskommen muß. 

So weit erstmal meine Gedanken dazu.

 

Ich picke nun mal nur das heraus. Da ging es ja darum, dass der Hund lernt, nicht direkt aus dem Auto zu stürmen. Das muss der Hund ja erstmal lernen. 

 

Bei uns war das z.B. der Fall, als wir im Bus lebten und auf Märkten verkauften. Unsere damaligen 2 Hunde mussten lernen: Die Bustüre ist zwar offen, aber ihr bleibt im Bus.

Mit dem Großen ging das von Anfang an einfach: Einmal mit der Hand eine Grenze zeigen (Hand vor Hund halten) und - keine Ahnung was ich damals gesagt habe - irgendein Wort sagen wie Bleib, Nein  oder XY.

Mit der Kleinen war das nicht so einfach. Die stürmte anfangs direkt los. D.h. Türe auf und Hund musste sozusagen abgefangen werden. Die ließ sich auch nicht mit diesem Hand vor Hund halten davon abhalten. Also habe ich sie anfangs angeleint, bevor wir die Türe öffneten. Für sie war dann die Leine das Mittel, um zu verhindern, dass sie evtl. von einem anderen Auto überfahren wird. Sie bekam auch das entsprechende Wort gesagt (also Bleib oder XY), aber es hat bei ihr laaange gedauert, bis sie das befolgte.

 

Bei Emma wiederum reichte auch wieder nur das Hand vor Hund halten und mittlerweile reicht es schon lange aus ihr einfach zu sagen "Warte". 

 

Dieses "Bleib" erstmal ohne Kofferraumsituation aufzubauen ist eine gute Idee, wenn du z.B. nicht täglich oder zumindest oft mit Auto und Hund fahren musst. Wenn das aber eine regelmäßige Situation ist, muss der Hund es dann auch direkt in der Situation lernen.

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Viele Leute haben keine Ahnung, was belohnungsbasiertes, positives Training ist. Sie glauben, Ahnung zu haben und empfinden sich selbst als positiv, sind es dann bei genauerer Betrachtung doch nicht.

 

Ein positives Zusammenleben ist weit mehr als zu "quietschen" (mache ich z.B. nie...) und planlos mit Leckerchen um sich werfen. Auch hat es nichts mit "konsequenzloser, nicht vorhandener Erziehung" zu tun.

Es gibt sehr wohl "Grenzen", aber der Hund darf diese lernen. "Überschreitet er Grenzen" muss man sich noch Mal anschauen, woran es liegt. Was will der Hund, was möchte ich und wie kann ich es ihm beibringen?

 

Es werden keine Symptome gedeckelt, man geht an die Ursache. Das ist wohl mit einer der größten Unterschiede.

 

Damals dachte ich auch, ich wäre total positiv, solange ich meinen Hund nicht anschreie, schlage oder ähnliches. Ich verzeihe es mir bis heute nicht.

Die Augen wurden mir geöffnet, als ich Hoellenhunde fragte, was ich beim Training für ein Unterbrechungssignal falsch mache. Sie schrieb (u.a.) ich soll es wie ein Spiel gestalten. Es hat ein paar Momente gebraucht, aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: man wird bei einem Spiel nicht energischer, lauter oder gar sauer. Ein Spiel macht beiden Spaß.

 

Von da an habe ich wirklich begriffen, was ein positiver Umgang bedeutet.

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Ich behaupte von mir nicht, dass ich ausschließlich positiv mit meinem Hund umgehe - im Moment muss ich beispielsweise jeden Tag einen Verband an ihrer Pfote wechseln, das findet sie relativ doof. Noch schlimmer ist es, wenn wir sie beim TA für die Behandlung festhalten müssen, ohoh. Extreme Panik, gerade auf dem Behandlungstisch und wenn es dann noch wehtut/unangenehm ist.

 

Auch in der Erziehung klappt es sicher nicht immer so, wie ich das anstrebe. Aber da gebe ich mir doch sehr mühe, dass es nicht aversiv wird, zumindest nicht im Sinn einer positiven Strafe. Wenn ich mal am Geschirr (mit Leine) ziehe, damit sie sich nicht ins Bellen hineinsteigern kann - was sowohl Mamangement als auch denke ich im weitesten Sinne Training ist, weil sich das Verhalten ja sonst noch mehr verfestigt -, findet sie das sicher doof. Es ist für sie aber keine Strafe (soweit ich das zuverlässig erkennen kann). Es ist nichts, was sie aktiv zu vermeiden versucht und ihr Hauptproblem damit ist, dass sie ja in die andere Richtung möchte. Das Ziehen für sich genommen ist kein Aversivreiz (hatte ich schon mal wo dargelegt), der dazu führen wird, dass sie dieses Verhalten seltener ausführt... im Gegenteil ist ein Antrieb dafür, es möglichst nicht so weit kommen zu lassen, dass das Ziehen ihre Erregung klar steigert und auch das Verhalten überhaupt erst auslöst, wenn sie noch nicht am Bellen ist. Da habe ich früher klar einen doofen Fehler gemacht.

 

Lange Rede kurzer Sinn, ich bin bei weitem nicht so gut im Training, wie ich das gerne hätte oder wie viele andere Leute, die ich bewundere. Ich benutze keine positiven Strafen (absichtlich), aber wenn ich besser wäre, besseres Timing hätte, besser Situationen erfassen würde etc. wäre mein Umgang mit dem Hund noch wesentlich positiver. Da möchte ich an mir arbeiten. Ein banalses Beispiel ist das Zähneputzen: Sie lässt sich von mir die Zähne putzen, mit ein bisschen "überreden", da macht sie gut mit. Anschließend gibt es eine tolle Belohnung, für die sich das lohnt. Aber! Ich weiß bessere Trainer hätten es geschafft, das Zähneputzen selbst für sie zu etwas Positivem zu machen oder zumindest zu etwas, bei dem ich nicht mehrmals lieb "fragen" muss, bevor sie zu mir kommt. Auch wenn die Zahnbürste sie wohl unangenehm kitzelt, bin ich mir sicher, da hätte man viel mehr machen können. Und das ist nur eine Kleinigkeit unter vielen.

 

Dass ich so so viel "verhaue" bzw. es so viele Situationen gibt, die einfach doof laufen (TA, plötzliche Verletzung, etc.), ist das für mich ein zusätzlicher Grund, nicht noch gezielt Aversivreize hinzuzufügen. Und ich bin durchaus überzeugt, dass belohnungsbasiertes Training prinzipiell bei jedem Hund funktioniert und positive Strafen nicht sein müssen... wenn man es wirklich gut macht. Leider denke ich aber auch, dass es - wenn man Hilfe braucht - oft viel einfacher ist, erfahrene Trainer zu finden, die positive Strafen nutzen, als solche, die es nicht tun. Ich kenne hier eine wirklich belohnungsbasiert arbeitende Hundeschule... und die ist extrem teuer. (Und eine einzelne Trainerin, die belohnusbasiert arbeitet, die relativ neu war und von der ich nicht weiß, ob sie noch arbeitet nach einer Pause, die sie sich genommen hatte.)

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Mir ist es sehr wichtig, positiv zu arbeiten. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht nachts um zwei laut Fluche wenn ich über den Hund falle. Aber ich setze es halt nicht gezielt ein.  

 

Das im Auto bleiben haben wir mit zwei Menschen geübt : einer sitzt auf der Rückbank und füttert den Hund, sobald es steht, der andere steigt aus und macht den Kofferraum auf - und der Hund sitzt im besten Fall mit dem Rücken zur Tür und man kann ihn bitten auszusteigen, bevor er es von alleine macht. Geht natürlich nur, wenn man von der Rückbank aus füttern kann. 

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vor 54 Minuten schrieb Holo:

Mir ist es sehr wichtig, positiv zu arbeiten. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht nachts um zwei laut Fluche wenn ich über den Hund falle. Aber ich setze es halt nicht gezielt ein.  

 

Nachts um zwei über den Hund zu fallen ist ja kein arbeiten :D Im Ernst: ich denke Hunde können das sehr gut unterscheiden. Ich bin auch schon über meinen Hund gestolpert (nicht erst einmal), aber sie merkt glaube ich sehr gut, dass ich dann sehr erschrocken bin und keinesfalls böse (schon gar nicht auf sie). Genauso ist das mit Gefahrensituationen. Selbstverständlich würde ich im Notfall meinen Hund an der Leine von der Straße reißen, damit er nicht vom Auto überfahren wird, aber das ist ja keine aversive Methode. Ich bin überzeugt dass mein Hund meine Emotionen und meinen Gemütszustand sehr gut lesen kann und darum sehr gut weiß, dass ihm von meiner Seite niemals Ärger gilt.

 

Abseits von unvermeidbaren Situationen, wo man zur Sicherheit des Hundes oder eines anderen (zum Beispiel das Reh im Wald) den Hund einschränkt oder - um die Definition aus dem letzten Thread zu diesem Thema zu nutzen - Widerwillen beim Hund hervorruft, gibt es für mich keine Rechtfertigung für aversive Methoden. Völlig egal ob mein Hund vom Typ her z.B. ein wegblocken wegstecken würde oder nicht. Dass manche Hunde, egal ob es an der Rasse, am Individuum oder an der Vorgeschichte liegt, „milde aversive Methoden“ (ich weiß nicht wie ich es sonst ausdrücken soll, ich meine damit z.B. körperliche Einwirkung wie Blocken, „groß aufbauen“) besser oder sogar gut wegstecken, ist bestimmt richtig. Aber das heißt ja nicht, dass diese Hunde einen nicht aversive, ausschließlich positiven Umgang nicht trotzdem viel schöner und angenehmer finden. Also bleibt aus meiner Sicht nur die eigene Bequemlichkeit und das ist für mich keine Rechtfertigung. 

 

Was für mich noch unheimlich wichtig ist und für mich den positiven Umgang mit dem Hund zu einem riesengroßen Teil ausmacht: Ich bestrafe meinen Hund niemals, egal was er getan hat und ich bin niemals böse auf meinen Hund. Auch nicht spontan oder impulsiv aus einer Emotion heraus. Egal was der Hund tut und egal wie doof ich das vielleicht finde, er tut das ja nicht aus Bosheit oder weil er mich ärgern will. Er tut halt, was er tun muss (aus seiner Sicht) und wenn er was für mich blödes tut, dann habe ich versagt. Kommt er nicht auf meinen Rückruf, habe ich den falschen Moment gewählt, ... usw. ... Und da muss ich mich auch nicht zusammenreißen oder mir oder meinem Hund etwas vormachen, ich bin niemals böse auf meinen Hund und mein Hund kann sich darauf auch immer verlassen. Das ist aus meiner Sicht auch ganz wichtig für das Vertrauen und für die Bindung. Und wenn das passt, dann passt auch ganz viel im Alltag und dann sind aversive Methoden eh überflüssig.

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@Annali

Die Kröte musste erst lernen, nicht alles auf sich zu beziehen. Als sie die erste Woche hier war, ist es mir mehrmals passiert, dass ich telefoniert habe und irgendwann hektisch geguckt habe was der Hund eigentlich macht und sie dann sofort angefangen hat  ganz massiv zu beschwichtigen.

Ich denke das lag daran, dass sie vorher nicht in engem Kontakt mit Menschen gelebt hat und erstmal einen Crash-Kurs menschliche Körpersprache machen musste...

 

Wenn ich merke, dass ich für etwas keine Geduld habe, höre ich auch auf. Ich möchte meinem Hund vertrauen können, dass er mich nicht zwickt oder beißt wenn ich aus seiner Sicht einen Fehler mache, und deshalb bestrafe ich meinen Hund selbstverständlich auch nicht. 

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