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Hundeforum Der Hund
Kanae

Pflegehund- Demenz oder Hirntumor? Schmerzen?

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Hallo liebes Forum,

ich hab schon eine Weile nichts mehr geschrieben, aber nun bin ich mal wieder völlig ratlos und würde mich über Erfahrungswerte anderer freuen.

 

Erstmal die Vorgeschichte: Die Oma einer Bekannten musste vor kurzem ein neues Hüftgelenk bekommen und es gab niemanden, der ihren 16 jährigen Dackel-Mix für ihre Zeit im Krankenhaus und in der Reha hätte nehmen können, weshalb die Bekannte mich fragte. Nach einem Kennenlernen draußen im Park stimmte ich zu, denn mir wurde gesagt, der Hund wäre zwar eben schon alt und hätte seine Eigenheiten, sei aber sonst noch ganz gesund und fit. 

Im Mai kam er dann zu mir. Kaum waren wir in der Wohnung, begann das auffällige Verhalten. Der Hund lief extrem unruhig von einer Ecke in die andere, immer im Kreis, wobei er durch Näpfe trampelte und gegen Möbel und Wände rannte. Erst sagte ich mir, dass er vermutlich geschockt vom Umgebungswechsel ist und sich die Unruhe legen wird, doch da lag ich falsch. 

Mal kurz die Symptome zusammengefasst: 

 

-extreme Unruhe und starker Wanderdrang (läuft teilweise über 10 Stunden im Kreis)

-absolute Erschöpfung bis zur Apathie (nach diesen Wanderungen kippt er meistens um, zu Beginn wanderte er schneller wieder weiter, inzwischen liegt er teilweise ganze Tage nur auf der Seite, bis dann nachts das Gerenne wieder beginnt. Man kriegt ihn kaum wach, trägt man ihn zum Pinkeln auf die Wiese, kippt er dort immer wieder um) 

-Desorientierung (er findet oft nicht selbstständig seinen Wassernapf oder die Wohnungstür)

-Klettert in Ecken und schreit dann (gehört vielleicht zu Desorientierung, aber es wirkt fast, als würde er gezielt in diese Ecken laufen, also hinter´s Sofa oder neben das Klo z.B., da "steckt er dann fest" und scheint zu denken, er käme nicht mehr frei, jedenfalls beginnt er ganz grausig zu heulen und zu bellen, bis man ihn aus der Ecke zieht- und er in die nächste rennt) 

-Angst/Aggression (schnappt oft nach mir und meinem Hund, obwohl wir gar nichts von ihm wollen. Manchmal zuckt er auch extrem vor uns zurück, obwohl wir uns nicht anders verhalten, als sonst auch) 

-kann Urin und Kot nicht halten (keine Inkontinenz, er hockt sich schon hin für das Geschäft, ihm ist nur egal, ob er dabei drinnen oder draußen ist)

-hat einen Linksdrall (das fällt besonders bei Runden um den Block auf, geht man rechtsrum, will er immer nach links auf die Straße rennen, geht man linksrum hat man das Problem nicht, er dreht sich auch oft lange auf der Stelle, meistens nach links)

-hört und sieht ziemlich schlecht, aber das ist vielleicht normal für das Alter.. 

 

Da ich Laminat in der Wohnung habe, hat mich das Krallenklappern schnell wahnsinnig gemacht. Also hab ich ein Welpengitter aufgestellt, eine Decke druntergelegt und es mit Pipipads ausgelegt, damit er sich nachts nicht in Gefahr bringen kann und es leiser ist. Wegen einer Entzündung an der Pfote mussten wir eh zu einigen Tierärzten (dank Corona bekommt man kaum Termine und wir mussten oft schnell und spontan zum Arzt) , wo ich das Verhalten ansprach. Einige meinen, es klingt nach Demenz, andere, dass es ein Hirntumor sein könnte. 

Während er wegen der Pfote Schmerzmittel und Antibiotikum bekommen hat, wurden die Zustände etwas besser, jetzt ohne sie wird es wieder schlimmer.. Weil ich seit zwei Nächten nicht schlafen konnte und mir auch wirklich Sorgen um den Hund mache, habe ich mir vom Tierarzt ein Schmerzmittel und etwas zur Beruhigung für ihn geben lassen (Kortison und Alprazolam). Die Tierärztin meinte, dass sie es auch gerechtfertigt fänd, würde ich mich entschließen, einen Hund in diesem Zustand einschläfern zu lassen. Da er aber nicht mir gehört, möchte ich das eigentlich vermeiden, diese Entscheidung soll die Besitzerin treffen. Aber ich hab keine Ahnung, ob der Hund leidet, oder eben nur völlig verwirrt ist und an sich noch ein lebenswertes Leben hat... Draußen wirkt er im Großen und Ganzen normal, das richtig auffällige Verhalten findet in der Wohnung statt... 

 

Hat irgendjemand mit sowas Erfahrungen? 

Liebe Grüße! 

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Nach der Erfahrung mit meiner 16jährigen ersten Hündin würde ich auch an Demenz denken, aber es war bei ihr lange nicht so schlimm.

Sie war aber immer noch stubenrein, lief aber im Liegen aus. Da sehe ich einen Unterschied.

Und Linksdrall hatte sie auch nicht. Sonst klingt es ähnlich.

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@gatil Vielen Dank für die Antwort! :)

 

Ja, meiner Internetrecherche nach gibt es Überschneidungen. Wir gingen die ersten Wochen auch von Demenz aus, haben zur Beruhigung erst mit CBD-Öl angefangen und vom ersten Tierarzt dann Karsivan bekommen, das bekommt er auch beides noch, leider sehe ich bisher keine nennenswerte Verbesserung. 

 

Die Verdachtsdiagnose Hirntumor wurde von der Tierärztin gestellt, weil dieser Wanderdrang eben so besonders extrem ist, er rennt/hoppelt die meiste Zeit, nach einigen Stunden kommt dann Trab, am Ende geht er.. Sie meinte, das sei so extrem, dass es untypisch für Demenz wäre. Auch dass er durch die Medikamente für die Pfote (Metacam, Synulox) etwas ruhiger wurde, könnte auf einen entzündlichen Prozess im Gehirn hinweisen. Aber herausfinden ließe sich das nur durch einen MRT, wovon sie abriet, da man in dem Alter und dem Stadium ohnehin nichts mehr dagegen unternehmen könne.. 

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@gatil Ach ja, eine Frage noch: Konntet ihr etwas gegen das Wandern und die sonstigen Symptome tun? Wie seid ihr damit umgegangen? Konnte deiner Hündin geholfen werden? Und hattest du das Gefühl, sie hat unter diesem Zustand gelitten? 

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Jedenfalls klingt es sehr nach Stress- fremde Umgebung-fremder Mensch, noch dazu ein alter Hund mit Einschränkungen... der gewöhnt sich da nicht leicht daran.

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vor 16 Minuten schrieb Kanae:

@gatil Ach ja, eine Frage noch: Konntet ihr etwas gegen das Wandern und die sonstigen Symptome tun? Wie seid ihr damit umgegangen? Konnte deiner Hündin geholfen werden? Und hattest du das Gefühl, sie hat unter diesem Zustand gelitten? 

 

Sie hat den ganzen Tag geschlafen. Ist Nachts gewandert und hat die Küche versucht, auseinanderzunehmen. War immer hungrig. Sie war irgendwann in einem Zustand, dass sie irgendwo stand und keine Ahnung hatte, wo oben und unten ist. Das habe ich mir auf Dauer nicht mehr ansehen können. Ich hatte dann das Gefühl, dass es für sie kein lebenswertes Leben mehr ist.

Deinen Dackel hätte ich wahrscheinlich schon erlöst. Das kann kein gutes Leben mehr sein. Und wenn es keine Aussicht auf Besserung gibt, finde ich, dass man den Schritt gehen muss. Stress ist es ja nicht nur durch die fremde Umgebung. Das Hirn macht nicht mehr mit. Dieses Getriebensein tut mir weh.

 

Aber natürlich muss man da Kontakt mit dem Besitzer aufnehmen. Er muss die Entscheidung treffen. Aber ich empfinde es als Quälerei für den Hund.

 

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@gatil Ja, ich möchte auch, dass die Besitzer das entscheiden. Ich habe zwar eine Vollmacht für den Tierarzt, aber wenn es sich irgendwie einrichten lässt, möchte ich, dass die Besitzerin sich von ihrem Hund verabschieden kann und nach diesen 16 Jahren auch den letzten Weg mit ihm geht. 

Ich habe aber auch schon einen Termin beim Tierarzt ausgemacht, zu dem wir alle vier gehen, also die Oma, die Enkelin, der Hund und ich, und mit der Ärztin darüber reden, wie es weitergehen soll. Leider sind es noch ein paar Wochen bis dahin, in denen ich mich ständig sorge, ob ich es dem armen Kerl auch so angenehm wie möglich mache und gleichzeitig wahnsinnig vor Schlafmangel werde...

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Echt, warum setzt man dem Hund so einen Stress aus, die hat keine Herzoperation hinter sich. Die soll sich um den Hund kümmern, wieso hält diese familie nicht zusammen? Den hund in ein völlig fremdes Umfeld geben- vielleicht hat er einen Schlaganfall vom Stress gekriegt. Das ist so herzlos ,da wird einem nur noch schlecht.

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vor 8 Stunden schrieb Kanae:

@gatil Ach ja, eine Frage noch: Konntet ihr etwas gegen das Wandern und die sonstigen Symptome tun? Wie seid ihr damit umgegangen? Konnte deiner Hündin geholfen werden? Und hattest du das Gefühl, sie hat unter diesem Zustand gelitten? 

 

Ich habe keinen Tipp, wie es besser wird. Leider. Man kann es nur aushalten. Der Hund muss es ja auch aushalten. Tagsüber war es ja bei uns nicht schlimm, da schlief sie tief und fest. Nachts halt. Sehr forderndes Gebelle. Gepolter. Lief überall gegen.

Ich bin nicht für: so lange wie irgend möglich.

Ich bin für: so gut es eben geht bis es nicht mehr gut geht. Für den Hund.

Hätte ich den Eindruck gehabt, trotz der nächtlichen Aktionen, dass es dem Hund noch gut geht, hätte ich es noch viel länger ausgehalten. Und es war noch nicht mal ein körperlicher Verfall, es war ein geistiger. Sie war zwar blind und taub, aber laufen konnte sie noch. Ein paar Zipperlein, undicht halt.

 

Setze dich doch mit der Frau in Verbindung und frage, was sie meint.

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Habt ihr die Nieren- und Leberwerte mal überprüfen lassen?

Wenn diese nicht mehr arbeiten, kommt es zu Vergiftungserscheinungen und die können so einen Wanderdrang auslösen.

 

 

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