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Günther Bloch: Neueste Erkenntnisse zu unseren Verhaltensbeobachtungen an verwilderten Haushunden

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Günther Bloch: „TUSCANY DOG PROJECT“

"Neueste Erkenntnisse zu unseren Verhaltensbeobachtungen an verwilderten Haushunden"

Wild lebende Hunde gelten aus verhaltensökologischer Sicht zu Recht als eine Art Bindeglied zwischen Wolf und Haushund. Da ihr Verhaltensrepertoire bisher nur sehr unzureichend studiert wurde, wollen wir durch unser Italienprojekt dazu beitragen, das Gesamtbild Wolf-Straßenhund-Haushund zu komplettieren.”

Vortrag in Düsseldorf: Mittwoch, 19.Juli 2006 ab 19.00 Uhr

Günther Bloch, Wolfsforscher, Hundeexperte und erfolgreicher Buchautor, auch bekannt aus der WDR-Sendung: «Tiere suchen ein Zuhause» referiert und dokumentiert zum Thema:

1. Aggressionsverhalten von verwilderten Haushunden gegenüber Menschen

2. Populationstrend/Reproduktionsverhalten von verwilderten Haushunden

3. Nahrungskonkurrenz zwischen verwilderten Hunden, Wildschweinen und Füchsen

4. anschl. Fragestellung / Diskussion

Seit dem 08. Mai 2005 führen wir in Zusammenarbeit mit der Universität Rom (Prof. Marco Musiani) und mit Hilfe von Prof. Ray Coppinger (Hampshire College/USA)in der Toskana/Italien für mindestens 3 Jahre kontinuierliche Verhaltensbeobachtungen an verwilderten Haushundegruppen durch.

Die dort in freier Wildbahn lebenden Haushunde genießen Vollschutz und halten sich hauptsächlich in einem großen, naturbelassenen Mischwald und in der Strandregion auf. In diesem Lebensraum haben Tierschützer einen festen Futterplatz eingerichtet, zu dem die Hunde fast jeden Tag kommen. Die Hunde sind nicht kastriert, so dass ein Schwerpunkt unserer Verhaltensstudien die Dokumentation ihres Reproduktionsverhaltens sein wird.

Mit Hilfe der Telemetrie - Technik (die Hunde sind teilweise mit Radiohalsbändern ausgestattet) sind wir mittlerweile bestens in der Lage, die Reviergröße und das Wanderverhalten der drei Hundegruppen zu bestimmen.

zu 1. Untersuchungen zur tatsächlichen Gefährlichkeit von verwilderten Haushunden bei Begegnungen mit Menschen im Naturpark von San Rossore

Manche Menschen charakterisierten die seit über 10 Jahren im Naturpark ansässigen verwilderten Haushunde, die von Tierschützern einmal täglich im Wald gefüttert werden, als Gefahr für die Allgemeinheit. Deshalb mußten wir mit Projektbeginn im Mai 2005 erst einmal untersuchen, ob die im Studiengebiet lebenden Hunde bei Begegnungen mit Menschen wirklich gefährlich sind. Um den Bewegungsaktivitäten der Hunde grundsätzlich folgen zu können, statteten wir zwischen Mai und Oktober 2005 insgesamt fünf Hunde mit Peilsendern aus. Bis zu einer deutlich erkennbaren Gewöhnung aller zwanzig Hundeindividuen aus drei Hundegruppen an unser Feldforschungsfahrzeug hielten alle Projektbeteiligten anfangs einen Mindestabstand von hundert Metern ein. Zwischen Anfang Mai und Anfang Dezember 2005 dokumentieren wir insgesamt 1360 Mensch-Hund-Begegnungen. Dabei kam es in keinem einzigen Fall zu einem direkten Hundeangriff auf einen Menschen..... (Quellenangabe: Hunde-Farm "Eifel", Günther Bloch, 2006)

zu 2. Kynologische Notizen zum Populationstrend in einem verwilderten Haushundbestand im Naturpark von San Rossore

Mit dem allseits gebräuchlichen Begriff "Straßenhunde", der zumindest in der englischen Sprache zwischen "Stray Dogs" (Streuner) und "Feral Dogs" (herrenlose Hunde) unterscheidet, verbinden die meisten Menschen wohl gedanklich jene städtischen Hundevertreter, die besonders in Süd- und Osteuropa jedem Besucher sofort auffallen. Ihnen allen wird pauschal unterstellt, sich quasi uferlos zu vermehren. Da der langfristige Fortpflanzungserfolg einer Spezies aufgrund der jeweiligen Umweltbedingungen stets deutlichen Schwankungen unterliegt, erscheint der oft verwendete Begriff "Überpopulation" aus biologischer Sicht unsinnig. Aus diesem Grund haben wir im Rahmen einer drei Jahre andauernden Verhaltensstudie zwischen Anfang Mai 2005 und Anfang Februar 2006 u.a. auch die Bestandsentwicklung in drei verschiedenen Hundegruppen untersucht. In dieser Zeit protokollierten wir die Präsenz von insgesamt 27 Hundeindividuen (20 Erwachsene und 7 Welpen). Dabei stellten wir fest, dass sich der Gesamtbestand in dieser Zeit um 33.33 % verringerte. Die Sterblichkeitsrate lag unter den Welpen sogar bei 71.43 %. Fazit: Im Gegensatz zu der Argumentation vieler Tierschützer und schlecht informierter Hundehalter, die unisono häufig den Begriff Überpopulation ungeprüft verwenden, um eine generelle Kastration aller "Straßenhunde" zu rechtfertigen, zeichnen unsere ersten Untersuchungsergebnisse ein sehr konträres Bild. Interessanterweise nahm der Bestand dieser verwildert lebenden Hunde sogar ab, obwohl ihnen täglich eine reichhaltige Futterquelle in Form von Nahrungsabfällen zur Verfügung steht. Natürlich gibt dieser Bericht hinsichtlich der Bestandsentwicklung der Hunde nur Auskunft über eine sehr überschaubare Zeitspanne von neun Monaten. Deshalb sind weitere Langzeituntersuchungen geplant. (Quellenangabe: Hunde-Farm "Eifel", Günther Bloch, 2006)

zu 3. Verhaltensbeobachtungen zur Nahrungskonkurrenz zwischen verwilderten Haushunden, Wildschweinen und Rotfüchsen an drei Futterstandorten im Naturpark von San Rossore

Bei der Vorbereitung auf unsere im Mai 2005 begonnene Studie im Naturpark von San Rossore, deren Forschungsinhalt sich eigentlich nur auf die Dokumentation des Verhaltensinventars der dort lebenden Haushunde beschränkten sollte, sahen wir oft eine größere Anzahl von Wildschweinen und Rotfüchsen. Zu jener Zeit waren wir freilich nicht in der Lage, einen Verhaltenskontext zwischen der Präsenz von Wildschweinen und Füchsen und den im selben Gebiet aktiven Hundegruppen herzustellen. Da die Hunde aber von Tierschützern an drei verschiedenen Futterstandorten im Wald gefüttert werden, kam es dort naturgemäß häufig zu einer Nahrungskonkurrenz mit den Wildtieren..... (Quellenangabe: Hunde-Farm "Eifel", Günther Bloch, 2006)

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