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Hundeforum Der Hund
HerrTummetott

Kastration Angsthund?

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Ich habe einen Rüden aus dem Tierschutz adoptiert. Er ist ein Angsthund, aber mit dem Einsetzen der Pubertät wurde er immer mutiger. Wenn es nach dem Tierschutzverein ginge, hätte ich ihn schon mit 6 Monaten kastrieren lassen sollen. Trainerin, Hundepsychologin und drei Tierärzte haben mir stark davon abgeraten, weil ihm dann die Sexualhormone fehlen würden und er womöglich noch ängstlicher oder angstaggressiv werden könnte. Abgesehen davon gäbe es aus medizinischer Sicht keinen Grund dafür, damit wäre die Kastration sogar ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz...

Mittlerweile ist er 1,5 Jahre alt und der Verein setzt mich massiv unter Druck. Ich möchte ihn aber momentan nicht kastrieren lassen.

 

Hat jemand Erfahrung mit der Kastration von Angsthunden? Kann ich dazu gezwungen werden?

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Wie sieht denn dein Übernahmevertrag aus? Hast du unterschrieben, dass du dich verpflichtest, den Hund kastrieren zu lassen sobald er alt genug ist? I.d.R ist das so.

Wie genau setzt dich der Verein denn "massiv" unter Druck?

Ich bin selbst im Tierschutz tätig, und bin auch für Kastrationen. Ich verstehe den Tierschutzverein daher, es geht darum, mit aller Kraft zu verhindern, dass die Hunde für Vermehrungen benutzt werden und weitere Hunde produziert werden, obwohl es mehr als genug gibt und damit die Tierschutzarbeit ad absurdum geführt wird. Und leider ist Fakt auch, dass viele Menschen das Blaue vom Himmel lügen und trotz aller Versicherungen dann fröhlich Vermehren anfangen. Also ja, man muss die Seite vom Tierschutz auch verstehen, dass sie da streng bleiben und keinen Spaß verstehen.

 

Aber natürlich ist die andere Seite auch, dass es ein operativer Eingriff ist, der eine hormonelle Umstellung mit sich zieht und das nicht für alle Hunde toll oder problemlos geeignet ist. Ich finde es also gut, dass du dir wirklich Gedanken darum machst, was das Beste für deinen Hund ist und dir mehrere Meinungen und tierärztlichen Rat einholst.

 

Ich kann dir nur einen Rat geben. Ich würde mir von den Tierärzten schriftlich geben lassen, von allen dreien, dass und warum sie den Eingriff nicht durchführen wollen. Und dann würde ich das Gespräch mit dem Verein suchen und das darlegen. Vielleicht kannst du dich mit ihnen einigen, dass der Hund noch etwas älter werden darf, um einfach zu sehen, wie er sich vollständig entwickelt. Je nach Rasse/Größe sind Hunde ja erst richtig erwachsen mit bis zu 2 Jahren, wenn mich nicht alles täuscht?

 

Und ganz klar ist natürlich, dass du immer aufpassen musst wie ein Schießhund, dass dein Kerle keine Mädels bespringt....

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Ich würde mich erst mal sehr Shiranui anschließen.

 

Falls es doch darauf hinaus läuft, wozu du gezwungen werden kannst aufgrund eines Vertrags, wäre die Frage für mich, ob du dir problemlos einen Anwalt leisten kannst bzw. dir es das wert wäre. Oft heißt es in Foren bei diesem Thema, dass man nicht vertraglich zu etwas gezwungen werden kann, das gegen das Tierschutz-Gesetz verstößt, egal was man unterschrieben hat. Und die "grundlose" Kastration tut das angeblich bzw. würde auch ich das Gesetz so interpretieren. Aber ich bin halt keine Rechtswissenschaftlerin.

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Am 10.7.2022 um 22:23 schrieb HerrTummetott:

Mittlerweile ist er 1,5 Jahre alt und der Verein setzt mich massiv unter Druck. Ich möchte ihn aber momentan nicht kastrieren lassen.

 

Auch ich würde empfehlen, den Zeit- bzw. Entwicklungskontext als ethisch entscheidendes Argument für ein Moratorium anzuführen. Ansonsten spricht eben auch viel für eine Populationskontrolle, gerade tierschützerisch.

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Danke für eure Antworten. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, dass er sich vermehrt und fände das absolut verantwortungslos. Es gibt genug Hunde und er ist gesundheitlich nun auch nicht unbedingt so veranlagt, dass er seine Gene unbedingt weitertragen sollte... Wir hatten immer Tierschutzhunde in der Familie und die sind und waren immer kastriert. Aber er ist eben ein besonderer Fall, weil er so ein extremer Paniker, da er im frühen Welpenalter von Menschen gequält wurde. Aber mit dem Einsetzen der Pubertät hat er sich echt toll entwickelt.

Der Verein lässt da nicht wirklich mit sich reden und ich verstehe den Grundsatz auch. Aber für mich ist es dann letztlich eine Einzelfallentscheidung und in diesem Fall würde ich einfach gern warten bis er erwachsen ist. Es geht nicht darum, ihn nie zu kastrieren, sondern darum, ihm noch Zeit zu geben. 

Ich stehe nun in Kontakt mit dem Veterinäramt und mit einem Gutachter/Trainer/Hundepsychologen, der auch Wesenstests macht und beide Seiten sagen, die Kastrationsklausel ist nicht rechtens. Das sagt auch mein Anwalt. 

So ein Chaos sollte gar nicht entstehen, aber was da gerade passiert grenzt mittlerweile echt an Mobbing.

 

Vielleicht ist eine Sterilisation eine Option. 

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Ich finde Dein Vorgehen bzw. Deine Überlegungen klug und verantwortungsvoll.

 

Eine Sterilisation böte tatsächlich den Vorteil, dass sie keine hormonelle Veränderung bewirkt. So könntest Du die weitere Entwicklung beobachten und gleichzeitig Deiner "Vertragspflicht" zur Populationskontrolle nachkommen. Testweise käme dann sogar auch noch eine hormonelle bzw. medikamentöse Kastration in Frage, falls sich daraus überhaupt positive Verhaltensänderungen erhoffen lassen. Das könnten also die Gesprächsgrundlagen sowohl mit dem Gutachter als auch mit dem "Verein" sein.

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Einen ängstlichen Hund zu kastrieren, ist tatsächlich kontraproduktiv. Das fehlende Testosteron nach der Kastration führt zu schwerwiegenden Problemen bei einem ängstlichen Hund. Zu dem Thema kann ich das Buch „Kastration und Verhalten“ von Sophie Strodtbeck empfehlen.

 

Eine Sterilisation müsste den Verein tatsächlich zufrieden stellen, ansonsten fände ich ein Attest eines Tierarztes aber auch eine gute Idee.  

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Nein, dich kann niemand dazu zwingen. Selbst wenn eine entsprechende Klausel im Vertrag steht, dürfte die unwirksam sein. Sehr vernünftige Entscheidung, ihn nicht kastrieren zu lassen. 

 

@Shiranui Eine Kastration ohne Indikation ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz! "Damit nicht vermehrt werden kann" ist in dieser Hinsicht keine Indikation. 

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Am 21.7.2022 um 22:09 schrieb Zurimor:

Nein, dich kann niemand dazu zwingen. Selbst wenn eine entsprechende Klausel im Vertrag steht, dürfte die unwirksam sein. Sehr vernünftige Entscheidung, ihn nicht kastrieren zu lassen. 

 

@Shiranui Eine Kastration ohne Indikation ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz! "Damit nicht vermehrt werden kann" ist in dieser Hinsicht keine Indikation. 

Da kann ich mich @Zurimor nur anschliessen! Diese Vertragsklausel ist nicht das Papier wert auf welchem sie steht, sie ist nicht rechtsgültig und dir kann gar nichts passieren, wenn du sie nicht einhälst. Weder kann man dich dazu zwingen, noch kann man dir deinen Hund weg nehmen

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