Jump to content
Hundeforum Der Hund
Asisina

Urvertrauen-das Band zwischen Mensch und Hund

Empfohlene Beiträge

Lief gestern im Fernsehen, wahrscheinlich schon öfter.

 

Da sich dort viel mit meiner Meinung deckt, wollte ich mal fragen wer es gesehen hat und wie ihr es einordnet.

 

Das Thema Vertrauen gegenseitig, dazu natürlich Bindung und gegenseitiges lernen der Körpersprache deckt sich sehr mit meiner Erfahrung.

 

Erst wenn dieses Vertrauen da ist, gegenseitig, ist es für mich persönlich eine perfekte Team Partnerschaft. Wenn das vorhanden ist, ist es einfach nur wunderschön. Dies habe ich mit meiner Hündin und wir geniessen dies sehr. Sie ist auch fast immer bei mir, aber sie ist sehr wenig an der Leine, liegt vor meiner Werkstatt und beobachtet so die Umwelt. So oft denke ich,oh, Luna ist gar nicht hier, hab sie gar nicht angeleint draussen an der Schlepp, ich schaue raus, sie liegt dann da auf dem Weg oder auf der Wiese. Ich vertraue ihr zu 100 %, sie würde nicht weg laufen.

Sie schaut mich dann auch so an, ganz nach dem Motto, hey, was schaust du, alles klar bei dir, brauchst du Hilfe 😅

 

Ich merke das sehr oft bei neuen Hundebekanntschaften, wenn ich dann so auf dem Feld stehe, alles frei und viele Angst haben den Hund einfach mal los zu lassen, die Hunde mal einfach Hund sein lassen, sie haben Oft so große Sorge was alles passieren könnte und damit kein Vertrauen zum Hund. Auch das ständige umdrehen was der Hund so gerade macht ist für mich recht  merkwürdig.

 

Mal so zur These, muss dieses Vertrauen so stark sein? Für mich ist es so, wenn es anders ist, folgt der Hund eher nur, er macht das was gefordert ist, egal wie das so konditioniert wurde, aber es ist für mich etwas völlig  anderes. Son Beispiel von uns, wenn wir so draussen unterwegs sind am Feld, Wald im Freilauf, zeigt meine Dame oft an, ey, warum da lang, lass uns mal hier lang gehen. Oft mache ich das, manchmal aber auch nicht. Dann gibt es schon fast so eine Art Diskussion per Blick und Körpersprache, ach komm, lass uns hier lang, ich dann nö, komm diesen Weg, sie läuft dann ein paar m noch mal rein, nun komm schon, es ist eine echte Kommunikation dann zwischen uns. Ich mag es sehr, wenn diese Eigenständigkeit so da ist. Klar wenn der Weg nicht passend ist, kommt von mir auch ein äh äh, hier gehts weiter, dass akzeptiert sie dann auch.

 

Och könnte jetzt so weiter schreiben irgendwie, macht doch alles so viel Freude und ich werde nicht müde, dies anderen auch zu vermitteln, wie entspannt das alles mit eher so wenigen Worten laufen kann.  

 

Problem ist natürlich, dass man Vertrauen nicht so einfach erziehen kann, dass muss man sich erarbeiten durch viele positive Erlebnisse, dies gilt denke ich für beide Seiten Gleichermaßen. Dies ist eine stetige Entwicklung und ich empfinde dies als wunderschön!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Oooh schönes Thema :) Ich kann so etwas kaum in Worte fassen. Aber ich versuche es mal. Vorab eine Frage: Bei welchem Sender lief das? Würde gerne mal in der Mediathek schauen, ob man es online sehen kann.

 

Also, auf die Frage "Muss dieses Vertrauen so stark sein?" würde ich persönlich mit einem klaren "Ja" antworten. Das macht für mich, wie auch für dich, diese besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund aus.

 

Das Band zwischen meiner siebenjährigen Hündin und mir ist sehr stark. Schon zu Beginn war dieses Vertrauen vorhanden, auf beiden Seiten. Ich kann das auch nicht gut beschreiben, aber wer uns live kennt, weiß was ich meine.

Es ist so ein Verstehen, das mich immer noch täglich wahnsinnig freut. Sie schaut mich an und ich weiß einfach, was sie möchte. Wenn sie Hilfe braucht, zeigt sie mir, welche Art von Hilfe sie benötigt. 

Umgekehrt merkt sie direkt, wenn mir z.B. etwas quer im Magen liegt und ich innerlich mit irgendwas zu kämpfen habe. Dann ist sie die Aufmunterin, die mich zum Lachen bringt oder die ganz doll kuscheln kommt. 

Sie hat so eine immense Lebensfreude, die auf mich sehr ansteckend wirkt. Wir 2 können total albern sein und sie mag diese Albereien total gerne und macht mit - oder fordert mich dazu auf.

 

Es ist so.. locker, leicht, beschwingt, das Zusammensein mit ihr.

 

Und mit George, unserem ca. 10 Monate jungen Hund, ist es nun ähnlich. Er hatte nach wenigen Minuten für sich entschieden: Prima, das ist hier mein Zuhause, hier will ich bleiben. Das hat selbst die 2 vom Tierschutzverein erstaunt, von dem wir ihn haben. 

Aber natürlich mussten wir erst lernen, wie der andere tickt - sowohl wir als auch George. Mittlerweile ist das auch schon so eingespielt, dass es für uns so ist, als sei er schon immer bei uns gewesen. 

 

Jetzt leben wir mit zwei Hunden zusammen, die einfach richtig Spaß am Leben haben und sehr fröhlich sind. Auch George ist sehr sensitiv und merkt, wie es im Inneren seiner Menschen aussieht. 

 

Das stille Diskutieren über die Wegrichtung, wie du sie beschreibst, ist auch mit George und Emma vorhanden. Diese Blicke, wenn sie einen dazu überreden wollen, ihren Weg zu gehen - da könnte ich mich kaputt lachen. Und sie schaffen es auch in der Regel, dass ich meine Wegrichtung ändere. 

 

Beide Hunde sind Menschenfreunde, aber bei Beiden war es immer so, dass sie direkt weiter mit uns gingen, nachdem wir z.B ein Gespräch mit anderen Menschen beim Spaziergang beenden. Das erstaunt nicht uns, aber einige andere Hundehalter, die vor allem ihre Junghunde erstmal wieder einsammeln müssen. 

 

Es ist einfach unbezahlbar schön und sehr wertvoll, wenn diese Band vorhanden ist. Wir freuen uns täglich darüber und möchten es nicht missen. Und das entsteht halt nicht durch irgendeine Erziehungsmethode, sondern durch die Art des Miteinanders. 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
vor 4 Stunden schrieb Asisina:

Ich merke das sehr oft bei neuen Hundebekanntschaften, wenn ich dann so auf dem Feld stehe, alles frei und viele Angst haben den Hund einfach mal los zu lassen, die Hunde mal einfach Hund sein lassen, sie haben Oft so große Sorge was alles passieren könnte und damit kein Vertrauen zum Hund. Auch das ständige umdrehen was der Hund so gerade macht ist für mich recht  merkwürdig.

 

Das kommt doch sehr auf die Art Hund an, die man hat.

Hat man einen Husky, Beagle, Jack Russel Terrier, oder, oder, oder tut man sehr gut daran zu schauen, was der Hund macht. Das hat auch nichts mit mangelndem Vertrauen oder schlechter Bindung zu tun, sondern schlicht damit, daß Hunde nunmal Jäger sind und viele dieses Verhalten auch noch zeigen. Daß diese hundeigenen Instinkte zur Bequemlichkeit des Menschen manchen Rassen immer mehr weggezüchtet werden sehe ich eher negativ als positiv. Ich zumindest hab lieber einen Hund, der auch verhaltensmäßig noch mehr Hund ist auf den ich dann eben mehr achten muß und der nicht überall frei laufen kann.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

@Zurimor Danke, gerade dass ist aber doch auch der Punkt finde ich.

 

Ich habe zwei Beagle z.B. auch gehabt, die liefen dennoch viel frei, klar , in der Meute ist der Kopf dann aus, aber es bedeutet doch nicht, Beagle, gleich jagen, gleich Leine.

Obwohl ja der Gedanke des gegenseitigen Vertrauens nichts mit der Leine zu tun hat.

 

Meine Ridge Dame würde auch gerne jedem Vogel auf dem Feld oder Kanickel hinterher und klar darf sie auch mal Vögel aufscheuchen, aber sie fragt vorher nach, sie bleibt stehen, schaut mich an, nach dem Motto, hast du die Vögel auch gesehen? darf ich, oder lieber nicht.

 

Im Moment z.B. bei Jungvögeln und Brutzeit darf sie halt nicht, hier sage ich dann, jo, gesehen, lass sie aber in Ruhe. Wenn da im Sommer paar Tauben sitzen, darf sie gerne auch mal aufscheuchen. Ups, hoffe nicht, dass ich jetzt ein Nebenthema aufmachen.

 

Und das die hundeeigenen Instinkte so gut es geht bleiben sollen, bin ich komplett bei dir, hier ist die Grenze aber schwer zu setzen finde ich.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
vor 13 Minuten schrieb Zurimor:

 

Das kommt doch sehr auf die Art Hund an, die man hat.

Hat man einen Husky, Beagle, Jack Russel Terrier, oder, oder, oder tut man sehr gut daran zu schauen, was der Hund macht. Das hat auch nichts mit mangelndem Vertrauen oder schlechter Bindung zu tun, sondern schlicht damit, daß Hunde nunmal Jäger sind und viele dieses Verhalten auch noch zeigen. Daß diese hundeigenen Instinkte zur Bequemlichkeit des Menschen manchen Rassen immer mehr weggezüchtet werden sehe ich eher negativ als positiv. Ich zumindest hab lieber einen Hund, der auch verhaltensmäßig noch mehr Hund ist auf den ich dann eben mehr achten muß und der nicht überall frei laufen kann.

 Danke, das wollte ich so ähnlich auch schreiben.

Dieses Vertrauen, das Band, dass einen mit dem Hund verbindet, das muss wachsen. Bei manchen braucht das Jahre. Dieses Gefühl zum Hund will ich gar nicht anzweifeln, aber das, was manche darunter verstehen, wie sich das im Alltagsleben äußert....
Ich habe sehr starkes Vertrauen zu meinen Hunden. Shippo konnte immer frei laufen, auf ihn konnte ich mich draußen eigentlich blind verlassen, er bleib immer in meiner Nähe.

 

Bei Momo ist dieses Band aber nicht minder stark, eher im Gegenteil. Momo hat eine sehr starke Bindung zu mir. Sie ist für mich das, was manche gern als Seelenhund bezeichnen.

Zu Shippo hatte ich diese wirklich enge Verbindung nicht, obwohl er nach außen hin, wer uns gesehen hat, eine mega tolle Bindung zu mir gehabt haben musste.

Dennoch würde Momo draußen jagen gehen, wenn ich nicht aufpasse. Vertrauen/Bindung und Jagdausflüge widersprechen sich in ihrem Weltverständnis nämlich nicht. In meinem übrigens auch nicht. ^_^ 
Deshalb kann ich sie nicht überall vertrauensduselig frei laufen lassen, oder einfach so zu fremden Hunden hinlassen und sie mal vertrauensvoll machen lassen, weil ich meinen Hund kenne und weiß, dass sie eine andere Definition von "gutem Sozialvehalten" hat, als die landläufige Meinung anderer Hundehalter. 
Ich finde so, wie es im Eingangskommentar beschrieben wird, ist es doch eher romantisiert, bzw. mit vielen Hunden sicher machbar, mit anderen aber nicht. Deshalb würde ich niemanden mangelndes Vertrauen zum Hund oder gar schlechte Bindung unterstellen. Letzteres dient in meinen Augen eh nur dazu, anderen Hundehaltern das Gefühl zu vermitteln versagt zu haben.
Woran soll man das von außen beurteilen? Anhand dessen, ob mein Hund überall frei läuft, immer in meiner Nähe bleibt, er außer Sicht nix anstellt...?
Ich denke, das ist eine sehr subjektive Sache, eine Gefühlssache, die nur jeder selbst für sich wirklich beurteilen kann. :) 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
vor 32 Minuten schrieb Zurimor:

Daß diese hundeigenen Instinkte zur Bequemlichkeit des Menschen manchen Rassen immer mehr weggezüchtet werden sehe ich eher negativ als positiv.

 

Das hat doch weder mit Bequemlichkeit zu tun noch wird da etwas "weg"gezüchtet. Die Rassen wurden für verschiedene Aufgaben gezüchtet, zu einem mehr oder weniger hohen Grad, und wenn diese Aufgabe "nur" die eines Begleithundes ist. Ich wüsste auch nicht, was daran negativ sein soll, wenn sich ein Hund im Alltag mit seinen Menschen häufiger seinen Anlagen entsprechend verhalten kann, als das z.B. bei unserem Lütten der Fall ist. Ich liebe seine Unabhängigkeit und seinen Explorationsdrang, aber auch wenn ich mich absolut darauf verlassen kann, dass er maximal ein paar Minuten außer Sichtweite bleibt, kann er diese im Alltag doch nur selten uneingeschränkt ausleben.

 

vor 23 Minuten schrieb Nasefux:

Zu Shippo hatte ich diese wirklich enge Verbindung nicht, obwohl er nach außen hin, wer uns gesehen hat, eine mega tolle Bindung zu mir gehabt haben musste.

 

Das geht mir mit Kasi ähnlich. Er hat lange gebraucht, um Vertrauen zu fassen. Jetzt ist er 2,5 Jahre bei uns und das Maximum ist bestimmt noch nicht erreicht. Trotzdem ist er unser "Begleithusky". Er lässt sich auch mal ein gutes Stück zurückfallen, wenn er mit irgendwas beschäftigt ist, geht mal hierhin und mal dahin -und danach kommt er wieder zu mir und trödelt schräg links hinterher (mit Leine übrigens super nervig, weil ich seine Flexi aus Gründen in der rechten Hand halte... :motz:). Mal abgesehen davon, dass unsere Auffassungen von "essbar" nicht ganz deckungsgleich sind, kann vor allem ich ihm auch absolut vertrauen. Aber die intensive Bindung, die ich zu Kelvin habe, werde ich zu ihm vermutlich nie aufbauen können.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Ok, das Thema Jagen hatte ich bei meinen Aussagen gar nicht bedacht und überhaupt nicht daran gedacht. 

Jagdleidenschaft schließt für mich auch nicht eine enge Bindung aus.

 

Bei George ist es tatsächlich so, dass er gar nicht jagt. Bei den Spaziergängen muss ich mehr auf Emma als auf den Junghund achten. Sie ist zwar keine Jägermeisterin, aber mal kurz hinter einem flotten Tier herlaufen, das findet sie cool. Das kommt zwar immer seltener vor und trotzdem wird sie in Gegenden angeleint, wo sich z.B. Rehe tummeln. 

Dieses enge Band zwischen ihr und mir ist dennoch vorhanden. 

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Es gab eine Aussage in dem Beitrag, die man missverstehen könnte. An der Stelle habe ich echt geschluckt, weil die mögliche Interpretation saugefährlich ist. Der Kotrschal hat nicht gesagt: lasst eure Hunde an der Straße laufen. Das was er gesagt hat, war aber zu nah dran, das hat diese Interpretation geradezu provoziert.

Aber meiner Ansicht nach wurde insgesamt sehr deutlich, dass Vertrauen nicht heißt, dass der Hund seine Hobbies beim Menschen abgibt.

 

Natürlich muss ich ein Auge drauf haben, wenn ich darauf vertrauen kann, dass mein Hund bei Gelegenheit jagen geht. Genauso wie ich ein Auge auf Dina haben muss, weil ich darauf vertrauen kann, dass sie fremde Hundebesitzer anrempelt. Das hat nichts mit "nicht vertrauen" zu tun - meine Formulierung ist bewusst gewählt: ich vertraue zu 100% darauf, dass mein Hund immer derselbe Hund bleibt. Und weil meine Motte sich gern geprügelt hat, konnte ich darauf vertrauen, dass sie das bei Gelegenheit auch getan hätte. Dann hat es nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun, dass ich dafür sorge, dass solche Gelegenheiten nicht auftreten. Es hat aber unter anderem was mit Vertrauen zu tun, wenn mein Hund sich von meiner Leine und meinen Ansagen dazu bewegen ließ, recht gesittet an potentiellen Feinden vorbeizugehen.

 

Vertrauen heißt nicht: den Hund einfach machen lassen. Vertrauen basiert auf dem Wissen, wann und wo ich den Hund machen lassen kann und wann und wo nicht. Vertrauen basiert vor allem auf konsistentem Verhalten. Der Hund muss darauf vertrauen können, dass sein Mensch nicht ständig was anderes macht (das wurde im Beitrag genau so beschrieben). Der Mensch sollte darauf vertrauen, dass der Hund sich so verhält wie es für diesen Hund typisch ist (das wurde nicht ganz so deutlich gesagt).

 

Im Extremfall ist Vertrauen sogar besonders wichtig. Der Extremfall, an den ich jetzt denke, ist ein bissiger Hund. Wenn man die Auslöser kennt, kann man in allen Situationen, die keinen Auslöser enthalten, dem Hund vertrauen, dass er jetzt keine Löcher in irgendein Lebewesen macht. In allen anderen Situationen kann man mit Übung (und Maulkorb) dahin kommen, dass das gegenseitige Vertrauen groß genug wird, um Mensch und Hund sozialverträglichen (= verletzungsfreien) Handlungsspielraum zu lassen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

@Selkie Sehr gut geschrieben und nochmal verdeutlicht. Danke, da kann ich voll und ganz mitgehen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

×
×
  • Neu erstellen...

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie zu, dass wir Cookies verwenden, um unser Angebot zu personalisieren. Mehr erfahren.