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Hundeforum Der Hund
Shyruka

Ball-Junkie (Link zu einem guten Text)

Empfohlene Beiträge

Hier ein interessanter Artikel zur Sucht und die Rassetypischen Neigungen.

http://hundemagazin.ch/rassetypische-verhaltens-und-hormonprobleme-beim-britischen-huetehund/

(Den Link war bereits einmal hier im Forum geteilt.)

 

Der Teil mit "Stereotypien und Zwangshandlungen" ist für diesen Thread besonders interessant. 

Zitat

In der Domestikationsgeschichte des Hundes wurden Treib- und Hütehunde dadurch geschaffen, dass bestimmte Elemente des Beutefangverhaltens aus dem wölfischen Gesamtverhalten heraus selektiert und verstärkt beziehungsweise überhöht wurden. Besonders zu nennen sind hier die mittleren Teile der gesamten Beutefangkette, nämlich Fixieren, Anschleichen und Zupacken. Um dieses Verhalten stundenlang an grossen Schafherden immer wieder zeigen zu können, darf es nahezu nicht ermüden. Eine sogenannte hohe Persistenz (man könnte auch Sturheit dazu sagen) bei der Ausübung dieser Aufgaben ist also ebenfalls rassetypisch erwünscht gewesen. Wenn ein Hütehund eine grosse Herde zu betreuen hat, gibt es eben immer wieder ein Schaf zurückzutreiben, im Zaum zu halten oder anderweitig zu beeinflussen. Da kann der Hund nicht einfach nach dem dritten Schaf keine Lust mehr haben und deshalb aufgeben…

 

Auch hier sind wieder neurobiologische Probleme versteckt. Eine hohe Persistenz, das zeigen Untersuchungen an anderen Tierarten sowohl im Labor als auch an Bären aus langweiligen, schlechten Zwingerhaltungen, ist oftmals gekoppelt mit einer besonderen Anfälligkeit für Stereotypien und Zwangshandlungen. Wer schon im Alltag bestimmte Handlungen nahezu ermüdungsfrei immer wieder wiederholt, wird auch dazu neigen, bei Langeweile oder anderweitig unzureichenden Bedingungen eine Stereotypie zu entwickeln. Gerade Border Collies und in vermindertem Ausmass auch Australian Shepherds neigen bekanntlich zur Entstehung von Zwangshandlungen. Schattenjagen, stundenlanges Anstarren von Treppenstufen und unbewegten Gegenständen oder auch die Neigung, als Ball- und Stöckchenjunkie in einen Rauschzustand zu versinken, sind rassetypisch. Erniedrigte Reizschwellen und damit leichtere Auslösbarkeit für die Elemente des Fixierens, Anschleichens beziehungsweise -rennens und Zupackens sind Risikofaktoren für die Entstehung eines Bällchenjunkies. Auch hier ist wieder die erhöhte Persistenz ein zusätzlicher Risikofaktor, der die Handlung eben nahezu ermüdungsfrei, notfalls stundenlang wiederholen lässt. Wenn Halter und Trainer dann glauben, einen solchen Hund durch noch mehr Beschäftigung und noch mehr Aktivismus auslasten oder gar ermüden zu können, beginnt eine unheilvolle Spirale, die schliesslich zu einem völlig «durchgeknallten» Suchtpatienten führen kann. Und genau wie in der menschlichen Suchttherapie ist auch bei der Dopaminsucht eines Balljunkies nur noch die konsequente Abstinenz, also das Fernhalten von jeglichem auslösenden Reiz möglich. So wie der trockenen Alkoholiker keine Schnapspraline mehr haben darf, sollte der Border Collie-Balljunkie kein einziges Mal mehr hinter einem geworfenen Ball, Stock, Futterbeutel oder ähnlichem hinterher hetzen. Auch die heute so moderne Reizangel ist für solche Hunde buchstäblich Droge.

 

 

 

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vor 7 Minuten schrieb Michelle003:

So wie der trockenen Alkoholiker keine Schnapspraline mehr haben darf

(aus dem Zitat)

 

Kann man do nicht sagen, heute wird oft anders vorgegangen, mit kontrollierten Alkoholgenuss

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vor 21 Minuten schrieb Annali:

 

Das macht Linnie auch. Finde ich aber überhaupt nicht bedenklich sondern eigentlich sehr kreativ. Bei uns gibt es Spielzeug immer zur freien Verfügung - die Gefahr von Suchtverhalten sehe ich zumindest bei Linnie nicht. Wir spielen manchmal gemeinsam und manchmal spielt sie alleine und ganz oft liegt das Spielzeug auch nur so rum.

 

Hätte ich nie gedacht, dass das Vorhandensein von Spielzeug/Bällen bei manchen Hunden schon problematisch sein kann - krass!

Sie steigert sich da absolut rein. Es ist auch nicht so, dass sie nie ruhig spielt oder nie Spielzeug zur Verfügung hat - aber wir beobachten das halt. Der absolute oberhammer ist für sie ein durchsichtiger Ball, der abwechselnd blau und rot blinkt, nach dem er irgendwo aufgeschlagen ist. Mit dem ist es besonders extrem. 

 

Ich würde nicht sagen, dass sie eine Sucht Problematik hat, aber ich sehe sie schon als anfällig für sowas. 

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Hier gibt es eine schon etwas ältere Frau mit einer jungen Jack Russell Hündin, die kommt regelmäßig mit einem Stuhl in der einen Hand und Ball in der anderen an einen Ort, setzt sich dort hin und wirft den Ball und wirft und wirft und wirft ...

Ganz furchtbar!

 

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Der von @Michelle003 eingestellte Text spricht, aus meiner Sicht, einige Punkte richtig an,

aber man merkt auch, dass der Autor bislang wohl nicht mit Hunden am Vieh gearbeitet hat.

 

Border Collies sind Koppelschafhunde und reagieren selbstverständlich auf ausbüchsende Schafe,

arbeiten aber kaum mal an einer großen Herde. Meist stehen die Schafe auf der Weide und bekommen nur

bei wenigen  Gelegenheiten Kontakt mit dem Koppelschafhund.

Und der gute Schafhund hat viel Präsenz und muss ganz selten mal eingreifen.

Der ständig hier und da herumflitzende und die Schafe maßregelnde Hund ist echt nicht erwünscht.

Auch ein Grund aus dem viele Rassen oder Schläge nur dort funktionieren,

wo ihre Eigenschaften benötigt werden. Der Berger de Pyrenes zu Beiepiel.

 

Ich finde, dass in der Zucht der Rasse der BCs allzuviel Wert auf Tuniererfolge gelegt wird,

und denke auch, dass dieser Weg allzuviele suchtanfällige Exemplare hervorbringt.

 

Ich kriege noch nicht alle meine Gedanken zum "Hunde-Junkie" in die richtigen Worte gefasst.

Vielleicht später.

 

 

 

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vor 16 Stunden schrieb Nebelfrei:

Kann man do nicht sagen, heute wird oft anders vorgegangen, mit kontrollierten Alkoholgenuss

 

Also ich hab mir das Mal näher durchgelesen. Kontrollierter Alkoholgenuss bedeutet nichts anderes als das man versucht das Alkoholiker nur noch die Hälfte ihrer maximalen Alkoholmenge trinken und das in Form von "leichteren Alkohol". Also kein Schnaps. Die Teilnehmer einen solchen Programms sind selbstverantwortlich und Ausrutscher sind anscheinend okay. Der größte Erfolg des Vorgehens liegt eigentlich daran das mehr Menschen bereit sind teilzunehmen. Also sind die eigentlich immer noch süchtig, versuchen nur die Steigerungen aufzuhalten und ein Maß zu trinken wir man noch irgendwie "klar kommt". 

Weil das immer so klingt (wenn das beschrieben wird) als ob die ganz kleine Mengen trinken. Die Hälfte eines Alkoholikerkonsums zu Höchstzeiten ist mMn nicht wenig. Aber ja besser als nichts und manche werden danach vielleicht doch noch trocken.

 

Es gibt noch den Versuch des Verlernens von Sucht. Muss man aber geeignet sein  (das Großhirn muss sehr aktiv sein) deshalb wird vorher das Gehirn gescannt. Problematisch wenn verschiedene Suchttrigger nicht bekannt sind dann kann man schlecht behandeln. Außerdem wird hier oft mit Medikamenten gearbeitet die den Lernerfolg unterstützen sollen.

 

 

Das man versucht zu gegenkonditionieren finde ich auch beim Hund einen guten Ansatz. Wird aber viel viel Arbeit kosten und man muss wohl sehr genau das Umfeld im Griff haben.

Das Umlenken der Idee von den Alkoholiker wäre wohl das anbieten des Balls ohne zu werfen. In den Mund geben ohne damit spielen zu können. Bis das Gehirn speichert das kein Glücksgefühlmoment mit Ball assoziiert werden kann. Und das mit jeder Variante und Form in der ein Ball auftauchen kann.

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Zwei Punkte, ich bin mir nicht sicher, dass man alle Süchte so direkt miteinander vergleichen kann,

und die Rückfallquote liegt bei dem klassischen Radikalentzug für Alkoholiker bei (mindestens) 90 Prozent.

Möglicherweise gibt es einen erfolgreicheren Ansatz, denn bei einer darert hohen

Rückfallquote würde ich nicht von einer wirklich guten, wirksamen Therapieform sprechen.

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Ich kenne es so, dass ein Alkoholiker nach längerer Abstinenz und wenn er stabil ist, ab und zu eine kleine Menge Alkohol trinken darf. Nur mir Abspache mit dem Therapeuten, zb mal 1 Glas Wein, oder statt Bier, ein Glas Apfelwein.

Aber viel genauer weiss ich es nicht.

 

Ist aber sehr OT

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vor 22 Stunden schrieb Eifelkater:

Eigentlich ist es eh relativ selten, dass ich so wie gestern zum Beispiel 15-20 Mal (innerhalb einer Stunde) werfe.

Ich finde das viel. 

Ich finde das auch nicht geeignet als Ersatz für das Jagen. Wenn, würde ich Impulskontrollübungen oder richtiges Apportieren mit ihm machen. Stöckchen werfen fährt ihn nur unkontrolliert hoch. Er ist heiß auf den Kick. Damit sage ich nicht, dass er schon eine Sucht entwickelt hat. Aber gefährdet ist er schon, würde ich sagen. 

 

Jetzt noch was anderes: In der Gruppe war das auch schon nicht einfach. Er will seinen Stock ja nicht teilen, holt sich aber ständig neue, die Anlass für Streit sein können. Und du musstest ihn sehr oft mit einem strengen Nein davon abbringen. Das finde ich ungünstig für den Hund. Er kriegt ständig negative Rückmeldung für etwas, das sonst erwünscht zu sein scheint. 

Wenn das mein Hund wäre, gäbe es exakt 0 einfach so geworfene Stöcke. Rassebedingt ist er auch hüftmäßig gefährdet. Stattdessen Zergeln mit Spielzeug, gegenseitiges Abjagen, Suchen und Anzeigen von Stöcken, Rumtragen und Abgeben von Stöcken. Vielleicht richtiges Apportieren in einem Kurs erlernen.

Also Interaktion und unter anderem auch Stöcke dabei. 

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vor 2 Stunden schrieb Michelle003:

Das Umlenken der Idee von den Alkoholiker wäre wohl das anbieten des Balls ohne zu werfen. In den Mund geben ohne damit spielen zu können. Bis das Gehirn speichert das kein Glücksgefühlmoment mit Ball assoziiert werden kann. Und das mit jeder Variante und Form in der ein Ball auftauchen kann.

Das machen wir ja und das funktioniert besser als wären alle Bälle weg. Denn dann kommt der eine Fremdball, den ich nicht sehe... 

 

Wobei ich eher sagen würde.... Glücksgefühle sind erlaubt, beziehen sich aber nicht auf dieses wahnsinnige Hinterherhetzen, sondern auf jegliches Spiel mit dem Ball. Er hat zwei Kongbälle zu Hause zur Verfügung. Er kontrolliert manchmal, ob sie noch da sind, aber mehr nicht. 

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