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Hundeforum Der Hund
Nebelfrei

Von Fairness und Freundschaft im Tierreich

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Ich seh das vielleicht ein bisschen "engstirnig" aber für mich ist das beschriebene nicht unbedingt ein Wunsch nach Fairness. 

Was nicht heißt das ich solche Charaktereigenschaften nicht zu schätzen wüsste. Ich würde nur nicht das Bedürfnis für Fairness dazu sagen. :) 

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vor 15 Minuten schrieb Lyris:

Fairness lässt sich im Deutschen mit akzeptierter Gerechtigkeit und Angemessenheit

 

vor 16 Minuten schrieb Lyris:

den [Spiel]regeln entsprechendes, anständiges und kameradschaftliches Verhalten

 

Heruntergebrochen:

Wenn die in der sozialen Gruppe gelernten und gelebten Regeln sowie die dazu passende Gerechtigkeit beschreibt, dass man umsichtig miteinander umgeht, die Eigenheiten und Schwächen des Anderen toleriert und nicht missbraucht und sich selbst nicht verstellt/ echt ist (gilt für 2Beiner!) - dann kann man durchaus nach "Fainess" streben.

 

Ist bei uns immer Thema! Ich muss so leben - vor allem mit meinen Tieren - und dies täglich "praktizieren". Sonst wäre ich bei (im durchschnitt) 500-600 kg teilweise tief traumatieriserter Lebendmasse echt böse aufgeschmissen! Und "so" ein Pferd belügst du nicht! Das haben die längst hinter sich! Da herrscht akute Explosionsgefahr!

Von daher bin ich wahrscheinlich etwas eigen und auch befangen bei diesem Thema.......

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Ich spreche jetzt mal von Menschen und gehe dann direkt zu den Tiere über. Nicht wundern. Fair zu sein fällt manchmal schwer und die Motivation fair zu handeln ist eher, dass wir nur so in unserer Gruppe akzeptiert werden. Und eine stabile Gruppengemeinschaft entscheidet  über Erfolg oder Misserfolg der Gruppe oder in der Natur auch über Leben und Tod. 

 

Ist es Fairness oder Schutz (der Stabilität) einer Gemeinschaft bzw. Schutz für sich selbst. Den das Individuum profitiert wiederum vom Schutz der Gruppe.

 

Wenn jemand Gewalt zeigt, dann stört das die Harmonie und man ist tendenziell verwundbar/in Gefahr, das verunsichert und macht nervös. Ich glaube deshalb reagieren ganz viele Tiere instinktiv auch auf Gewalt. Nicht weil es dem anderen Tier gegenüber unfair ist, sondern weil ein gewalttätiger Tyrann schlichtweg gestoppt werden muss, denn er zerstört die Harmonie und ist eine potentielle Gefahr. 

 

Meine Hündin zeigte mir schon eine verletzte Maus an und wollte augenscheinlich Hilfe von mir, aber hat auch schon selbst Mäuse getötet. Das ist nicht unbedingt fair, auch wenn ich es wirklich liebevoll fand das sie die verletzte Maus nicht zusätzlich noch misshandelt hat. Hätte sie können, ich hab es erst spät bemerkt das die Maus da ist. 

 

Oder ich bin einfach zu pessimistisch veranlagt und Fairness ist ein passendes Wort. :D 

Es ist für mich eben ganz schwierig Adjektive die für Menschen erfunden wurden auf Tiere zu übertragen. 

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Ich kann nicht mehr editieren.

 

Wenn ich meine Freunde oft genug übers Loch ziehe, habe ich die längste Zeit Freunde gehabt. Wenn ich meinen Partner ungerechtfertigt blöd anmache, weil ich Stress auf der Arbeit hatte, dann wird er irgendwann die Trennung fordern. Wenn ich zum Chef laufe und meine Kollegen anschwärze, dann trauen die mir nicht mehr und andere Teams sind ganz schnell dabei bessere Erfolge zu liefern und das eigene Team ist weg vom Fenster. 

Man hat immer mal den Impuls, aus etwas zu tun was man nicht tun sollte. Nicht unbedingt gleich so krass wie oben beschrieben, aber dennoch weiß man aus Erfahrung, man darf nicht alles tun was man könnte, wenn man weiterhin Teil einer Gruppe/eines Teams sein möchte. Manchen fällt das leicht, andere können das nur weil sie genug Sorge vor den Konsequenzen haben. Instinktiv wollen wir aber schon eine Gruppe/Familie haben und von dieser auch akzeptiert werden. Das ist ein Grundbedürfnis. Und ich denke einfach gesprochen, viele Tiere haben dieses Bedürfnis in ähnlicher Weise auch. Natürlich nicht alle Tiere, gibt ja auch Arten die Einzelgänger sind.

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Also ich glaube schon, dass mein Hund einen Fairnessbegriff hat- der muss sich ja nicht in alle Bereiche ausdehnen. Futter ist ja kein Spass...

Aber insgesamt ist es schon so, dass sie z.B. bei einem gebrechlichen Hund vom Klauen absieht, spätestens , wenn ich sie dran erinnere. Bei einem jungen fitten Hund ist ihr diese Erinnerung so richtig egal...Bei einem Hund, der ihr das Futter nicht streitig macht, nimmt sie sich auch eher zurück- was sie bei einem Ressourcenverteidiger nicht machen würde.

Fairness hat für mich hauptsächlich mit Empathie und Rücksichtnahme zu tun und zu beidem halte ich Hunde für sehr fähig- individuell unterschiedlich wie beim Mensch eben.

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Ich  finde es grundsätzlich schwierig, abstrakte Konstrukte auf tierisches Verhalten anzuwenden. Fairness ist außerdem schwer zu definieren.

Wenn wir von Fairness sprechen, meinen wir ja unteranderem folgende Dinge:

- Empathie

- ein Bewusstsein für die Bedürfnisse anderer 

- Unrechtsempfinden 

- Wissen über Normen und Konventionen; was "fair" ist, entscheidet am Ende die Gesellschaft ("es ist nicht üblich, dass Männer und Frauen in Schwimmwettbewerben gegeneinander antreten"; "Es ist nicht üblich Pferden ein Steak zu verfüttern")

- die Fähigkeit, Dinge in Relation setzen zu können ("Wenn mein großer Bruder 5 Schokoriegel bekommt und ich nur einen, ist das unfair; wenn er 5 Löffel Kartoffelbrei bekommt und ich nur einen, dann ist das fair")

 

Ich würde Hunden viel Empathie und Unrechtsempfinden zu sprechen. Aber Fairness ist das für mich nicht. 

 

 

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vor 13 Minuten schrieb Holo:

Unrechtsempfinden

Aber genau darum, noch genauer "Gerechtigkeitsempfinden" sollte es eigentlich gehen, als in diesen Thread gewechselt wurde...

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vor einer Stunde schrieb Michelle003:

Fair zu sein fällt manchmal schwer und die Motivation fair zu handeln ist eher, dass wir nur so in unserer Gruppe akzeptiert werden.

Mann wäre das nett, wenn es so wäre. Die Erfahrung sagt aber das Opportunismus und Manipulation wesentlich erfolgreicher sind leider. Wenn man dann mit Fairness kommt und sich genau deswegen nicht auf die Seite von einem der konfligierenden Interessenvertreter stellen will, kriegt man es von beiden ab.

 

Ausserdem stelle ich tatsächlich stark abweichende Fairnessbegriffe fest. Die Gesellschaft legt nun wirklich nicht für mich fest, was ich als fair empfinde, das mache ich nach eigenem Ermessen indem ich überlege , was ich fair empfinden würde, wenn ich in der Situation der Betroffenen wäre.

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Die Gesellschaft in der du aufwachst prägt dich aber nicht nur ein bisschen. 

Und so philosophisch wie ein Mensch über die Gerechtigkeit der Welt nachdenken kann, wird es ein Hund nie tun. ;) 

 

 

Manipulation ist ein gutes Beispiel. Manipulation nutzt man deshalb weil man anderen damit vorgaukelt, angeblich der Gruppe entsprechenden, Normen/Wünschen/höheren Zielen zu entsprechen und seine wahren Motive zu verschleiern. Und das ist natürlich erfolgreich, wenn man gut schauspielern/lügen kann.

Aber wie ich es schon angesprochen habe, Fairness fällt nicht immer leicht. Und selbst wir Menschen haben unsere liebe Mühe damit. Deshalb wirds für den Hund nicht leichter.

 

Daneben gibt es noch viele andere Gründe, warum man Menschen weiterhin akzeptiert, obwohl sie einem selbst/oder der gemeinsamen Gruppe gegenüber nicht fair sind. Weil man sich nicht traut, weil man zweifelt es richtig wahrgenommen zu haben, weil man auch verzeihen kann oder weil man in der Vergangenheit zu viel schlechtes erlebt hat und schlechte Menschen in sein Leben lässt. Man muss sich selbst wertschätzen und schützen vor Unfairness, das kann nicht jeder.

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Außerdem ist ein Sinn für selbst widerfahrendes Unrecht also "Unrechtssinn" und Sinn für Gerechtigkeit nicht dasselbe. Das eine könnte man vielleicht als Vorstufe bezeichnen.

 

Es gibt verschiedene Phasen der Entwicklungsspyschologie und ein Sinn für selbst erfahrene Ungerechtigkeit erlangt der Mensch immer früher als einen Sinn für Gerechtigkeit.

Kohlberg hat beispielsweise moralische Stadien entwickelt. Die Fähigkeit selbst Regeln aufzustellen oder die vorhandenen Regeln kritisch zu hinterfragen, um eigenen ethischen Grundkonstruktionen zu entsprechen, wird frühestens im Erwachsenenalter erreicht. Bis zum neunten Lebensjahr kennzeichnet sich der Mensch dadurch aus, die eigenen Interessen zu verfolgen. 

Auch Piaget der den Ursprung zur Entwicklungspsychologie gemacht hat, hat eine egozentrische Phase noch vor der eher sozial ausgeprägten Phase entwickelt gehabt. Die Fähigkeit der Empathie kam auch hier nach der Fähigkeit eigenen Interessen zu verfolgen.

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