Jump to content
Hundeforum Der Hund
Fantasmita

Wie trainiere ich Frusttoleranz?

Empfohlene Beiträge

Also wir sind zur Erkenntnis gekommen, dass unser Hund eine geringe Frusttoleranz hat. Dies gilt eigentlich nur für draußen, in der Wohnung ist das kein Problem.

Beispiel:

In dem Video zeigt sich die Situation, dass unser Hund nicht damit klarkommt, wenn einer von uns von ihm weggeht (draußen). Uns ist das besonders jetzt im Dänemarkurlaub aufgefallen aber auch im heimischen Umfeld ist es so, wenn einer von uns weggeht während man draußen zusammen läuft, dann reagiert unser Hund mit jammern und fiepen. Da wir auch mit Leinenaggression kämpfen hat seine geringe Frusttoleranz also weiterführende Auswirkungen.

Wir möchten diese nun erhöhen und suchen Ideen sie draußen zu trainieren (drinnen wie gesagt kann man da nix trainieren, da er dort null Anzeichen für Frust zeigt).

Futter vor die Nase halten und dann nicht geben funktioniert nicht, da er in der Situation einfach respektiert, dass er nicht dran darf.

Vielleicht habt ihr ja Ideen, wie man das trainieren kann.

Achso Impulskontrolle machen wir schon ... das haben wir eher wegen seines Jagdinstinktes angefangen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Huhu,

ich kenne den Begriff Frustrationstoleranz in einem anderen Zusammenhang. Mir ist das so bekannt, dass Hunde bei der Erarbeitung von etwas zu schnell aufgeben, wenn sie nicht sofort zum Erfolg kommen. Oder dass sie Übersprungshandlungen zeigen, anstatt alternative Handlungsweisen, die zielführend sind, zu überlegen.

Das, was der Hund auf dem Video zeigt, ist für mich etwas anderes. Er ruft seinen Familienmitgliedern hinterher und hadert mit dem Schicksal, dort angebunden zu sein, findet sich aber -wie ich finde- ziemlich schnell mit der Situation ab.

Leinenaggression ist häufig Unsicherheit und hat nichts mit Frustration zu tun. Auch ist die Aggression an der Leine oft vom Menschen verkehrt bestätigt oder verstärkt worden durch falsches Eingreifen, Zureden oder Leinenrucke.

Beim Zurückkommen mit Futter bestätigen kann bei manchen Hunden dazu führen, dass sie extrem angespannt warten. Ich würde weggehen und zurückkommen als das normalste von der Welt leben. Also ohne großes Bohei. Ruhig bestätigen, vielleicht nur über ruhiges Streicheln, wenn der Hund auch ruhig ist.

Frustrationstoleranz erhöht man insgesamt, in dem man kleine Aufgaben stellt, die in ganz kleinen Schritten immer zum Erfolg führen, ohne dass man hilft. Also ein Stück Futter unter ein Blatt Papier, das darf er sich dann holen. Dann das Papier etwas falten, neues Futter, dass es etwas schwieriger ist, dran zu kommen. Dann Futter einwickeln. Futter unter umgestülpte Becher.

Suchspiele, die am Anfang noch auf Sicht gespielt werden. Schwierigkeit langsam stärken.

Wenn der Hund so rumhibbelt, einfach Ruhe ausstrahlen. Nichts machen, nicht mit der Leine hantieren, zur Not auf die Leine stellen, damit man keine Signale sendet. Reize aushalten lassen, ohne auf den Hund einzureden. Woanders hin sehen, erst Aufmerksamkeit schenken, wenn der Hund total ruhig und entspannt ist. Entspannt er gar nicht, größeren Abstand wählen. Nie mit Futter bestätigen, so lange noch Anspannung herrscht, da man immer auch diesen emotionalen Zustand damit verstärkt.

Das wäre so das, was mir spontan einfällt.

LG Anja

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Hallo Anja,

vielen Dank für deine Antwort, die schon überaus informativ ist. Ich muss dazusagen, dass ich mich hier sehr kurz gefaßt hatte.

Nochmal zum Video: Dort ist eine Variante gefilmt. Wir sind wie gesagt im Urlaub drauf gekommen, dass da was nicht stimmt, da er dort auch in der Wohnung von Fenster zu Fenster rannte, wenn einer das Haus verließ und rumjippelte. Er kam dann auch erst zur Ruhe, wenn man ihn auf seinen Platz schickte.

Aus dieser Geschichte heraus haben wir überlegt, wie wir dran arbeiten können, dass er besser damit klarkommt, wenn einer von uns weggeht.

Wir haben dann verschiedene Varianten probiert ....

* Zigmal weggehen und wiederkommen ohne ihn zu beachten.

* Weggehen und wiederkommen und ihn - nach dem Partner - begrüßen.

* Ihn mit "bleib" ablegen, weggehen, wiederkommen, Partner begrüßen und dann ihn und Leckerlie rein (das ist die Video-Variante).

Wenn man einfach weggeht - ohne jegliche vorherige Ansprache, dann ist es total um ihn geschehen, dann flippt er vollkommen aus. Wenn man ihm vorher sagt "bleib" dann verhält er sich mehr oder weniger wie auf dem Video ... also gemäßigt.

Zur Leinenaggression: Die ist bei uns dadurch entstanden, dass er als Welpe/Junghund zu jedem Hund hindurfte ... als er größer wurde, war es von den Haltern von - vor allem - Kleinhunden nicht mehr so gern gesehen, dass er Kontakt aufnimmt. Wir haben uns dann dazu entschlossen, dass es grundsätzlich keine Kontakte mehr an der Leine gibt und daraus ist offensichtlich die Leinenaggression entstanden (Frust weil er nicht zu anderen Hunden kann?!). Erst noch gemäßigt und dann immer stärker, um nicht zu sagen extrem massiv. Wir arbeiten seit 5 Monaten daran und haben schon große Fortschritte gemacht aber natürlich dauert das noch. 4 Monate haben wir mit dem System "schau" nach Patricia McConell gearbeitet, sind aber null weitergekommen, da es natürlich länger dauert bis man es unter solch starken Reizen anwenden kann. Seit einem Monat arbeiten wir mehr oder minder (Kurzfassung), dass wir sein Verhalten ignorieren, ihn auch vermehrt solchen Situationen aussetzen und uns einfach "durchsetzen" unter Berücksichtigung einer gewissen Distanz zu anderen Hunden und haben schon sehr gute Erfolge erzielt.

Dies nur zur Komplettierung, weil es oben doch sehr zusammengefasst dargestellt ist.

@Mod

Danke fürs editieren. Jetzt weiß ich auch wie man die YouTube Videos richtig verlinkt.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Hm, naja, ich bin kein Hundetrainer, aber nach dem zu urteilen, was man im Film sieht, würde ich es nicht so formulieren, dass Euer Hund mit der Entfernung einer Person NICHT klarkommt.

Er kommt doch klar! Er jeidelt kurz rum, legt sich hin und ist ruhig. Gut, er ist angespannt, aber ich find da irgendwie nix Schlimmes dran.

Versteh Euer Problem nicht. Darf er es nicht doof finden, wenn einer von Euch weggeht?

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Kann es sein, dass Euer Hund insgesamt wenig Grenzen bekommen hat und nun lautstark sein vermeintliches Recht einfordert?

Ich halte gar nichts von diesen "schau" Geschichten bei starken Reizen, da der Reiz ja so niemals ausgehalten wird, sondern nur mit einem anderen überlagert werden kann.

Würde Euch gerne meine Führarbeit zeigen, die dem Hund durch den menschlichen Körper in Reiz-Situationen klare Grenzen setzt und ihm gleichzeitig vermittelt, dass Ihr die Situationen für ihn regelt.

Parallel wäre vermutlich ein Longiertraining ganz gut, bei dem auch Distanz geschaffen wird und gleichzeitig ein Tabu-Raum, während der Hund laufend Stress abbauen kann.

Vermutlich könnt Ihr das Weggehen und Wiederkommen üben bis zum Umfallen, die Ursachen dafür liegen erfahrungsgemäß in vielen kleinen Alltagsdingen, die den Hund zum Entschluss bringen, Euch besser nicht aus dem Auge zu lassen. Das würde zumindest erklären, dass er bei Kommandos eher bereit ist, das Warten zu akzeptieren.

Würde Euch gerne helfen, aber das ist so auf Ferndiagnose schwer möglich.

LG Anja

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Versteh Euer Problem nicht. Darf er es nicht doof finden, wenn einer von Euch weggeht?

Nicht bös gemeint aber ich verstehe deinen Kommentar nicht ;).

Das Video ist ein kleiner Ausschnitt von einer Situation wo wir schon mehrfach das weggehen geübt haben ;) glaub mir ... wäre es kein Problem würden wir nicht dran arbeiten. Wir konnten aber froh sein, dass die umliegenden Ferienhäuser nicht vermietet waren, so hat er teilweise geschrien ;) von daher kannst du ruhig glauben, dass es etwas ist, wo es Sinn macht dran zu arbeiten.

@Bärenkind

Ja leider ist das auf die Entfernung schwierig.

Kann es sein, dass Euer Hund insgesamt wenig Grenzen bekommen hat und nun lautstark sein vermeintliches Recht einfordert?

Nein so ist es nicht. Wie gesagt zuhause haben wir derartige Probleme nicht im Ansatz. Er hat auch seine klare Regeln, seinen Platz, hat uns nicht zu folgen, zum Spielen auffordern etc. Er ist zuhause sehr ausgeglichen und ruhig ...verschläft eigentlich den halben Tag und hört, wenn man das so sagen kann, wie eine 1.

Die Probleme sind nur draußen, auf den "kleinen" Gassigängen. Wenn wir im Freilauf sind, haben wir eigentlich auch keine Probleme ... er ist sehr sozialverträglich mit anderen Hunden, versteht sich mit nahezu jedem Hund, der Abruf funktioniert einwandfrei, er achtet selber drauf, dass er halbwegs in unserer Nähe ist. Auch da keine Probleme.

Wenn wir aber (an der Leine, er also nicht kann wie er will) die "kurze Runde" ums Haus machen, dann hat er so seine Probleme. Wenn wer weggeht jippelt er ... er kann sich dann auch gerne mal in die Leine schmeißen und jaulen .... wie gesagt die Leinenaggression und er ist auch sehr mißtrauisch anderen Menschen gegenüber wenn er an der Leine ist. Im Freilauf geht er auf Fremde auch zu (wobei er da wiederrum keine Leute ohne Hund????? mag) und läßt sich streicheln, mag das auch. An der Leine fixiert er gerne mal Leute die ihm suspekt erscheinen und will zu ihnen hinspringen... das läßt sich mit einem kurzen "Nein" unterbinden ... ist aber auch noch eine gravierende Baustelle von uns. Er ist übrigens 21 Monate alt.

Naja wir haben schon soviele Baustellen durch, da werden wir diese auch noch schaffen, wobei meine Vermutung halt darin lag, dass die Leinenaggression und das Verhalten gegenüber fremden Menschen an der Leine eventuell auch mit dem Verhalten zusammenhängt, wenn einer von uns weggeht ... ihn also verläßt. Oftmal erzielt man ja Erfolge bei der Arbeit (z.B. bei der Leinenaggression) wenn man nicht am Symptom sondern am Gesamten arbeitet und mir erschien dieses Verhalten als ein weiterer klärender Baustein.

Bei der Leinenaggression haben wir z.B. eine deutliche Verbesserung alleine dadurch bemerkt, dass wir ihn "Fuß" haben gehen lassen (an lockerer Leine). War eher Zufall denn Absicht aber hat schon sehr viel gebracht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Hmm. Der Rest Deiner Beschreibung passt in der Tat nicht zu dem, was ich so befürchtete...

Gab es denn an der Leine irgendwelche blöden Erlebnisse, wenn die Probleme hauptsächlich dort auftauchen?

Wenn ein Hund insgesamt eher unsicher ist, kann es natürlich sein, dass sein Weltbild im Urlaub massiv aus den Angeln fliegt. Gerade unsichere Hunde lieben klare Strukturen, die ja im Urlaub in der Regel nicht da sind. Es könnte also ein Sicherheitsproblem sein.

Also ein Hund, der zwar gelernt hat, gehorsam zu sein, sich aber nicht ausreichend gesichert fühlt.

LG Anja

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Nein er hatte auch nie ein schlechtes Erlebnis an der Leine.

Was ich noch vergessen habe, wenn er selber weggeht, d.h. er läßt Herrchen oder Frauchen hinter sich, dann ist alles in Ordnung (es ist ihm egal), es ist nur schlimm, wenn wir uns entfernen.

Ein Schisser ist er aber schon. Im dunklen z.B. merkt man ihm richtig an. Allerdings hat er ja alle Verhaltensweisen auch hier gezeigt ... nur sind sie im Urlaub halt noch extremer gewesen. Er reagiert allgemein auf geänderte Situationen und Umgebungen sehr angespannt, nervös, wachsam, etc.

Denkst du man kann das Training mit Bachblüten unterstützen? Eine (Verhaltenstherapeutin) Trainerin hatte uns mal das DHP-Halsband (oder wie das heißt) empfohlen, weil sie auch Ängste bei ihm gesehen hat, dass Halsband hat aber absolut null gebracht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Huhu Fanta,

Dein Hund braucht, so wie Du es beschreibst, eine starke Führung durch souveräne Handlungen seiner Menschen. Oft sind es, wie oben schon geschrieben, Kleinigkeiten im Alltag, wodurch wir den Respekt verlieren und die Hunde dann meinen, uns kontrollieren oder auch beschützen zu müssen.

Was dies nun bei Euch ist, kann ich beim besten Willen aus der Entfernung nicht sagen.

DAP-Halsbänder sollen eigentlich Stress mildern, weil sie die Hormone verströmen, die die Mutterhündin auch abgibt... Habe selbst keine Erfahrungen damit.

Bachblüten empfehle ich bei wirklich verhaltensgestörten Hunden, möglicherweise kannst Du damit etwas unterstützen, aber das sollte jemand beraten, der sich damit wirklich auskennt.

Meist ist es effektiver, am eigenen Verhalten die Fehler zu suchen und daran etwas zu verändern. Unsicherheiten haben viele Hunde... wenn sie einen sicheren Hundeführer haben, kommen sie damit meist gut klar.

Mein Bär ist übrigens auch nicht so furchtlos, wie die Rasse gerne beschrieben wird. Er hat seine Unsicherheiten vermutlich durch eine Schilddrüsenunterfunktion, die viele Jahre nicht erkannt wurde.

LG Anja

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

Hallo Anja,

vielen Dank nochmal für deine Antwort. Ja *seufz* die Führungssicherheit des Hundehalters. Wir haben uns schon, zu früher, um 180 Grad gedreht aber es ist echt schwer. In vielen Situationen sage ich mir "meine Güte warst du wieder blöd, dass hättest du besser so oder so gemacht" aber hinterher ist man ja immer klüger. Wir werden weiter an uns arbeiten und schauen mal, was wir bewirken können.

Lieben Dank für deine Vorurteilsfreie und produktive Hilfe.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag

  • Das könnte Dich auch interessieren

    • Frusttoleranz auf-/ausbauen?

      Hallo zusammen,   wir waren gestern in einem kleinen Rudel mit älteren Hunden unterwegs, im Freilauf und es war super. Sammy hat sich prima verhalten, respektvoll, deeskalierend und langsam. Ganz toll. Aaaaaber...irgendwann kam der Punkt, an dem es nicht nach seiner Nase lief, keiner wollte spielen und toben und dann fängt er an zu kläffen, vor lauter Frust. Wie kann ich das trainieren, dass er einfach auch mal was aushalten muss? Impulskontrolle, in Form von einfach auch mal auf

      in Junghunde

    • Wie trainiere ich, dass mein Hund sich nicht alles schnappen darf was herumliegt?

      Also, es geht mir um folgendes:   Bella (12 Wochen alte Appenzeller Sennenhündin) schnappt sich alles was wir aus versehen mal rumliegen lassen und schleppt es gleich in ihr Körbchen, sie hat also Beute gemacht. Fände ich jetzt nicht so tragisch, wenn sie dann nur draufrumkauen würde, auch noch schlimm genug, aber ich habe anderen Grund zur Sorge. Alles was klein genug ist, versucht sie nämlich schlichtweg runterzuschlingen, und das kann ganz böse nach hinten losgehen. Gestern hat sie eine Soc

      in Hundeerziehung & Probleme

    • Wie trainiere ich an Hunden vorbei zu kommen, ohne dass meiner hin will?

      Hallo, ich finde es ja sehr interessant hier, vielleicht kann mir ja jemand helfen: Wie bitte, kann ich trainieren, dass mein Hund nicht zu anderen hinzieht (ich weiß auch, dass sie dann nur konurren würde und evtl auch beißen) Habe keine Ahnung, wie ich trainieren kann, dass ihr das egal ist. Meist wird sie schon ganz lang und man merkt ihr richtig an, wie sie den anderen Hund fixiert. Wäre echt froh, wenn ihr mir helfen könntet und mir ist auch klar, das so ein Training nicht nach drei Wochen

      in Körpersprache & Kommunikation

    • Wie Frusttoleranz beim Hund erhöhen?

      Kira will ja zu jedem Hund hin und spielen und fängt dann auch das Piensen bzw. Bellen an, wenn ich nicht hingehe. Die Maus wurde ja schon mit 3,5 Monaten kastriert und ich nehme mal an, dass die vom Kopf her da einfach noch wie ein Welpe gepohlt ist. Wir haben dann probiert auf und ab zugehen und wenn sie ruhig ist, dann geht es zu dem anderen Hund ist. Das klappt auch ganz gut,...das Problem ist, dass diese Vorgehensweise fast nicht praktikabel ist, da fast kein anderer Hundehalter das mitmac

      in Hundeerziehung & Probleme

×
×
  • Neu erstellen...

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie zu, dass wir Cookies verwenden, um unser Angebot zu personalisieren. Mehr erfahren.